Freitag, 18. Juli 2008

Weltuntergangsimpressionen

Es gibt nichts spannenderes, als während eines Gewitters beim Heurigen am Reisenberg zu sitzen und zuzusehen, wie vor den eigenen Augen Wien quasi verschwindet. Zusätzlich hat man einen tollen Blick auf alle möglichen Blitze, und es ist auch sehr beeindruckend, wenn man sieht, wie frisch geputzt die Luft über Wien nach einem Gewitter aussieht. Ängstlich darf man halt nicht sein, aber zur Not gibts da oben einen sehr leckeren Wein, mit dem übersteht man vieles.

Ah ja, ganz wichtig: Tisch reservieren (Terrasse überdacht) und flache Schuhe anziehen! Und nach 10 Uhr Abends nicht zu laut lachen, weil das mag der Nachbar dort nicht...

Samstag, 12. Juli 2008

nudelig...



RAmen

Freitag, 11. Juli 2008

Oh Herr, schmeiß' Hirn runter...

Eigentlich bin ich ein totaler Fan von Xing, früher auch als OpenBC bekannt. Ich hab Unmengen an Menschen über diese Plattform kennen gelernt, die ich nun nicht mehr missen möchte und die mein Leben täglich aufs Neue bereichern. Allerdings bringt Xing auch eine Plage mit sich... Personalberater...

Das Schöne am Xing ist, dass man sich sein Profil zusammenstellen kann. Und beim "warum ich auf Xing bin", kann man standardmäßig Häkchen setzen, was einen denn hier her treibt. Einer der Punkte ist "neuer Job" - und dort habe ich kein Häkchen. Eine andere Möglichkeit, um im Xing an Jobangebote zu kommen, ist, wenn man im Feld "ich suche" als Text "neue Herausforderungen" einträgt. Das ist sozusagen der inoffizielle Code für "bin eigentlich auf der Suche, trau mich aber nicht, das öffentlich ins Netz zu schreiben, denn mein Boss könnte ja über mein Profil stolpern". Auch diesen Text habe ich nicht in meinem "ich suche". Somit sollte es also auch für den intelligenzresistentesten Personalberater nicht die große intellektuelle Herausforderung sein: Julia sucht einfach grad nicht Job. Wer lesen kann, ist hier im Vorteil.

Es gibt natürlich immer wieder einige, die meinen "naja, aber vielleicht können wir Fr. Julia ja doch ein bisschen ködern". Der clevere Teil der Headhunter schickt daraufhin eine PM, auf die ich in der Regel sehr freundlich antworte, mich für das Interesse bedanke und höflich ablehne. Es ist auch schon vorgekommen, dass sich dann mit dem Personalberater eine kleine PM-Unterhaltung ergeben hat - sind ja auch alles nur Menschen.

Und dann gibt es die anderen...

Natürlich kann man im Xing neben dem Namen auch die Firma des Profilinhabers sehen. Mit Hilfe von Internet oder auch einem simplen Telefonbuch ist es also keine sonderliche Herausforderung, die Firmennummer heraus zu finden. Und da man ja den Namen des Profilinhabers auch weiß, schafft es die Telefonvermittlung in der Regel, die Headhunter zu mir durchzustellen.

Wobei ich mir ja schon insgeheim die Frage stelle: was erwarte ich mir als Personalberater, wenn ich einen potentiellen Kandidaten am Festnetz (!!!) zu Bürozeiten (!!!) im Office (!!!) anrufe? Wenn ich veränderungswillig wäre (was ich aber nicht bin), könnte ich am Telefon nur schwer sagen "ich kann grad nicht reden, können Sie mich bitte auf andere Art und Weise kontaktieren" - weil die ganze Abteilung das mitbekommen würde. Und ich würde wohl kaum ein Erstkontaktsgespräch mit einem Headhunter führen, wenn mir vis-a-vis mein Chef sitzt und die Öhrchen spitzt. Mein Spatzenhirn findet also "im Büro anrufen ist eine ganz, ganz schlechte Idee". Mein Standardsatz in diesen Fällen ist ein "danke schön, aber ich bin im Augenblick nicht daran interessiert, mich beruflich zu verändern".

Einige dieser Headhunter scheinen aber in ihrem früheren Leben Staubsaugervertreter, AWD-Berater oder Abonnementkeiler gewesen zu sein, und die werden dann nervig. Wenn mich jemand unaufgefordert anruft, mir unerwünschterweise einen Job anbietet und hinterher mein "kein Interesse" nicht akzeptiert, dann erwacht in mir ein leiser Grant. Wenn ich grantig werde, werde ich in der Regel etwas - na, unhöflich triffts nicht ganz - sarkastisch (gut, um Sarkasmus zu verstehen, bedarfs wieder einer gewissen Grundintelligenz, und ob die bei dieser Spezies Mensch vorhanden ist... egal). Wenn ich wildfremde Menschen am Telefon anknurre - auch wenn sie es noch so verdient haben, ja, geradezu darum gebettelt haben - fühl ich mich hinterher "angepatzt", weil ich ja eigentlich gerne ein netter Mensch bin, der zu Unbekannten nicht von vornherein unhöflich ist (ich fahr ja niemandem, den ich nicht kenne, zur Begrüßung mit dem Arsch ins Gesicht) - es ist einfach in meinen Augen furchtbar schlecht für mein Karma. Und wenn ich nach einem ungewollten Telefonat am Ende mit einem Karmadefizit dastehe, ist das für mich der klassische Anwendungsfall einer lose-lose-Situation.

Also nochmals die Frage: warum glauben einige Headhunter, dass es eine wirklich gute Idee ist, potentielle Kandidaten im Büro anzurufen?

Und falls jemand den ultimativen Abschreckungsspruch hat, den ich auf "ich über mich" schreiben könnte, dann bitte: nur her damit!

Montag, 7. Juli 2008

Mein erstes Mal...

Gestern hab ich auf besondere Art und Weise meine Unschuld verloren: ich bin das erste Mal als Sozia auf einem Motorrad mitgefahren. Und es war geil, geil, geil, geil, geil!!!!!!! Die Beschleunigung spüren, dieses leichte Schlenkern, wenn man sich in eine Kurve legt, der Fahrtwind... Das Allerschönste am Motorradfahren ist aber, dass man sich mit aller Kraft am Liebsten festhalten muss. ... und dieses "absolut keine Kontrolle über eine Situation haben und dem Fahrer blindlings vertrauen müssen" - und das mir, wo ich doch so ungern die Kontrolle aus der Hand gebe...

Ich hoffe, er macht sein Versprechen bald wahr und dreht mit mir eine Runde über die Höhenstraße...

Freitag, 4. Juli 2008

geht es nur mir so?

Wenn ich dieses Lied höre, muss ich immer an "Faust" denken:



Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zu Grunde gehn! Johann Wolfgang von Goethe

Donnerstag, 3. Juli 2008

ein schöner Morgen beginnt...

... nach einer viel zu kurzen Nachtruhe läutet der Wecker, der Restalkoholpegel vom Vorabend ist noch in den Bereich "bedenklich" einzureihen, und während man sich widerwillig im Bett räkelt und streckt, stellt man fest...

... dass man sich fast net rühren kann, weil frau in einem Anflug von "sportlichem Ehrgeiz" dem Liebsten zwei Tage vorher beweisen musste, dass man auch ohne ordentliche Technik - dafür mit entsprechendem Krafteinsatz - in der Lage ist, Verspannungen in seinem Rücken mittels Massage zu lösen...

Mit Muskelkater verkatert aufwachen ist echt super, vor allem, wenn der Muskelkater genau zwischen den Schulterblättern sitzt, wo frau sich selbst unmöglich mit Diana noteinschmieren kann...

Aber was ist schon ein ausgewachsener Muskelkater gegen das zufriedene Schnurren eines Mannes...

Und falls wer weiß, wie ich es in Zukunft besser machen kann - nur her mit den Tipps!

neulich bei einem Bier...

Julia (etwas irritiert): was meinst du mit "was machst du beim Blasen"?
Lilly: naja, gibst vorher die Zähne raus?

Gestern am iPod...

Ungeküsst

Liegt es am heißen Wetter, das den Geist so unendlich schläfrig macht, an der Tatsache, dass ich an chronischem Schlafmangel leide oder habe ich einfach das Universum im Augenblick nicht an meiner Seite? Tatsache ist, mir fehlt der Kuss meiner Muse… Es ist ja nicht so, dass in meinem Leben grad nicht lustige, erzählenswerte Dinge passieren würden. Ganz im Gegenteil, ich finde sogar, das Leben ist im Augenblick ausgesprochen nett zu mir und behandelt mich seit langem mal wieder so richtig, richtig, richtig gut. Aber daraus eine witzige Kolumne zu basteln? Dazu fehlt mir etwas die Inspiration…

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich im Moment einfach total glücklich und zufrieden bin. Und dass Sarkasmus und Zynismus, die beiden Raben, die auf meinen Schultern sitzen, von diesem Futter nicht wirklich satt werden. Ich habe das Gefühl, als ob ich im Moment soviel Ruhe und Gelassenheit ausstrahle, dass all die Absurditäten und die Dinge aus der Pleiten-Pech-und-Pannen-Show, die mir sonst mit schöner Regelmäßigkeit passiert sind, angesichts dieser Ausstrahlung den Retourgang einlegen und ihr Heil in der Flucht suchen.

Die Frage drängt sich auf: ja, zugegeben, mir geht’s sehr gut, aber interessiert das noch jemanden außer mich? Abgesehen natürlich von jenen Leuten, die mich „in real life“ kennen und die sich unendlich für mich freuen, dass die Unruhe, die mich in den letzten Jahren getrieben hat, gewichen ist, und ich entspannt und relaxed bin wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Ich laufe gut gelaunt und mit einem dicken, fetten Grinser im Gesicht durch Wien, und all die Kleinigkeiten, die mir sonst so über den Weg gelaufen sind, und die ich einfach nur aufklauben musste, mit ein paar Satzzeichen garnieren und die ich dann online stellen konnte, weichen mir aus. Oder ist es etwa so, dass die rosarote Brille, die unübersehbar auf meiner Nase prangt, einen Zynismus-ausblende-Modus hat, sodass ich all die absurden Dinge im Moment gar nicht sehen würde, selbst wenn sie vor meiner Nase auf und ab hüpfen, winken und laut dabei rufen würden.

Außerdem habe ich den Eindruck, als ob ich all die Geschichten auf die eine oder andere Art schon erzählt habe, dass ich dieses Klischee schon mehrfach gedroschen habe und das andere Bonmot schon in einem anderen Zusammenhang gebracht habe. Und ich finde es ja selbst auch immer schrecklich, wenn sich die Leute immer und immer wieder wiederholen und es selbst nicht merken, dass sie diese Geschichte schon zum 4.739. Mal zum Besten gegeben haben. Da fühlt man sich dann wie „und täglich grüßt das Murmeltier“ – nein, danke schön…

Zusätzlich frustriert es mich, wenn ich vor dem PC sitze und das leere Dokument anstarre, dieses virtuelle Blatt Papier, das mich regelrecht verhöhnt, weil ich es nicht schaffe, ihm etwas Witziges aufzuzwingen. Vor allem lasse ich mich ja auch selbst von meinem Ehrgeiz knechten, dass ich mir ständig beweisen möchte, dass ich ja locker (locker!) 1 ½ A4-Seiten füllen kann, ohne mich dabei zu wiederholen und dabei wie von selbst Intelligenz, Witz und Eloquenz versprühe… Und nun – Schaffenskrise… Vor allem, weil meine Worte ja vor meinem inneren Zensor gar nicht bestehen – ich möchte unterhalten, zum Nachdenken anregen, einfach 1 ½ Seiten lang aus der eigenen Realität entführen und in eine andere Realität einladen.

Aber würde meine Realität im Augenblick einen Fremden reizen? Ich genieße mein Leben im Augenblick genau so, wie es ist, bin unendlich glücklich, dass Mr. Right-for-this-moment mein Leben um Facetten bereichert, die es vorher nicht hatte, genieße dieses „einander noch nicht komplett vertraut sein, aber auch nicht mehr fremd“, aber auch dieses „es gibt keine gefühlsmäßige Unsicherheit“, weil ich weiß, dass er längere Zeit in meinem Leben bleiben wird.

Ich habe mich oft gefragt, was passieren wird, wenn dieses „von einem Date ins nächste stolpern und lauter Wahnsinnige dabei kennen lernen“ vorbei sein wird. Wird es dann jemanden interessieren, wie ich mit meinem Liebsten die Abende verbringe? Welchen Film wir uns im Kino angeschaut haben, wohin wir Essen gegangen sind, wie sich unser Beziehungsalltag entwickelt? Vielleicht sehe ich das jetzt sehr überspitzt, aber Alltag… das hat jeder selbst. Und vielleicht ist es für den Einen oder Anderen eine Beruhigung zu sehen, dass das Leben der Anderen genauso normal ist wie das eigene, ohne tägliches Drama und ohne Nervenkrieg.

Aber möchte ich über „Alltag“ schreiben? Schildern, dass ich müde aus dem Büro heimgekommen bin und wir uns dann zuhause nur vor den Fernseher verkrochen haben, jeder mit einer Flasche Corona in der Hand, Chips mümmelnd? 1 ½ Seiten mit Kochrezepten füllen, womit ich meinen Liebsten überrascht habe?

Nein, das fühlt sich für meine Ansichtssachen völlig falsch an…

Und von dem her wird es nun eine Änderung geben. Ich werde weiterhin auf dieser Seite schreiben. Aber die Beiträge werden mehr dem „klassischen Blog“ ähneln, vielleicht verirrt sich zwischendurch die eine oder andere Kolumne dazu – wenn wieder etwas passiert, womit man 1 ½ Seiten füllen kann, worüber man philosophieren kann, worüber man lachen oder sich ärgern kann. Aber da sich mein Leben geändert hat, muss sich auch die Plattform dazu ändern. Und Veränderung ist etwas Schönes, Positives… denn ohne sie gibt es keine Weiterentwicklung. Und wer möchte schon für den Rest seines Lebens am gleichen Fleck stehen bleiben?

Donnerstag, 26. Juni 2008

It's like thunder, lightning...

Seit letztem Wochenende haben wir es endlich, endlich offiziell: Sommer ist’s! Es ist schön warm, die Sonne sticht vom Himmel, und Caro und ich haben es sogar schon geschafft, baden zu gehen. Zusätzlich sind wir in Wien ja grad EM, wie es so schön heißt, die Touristen bevölkern unsere schöne Stadt, auf der Fanmeile und in den diversesten Public viewing Zones wird bei jedem Spiel Party gefeiert, und alle sind ausgelassen und gut gelaunt. Und viele, viele Autos sind mit bunten Fähnchen geschmückt (dafür gab’s extra einen Erlass vom Verkehrsministerium – denn die Beflaggung von Autos ist normalerweise nur dem Bund gestattet…).

So sehr ich auch den Sommer liebe, so sehr zipft mich eine seiner Nebenwirkungen an: Gewitter. Nicht, dass mir je bei einem Gewitter etwas Schlimmeres passiert wäre als bis auf die Knochen durchnässt zu werden… und wasserscheu bin ich ja zum Glück nicht. Aber trotzdem: vorher ist es drückend schwül, sodass es einem den Schweiß waagrecht bei den Poren raus treibt, die Stimmung ist elektrisch geladen, ebenso die Stimmung bei den Kollegen im Büro, wo ein klitzekleiner Funken zu einer gewaltigen Entladung führen kann.

Abgesehen davon werden die Sommergewitter in den letzten Jahren immer heftiger (oder bilde ich mir das nur ein?), und wenn es so richtig herzhaft zu hageln beginnt, bleiben weder Autos noch Fensterscheiben heil – von Dächern und Pflanzen ganz zu schweigen… Dazu Starkregen, sodass das kooperativste Dach zum Lecken beginnt und Anrufe in der Hausverwaltung, die mit meinem theatralischen „mir kommt das Wasser schon beim Plafond rein“ beginnen, mit einem lapidaren „solong’s eahna net in da Lamp’n steht, san se ka Notfoi“ beantwortet werden. Nein, Gewitter is’ nix schönes, macht nur Mist und Arbeit und Ärger.

Außerdem muss ich gestehen, dass mir die Tiere auch immer Leid tun. Ich erinnere mich noch gut an den Hund, den ich als Kind hatte. Es war ein ziemlich großer Hund, ein Teil Dobermann, der andere Teil Schäferhund, ziemlich Furcht einflößender Anblick… Und kaum war ein Gewitter im Anzug, hat sich dieses Riesenviech im hintersten Winkerl der Wohnung verkrochen, den Schwanz so eingezogen, dass die Schwanzspitze bei der Nasenspitze war, und hat gescheppert wie ein Kluppensackl. Dazu ein Augenaufschlag, der einem das Herz brechen könnte und ein Winseln zum Steine erweichen.

Mit meinen Katzen ist es jetzt nicht viel anders. Na schön, dem einen ist Gewitter so egal wie der berühmte Reissack, der in China umfällt. Aber der zweite verbarrikadiert sich im Vorzimmer, hasst dort Unwetter im allgemeinen und Gewitterstürme im speziellen wie die Pest und lässt sich weder durch Streicheleinheiten noch durch Leckerlies dazu bewegen, auch nur einen einzigen Schritt in Richtung Wohnzimmer zu machen – da kann das Frauchen tausendmal schwören, dass sie den armen schwarzen Kater eh vor allem Unheil beschützen wird, sicher ist sicher, und keine Katze, die etwas auf ihre sieben Leben hält, würde nur eines für das unsichere Versprechen eines Menschen aufs Spiel setzen. Sobald das Gewitter dann irgendwann vorbei ist, kommt der Kater wieder aus seinem Versteck vorgekrochen und muss mir dann in allen Einzelheiten berichten, was er in der vergangenen schrecklichen Zeit alles erlebt hat, und wie heroisch er dieses Leid überstanden hat – auch das muss man mal durchdrucken, vor allem, wenn er seine Heldentaten mitten in der Nacht, wenn ich schon den Schlaf der Gerechten schlafe, mit mir besprechen muss.

Gestern sind wir Wiener ja wieder in den „Genuss“ eines heftigen Gewittersturms gekommen, sodass sogar die Fanzone am Rathausplatz geräumt werden musste, Unterführungen standen unter Wasser, ebenso zahlreiche Keller, und wir haben wieder mal den Weltuntergang geprobt – immerhin hatte alle Welt etwas von unserem Unwetter, zumindest jener Teil der Welt, der Fußball interessiert ist, denn durch das Unwetter, das über Wien tobte, ist die Liveübertragung des gestrigen Matches auch einige Male ausgefallen. Ich bin um meinen doch verdienten Schlaf gekommen, weil der Regen gegen die Fenster geknallt hat und Sturm und Donner einander einen Wettkampf geliefert haben, wer lauter ist. Völlig unnötig…

Und auch heute hat sich der Tag sehr gewittrig entwickelt. Zwar nicht heiß, aber schwül, die Luft steht, alles lädt sich auf, bei jeder Bewegung fließt der Schweiß in Strömen über den Körper. Am Nachmittag dann der erste starke Regenschauer, dazwischen eine Pause, gerade lange genug, um halbwegs trockenen Fußes heimzukommen.

Und jetzt daheim? Ich sitze vor meinen offenen Fenstern, beobachte, wie die Sonne den stark bewölkten Himmel gelb färbt, höre das Prasseln des Regens und sehe den Blitzen zu, wie sie über den Himmel tanzen. Lediglich der Regen und der Donner sind zu hören, kein Vogel ist zu sehen, kaum Straßenlärm... Die Stimmung ist beinahe mystisch, fast wie in einem Fantasyfilm. Später färbt der Sonnenuntergang den Himmel in verschiedenen Rotschattierungen und ich kann beobachten, wie die tiefer liegenden Wolken langsam über den Himmel ziehen. Der Wind ist angenehm kühl und die Luft fühlt sich an wie frisch gewaschen.

Gut, der Kater sitzt wieder im Vorzimmer und hasst die Welt, und ich glaube, die 22 Mann, die gerade im Happel-Stadion dem runden Leder nachlaufen, sind von der Wetterlage auch nicht sonderlich begeistert, von den tausenden von Menschen in den Fanzonen ganz zu schweigen. Aber gegen gestern ist das heutige Gewitter fast friedlich und wirkt irgendwie beruhigend (zumindest in meinem Teil von Wien) – vielleicht überdenke ich meine Abneigung gegen Sommergewitter noch einmal…

Mittwoch, 18. Juni 2008

Transporter

Oder: Wie sie in Highheels unfallfrei eine Glühbirne auswechseln

Jeder Mensch, der ein kleinwenig in der ach-so-beliebten Selbstreflexion geübt ist, hat ein mehr oder weniger akkurates Bild von seinen Stärken und Schwächen. Dass ich in Sachen Technik ein ziemliches Ei bin und regelmäßig einen Kleinkrieg gegen die diversesten Elektrogeräte in meinem Haushalt führe, habe ich auf dieser Seite schon in schöner Regelmäßigkeit dargelegt. Aber abgesehen davon, dass ich mit Wechselstrom am Kriegsfuß stehe, habe ich zusätzlich noch einen genetischen Defekt: mir fehlt das Hausfrauengen…

Meine Toleranzgrenze, was Dreck und Unordnung angeht, war schon als Kind sehr hoch angesiedelt – sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die bei jedem Vorbeigehen an meinem Zimmer die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat. Und konnte ich damals noch das Argument vorbringen, dass die vielen, vielen Sachen in dem winzigkleinen Zimmer einfach nicht genug Platz fanden, so muss ich mir – seitdem ich eine eigene Wohnung und somit über die großartige Fläche von 64 m² de facto die Alleinherrschaft habe – eingestehen, dass ich nun einen gewissen Argumentationsnotstand habe. … denn Platz wäre ja nun genug da, bloß der Wille, Ordnung zu halten, ist nicht sonderlich stark ausgeprägt. Staub wischen, Staub saugen, Fenster putzen – wie sinnhaft ist das ganze, wenn es kurz danach entweder regnet, und die Fenster wieder verdreckt sind, oder die Katzen sich nach dem Staubsaugen einen Kampf liefern, sodass alles wieder mit ihren Haaren bedeckt ist… Eben… Aber Defizite sind dazu da, dass man sie beseitigt, und man bekämpft sie ja bekanntlich am Besten, indem man sie erkennt und sich ihnen stellt, aus diesem Grunde habe ich seit bald fünf Jahren eine gute Seele im Haushalt, meine polnische Putzfee, die einmal pro Woche meinem Chaos hartnäckig zu Leibe rückt.

Ein dunkler Fleck hält sich aber seitdem ich in meine Wohnung eingezogen bin, beharrlich: das Wäsche waschen. In meinem Haus gibt es im Keller eine Waschküche, mit Waschmaschine und riesigem Wäschetrockner, und einem Kalender, wo man sich eintragen kann, wann man denn gerne waschen möchte. Das Problem an diesen Kalendern ist jedoch: wer zuerst kommt, mahlt zuerst… Und somit habe ich den Sonntagvormittag als Waschtag ausgefasst. Seien wir ehrlich: was gibt es schlimmeres, als sich am Sonntag aus dem Bettchen zu quälen, um die Schmutzwäsche in den Griff zu bekommen? Wochenenderholung? Vergiss es…

Als unlängst ein Mitglied meiner Familie von uns gegangen ist, tagte der Familienrat und beschloss einstimmig, dass ich die Waschmaschine erben sollte. Die ist zwar nicht mehr neu, aber sie tut, was man von ihr erwartet: nämlich Wäsche waschen. Also habe ich mich darüber gefreut, dass ich nicht die Mikrowelle oder die Kaffeemaschine zugesprochen bekommen habe, sondern etwas, mit dem ich wirklich etwas anfangen kann: eine süße kleine Babynova, die klein genug ist, um auch in meinem Badezimmer unterzukommen.

Leider fliegt die Waschmaschine nicht von alleine zu mir und der Fundus an schleppwilligen Männern ist auch nicht der Größte (Freundinnen hätten sich lustigerweise zuhauf gemeldet), aber dankenswerterweise bietet sich der Beste aller Freunde an, um mir in meiner Misere zu helfen. Also verabrede ich mich mit Christian, um das Projekt „Waschmaschine zu Julia transportieren“ in Angriff zu nehmen. Zuerst allerdings düse ich zu meinen Eltern. Da die Waschmaschine im 3. Stock (natürlich ohne Lift) steht, schnorre ich von meinem Vater eine Transportrodel. Der Plan ist simpel: Waschmaschine auf die Rodel wuchten, Christian balanciert das Ding die Stiegen runter, ich gehe vor und stütze das Trum, und am Schluss laden wir alles in mein Auto ein.

Tjooooo, schmecks, mei Herzerl, weil auch, wenn mein Clio in seinem früheren Leben ein Kleintransporter gewesen ist, aber eine Überdimensionsgroßbaustellengewaltrodel passt nicht rein – selbst mit alle möglichen und unmöglichen Sitze umlegen, einfädeln und gut zureden habe ich keine Chance – die Rodel geht einfach nicht rein. Also Plan b) in die Tat umgesetzt und ein Brettchen mit vier Rollen mitgenommen, damit wir die Waschmaschine wenigstens auf der Geraden schieben können.

Mit dem Brettchen im Auto düse ich in den 18. Bezirk – bekomme dort natürlich keinen Parkplatz in der unmittelbaren Nähe, sondern irgendwo „am Berg“ und stapfe mit Christian in die Wohnung. Die Waschmaschine ist zum Glück nicht sonderlich schwer – aber unhandlich… Und so schnell kann ich gar nicht schauen, rutscht sie etwas und einer meiner Fingernägel verabschiedet sich mit viel Schwung. Autsch!

Dann quetschen wir uns gemeinsam mit der Waschmaschine durch das enge Stiegenhaus, keuchen die drei Stockwerke bergab, verfrachten die Waschmaschine zu ebener Erde auf das Rollbrettchen und rollern damit Richtung Straße. Dort muss ich mein Auto erst mal holen, dann die Waschmaschine einladen, zu mir fahren, dort feststellen, dass kein Parkplatz vor dem Haus frei ist, ergo „halblegal“ das Auto abstellen und hoffen, dass die gesamte Exekutive auf beiden Augen blind ist und keiner der Anrainer rachsüchtig, Waschmaschine ausladen, dankbar feststellen, dass bei mir der Lift funktioniert und wir das Ding nicht fünf Stöcke nach oben schleppen müssen und die Waschmaschine ins Bad stellen. *keuch* - und dann tieeeeeeeeeeef durchatmen…

Da ich sehr risikoavers lebe, organisiere ich einen Installateur, der mir die Waschmaschine zum stolzen Preis eines schönen Paars Damenpumps anschließt (ich mag ja nicht ausprobieren, ob meine Haushaltsversicherung das mit dem Wasserschaden wirklich abdeckt), versuche, aus der Bedienungsanleitung halbwegs schlau zu werden, und endlich, seit über 12 Jahren, bin ich nun eines… waschautark… So einfach bin ich in Wahrheit glücklich zu machen…

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