Beständigkeit... vielleicht eines jener Dinge, die wir im Leben ganz besonders erstrebenswert finden. Und auch ich gestehe, dass ich in einigen Bereichen ein ziemlicher Monk bin, der es partout nicht ausstehen kann, wenn etwas, woran ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt habe, auf einmal geändert wird. Vielleicht bin ich damit langweilig, aber ab und zu mag ich es in meinem Leben, wenn mich täglich (oder sagen wir besser: regelmäßig) das Murmeltier grüßt.
Zum Beispiel bringt der mittlerweile beendete Autorenstreik in den USA meinen Montagabend extrem durcheinander: kein Grey’s Anatomy und kein Private Practice bis zum Herbst. Dabei haben wir doch grad erst mal Frühling, ich kann mich doch nicht Ende April schon auf den Oktober freuen, nein, das geht gar nicht. Und auch, wenn ich einige Folgen auf meinem Festplattenrekorder archiviert habe (der Großteil ist ja leider dem Festplattencrash im März zum Opfer gefallen) und mir auch die ersten Staffeln auf DVD quasi in Endlosschleife ansehen könnte, aber man will ja doch wissen, wie’s weiter geht, möchte mit Meredith, McDreamy, Addison und Pete mitleiden und mitfiebern. Außerdem finde ich es regelrecht ungewohnt, wenn ich am Dienstag nicht mit balkenartigen Augenringen im Office antanze sondern geradezu… ausgeschlafen bin (weil ich nicht bis nach Mitternacht wach bin, weil mich die Aufregung hellwach hält). Was für eine schockierende Erfahrung.
Das Zweite, das mir das Leben vergällen kann, ist, wenn von einem Tag auf den anderen mein Lieblingsparfum „delisted“ wird, um es auf neudeutsch zu sagen. Ich verwende seit ewigen Zeiten „by“ von Dolce & Gabbana und war letztes Jahr einem mittleren Nervenzusammenbruch nahe, als ich mitbekommen habe, dass die Parfumabteilung von D&G verkauft wurde, und der neue Eigentümer als erstes
meinen Lieblingsduft gestrichen hat. Um es mit den Ärzten zu sagen: dürfen die das? So viele mehr als nur fürchterliche Geruchsvarianten, die die Ausrottung durchaus verdient hätten, und was wird nicht mehr produziert? Mein heiß geliebtes „by“… Solche Meldungen können frau durchaus für drei Wochen die gute Laune verderben.
Aber als ob ich mit diesen Katastrophen nicht schon genug gestraft worden wäre, hab ich diese Woche erfahren, dass ich von noch einer Gewohnheit Abschied nehmen muss: kein Ö3 Wecker mehr mit Peter L. Eppinger…
Ich muss gestehen, ich hab schon als Kind und als Teenager jeden Tag in der Früh den Wecker gehört. Als ich dann mit meinem Ex zusammengezogen bin, musste ich mich auf „Radio Wien“ umstellen, da mein Ex darauf bestanden hat, diesen Sender zu hören (was tut frau nicht alles um des lieben Hausfriedens willen…). Und so muss ich zu meiner großen Schande gestehen, dass ich die glorreichen Zeiten eines Harry Raithofer und den Vignettenman überhaupt nicht aktiv mitbekommen habe. Als mein Ex dann vor vier Jahren ausgezogen ist, war das Erste, das ich getan habe, dass ich den Sender von der Stereoanlage umgeschaltet habe. Endlich wieder der Wecker in der Früh…
Mit der Zeit hat sich dann herauskristallisiert, dass ich eine Lieblingsstimme beim Wecker habe. Und auch, wenn ich jetzt die Mehrheit der Österreicher gegen mich habe, aber… es ist nicht der Robert Kratky. Seine Stimme knarzt mir in der Früh einfach zu sehr und außerdem hör ich am Morgen lieber die heimatlichen Klänge einer Wiener Stimme. Abgesehen davon hat sich’s der Robert Kratky mit mir im Herbst 2004 ziemlich verscherzt, denn da lief im ORF tagein tagaus seine Actimel-Werbung, mit dem Slogan „Komm, nies mich an“. Aufgrund der Tatsache, dass ich selbst laktoseintolerant bin (und man mich mit einem Actimel für mehrere Tage außer Gefecht setzen kann, soviel zum Thema „zwei Wochen zufrieden testen oder Geld zurück“), hätt’ ich jedes Mal, wenn ich den Spot gesehen habe, in den Fernseher schlagen können. Gut, ich hätte jedes Werbetestimonial verteufelt, das für ein Milchprodukt so exzessiv Werbung macht, in dem Fall hat halt der Kratky meinen geballten Konsumentenunmut abbekommen (ich nehme an, sein Ego ist groß genug, dass er mit dieser Tatsache leben kann). Und ich gestehe, ich hab bei meinem ersten Besuch in der
Wäscherei einen Lachanfall bekommen, als ich gesehen hab, dass ein Kellner dort mit einem Shirt rum lief, auf dem stand „Kratky hat mich angehustet“. Sei’s wie es sei, der Großteil der Fangemeinde darf mich nun steinigen, aber ich oute mich hiermit als Jeder-nur-nicht-Kratky-Fan und gelobe jedem zweiten Weckermoderator die ewige Hörertreue.
Nachdem ich nun seit doch über 2 Jahren den ganzen Tag über das Radio im Büro laufen habe, habe ich viele der Moderatoren mittlerweile gehört. Und habe über den ganzen Tag verteilt meine Lieblinge gefunden und auch jene, die ich eher entbehrlich finde. Als Frau hab ich natürlich zu den Männerstimmen eine höhere Affinität, das stimmt schon (auch wenn die Moderatorinnenriege allesamt eine ausgesprochen schöne Sprechweise hat und mit sehr angenehmen Stimmen vertreten ist). Über den Tag verteilt habe ich eigentlich nur einen Mann gefunden, der mir ebenso wie der Robert Kratky auf die Nerven geht: Andi Knoll.
… von demher ist’s ja jetzt fast schon ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ich jetzt sage, dass Zeitungsberichten zufolge Andi Knoll der Ersatz vom Peter L. Eppinger wird… Warum nicht Armin Rogl, oder Gerald Fleischhacker… aber nein, das Universum hat anscheinend entschieden, dass es für mich an der Zeit ist, dass ich mich von meinen lieb gewonnenen Morgengewohnheiten trenne und mir von sechs bis neun einen anderen Radiosender suche. Anyone any ideas?
drewshine - 25. Apr, 20:54
Es gibt kaum etwas, das uns im Leben so stark beeinflusst wie unsere Erwartungen. Geben wir offen zu: wir gehen nur sehr selten unvoreingenommen auf eine neue Situation oder eine neue Person zu. Und wenn man sich mit Freunden für den Abend verabredet, dann hat man meist eine gewisse Erwartungshaltung, wie wohl der Abend werden wird. Wenn man mit einer großen Runde an netten Leuten unterwegs sein wird, erwartet man, dass der Abend lustig wird. Eilt man einer Freundin in einer Liebeskummerkrise zur Hilfe, erwartet man, dass der Abend tränenreich wird. Und hat man am Samstagabend eine Familieneinladung mit der Großtante ausgefasst, dann erwartet man, dass es tierisch langweilig wird…
Die Crux mit den Erwartungen ist allerdings: sie treffen nicht immer so ein, wie man es sich vorstellt. Der coole Singleurlaub ins Luxusressort kann recht rasch zu einem langweiligen am-Pool-liegen-und-den-Sonnenschirm-anstarren verkommen. Die Firmenveranstaltung, wo man sich nur mit größtem Widerwillen hinschleppt, wird die Party des Jahres. Ich selbst habe ja die Erfahrung gemacht: wenn man sich auf etwas besonders freut, dann wird es ein lahmer Abend. Und wenn man irgendwo eigentlich gar nicht hingehen möchte, und man den inneren Schweinehund nur mit größter Mühsal davon überzeugen kann, dass man sich nun doch vom Sofa hochhievt und den Luxuskörper zu der ungeliebten Veranstaltung schleppt, dann wird der Abend wider Erwarten ein Knaller. Quasi eine Art „Antithese“ zu Murphys Gesetz „alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen“.
Ja, auch ich bin ein Mensch, der von seinen Erwartungen geknechtet ist. Es ist Freitagabend, und im Wiener U4 steht eine Falco Night an. Ich stehe dazu: ich bin ein Kind der 80er und ich vergöttere Falco – der Meister des Zynismus schlechthin. Und noch dazu in seinem früheren 2. Wohnzimmer – der Abend kann einfach nur genial werden. Also verabrede ich mich mit meiner Freundin Johanna zu einer Nacht im U4.
Wobei ich jetzt noch mit einem kleinen Outing überraschen muss: ich war vorher noch nie im U4. In meinen ganzen 34 Jahren in Wien habe ich es noch nicht geschafft, in dieses Kultlokal zu gehen (zu meiner Entschuldigung muss ich sagen: im Schloss Schönbrunn und der Hermesvilla war ich auch noch nie – einige Dinge in Wien gibt’s einfach nur für die Touristen). Zu der Zeit, wo STS in „Fürstenfeld“ von grünhaarigen Punkerinnen gesungen hat, war ich einfach noch zu jung für die Disco, und als ich endlich alt genug war, hat’s mich nimmer gereizt. … obwohl ich mich natürlich immer gefragt hab, ob mir dadurch etwas Wesentliches in meinem Leben entgangen ist, schließlich liest man ja auch immer wieder von extrem coolen Parties dort. Wie dem auch sei – gestern sollte dann die Nacht der Nächte sein, die mich von meinem U4-Jungfrauentum erlöst.
Außerdem hege ich ja einige Erwartungen. Es ist Falco Night, da wird das Publikum eher in meiner Alterskategorie angesiedelt sein und nicht bei U20. Und außerdem… ein bisschen träume ich ja davon, dass mir vielleicht etwas Süßes an dem Abend zuläuft. Nachdem es das Universum in letzter Zeit ja nicht immer so 100%ig gut mit mir gemeint hat, hoffe ich, dass es mich mit einem genialen Abend aussöhnen wird.
Als Johanna und ich so knapp vor 23 Uhr im U4 ankommen (zeitig dort sein ist nur was für Loser), stellen wir fest: eine Bank hat den Nebenraum angemietet und gibt dort eine Party. Was auf den ersten Blick als Vorteil wirkt, entpuppt sich in den nächsten 3 ½ Stunden als mittleres Debakel. Man kann es im Prinzip auf einen Satz reduzieren: Banker sind nicht sexy… Die Schnuckeldichte im U4 liegt unter der Wahrnehmungsgrenze und ist vermutlich nur mit ausgeklügelten statistischen Methoden erhebbar. Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass das übrige Publikum, welches das U4 bevölkert, auch nicht grad in mein Beuteschema passt. Nachdem Johanna mich in das Geheimnis einweiht, wann ein Mann zu jung für frau ist, um ihn zu daten – Lebensalter / 2 + 7 – stelle ich fest, dass einige der Burschen definitiv unter diese Altersgrenze fallen. Und kleine Fische lässt man ja bekanntlich wieder vom Haken und wirft sie zurück ins Wasser, damit sie noch ein bissl wachsen können.
Wenn man vom vorhandenen Angebot die Banker und die Milchbubis abzieht, was bleibt dann übrig? Naja, eigentlich nimmer sonderlich viel. Ein George-Michael-Verschnitt (inklusive Föhnwelle aus den 80er Jahren), ein paar Bodybuilder und einige Typen mit Hemden, die sie bis zum Bauchnabel aufgeknöpft haben, damit man ihre gesamte Goldketterlpracht in 3D bewundern kann. Selbst nach dem zweiten Vodka-Soda stellen Johanna und ich fest: da is nix g’scheits dabei.
Mein persönlicher Level ist zu dem Zeitpunkt erreicht, wo ich feststelle, dass die bei einigen Jugendlichen so beliebte Vokuhila (üblen Gerüchten zufolge: vorne Business, hinten Party – Einbildung ist auch eine Bildung…) auch den Sprung über die magische Altersgrenze von 20 Jahren geschafft hat. Die Vokuhila lebt! Und wenn ich bei unseren Teenagern noch „sie müssen sich selbst finden“ und „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ als Entschuldigung vorbringe (ich persönlich kenne niemanden, der in den 80er Jahren eine Vokuhila trug und der heute freiwillig die darüber existierenden Fotos herzeigt), rätsle ich, was einen Ü20 dazu treibt, sich aus freien Stücken so zu verunstalten.
Mein Fazit des Abends: einmal hab ich „Amadeus“ gehört (soviel zur Falco Night), zweimal bin ich von Typen angequatscht worden, die ich mir im Leben nicht interessant saufen könnte, und für’s Auge war auch nicht wirklich viel dabei. Und in meinen Ohren pfeift noch am nächsten Morgen der sanfte Tinnitus von der lauten Musik. Aber vielleicht ist es ja mit dem U4 wie mit dem Sex: das „erste Mal“ ist meistens eine Enttäuschung…
drewshine - 19. Apr, 11:47
Wenn es etwas gibt, das unserem Leben diese gewisse Beständigkeit gibt, die wir so lieben und schätzen, dann sind es die Fehler, die wir mit schöner Regelmäßigkeit begehen. Wobei ich bei dem Wort „Fehler“ mich immer frage: wer entscheidet eigentlich, ob ein Fehler ein Fehler ist? Gibt es eine kosmische Jury, die mit Wertungstaferln sitzt und darüber abstimmt, ob diese Handlung, die wir soeben gesetzt haben, eine 10 verdient, oder ob es doch nur eher eine laue 3 ist? Und kann man irgendwo gegen das Urteil Berufung einlegen?
Ist es ein Fehler, wenn man einem Mann unterstellt, er sei Mr. Right? Der Eine, der uns vom Universum zugedacht wurde, der uns so liebt, wie wir sind, an dessen Seite wir wachsen können und der es als seine Hauptaufgabe ansieht, dass er uns zum Lachen bringt, einfach, weil er die Grübchen an unseren Wangen dann blitzen sieht. Und was ist, wenn sich am Ende des Tages herausstellt, dass es sich bei besagtem Mann um Mr.-leider-doch-nicht gehandelt hat? War dann die Zeit, die man mit ihm verbracht hat, die man ihm quasi „geopfert“ hat, ein Fehler, denn wenn man sie nicht mit ihm verbracht hätte, dann hätte man ja vielleicht schon Mr. Right gefunden und würde im Happy ever after-Club tanzen.
Im Leben meiner Freundinnen gab es in letzter Zeit einige Mr.-leider-doch-nicht. Und ich hab immer gesessen und mit schöner Regelmäßigkeit gepredigt: lass es zu, dass es dir einen Tag lang dreckig geht, wenn du mich brauchst, dann bin ich da, verabschiede dich in deinem Innersten von deiner Liebe, trauere anschließend darum, und nach einer gewissen Zeit des Trauers schaust du nach vorne und lachst wieder. Ich habe virtuelle Tempo-Boxen verteilt, habe über alle möglichen Kommunikationsmittel ein Ohr zum Zuhören und eine Schulter zum Ausweinen angeboten und habe meinen Freundinnen alle denkbare Kraft zur Verfügung gestellt.
Tja, und heute stehe ich da und stelle fest, dass hinter meinem Mr. Right auch ein Mr.-leider-doch-nicht steckt. Ohnmacht. Wut. Das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen fortgerissen wurde und man in ein tiefes schwarzes Loch stürzt, ohne den Grund dieses Loches zu sehen, ohne zu wissen, was einen dort erwartet. Das Einzige, das beim Fall begleitet, ist Schmerz. Dieser tiefe Schmerz, der einem durch Mark und Bein fährt und der sich schließlich sein Plätzchen im Herzen sucht. Und der sich dort im Herzen so richtig wohl fühlt und der dafür sorgt, dass man so richtig hemmungslos schluchzt, all die Taffness, die uns sonst tagein, tagaus begleitet, ist auf einmal dahin und man wünscht sich nur, dass es gestern ist, als man „es“ noch nicht gewusst hat und den Traum vom persönlichen Prince Charming noch träumen durfte.
Und so sitze auch ich heute auf meinem Sofa und stelle mir die berühmten Fragen: warum? Warum bin es nicht ich? Warum sieht er nicht, wie unendlich toll ich bin und wie perfekt wir zueinander passen würden? Warum macht sein Herz nicht auch diesen kleinen Hüpfer, wenn er mich sieht, und warum kann er sich nicht für mich entscheiden? Bin ich denn nicht auch liebenswert? Wert, dass man mich so liebt, wie ich nun einmal bin, mit all meinen Macken, meinen Fehlern. Und da ist es dann, das böse Wort: Fehler. War es ein Fehler, die ganze Zeit ihm zu opfern? Hätte ich – wenn ich in dieser Zeit nur beide Augen offen gehalten hätte und meinen Verstand bei mir gehabt hätte – vielleicht meinen tatsächlichen Mr. Right getroffen? Ist Mr. Right nun auf ewig aus den Augen, aus dem Sinn?
Ich glaube nicht, dass ich meinen Mr. Right verpasst habe. Vielleicht habe ich ihn nur noch nicht als meinen Mr. Right wahrgenommen. Oder er läuft mir erst in zwei Wochen über den Weg. Und ich glaube auch nicht, dass meine Zeit mit Mr.-leider-doch-nicht ein Fehler war. Denn ich habe in dieser Zeit viel über mich gelernt, habe mich auch weiter entwickelt. Ich habe in dieser Zeit Geduld gelernt, habe gelernt, dass ich nichts erzwingen kann, nur weil es mir vielleicht grad so in den Kram passt. Und – hey – ich habe gesehen, dass ich in der Lage bin, mich Hals über Kopf zu verlieben, ohne Netz, ohne doppelten Boden, dass ich den Mut habe, Risiken einzugehen, auch wenn mir hinterher das Ergebnis vielleicht nicht gefällt. Aber ich kann sagen, dass ich es zumindest versucht habe.
In diesem Sinne habe ich mir alle Ratschläge, die ich in den vergangenen Monaten meinen Freundinnen gegeben habe, ins Gedächtnis gerufen. Ich habe meinen Plan A – mich sinnlos betrinken – verworfen. Gewiss, mir geht es heute dann gut, weil ich mich nicht mehr spüre, aber morgen ist der Schmerz von neuem da, und ich habe einen Abend verloren, wo ich meinen Schmerz aufarbeiten kann. Also habe ich mich Plan B zugewendet. Ich habe alle Tränen, die sich in den vergangenen Monaten in mir aufgestaut haben, fließen lassen. Ich habe es mir gegönnt, einmal nicht stark zu sein, sondern klein, verletzlich, verwundbar. Und ich habe mir ein Ritual gegönnt, um mich von meinem Mr.-leider-doch-nicht zu verabschieden. Ich habe das Foto, das ich seit gut einem dreiviertel Jahr ständig bei mir trage, in meinem Aschenbecher verbrannt, habe zugesehen, wie sich das Fotopapier schwarz verfärbt hat und das Gesicht des Mannes, dem ich mein Herz geschenkt habe und der es nicht wollte, langsam vom Papier verschwindet. Ich habe danach überlegt, ob ich das verbrannte Papier wohl wegwerfen soll, habe es dann aber für passender gefunden, die Asche beim Fenster raus zu streuen (und merke: auch in dieser Situation gilt die alte Seglerweisheit „mit dem Wind, nicht dagegen“ – ein großer Teil der Asche ist wieder auf meinem Fensterbrett gelandet). Und ich habe mich bei Mr.-leider-doch-nicht in Gedanken dafür bedankt, dass ich ihm für eine kleine Zeit mein Herz geschenkt habe, hab ihm für die schönen Stunden, die ich mit ihm verbracht habe und für das viele Herzklopfen, das davor und danach war, gedankt und habe ihm im Geiste „alles Gute“ gewünscht.
Jetzt werde ich mich wieder auf mein Sofa verkrümeln – in mir sind noch einige Tränen, die noch vergossen werden wollen. Morgen werde ich mir dann eine Augenmaske spendieren, um meine verquollenen Augen wieder halbwegs menschlich aussehen zu lassen. Und dann? Dann werde ich wieder mein Leben leben, und wer weiß, vielleicht gefällt es dem Universum, dass es mir meinen Mr. Right vorbei schickt. Verdient hätte ich es… finde ich zumindest.
drewshine - 27. Mär, 21:50
Die Fasten- und die Osterzeit ist für die Agnostiker unter uns zugegeben eine komische Zeit. Leute, die das übrige Jahr über durchaus vernünftig sind, verweigern plötzlich Nahrung und Alkohol, weil ja „Fastenzeit“ ist, überall finden Ostermärkte statt, auf denen es – im Gegensatz zu den Christkindlmärkten – keinen Punsch oder Glühwein gibt, sondern Osterschinken und Osterpinzen. Alle möglichen und unmöglichen Bräuche werden ausgegraben, junge Leute hüpfen über Osterfeuer und verletzen sich dabei an allen denkbaren Stellen… Am Gründonnerstag wird jedem in der Kantine Cremespinat aufgedrängt (dabei finde ich den soooooo grausig), und am Karfreitag gibt’s sowieso nix g’scheites zum Essen, weil’s ja der wichtigste Fasttag der Katholen ist. Nein, ich kann mich mit Ostern nicht sonderlich anfreunden, einzig die Tatsache, dass am Karfreitag und am Karsamstag die Glocken nicht läuten (weil sie ja der Legende nach zu urteilen in Rom sind), ist angenehm. Aber sonst…
Das Komplizierte an Ostern ist ja, dass es jedes Jahr an einen anderen Kalendertag fällt. Und zwar ist es vom Mond abhängig. Der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ich kann mit variablen Feiertagen nicht sonderlich viel anfangen, überrascht mich schon der Heilige Abend jedes Jahr auf’s Neue, und der findet ja – Gerüchten zufolge – regelmäßig am 24. Dezember statt.
Für mich hat Ostern aber noch einen negativen Beigeschmack. Meine Elektrogeräte schätzen anscheinend dieses „von uns gehen und nach drei Tagen wiederauferstehen“, und war es letztes Jahr mein
Fernseher, der am Karsamstag (natürlich nach dem Ladenschluss) von mir gegangen ist, so war es dieses Jahr mein quasi noch nigelnagelneuer Festplatten-DVD-Rekorder. Faszinierend, dass meine Elektrogeräte das mit den variablen Feiertagen besser im Griff haben als ich…
Mein Rekorder hat die ganzen Monate, die er nun schon mein Leben bereichert, immer ein bissl vor sich hingesponnen. Und ich gebe es ja gerne zu: dadurch, dass ich so ein technisches Nackerpatzl bin, bin ich gerne geneigt, allfällige Fehler auf meine nicht-sachgemäße Bedienung zurückzuführen. So habe ich gute 4 Monate gebraucht, bis ich herausgefunden habe, wie man dieses Ding mit VPS programmiert. Habe ich doch vorher in dem Irrglauben gelebt, dass das Programmieren über die elektronische Programmzeitschrift, auch EPG genannt, von alleine alles richtig macht. Wobei das mit dem EPG auch nicht immer so hingehaut hat, wie es eigentlich sollte. Zwar hat das Kastl jeden Tag irgendwann brav am Display angezeigt, dass er sich grad die Daten holt, aber wenn ich dann ins Menü gegangen bin, war oft alles leer. Nix mit aufnehmen.
Vor knapp zwei Monaten ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass der Fehler unter Umständen doch nicht an mir liegt. Und zwar, als mein Rekorder eine Aufnahme in 5 oder 6 Teile gesplittet hat und da teilweise beim Abspielen stehen blieb oder die Bilder sehr großpixelig waren. Und auch die übrigen Aufnahmen durfte ich nicht mehr auf DVD runtersichern, da mein Schatz mir die Zusammenarbeit verweigert hat. Man soll sein Herz ohnehin nicht zu sehr an Fernsehsendungen hängen, also habe ich beherzt „Festplatte formatieren“ im Menü gesucht und die Platte mal formatiert. … und mich danach 2 Stunden damit beschäftigt, dass ich alles wieder so einrichte, wie ich es gerne hätte, von der Senderreihenfolge angefangen über EPG einrichten bis hin zum „Lieblingssendungen wieder fix einspeichern“.
So ein Käse. Vor allem, wo ich mich ja so ungern mit solchen Dingen beschäftige. Das ist der Augenblick, wo ich mir von ganzen Herzen einen Mann an meine Seite wünsche, der mir diese lästige Tätigkeit abnimmt. Aber – noch immer kein Mann in Julias Leben, ergo selbst ist die Frau. Und auch, wenn ich manchmal die Wuttränen nur mit Mühe runterschlucken kann und sowohl Fernbedienung als auch Bedienungsanleitung am liebsten in ein Eck pfeffern würde, aber da muss ich wohl selbst durch. Vielleicht ist es ja auch so, dass so eine Beschäftigung mit ungeliebten Dingen sich positiv auf mein Karma auswirkt, wer weiß…
Aber nach dem Formatieren hat mein Liebling eine Weile durchgehalten. Bis gestern. Gestern mache ich es mir vor dem Fernseher gemütlich, weil ich mir ja eine meiner Lieblingsserien, die ich am Sonntag verpasst habe, anschauen will. Und bis zur ersten Werbeunterbrechung klappt es ja auch problemlos, danach kommen wieder die mir schon bekannten Problemchen. Das Gerät stoppt beim Abspielen, großpixelige Bilder erscheinen, und – das Rücksichern der anderen Sendungen auf DVD wird stur verweigert. Resigniert schalte ich das Gerät aus (solange es sich noch bedienen lässt) und suche im Internet die Adresse vom Produzenten raus.
Heute früh rufe ich als Erstes an, der freundliche Techniker meint, ich soll das Gerät und die Rechnung vorbei bringen. Also mit Todesverachtung alle Stecker entfernen (und mich still fragen, ob ich die wohl je wieder in der richtigen Reihenfolge anbringen kann), Kastl und Rechnung schnappen und mich auf eine Expedition in den 23. Bezirk machen. Beim Pioneer angekommen, klage ich dem Techniker mein Leid, der meint „das klingt, als ob die Festplatte hinüber wäre“, Ende der Woche soll ich mich nochmals melden, ob sie mit der Reparatur schon fertig sind.
Na, dann hoffe ich mal das Beste. Vielleicht hat der Schutzgott der technischen Geräte ein Erbarmen mit mir armen, antitechnischem Würschtl, dass ich Ende der Woche wieder ein funktionierendes Gerät zurückbekomme. Vor dem Wiedereinbau bei der Stereoanlage hab ich jetzt schon reichlich Respekt. Ob mir da wohl wieder der nette Techniker hilft, der mir auch schon Ende Oktober beim Aufstellen geholfen hat?
drewshine - 25. Mär, 13:16
Den Fall kennt wohl jeder Österreicher: der Bürgermeister einer österreichischen Gemeinde findet ein Mon Cherie und eine Karte auf seinem Auto und isst am darauf folgenden Tag die Praline. Das Problem: die Praline war mit Strychnin vergiftet, der Politiker liegt seitdem im künstlichen Tiefschlaf.
Ich erinnere mich noch daran, als ich ein kleines Kind war, haben mir meine Eltern immer eingeschärft, dass ich unter keinen Umständen Süßigkeiten von Fremden annehmen dürfe. Und auch in Amerika – dem Land des Halloween-Wahns – werden die Kinder oft von ihren Eltern angewiesen, nur original verschweißte Süßigkeiten anzunehmen, da man nie davor gefeit ist, was Erwachsene denn in die Keks hinein tun.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Sogar Dirk Sternmann und Christoph Grissemann haben sich des Themas schon angenommen. An einem Donnerstag Abend sehe ich im Fernsehen, dass Grissemann vor einer Schüssel Mon Cherie sitzt und darüber rätselt, ob er wohl davon essen soll oder nicht. Und dass Stermann – als Grissemann sich endlich eine Praline in den Mund steckt – zu ihm sagt „du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…“.
Auch bei mir im Unternehmen hatten wir danach einen „Mon Cherie“-Fall. Neben einem Gangdrucker lag eines schönen Tages ein einsames Mon Cherie. Und das halbe Haus hat sich schräg darüber gelacht, dass die private Security das so überhaupt nicht lustig gefunden hat und einige Tage lang sehr nervös war. Und wenn mein Kollege wieder mal über die Handwerker flucht und sich fragt „ob ich denen wohl Mon Cherie schicken soll“ antworte ich jedes mal „aber nur, wenn du eine Karte dazu legst, auf der steht ‚du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…’“.
Ich frage mich, wie sich seit dem Zwischenfall im Februar die Absatzzahlen für Mon Cherie Pralinen entwickelt haben… Aber wie auch immer: uns ist nun allen klar, dass man in keinem Fall von Fremden Schoki annehmen soll.
Mitte dieser Woche finde ich in meinem Briefkasten ein kleines Päckchen von einem Personalberater, von dem ich mich vor einigen Jahren in die Kartei habe aufnehmen lassen. In meiner Wohnung angekommen öffne ich das Packerl und finde darin… nein, keine Mon Cherie, sondern eine Tafel Zotter Schokolade.
Ich gebe zu – wenn der Fall von dem Bürgermeister nicht gewesen wäre, hätte ich mich wie ein kleines Kind über die Schoki gefreut, hätte mich vor den Fernseher gesetzt und hätte die Tafel verputzt (soviel zum Thema „wir nehmen keine Süßigkeiten von Fremden an“). So aber ist mir etwas… unwohl zumute. Und ich sitze vor der Schokolade und frage mich „essen oder nicht essen“? Das Problem an Zotter Schoki ist nämlich, dass sie nicht so fest eingepackt ist wie andere Schokolade, dh, grundsätzlich könnte jeder sehr leicht die Banderole entfernen, die Verpackung öffnen, irgendwas mit der Schoki tun und dann alles wieder zumachen und so tun, als wär’ nix.
Vor allem frage ich mich, was jemanden reitet, dass er knapp einen Monat nach so einem Vorfall Schokolade verschickt. Liest der Betreffende keine Zeitung? Ich starre nach wie vor meine Schokolade an und frage mich „was will mir der Künstler damit sagen? Ist das die Rache, dass er keine Provision an mir verdient hat?“. Zusätzlich rätsle ich, ob Zotter-Schokolade wohl flüssig gefüllt ist (bei einer Feinbitterschokolade mit einer Füllung aus grünem Veltliner, Pfeffer und Schokolade – außerdem alkoholhaltig – ist es zumindest denkbar). Und ich zerlege das ganze Päckchen, ob vielleicht noch irgendwo eine kleine Karte oder ähnliches dabei ist (falls sich irgendwer noch die Frage stellen sollte: ja, ich habe nach der Karte gesucht, auf der steht „Sie sind für uns auch etwas ganz Besonderes“).
Kurze Zeit später schimpfe ich mich selbst für meine gesteigerte Paranoia – was soll denn bitte schön schon passieren? Auf der Banderole steht groß der Firmenname gedruckt, ebenso auf dem Packerl… gut, den Jungs von CSI würde wahrscheinlich ein Schokobröserl reichen, um im Fall der Fälle den Übeltäter dingfest zu machen – ich vertraue der Wiener Polizei und ihren Fähigkeiten bedingungslos und drapiere deshalb alle potentiellen Beweismittel malerisch am Couchtisch – sicher ist sicher…
Aber ich gebe zu, die Schokolade hat lange nicht so gut geschmeckt, wie sie hätte schmecken können, wenn dieses gewisse Unbehagen nicht da gewesen wäre… Und man reagiert auch sehr eigenartig: ist dieses kurze Räuspern wirklich nur ein Verschlucken oder sind das schon die ersten Anzeichen einer Vergiftung? Am liebsten wäre ich aufs Klo gelaufen und hätte mir den Finger in den Hals gesteckt…
Am nächsten Tag habe ich übrigens meinem Personalberater ein kurzes mail geschickt, in dem ich mich zuerst artig für das Geschenk bedankt habe, im zweiten Schritt aber zu bedenken gab, dass ich mich angesichts der Geschichte im Februar etwas unwohl dabei gefühlt habe. Sie haben sich ebenfalls artig für mein Feedback bedankt… bleibt nur zu hoffen, dass sie für diese Werbekampagne keine Werbefirma bezahlen müssen – die Honorarnote würde ich an ihrer Stelle nur mit sehr viel Widerwillen berappen…
Und dem betroffenen Bürgermeister wünsche ich alles erdenklich Gute und eine rasche Genesung.
drewshine - 16. Mär, 17:10
Anlässlich meines Jubiläums „400 Tage online“ habe ich mir einen Blogcounter gegönnt. Ja, ich geb’s zu, ich wollte meine eitle Neugierde befriedigen und wollte wissen, wie viele Leute sich denn eigentlich so im Laufe der Zeit auf meine Seite verirren. Sind es viele, oder sind es nur 2, 3 Stammleser, die mir da tapfer die Treue halten?
Der Blogcounter hat allerdings noch ein Feature, von dem ich nichts geahnt habe, als ich ihn eingerichtet habe: nicht nur, dass er die Besucher zählt und dokumentiert, welche Artikel gelesen wurde und wie lange der Besucher auf meiner Seite blieb, nein, er zeigt sogar die Google-Anfragen an, die den Besucher auf meine Seite geführt haben. Und – ich gestehe – ich habe seit Ende Februar ein neues Hobby: Blogcounterlog lesen und mich königlich über die Anfragen an Google amüsieren. Aus diesem Grunde präsentiere ich hier heute: Was Sie schon immer wissen wollten, bisher nicht zu fragen wagten. Oder auch: Fragen, die die Welt nicht braucht…
Die ersten paar Tage meines Blogcounters haben ergeben: wer immer sich gewundert hat, warum in der Joghurtwerbung mittlerweile Nackte herum laufen, dem sei gesagt: Sex sells… Wobei die Joghurtwerbung ja nahezu prüde wirbt: ein bisschen nackte Haut (was die mit Joghurt zu tun hat, sei dahin gestellt), eine schöne Frau… Im Internet ist die Sache ein bisschen anders. Hier werden die Phantasien ausgelebt, die man nicht mit jedem teilt.
Aber was führt die Leute denn nun haufenweise zu mir? Nun, ich glaube nicht, dass ich verklemmt oder prüde bin, aber… Was wollen die Internetuser vom Google-Orakel wissen? “Warum sehen Männer gerne Frauen beim pissen zu?“ – Gute Frage, ich habe keine Ahnung und ich gebe auch zu: ich mag’s gar nicht wissen… „Blasenentzündung bei schwulen Männern“ – sicher genauso schmerzhaft wie für Heteros, ich empfehle Preiselbeersaft trinken. „Mädchen pinkeln ins Bett“ – stell ich mir unangenehm vor, vor allem: das reinigen danach… „Wie pinkeln Mädchen“ – wo war das Problem im Biologieunterricht? Hamma g’schlafen oder mit dem Nachbarn getratscht? Und was ist so interessant dran? Egal, lieber User: üblicherweise im Sitzen, obwohl es auch einige unter uns gibt, die das im Stehen auch beherrschen. Wow – eine überraschende, weltbewegende Information… Ruft die UNO an, wir haben zwar den Hunger noch nicht besiegt und den Weltfrieden noch nicht hergestellt, aber wir wissen nun endlich, wie Frauen pinkeln. Das ist doch sicher Nobelpreis-würdig. „Mädchen pinkelt Klobrille“ – ich hoffe, sie verwendet hinterher WC-Papier, um die Sauerei wegzumachen. „Frauen pinkeln beim Schifahren“ – wenn, dann nur unabsichtlich. Außerdem müsste dann ja das Lied umgeschrieben werden, nicht mehr „zwei Spuren im Schnee“, sondern „drei Spuren im Schnee führ’n herab aus steiler Höh’…“. „Kann ein Mädchen im Stehen pinkeln“ – dass diese Frage so interessant ist… Ja!!!! Können wir!!!! Aber nur, wenn wir wollen. „Pinkeln in der Öffentlichkeit“ – sollte unter sehr hohe Geldstrafe gestellt werden… „Männer sehen sich gegenseitig beim Pinkeln zu“ – was ist da der Sinn dahinter? Will mann wissen, ob der andere besser bestückt ist? Ob er weiter pinkeln kann? Oder ob er besser zielen kann? „Mädchen im stehen pinkeln“ – die Frage hatten wir schon mehrfach… Unglaublich, wie viele Menschen sich von einem golden shower angezogen fühlen…
Was wollen die Leute sonst noch von Google so wissen? „Lesben Kitzbühel“ – statistisch gesehen wird’s auch dort die Eine oder Andere geben, sollte die sexuelle Orientierung etwa ins Telefonbuch aufgenommen werden? „Sanfte Domina“ – ja, wos jetzt? Sanft oder Domina? Könnt’s euch bitte mal entscheiden… „Mag Josh Hartnett dünne Frauen“ – wer immer die Frage gestellt hat: es ist unwahrscheinlich, dass du Josh Hartnett je begegnen wirst, egal ob dick oder dünn. Und es laufen schon genug Magersüchtige durch die Gegend, also hol dir bitte ein Buttersemmerl und iss… „Ich war mit Falco befreundet“ – schön für dich. Ich hab ihn mal live gesehen – bäh. „Villacher Schlampe“ – auch die wird’s geben, ich persönlich kenne keine. „Meine Ex die Schlampe“ – keine Sorge, du Koffer, sie spricht über dich auch nicht netter. „Shrek schwul“ – oh mein Gott, und die 7 Zwerge von Schneewittchen betreiben wahrscheinlich einen Swingerclub… stellt alle Zeichentrickfilme ab sofort unter den Jugendschutz!!!
Was wurde noch häufig gefragt? „Martens richtig einlaufen“ – gute Frage: ich hab das gemacht, was mir die Verkäuferin im Geschäft geraten hat. Zwei Paar Socken übereinander anziehen und die Dinger nicht jeden Tag tragen. Es gibt auch zusätzlich Martens-Pflege, die macht das Leder auch weicher. Ich hab für mich festgestellt: wenn ich mir je wieder Martens kaufe, dann werde ich mir die Comfort-Martens nehmen. „Wartungsfreie Autobatterien“ – sehr praktisch, gibt’s fast überall, einfach die Werkstätte des Vertrauens fragen. „Schal stricken“ – sehr dicke Wolle kaufen, noch dickere Nadeln, 20 Maschen anschlagen und sich dann einen netten Film ansehen.
Was hat die Mitmenschen (ich vermute hier mal: Frauen) noch bewegt? „Dating Regeln USA“ – sollten meiner Meinung nach dort bleiben. „Welche Vorsätze müssen Männer haben“ – ernst gemeinte!!! „Zweites Date wann“ – wer schon weiß, dass die eigenen Nerven nicht unbedingt die besten sind: am Ende des ersten Dates sagen „das war schön, das sollten wir wiederholen“. Wenn von der anderen Seite Zustimmung kommt, dann einfach nach ein paar Tagen anrufen. Wer findet, dass das Anrufen Sache des Mannes ist: viel Spaß beim Weiterleiden… „Date zu hause“ – ich würde davon ausgehen, dass er dann in jedem Fall Sex erwartet, also nicht wundern, wenn er dann sauer wird, wenn frau sich ziert. „Nach dem ersten Date, wer meldet sich zuerst“ – wer sich das noch immer fragt, darf sich nicht wundern, dass er immer noch Single ist. „Zweites Date“ – der Klassiker hier ist: Abendessen und hinterher Kino.
Die Frage – könnte ich mir zumindest gut vorstellen – kam sicher von einem Mann: „Wieviel verdient Robert Kratky“ – ich hab keine Ahnung, es ist mir auch ziemlich wurscht, ich gönne ihm jeden einzelnen Cent.
Und zu guter Letzt: „Maronischnitten“. Ich muss gestehen, ich backe die nicht, ich kaufe sie nur. Gute hat aber „der Mann“.
To be continued…
drewshine - 8. Mär, 16:05
Wir Menschen werden ja oft von der einen oder anderen Angst gebeutelt. Und es ist ja in Wahrheit unpackbar, wovor man Angst haben kann. Agoraphobie, Arachnophobie, Höhenangst, Flugangst – Ängste berühren uns in unserem tiefsten Inneren und sorgen dafür, dass uns die Gänsehaut aufsteigt, uns jedes verdächtige Geräusch zusammen zucken lässt, unser Magen sich verknotet und uns der Angstschweiß auf der Stirn steht. Nun, ich habe das Glück, dass meine Ängste recht gut domestizierbar sind. Ich habe zB Angst vor mir unbekannten Aufzügen, da kann ich zum Amüsement meiner Begleiter stocksteif werden und sehr irrational agieren – aber diese Angst ist noch nicht so stark ausgeprägt, dass sie mich behindert. Eine Angst gibt es allerdings, die mich von frühester Kindheit an begleitet: die Angst vor dem Zahnarzt…
Himmel, was habe ich als Kind die Zahnärztin doch gehasst. Und ihren Bohrer, und vor allem dieses kreischende Geräusch, das dieser Bohrer macht. Wenn dieses Geräusch nicht wäre, dann würde das Bohren beim Zahnarzt wahrscheinlich gar nicht so wehtun. Aber alleine bei diesem Geräusch sind alle meine Nervenenden zum Zerreißen gespannt und höllisch überreizt – ein Anstupsen genügt, und es schmerzt. Meine Angst vorm Zahnarzt hat mich soweit gebracht, dass ich regelrecht hysterisch wurde, wenn ich die Ärztin gesehen habe – was damit geendet hat, dass die Zahnärztin meine Mutter aus dem Zimmer geschickt hat und mir eine Ohrfeige verpasst hat. Ja, von da an war ich ruhig, das stimmt. Aber ich hab vor jedem Zahnarztbesuch alle Zustände bekommen.
Aber da ich ja in Wahrheit vom Glück geküsst bin (und die schönen Zähne von meinem Dad geerbt habe), sind meine Zähne – bis auf ein paar kleinere Löcher – gut beieinander. Ich habe sogar durch Zufall eine sehr nette Zahnärztin gefunden. Da Zahnbeschwerden ja grundsätzlich am Wochenende kommen, wo man sich mit 40 anderen Menschen in der Notpraxis zusammenpferchen kann, hat mir das Universum eine sehr einfühlsame, nette, junge Zahnärztin zugespielt, die ihr Handwerk eindeutig versteht und die sehr flink arbeitet. Und wenn man zufrieden ist, kann man ja auch zur Routineuntersuchung hingehen.
Hab ich schon gesagt, dass ich meine Zahnärztin sehr mag? Vor jeder Untersuchung wird ein Röntgen gemacht, das genau zeigt, ob irgendein Zahn von Karies befallen wurde. Und da ich ja ein bisschen in die Kategorie „Angsthase“ zähle, bekomme ich auch beim Bohren immer eine Spritze, damit es nicht weh tut. Eines schönen Tages stelle ich voller Stolz fest, dass mir mittlerweile sogar schon die Weisheit aus dem Munde sprießt. Dummerweise ist rundherum alles entzündet und schmerzt. Ich verstehe, warum Babies wie am Spieß brüllen, wenn sie zahnen. Und ich kann auch den Drang, auf etwas Hartem herumzukauen, nachvollziehen, immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich etwas in den Mund stecke und daran herumnage…
Als das Zahnfleisch zum x-ten Mal entzündet ist, erkundigt sich meine Zahnärztin „wie alt sind sie jetzt eigentlich? 33? Da sollten sie überlegen, ob es nicht klüger wäre, den Zahn ziehen zu lassen.“ Ziehen???? Einen gesunden Zahn, der ja nix hat? Nö, sicher nicht. Vielleicht brauche ich den ja mal, später… Ich mag ihn nicht hergeben. Und das Zahnfleisch wird sich irgendwann mal beruhigen. Ja, hat es auch, allerdings hat dann der Kiefer zu maulen begonnen. Denn – man soll es nicht für möglich halten, aber: für alle meine Zähne ist mein Mundwerk einfach nicht groß genug. Und so kommt es, dass ich am Heiligen Abend am Vormittag in der Apotheke stehe, mit schmerzverzerrtem Gesicht, und bettle „Schmerzmittel, bitte…“. Die Apothekerin sieht mich mitleidsvoll an „Weisheitszahn?“ – ich nicke. Sie meint daraufhin „ich auch, ich hab in zwei Wochen den Termin zum ziehen“. Nach einigen Tagen ist der Schmerz aber vorbei, und – wenn’s eh net weh tut, warum dann freiwillig zum Zahnarzt gehen? Letzten Freitag setzen um 14 Uhr (natürlich zu einer Zeit, wo meine Zahnärztin im verdienten Wochenende ist) die Zahnschmerzen ein – der Weisheitszahn schubt wieder mal. Ich halte mich übers Wochenende mit meinen bewährten Schmerztabletten über Wasser und rufe am Montag in der Früh als erstes meine Zahnärztin an. Und weil ich ja Schmerzen habe, schlägt die Assistentin vor, ich soll doch gleich am nächsten Abend kommen. So schnell… aber undankbar darf man auch nicht sein. Also gerne und herzlichen Dank, dass ich so rasch drankomme.
Danach plane ich, wie der Dienstag ablaufen wird: erst Office, dann zum Zahnarzt. Caro holt mich dort ab und bringt mich heim, damit ich nicht U-Bahn oder Taxi fahren muss, wer weiß, wie’s mir nach dem Reißen gehen wird. Denn die Assistentin hat ja am Telefon geschätzt „hm, schaut so aus, als ob er leicht rausgehen würde – sagen wir eine halbe Stunde“. Ich lade den iPod auf, damit ich mich von den Zahnarztpraxisgeräuschen wegstöpseln kann. Überpünktlich komme ich in der Praxis an und lasse dort auch noch das obligate Röntgen über mich ergehen. Dann, der Moment, wo der Aff’ ins Wasser hupft, wie meine Oma sagen würde. Ich werde in den Behandlungsraum gebeten. Die Zahnärztin erklärt mir den Eingriff und betäubt die betroffene Stelle. Ich stöpsle den iPod ein und versuche, mir vorzustellen, dass ich an einem tollen Strand liege. Das erste Lied ist noch nicht mal fertig und ich bin noch lange nicht an meinem Strand angekommen, als ich spüre, dass mir etwas in den Mund gesteckt wird und die Aufforderung kommt „zubeißen bitte“. Was, das wars? Das waren ja nicht mal zwei Minuten… Und ich hab ja gar nix gespürt. Die Zahnärztin lächelt mich an, drückt mir die Instruktion für die kommenden Tage in die Hand und gibt mir als Andenken meinen Zahn mit.
Und davor hab ich solche Angst gehabt? War doch alles gar nicht so schlimm. Und: sie hat gar nicht gebohrt…
drewshine - 5. Mär, 20:30
Wenn ich aus dem Fenster meiner Wohnung schaue, dann sehe ich, dass die Sonne scheint, höre die Vögel um die Wette zwitschern, und der Nussberg deutet schon einen Hauch von Grün an. Frühling wird’s in Wien! Und bei Temperaturen, die deutlich im Plus-Bereich sind, werden auch die Hormone wieder aus der Winterstarre wach, und in der Einen oder Anderen erwacht der Wunsch, sich zu verlieben. Frühlingsgefühle liegen in der Luft…
Wenn ich dann in meinen Posteingang, auf mein Handy oder in einige Internetforen blicke, dann sieht die Realität etwas anders und deutlich kälter aus. Meine Freundinnen verabreden sich, treffen sich häufiger mit einem bestimmten Mann, beginnen, sich Hoffungen zu machen… und fallen im Rekordtempo auf die Schnauze, während die Herren der Schöpfung sich schneller aus dem Staub machen, als frau „abgeblitzt“ sagen kann. Was ist passiert, sind alle „guten“ Männer vom Markt und müssen wir „übrig gebliebenen“ versuchen, mit dem verbleibenden Material zurande zu kommen?
Als ich noch die Hälfte eines Paares war, gab es einen Satz, den ich immer abgrundtief gehasst habe: „und, wo ist denn deine bessere Hälfte?“. Ein Satz, der immer mitschwingen ließ, dass man alleine unkomplett ist, unfertig, unvollkommen… Als ich dann doch schon ein Jahr Single war (in den Augen mancher Freunde also quasi „überfällig“ für einen neuen Freund), war die Frage dann: „und, schon eine neue bessere Hälfte gefunden?“. Wenn ich das dann verneint habe, dann wurde mir gerne unterstellt, ich wäre zu wählerisch. Oder – um es mit den Worten eines anderen großen Mistkerls zu sagen: „wer selbst nicht aussieht wie Angelina Jolie, darf auf keinen Brad Pitt hoffen“.
Muss ich mich mit dem begnügen, was für mich quasi „übrig bleibt“? Bin ich unter einigen recht selbstgefälligen Ehepaaren in meinem Umfeld das einzige Aschenputtel, das nach wie vor vor der Erbsenschüssel sitzt und zählt „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“? Bin ich dazu verpflichtet, mich in meinen Augen „unter Wert“ an den Erstbesten zu verkaufen, nur um das Schandmal „Single“ endlich von meiner Stirn wischen zu können? Besser irgendeinen als gar keinen?
Letztes Jahr hatte ich eine Phase, wo ich mir vor einem Date gedacht habe: wenn der nur halbwegs nett ist und ein bissl an mir interessiert ist, dann werde ich es mit ihm versuchen – selbst, wenn er nicht der Mann ist, der mir Herzerl in die Augen zaubert. Das Universum hat mich allerdings vor diesem Fehler bewahrt, indem es dafür gesorgt hat, dass wir einander bei dem Date nicht gefunden haben. Es kommt recht selten vor, dass das Universum so deutlich zu mir spricht, aber in diesem einen Fall war die Message klar „Mädl, das wäre ein riesengroßer Fehler – einen, den du später sehr bereuen würdest“.
Ich habe diese Botschaft verstanden. So bleibe ich vorerst weiter Single. Und ich finde das Singledasein im Großen und Ganzen ja nicht so schlecht. Gewiss, es gibt Dinge, die mir sehr fehlen. Am Abend heimkommen und von einem lieben Menschen nach einem beschissenen Arbeitstag einfach in den Arm genommen zu werden. Jemanden haben, mit dem man stundenlang herumknutschen kann. Ja, und auch der Sex fehlt mir. Aber der Knackpunkt an der Geschichte ist ja: ich will diese drei Dinge haben, aber mit einem Mann, der mir mit jedem Blick in die Augen den Boden unter den Füßen wegzieht und der dann hinter mir steht, um mich aufzufangen. Der mir, wenn er mich ansieht, das Gefühl gibt, dass ich in seiner Welt die umwerfendste Frau bin, und wer bitteschön ist diese Angelina Jolie? Dem ich blind vertrauen kann, weil er mir das Gefühl gibt, dass er mich so liebt, wie ich bin und nicht, wie ich vielleicht sein könnte.
Ich möchte für den Mann an meiner Seite nicht austauschbar sein. Nicht diejenige sein, die grad zufällig da war, und die nach dem 4. Mojito – im Halbdunkel betrachtet – eh nicht so übel aussieht. Nicht diejenige sein, mit der Mann halt ins Bett geht, weil sie grad da ist und willig ist und weil Sex ja doch etwas angenehmer ist als das Rendez-vous mit der rechten Hand am WC.
Und so denke ich mir, wenn ich den Satz lese „dabei wünsche ich mir doch so sehr einen Partner“: ja, ich wünsche mir auch einen. Aber halt nicht „irgendeinen“. Sondern einen besonderen Menschen, der mich respektiert. Der mich so nimmt, wie ich bin, auch wenn das für ihn manchmal eine Herausforderung bedeutet. Durch den mir, nachdem er in mein Leben getreten ist, bewusst wird, dass ich genau ihn schon mein ganzes Leben lang vermisst habe. Und dass er mich auf diese besondere Art und Weise ergänzt. Ich möchte nicht, dass er mich vervollständigt – ich bin schon so komplett, wie ich bin. Und ich will auch nicht seine Sonne sein, um die er sich dreht. Wie hat es schon Christina so schön gesagt: mag daran liegen, dass ich mich auf Podesten, auf die man mich stellt, unwohl fühle.
Einfach einen Menschen finden, der mich als den Menschen schätzt, der ich nun mal bin. Mit all meinen Vorzügen und Fehlern, die ich habe. Der mich nicht ändern möchte, weil ich eben nun mal so bin wie ich bin. Und der findet, dass genau das meinen Charme ausmacht. Im Gegenzug verspreche ich, dass auch ich ihn als „Gesamtkunstwerk“ sehen werde – mit all den Macken und Schrulligkeiten, die nun mal zu Kunstwerken so dazu gehören…
drewshine - 23. Feb, 17:31