Mittwoch, 13. Februar 2008

Cocktail

Jeder, der schon mal einen kurzen Blick in meine „worth to be addicted to…“-Liste geworfen hat, der hat eines festgestellt: ich habe ein sehr starkes Faible für Serien. Ich finde Serien toll: man lernt über einen gewissen Zeitraum die Charaktere kennen, findet seinen persönlichen Liebling in der Serie und kann dann mitfiebern und mitleiden. Und meine Leidenschaft für Serien begleitet mich schon durch mein ganzes Leben: im zarten Alter von fünf Jahren habe ich mir die Biene Maja und Wickie und die starken Männer gegeben, mit zwölf habe ich Michael Knight angeschmachtet (zu meiner Verteidigung muss ich sagen: das haben damals ALLE gemacht), und heutzutage sitze ich am Serienmontag gespannt und schaue mir Grey’s Anatomy und Private Practice an. Ab und zu stelle ich mir die Frage, ab wann eine Serie eigentlich eine Serie ist. Und da es ja irgendwo ein Urvölkchen gibt, das nur die Zahlen eins und zwei kennt – danach kommt für alle weiteren Zahlen „viele“ – übernehme ich diese Zählweise und definiere, dass für mich jede Geschichte, die mehr als eine Nachfolgestory hat, eine Serie ist. Und freue mich hiermit bekanntzugeben, dass es auch in den Ansichtssachen eine Serie gibt. Werte Leserinnen, werte Leser, hiermit präsentiere ich euch voller Stolz und mit einem kleinen bisschen Herzklopfen die Serie „das Mädchen und der Moderator“…

Angefangen hat ja alles ganz harmlos: wenn mich die Langeweile treibt und ich frustriert bin, dass in meinem Leben grad so gar nix Spannendes und Aufregendes passiert, neige ich dazu, dass ich über meine Langeweile und ihre Blüten in meinem Blog schreibe. In diesen Fällen kann es dann sein, dass das Universum mit seinem unnachahmlichen Humor meint „na schön, dann stoßen wir die Julia mal in eine ganz absurde Situation – damit sie nicht jammern kann, dass in ihrem Leben nix passiert“. Bei mir hat das Universum wohl gemeint „was passiert, wenn wir der Julia eine Cocktaileinladung von ihrem Lieblingsradiomoderator in die Hände spielen?“. Nun, da gibt es dann einige lustige mails und eine Einladung zu einer Veranstaltung in die Ottakringer Brauerei. Aber auf meine Frage, ob der Cocktail eigentlich noch aktuell ist, gibt's keine Antwort…

Naja, in solchen Fällen denke ich mir „ich hab eine lustige Geschichte bekommen“ und bin mit meinem Schicksal wieder versöhnt. Außerdem kann ich einige Wochen später der Klatsch- und Tratschpresse entnehmen, dass der Eppi nun eine sehr hübsche, süße Freundin hat – na, da wird er für mich keine Zeit haben, das sei ihm verziehen und ich wünsche ihm in Gedanken eine schöne Zukunft. Und finde es immer wieder witzig, wenn ich seine Stimme in der Früh höre, weil… jetzt hab ich ja der Person dahinter immerhin schon einmal die Hand geschüttelt. Als ich eines schönen Tages meine Erlebnisse in der Ottakringer Brauerei online stelle, bin ich auch so fair und schicke ihm den Link – falls ihm die Geschichte nicht gefällt, kann ich sie ja wieder löschen. Wobei ich mir den Disclaimer gönne „wenn ich von dir nichts höre, nehme ich mal an, dass die Story für dich ok geht“ – weil ich ja ohnehin mit keiner Antwort rechne. Und ich bekomme auch keine…

Viele Monate später, so um den Nationalfeiertag, werfe ich eines Morgens einen Blick in mein mailaccount und falle fast vom Sessel: aus heiterem Himmel ein mail von Peter, wo er unter anderem die Cocktaileinladung wiederholt. Damit hätte ich nun echt nicht gerechnet. Aber ich antworte natürlich „ja, können wir gerne machen“ und bin gespannt auf die Antwort. Und die kummt net, kummt net, kummt net…

Ich muss gestehen, solche Geschichten ärgern mich. Ich mein’, einmal in der Versenkung verschwinden, ok, aber zweimal… Und wenn ich mich über etwas ärgere, dann will ich auch, dass die Zielperson meines Ärgers davon etwas mitbekommt, still vor mich hinleiden ist nicht meins. Aber was tun bei einem Promi? Nämlich, ohne dass ich das Gefühl habe, ein Stalker oder ein Groupie zu sein. Ein mail schicken ist nicht sehr sinnvoll, wahrscheinlich stehe ich schon auf irgendeinem spam-Filter. Ein Eintrag im Gästebuch auf seiner Homepage? Und mich dort in die Reihe der enttäuschten Groupies einreihen? Nein, dann fühl’ ich mich erbärmlich. Es muss doch noch irgendwas anderes geben…

Das Thema „Peter L. Eppinger“ kommt natürlich auch regelmäßig in meinem Freundeskreis hoch. Und alle paar Wochen kommt von irgendjemandem die Frage „und, was ist jetzt mit dem Cocktail?“. Eines schönen Tages antworte ich meiner Freundin Lisa „weißt, ich hätt’ ja gute Lust, ihm die Zutaten für einen Tequila Sunrise mit der Post zu schicken – soll er sich das Klumpert doch selbst zusammenmischen…“. Mooooooment… das ist es!

Bei einem Blick auf die Zutaten eines zünftigen Tequila Sunrise und einem zweiten Blick auf die Preisliste der dazu notwendigen Alkoholika wird mir allerdings etwas schwummrig. Für so einen Spaß eine Flasche silver Tequila zu opfern, das ist mir dann doch etwas zuviel Geld zum Fenster raus geworfen… Praktisch wäre es, wenn es solche Cocktails in Dosen gäbe… Nach einem kurzen Abstecher zu Google stelle ich fest: es gibt Tequila Sunrise in Dosen – sogar in Österreich. Und da man sich ja bekanntlich für nichts zu blöd sein darf, bestelle ich zwei Dosen, und als die stillste Zeit des Jahres naht, wo man liebe Menschen mit einem Päckchen bedenkt, packe auch ich ein kleines Packerl, mit zwei Dosen Tequila Sunrise, einem Glas Cocktailkirschen, einem Packen Strohhalmen und einigen Cocktailschirmchen, schreibe eine sehr freundliche Weihnachtskarte und schicke das zum Radiosender – sehr zum Amüsement meines Postlers, der nach einem kurzen Blick auf den Empfänger – „Hitradio Ö3 z.H. Peter L. Eppinger – Persönlich“ sehr breit zu grinsen beginnt. Wobei die freundliche Weihnachtskarte eigentlich nur da ist, um die Kernaussage des Packerls – nämlich ein herzhaftes „… du mich auch!“ - etwas zu verschleiern. Denn wenn, dann möchte ich auch ein bisschen Spaß bei der Geschichte haben. Und male mir drei mögliche Szenarien aus, die passieren können. Szenario 1: er kriegt das Packerl, versteht den tieferen Sinn und rührt sich daraufhin nicht mehr bei mir – dann habe ich das letzte Wort. Szenario 2: er kriegt das Packerl, versteht den tieferen Sinn nicht und bedankt sich bei mir – dann kann ich mich wochenlang drüber amüsieren. Szenario 3: er versteht den tieferen Sinn und entschuldigt sich bei mir – dann hab ich diese Genugtuung. Also quasi eine triple-win-Situation. Ich reibe mir die Hände und bin stolz auf meinen Plan – und kann mir nicht vorstellen, dass es noch ein 4. Szenario gibt…

Einige Wochen nach Weihnachten maile ich eines schönen Freitagnachmittags mit meinen Freundinnen Caro und Lisa – frau braucht schließlich etwas Unterhaltung, wenn man so spät noch das Büro hütet, und das vor dem Wochenende… Und jedes Mal, wenn ich ein mail bekomme, achte ich gar nicht drauf, von wem ich das habe, sondern clicke einfach nur auf „öffnen“. Als also am Nachmittag ein mail hochplingt, denke ich mir nichts und lese… und stelle während des Lesens fest, dass der Inhalt des mails so gar nicht zu den mails passt, die ich vorher meinen Freundinnen geschrieben hab. Eigentlich passt auch der Betreff gar nicht dazu… „Du bist wirklich gut! :-)“ – und als Absender wieder mal die mir schon bekannte mailadresse des Rundfunks…

Peter schreibt mir also, dass er das Päckchen erst an diesem Tag bekommen hat (und ich bin in der Sekunde dankbar dafür, dass ich die Idee, auch eine Deko-Orange mit einzupacken, verworfen habe – die wäre ihm in allen Farben aus dem Packerl entgegengeschimmelt…), gibt zu, dass er sehr geschmunzelt hat und bedankt sich artig. Und ergänzt, dass er zu Silvester den Vorsatz gefasst hat, dass wir dieses Jahr unseren Cocktail schaffen müssen… Jaja, Schatzerl, den Schmäh kannst deiner Großmutter erzählen. Und auch, wenn ich das vergangene Silvester in der Nähe der Eppinger’schen Latifundien verbracht habe, ich hab mir um Mitternacht sicher nicht über ihn den Kopf zerbrochen. Insgeheim freue ich mich aber diebisch „er hat’s nicht verstanden…“. Also antworte ich auch ganz brav und artig, dass es mich freut, ihm eine Freude gemacht zu haben. Und dass ich mich ganz einfach überraschen lasse, ob das mit dem Cocktail wirklich was wird. Außerdem äußere ich die Befürchtung, dass diese Dosen sicher fürchterlich schmecken werden, aber Strafe muss ja schließlich sein. Als Antwort bekomme ich ein „wir werden diese Dosen gemeinsam leeren…“. Uah, das zählt dann wohl in die Kategorie „gefährliche Drohung“. Ich antworte also schon lachend „du, das soll für DICH eine Strafe sein, nicht für mich…“. Das wirft bei Peter die Frage auf, ob ich schon mal so eine Dose geleert habe. Denn besser wäre eigentlich eine Flasche gewesen, er selbst hat noch nie gehört, dass jemand zu jemand anderem sagt „Du bist so eine Dose!!!“.

Jetzt hat er es geschafft – ich schaffe es gerade noch, mich soweit zusammenzureißen, dass ich mich weder am Kaffee verschlucke noch dass ich ihn über den Flatscreen spucke. Die Lachtränen, die mir über die Wange kullern, kann ich allerdings nicht unterdrücken. Und während ich haltlos vor mich hinkichere, sehe ich, dass meine Kollegen nur noch leise den Kopf über mich schütteln. Chapeau, Herr Eppinger, der war echt gut! Womit wir also Szenario 4 hätten: den tieferen Sinn des Packerls verstanden – und herzhaft darüber lachen können.

Und da man mir bekanntlich die größte Freude macht, wenn man mich zum Lachen bringt und mir zusätzlich eine Wuchtl spendiert, bin ich nun wirklich neugierig, ob das mit dem Cocktail tatsächlich was wird. Wenn ja, dann könnt’s ein lustiger Abend werden…

Dienstag, 5. Februar 2008

40 Tage, 40 Nächte

Es gibt einige Tage im Jahr, die ich für absolut entbehrlich halte. Dazu zählen unter anderem der Valentinstag, der Superbowl-Sunday und Halloween. Die Mutter aller Unnötigkeiten ist in meinen Augen allerdings der Faschingsdienstag.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen den Fasching. Was mir allerdings gegen den Strich geht, ist die Tatsache, dass am Faschingsdienstag alle meinen, dass der helle Wahnsinn ausgebrochen ist, was für Normalsterbliche wie meinereiner, die auch an diesem Dienstag in Ruhe arbeiten wollen und die von Ansprechpersonen Auskünfte wollen, ziemlich lästig sein kann. In Kärnten ist der Faschingsdienstag anscheinend ohnehin der höchste Feiertag des Jahres und auch sonst bekommt man den ganzen Tag über sehr amüsante mails von Kollegen aus anderen Zweigniederlassungen, die sich freiwillig in extrem peinlichen Kostümen fotografieren lassen. Alle Welt hat Spaß. Alle Welt? Nein, ein kleiner, unbeugsamer Haufen trotzt dem Gruppenzwang der Lemminge und läuft nicht mit dem Faschingsumzug mit – sondern hackelt zur Abwechslung was.

Ein weiterer Grund, warum ich den Faschingsdienstag nicht mag, ist die Tatsache, dass er der einzige Tag im Jahr ist, wo ich mich für die Tatsache geniere, dass ich seit gut 30 Jahren in Döbling lebe. Döbling ist in einiger Hinsicht sicher mit Villach vergleichbar: beide so um die 60.000 Einwohner, beides an einem Fluss gelegen, beides mit ein paar Bergerl versehen. Und: sowohl Döbling als auch Villach haben eine eigene Faschingsgilde. Und jeder, der beim berühmten Villacher Fasching schon die Ohren anlegt und die Augen verdreht, wenn das Publikum zum 4.739sten Mal „Lei-Lei“ ruft, der soll sich stets vor Augen halten: es geht noch peinlicher. Der Kampfschrei der Döblinger Faschingsgilde ist nämlich – superoriginell – „Dö-Dö-Bling-Bling“… Ganz schlimm ist, wenn diese Tatsache alle Jahre wieder über den öffentlichrechtlichen Rundfunk verbreitet wird – dann lachen sich nämlich die übrigen 22 Bezirke kropfert über uns und wir armen Döblinger leiden. Nein, Faschingsdienstag ist definitiv nichts für mich.

An dem heutigen Faschingsdienstag ist eine Besonderheit im Tagesablauf: ein Arbeitskollege von mir hat Geburtstag. Das ist grundsätzlich immer etwas Erfreuliches, da es sich in unserer Abteilung eingebürgert hat, dass das Geburtstagskind was Essbares mitbringt. Also gibt es immer entweder Brötchen oder Kuchen und in besonders netten Fällen gibt es beides. Weniger erfreulich ist heute allerdings die Tatsache, dass die übrigen Kollegen Geburtstag mit Fasching verbinden, und mit trötenden Luftpfeifen durch die Gegend wandern. Unter normalen Bedingungen bin ich für so ziemlich jede Dummheit zu haben, aber da ich in letzter Zeit recht viel gearbeitet habe, und demnach übermüdet und überarbeitet bin (wenn ich noch ein bissl nachdenke, fallen mir sicher noch einige Verben ein, die mit „über“ beginnen), habe ich für solchen Krach keinen Nerv. Als mir ein Kollege freudig ins Ohr trötet, knurre ich ihm nur ein kurzes „was is’, hast heute Clown gefrühstückt“ entgegen. Und auch meine Drohung, ihm das Krachzeugs wegzunehmen und einen Knoten rein zu machen, fruchtet nicht sonderlich. Der Kollege trötet munter weiter, ich gehe mit jedem „tröt“ an die Decke und verbreite Misslaune. Wahrscheinlich werde ich eines schönen Tages für mangelnden Humor standrechtlich erschossen – ich überlege also, ob ich nun vorsichtshalber jeden Tag meine Schlafmaske einpacken soll, damit wir im Fall des Falles eine Augenbinde bei der Hand haben, und rätsle, ob mir die Kollegen wohl noch einen letzten Tschik gönnen würden.

Das gute am Faschingsdienstag ist allerdings: er endet um Mitternacht, und dann beginnt der Aschermittwoch – der offizielle Beginn der Fastenzeit, wo das närrische Treiben wieder ein Ende hat. Naja, vielleicht nicht überall – in irgendeiner oberösterreichischen Ortschaft wird der Karneval bis zum Mittag des Aschermittwochs gefeiert und anschließend eine Strohpuppe verbrannt – solche archaischen Rituale will ich aber gar nicht verstehen.

Aschermittwoch… der Tag, wo es in jeder Betriebskantine Heringsschmaus zu essen gibt. Der Beginn der Fastenzeit, wo man sich so als guten Vorsatz etwas vornimmt, auf das man 40 Tage lang verzichtet. Der Eine sagt, dass er das Rauchen einschränkt, der Zweite, dass er weniger Alkohol trinkt, der Dritte, dass er etwas abnehmen möchte. Nun, mit dem Rauchen werd’ ich mir als Nichtraucherin nicht allzu schwer tun, das zählt also nicht als Verzicht. Alkohol möchte ich nicht streichen, weil ich in der Fastenzeit Geburtstag habe und an meinem Geburtstag anstoßen möchte. Und Schokolade zählt im Augenblick in die Kategorie „Medizin“, die kann ich auch nicht streichen. Also habe ich mir überlegt: ich nehme eine Anleihe bei dem Film „40 Tage, 40 Nächte“ mit Josh Hartnett und werde 40 Tage lang auf Sex verzichten…

Jetzt könnte der wohlwollende Leser dieser Zeilen natürlich meinen „ok, Julia, und worin genau besteht jetzt der Unterschied zum restlichen Jahr?“. Ganz einfach, meine Lieben – in der inneren Einstellung… Wenn es das übrige Jahr eine lästige, nervige Tatsache ist, dass ich keinen Sex habe – diese 40 Tage werde ich bewusst keinen Sex haben und mein Zölibat regelrecht zelebrieren. Selbst, wenn auf einmal McDreamy vor meiner Türe stehen und darum betteln sollte. Ich habe meinen Entschluss gefasst und er ist unumstößlich: kein Sex in der Fastenzeit.

Und – wer weiß, vielleicht hilft es, das Universum auf diese Art und Weise ein kleines Bisschen herauszufordern. Denn wie hat es auch schon Annett Louisan so schön gesungen „so viele Dinge bekommt man erst dann, wenn man sie nicht mehr gebrauchen kann...“. Und falls doch McDreamy während der Fastenzeit in mein Leben tritt? Tja, dann, Darling, darfst du dich schon jetzt auf einen heißen Ostersonntag freuen…

Samstag, 26. Januar 2008

Wenn alle Männer Mädchen wär'n...

Ich weiß, der Titel dieser Kolumne ist sehr provokativ und lässt auf einen totalen Emanzeninhalt schließen, deshalb möchte ich gleich mal eines vorweg sagen: ich finde Männer toll. Sie bringen mich sehr oft zum Lachen, manchmal zum Weinen und ständig zum Grübeln und Nachdenken. Um es mit den Worten von Herbert Grönemeyer zu sagen „Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“. Und wenn frau mal durchschaut hat, wie diese Wunderwesen funktionieren, ist ja auch die Kommunikation watscheneinfach und es gibt kaum noch Missverständnisse zwischen den Geschlechtern. Ihr seid unglücklich, weil „er“ nicht auf ein mail oder ein SMS reagiert? Es ist so simpel – baut einfach eine direkte Frage ein. Der wohltuende Teil der Männer, die nicht in die Kategorie „Dampfplauderer“ zählen, findet nämlich, dass Informationen nicht kommentiert werden müssen und nur direkte Fragen einer Antwort bedürfen. Und wenn ihr nervös seid, weil er sich vor dem Date nicht rührt und ihr schon Angst hat, er hätte auf euch vergessen: nein, hat er nicht, und solange sich am Status-quo nichts ändert, gibt es auch keinen Grund, dass er vor dem Date nochmals anruft und nochmals bestätigt, dass es beim Termin bleibt. Wenn ihm hingegen was dazwischen kommt, dann meldet er sich zuverlässig. Was, Ladies, ihr glaubt mir nicht? Probiert es doch einfach mal aus…

Ich kann also sehr guten Gewissens sagen: Männer bereichern mein Leben. Gewiss, sie haben auch Macken und Schrulligkeiten und manchmal etwas eigenartige Angewohnheiten. Ich würde z.B. bedenkenlos einem anderen Menschen die Schlüssel und Papiere meines Autos in die Hand drücken, wohingegen mancher Mann die Meinung vertritt „my car is my castle“ und die Karre lieber irgendwo stehen lässt als jemand anders damit fahren zu lassen. Gut, darüber mag ich mich vielleicht wundern, aber wenn er’s so will, dann will er’s einfach so, und das ist für mich nichts, worüber ich mich ärgern oder lustig machen würde oder ähnliches. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Es gibt aber eine Angewohnheit, die einige Männer haben, die mich schlichtweg rasend macht: wildpinkeln. Und nein, ich leide nicht an einem unterdrückten Penisneid oder bin eifersüchtig, weil Männer im Stehen pinkeln können und ich nicht. Denn wenn ich mal das Bedürfnis gehabt hätte im Stehen zu pinkeln, dann hätte ich dafür ohne weiteres das pinkfarbene Urinal, das eine zeitlang im Einstein montiert war, ausprobieren können. So habe ich über dieses Ding herzlich geschmunzelt, aber ich habe keinen inneren Drang verspürt, es jemals zu testen.

Und während wir Frauen beim Weggehen oftmals einen etwas unentspannten Gesichtsausdruck haben – weil eben die Natur ruft und die Toilette aufgrund mangelnder Reinheit nicht sonderlich verlockend ist – und andächtig unsere Blase im Zaum halten, suchen sich Männer einfach den nächsten Baum oder die nächste Hauswand und verrichten dort ihre Notdurft. Ich habe einmal mit einem Mann darüber gesprochen, und er hat gemeint, das ist der letzte Rest des Tiers im Mann, dass er das Revier markiert. Ok, akzeptiert, einige Männer haben offensichtlich das Bedürfnis, sich wie die Hunde zu verhalten, aber könntet ihr dann bitte auch so freundlich sein, dass ihr euch zur Begrüßung auch gegenseitig am Hintern beschnuppert, dann kann man euch leichter erkennen und euch gezielt aus dem Weg gehen. Wobei – nein, das mit dem „am-Hintern-beschnuppern“, das wird nicht funktionieren, hätte diese Kategorie Mann doch sofort die Angst, man würde sie der Homosexualität verdächtigen, wenn sie auf einmal mit ihrer Nase am Hintern eines anderen Mannes hingen.

Wieder etwas, das wir Frauen nicht verstehen. Keine Frau würde sich weniger weiblich fühlen, wenn man ihr unterstellt, sie sei lesbisch. Aber ein Mann, bei dem man fälschlicherweise vermutet, er sei schwul, führt sich dann gleich auf, als hätte man ihn öffentlich kastriert…

Aber egal. Ich schlendere diesen Donnerstag zu nachtschlafener Zeit (nämlich gegen 22 Uhr) vom Büro Richtung heimwärts. Nach mehr als 12 Stunden im Office bin ich so müde, dass ich nicht mal den iPod einstöpsle, um mich vor der Umwelt etwas abzukapseln, ich will einfach nur noch heim und ins Bett. Als ich am 12. Februar Platz zur Straßenbahn marschiere, fällt mir ein junger Mann auf, der geraume Zeit vor einem Laternenpfahl steht und sich keinen Millimeter weg bewegt. Alle Fenster des Gemeindebaus sind geschlossen, also unterhält er sich auch mit niemandem. Was zum Teufel macht der Kerl da mitten auf dem Gehsteig? Auf einmal sehe ich die spiegelnde, sich ausbreitende Fläche zu seinen Füßen. Wenn es etwas gibt, das ich um 22 Uhr in der Nacht noch weniger ertrage als die Tatsache, dass mir da jemand quasi vor die Füße pinkelt ist es die Tatsache, dass der besagte junge Mann dafür das beste Stück des Mannes aus seiner Jeans hervorholen musste. Und beim Anblick eines blanken Penis um 22 Uhr auf offener Straße, da erwacht in mir der unverhohlene Wunsch nach einer öffentlichen Kastration.

Ich gebe zu, wenn ich nicht so hundemüde gewesen wäre, dann hätte ich dem jungen Mann sicher einen launigen Kommentar in Richtung „Schwanz ab“ oder „mach halt einen Knopf rein – ups, doch nicht, dafür ist er nicht lang genug“ an den Kopf geworfen. So habe ich lediglich meinen Schritt verlangsamt, um der direkten Konfrontation mit dem Penis zu entgehen – in müdem Zustand mag ich nicht mit einem Idioten streiten – schon gar nicht, wenn er dabei seinen Penis in der Hand hält.

Aber wenn’s eine Göttin gibt, und sie so launisch und nachtragend ist, wie ich vermute, dann hat der Idiot jetzt so eine richtig nette, feine Blasenentzündung, wo er sich wünscht, er wäre ein Mädchen, denn dann wäre der Harnleiter nicht so lange und das Pinkeln würde nicht so extrem schmerzen…

Sonntag, 20. Januar 2008

Schifoan

Es gibt einige „Standardgerüchte“, mit denen der Durchschnittsösterreicher im Laufe seines Lebens so konfrontiert wird: wir essen alle Apfelstrudel und Wiener Schnitzel, unsere Fußballnationalmannschaft wird im Leben kein Leiberl reißen (ok, das ist wahrscheinlich kein Gerücht) und wir können alle Schi fahren.

Ich muss hier eines klarstellen: der Österreicher wird nicht mit Schiern an den Füßen geboren. Aber zugegeben: selbst der Unsportlichste unter uns wird im Laufe seiner Schulkarriere sicher zwei, dreimal mit einem Schulschikurs „zwangsbeglückt“. Und Schifahren ist auch zugegeben einer der „Volkssporte“ in Österreich. Kaum ein Hügerl in den Alpen, wo nicht zumindest ein Schlepplift rauf führt und eine breite Schneise in den Wald Richtung bergab geschlagen wurde. Die malerischen Alpendörfchen haben sich zu Touristenburgen gewandelt, und verlangen Preise, wo man selbst das gesalzene Pflaster der Wiener Innenstadt als „eigentlich eh net so teuer“ empfindet.

Aber wozu Schifahren „aktiv“ betreiben und gebrochene Knochen riskieren (bei mir hat jeder Schiausflug mit einem Aufenthalt in der Notaufnahme und einem Körperteil in Gips gehüllt geendet – ich habe die Zeichen verstanden…), wenn man auch „passiv“ dem Schivergnügen frönen kann. Und zwar auf die bequemste denkbare Art: man knotzt sich daheim auf die Couch, schaltet den Breitbildfernseher ein und fühlt sich dank Exschifahrern, die mit einer Kamera in der Hand die Piste runter bretteln im wahrsten Sinne „live dabei“. Und selbst, wenn man keinen Fernseher in der Nähe hat, kann man im Radio einer Moderation von Adi und Edi lauschen, wo ich mir regelmäßig Sorgen um die beiden Knaben mache, weil so, wie die zwei sich reinsteigern und mitfiebern, müssen sie regelmäßig hart an der Grenze zum Herzinfarkt schrammen. Das ist alles Adrenalin pur.

Und ich muss gestehen, beim Schifahren bin ich stolz, dass ich eine Österreicherin bin. Zugegeben, in allen anderen Sportarten stinken wir ziemlich ab, aber – hey, Schifahren, das können’s, die Damen und Herren des Schiteams. Ich erinnere mich auch noch an legendäre Schirennen, wo die Plätze 1 bis 5 von Österreichern belegt wurden und der Kommentator launig bemerkt hat „Österreich bedankt sich für die ausländische Mitwirkung“. Und – gebt es doch zu – es ist doch herrlich, wenn wir kleines Österreich wenigstens in einer Sportart unserem Lieblingsnachbarn – den Piefke – zeigen können, wo der Bartl den Most herholt. Denn verlieren tun sie sehr ungern, die Deutschen, und wir Österreicher laben uns dann doch mit einem gewissen boshaften Grinsen an der Frustration der deutschen Nachbarn.

Und so verwundert es wohl niemanden, wenn einmal jährlich in der Gamsstadt Kitzbühel der Bär steppt. Alljährlich lockt die berühmt-berüchtigte Streif, die Reichen und die Schönen geben sich ein Stelldichein und die Liste der Promis ist endlos. Und so ähnelt der Beginn der Liveübertragung eher einer Extraausgabe der Seitenblicke, die österreichische Hochpolitik ist geschlossen vertreten (ok, den Bundeskanzler in seiner Eigenschaft als Sportminister versteh ich noch, aber was ein Verteidigungs- und ein Sozialminister dort machen…), alles, was Rang und Namen hat steht sich die Füße platt, um nur einmal kurz im Bild zu sein, und der Rundfunk sollte langsam überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, das Landesstudio Tirol nach Kitzbühel zu verlegen – rein infrastrukturmäßig betrachtet, natürlich.

Ich gestehe, ich schaue auch liebend gerne die Herrenabfahrt auf der Streif. Besonders beeindruckend finde ich, dass der Exschirennläufer Hans Knauß mit einer Handkamera (nein, nicht Helm, sondern Hand) die Streif freiwillig runter gefahren ist – ohne Schistöcke! Und langsam war der auch nicht unterwegs – auf meinem supertollen Riesenfernseher hab ich fast den Eindruck gehabt, als ob ich selbst die Piste runter brettle (wenn ich noch den Ventilator aufgestellt hätte, dann hätte ich sogar Fahrtwind imitieren können) und habe nur schwer der Versuchung widerstehen können, mich so richtig in die Kurven reinzulegen.

Aber die Streif hat nicht nur den Ruf, die schwierigste Abfahrt zu sein, sondern sie ist auch eine der gefährlichsten. Und ich denke, es kostet jeden eine gehörige Portion Überwindung, den sicheren Platz im Starthäuschen zu verlassen, um sich nur mit einem Sturzhelm und einem Rückenprotektor als Schutz (den Rennanzug vernachlässige ich mal) mit über 130 km/h den Berg runter zu stürzen – und wofür? Für Ruhm, Ehre und der Gewissheit, die eigene Angst bezwungen zu haben?

Es ist sicher mit ein Teil der Faszination der Speed-Bewerbe, dass man als Zuseher weiß, dass es den Rennfahrer jede Sekunde so was von zerbröseln kann. Nicht umsonst hat Reinhard Fendrich schon in den 80er Jahren gesungen „Wenn einer bei der Zwischenzeit sich zwanglos von sein’m Schi befreit, und es ihn in die Landschaft steckt, dass jeder seine Ohr’n anlegt. Wenn er das überleben tut, dann wird er nachher interviewt.“ Leider hat auch gestern die Streif ihren Tribut gefordert. Nun, es war nicht bei der Zwischenzeit, sondern beim Zielsprung, wo der Amerikaner Scott Macartney schwer gestürzt ist und die Livekamera einige Sekunden zu lang auf den Verunglückten gezoomt hat, damit das Publikum nur ja keine Zuckung des krampfenden Körpers verpasst. Zum Glück für den Amerikaner ist alles „halbwegs“ glimpflich ausgegangen. Tja, was soll man sagen: the show must go on, und nachdem der Verunglückte geborgen war, ging das Spektakel weiter – zum Glück ohne weitere Extremstürze. Ich hab auf jeden Fall mit jenen, die nach Macartney gestartet sind, mitgelitten – auch, wenn die Fahrer keine Information am Start bekommen haben, aber bei einer 20minütigen Rennunterbrechung kann sich jeder ausmalen, dass etwas schlimmes passiert sein muss. Mich hätten jedenfalls keine zehn Pferde aus dem Starthaus raus bekommen.

Gratulation an Didier Cuche, der gewonnen hat. Und eine gute Besserung an Scott Macartney…

Donnerstag, 10. Januar 2008

You don't own me

Wir haben – spätestens seit der Magnum-Werbung – alle gelernt, dass es sieben Todsünden gibt: Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Faulheit. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir alle im tiefsten Inneren unseres Herzens gestehen, dass wir der Einen oder der Anderen schon ein- oder mehrfach nachgegeben haben. Auch ich gebe zu, dass ich zu manchen dieser Todsünden öfters ein besonderes Naheverhältnis habe, auch wenn ich sie natürlich für mich selbst nie als Todsünde definieren würde. So würde ich mich zB nicht als hochmütig bezeichnen, aber eine Unterart des Hochmuts ist der Stolz, und den kann ich uneingeschränkt für mich okkupieren. Unter Völlerei kann man mit Sicherheit den Einen oder Anderen Shoppinganfall subsumieren und wer noch nie von sich behauptet hat, schon mal so richtig herzhaft zornig gewesen zu sein, der stelle sich gleich ins Eckerl für seine Lüge.

Es gibt natürlich auch in regelmäßigen Abständen die Diskussion, welche denn nun eigentlich die „Haupttodsünde“ ist. In einer Folge von Grey’s Anatomy wurde der Zorn als Mutter der Todsünden bezeichnet, weil die übrigen sechs nur einem selbst schaden, wohingegen der Zorn auch die Mitmenschen schädigt.

MEREDITH: [narrating] "In life we're taught that there are seven deadly sins. We all know the big ones... gluttony, pride, lust. But the thing you don't hear much about is anger. Maybe it's because we think anger is not that dangerous, that you can control it. My point is, maybe we don't give anger enough credit. Maybe it can be a lot more dangerous than we think. After all, when it comes to destructive behavior, it did make the top seven."

MEREDITH: [narrating] "So what makes anger different from the six other deadly sins? It's pretty simple really. You give in to a sin like envy or pride, and you only hurt yourself. Try lust or coveting and you'll only hurt yourself and one or two others. But anger is the worst... the mother of all sins... Not only can anger drive you over the edge, when it does, you can take an awful lot of people with you."

Nun, wenn die Mutter der Todsünden der Zorn ist, dann ist der Vater der Todsünden in meinen Augen der Neid – denn nichts vergiftet den betroffenen Menschen meiner Meinung nach so sehr wie er.

Ich muss gestehen, ich persönlich kann mit Neid und seinen Unterarten – Missgunst und Eifersucht – nur sehr wenig anfangen. Vor allem die Eifersucht ist mir persönlich völlig fremd. Friedrich Schleiermacher hat die Eifersucht mit einem Satz sehr treffend beschrieben: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft“.

Warum ist man eifersüchtig? Es gibt einen Satz von Max Frisch, der wie folgt lautet: Eifersucht ist die Angst vor dem Vergleich. Ich glaube, dass Max Frisch Recht hat – auf mich wirken eifersüchtige Menschen immer so, als ob sie von sich selbst denken, sie wären minderwertig, ungenügend, nicht gut genug. Und dass sie, wenn sie sich mal sicher, glücklich und geborgen fühlen, sofort befürchten, dass das alles nur Teil einer großen Verschwörung gegen sie ist und jeder Mensch, mit dem der Partner Kontakt hat, der potentielle nächste Nebenbuhler ist. Weil es ja nicht sein kann, dass man einfach „nur so“ glücklich ist. Ich erweitere somit die Aussage von Frisch um „… und das Fehlen von Vertrauen in den Anderen.“

Für mich ist Vertrauen etwas Essentielles im menschlichen „Miteinander“. Eifersüchtige Menschen wittern überall den Verrat und dass sie als Einzige sehen, was der übrigen Menschheit verborgen ist – dass das Ziel ihrer Eifersucht nur einen einzigen Lebenszweck hat: sie zu belügen. Und dass ihr einziger Lebenszweck ist, den Anderen dieser Lüge zu überführen.

Es gibt genügend Parodien über das berühmte Paar, er sagt „ich treff’ mich mit meinem Freund im Wirtshaus“. Sie ist daraufhin eingeschnappt: sie mag zwar nicht mitgehen (weil ihre Lieblingssoap im Fernsehen läuft oder sie den Freund überhaupt nicht ausstehen kann), unterstellt ihrem Mann aber dennoch, dass er in Wahrheit zu einer anderen Frau unterwegs ist. Er verlässt trotzdem die Wohnung, sie telefoniert ihm daraufhin im Minutenrhythmus hinterher, weint, schreit und zetert. Und er sitzt mit seinem Kumpel im Lokal und muss den mitleidigen Gesichtsausdruck ertragen, wenn sein Freund ihn anschaut und murmelt „na, nervt sie schon wieder…“.

Das Kernproblem ist ja, dass man jemanden, der eifersüchtig ist, nicht davon überzeugen kann, dass die Eifersucht unbegründet ist. Denn selbst, wenn das Eifersuchtsopfer so weit geht und 24 Stunden am Tag mit dem Eifersüchtigen zusammen ist und sich sozusagen rund um die Uhr von ihm überwachen lässt, kommt immer noch der Vorwurf „gib’s zu, du denkst jetzt grad an eine Andere…“. Das Einzige, das man mit so einer Methode ziemlich sicher erreichen kann, ist, dass der Partner eines Tages ziemlich entnervt aufgibt und sein Heil in der Flucht sucht…

Außerdem stelle ich es mir auch für das Eifersuchtsopfer als frustrierend vor: da gibt es einen Menschen, den man liebt, und nichts, was man tut, kann ihn davon überzeugen, dass es keinen Anderen gibt. Das Geschenk, das man außerplanmäßig mitbringt, weil man es in der Auslage gesehen hat und an den Partner gedacht hat, wird dahingehend interpretiert, dass man sich vom schlechten Gewissen freikaufen möchte. Das Funkloch in der U-Bahn, dass man das Handy beim Tete-a-tete abgeschaltet hat um ungestört zu sein…

Bleibt die Frage, wie man Eifersucht überwinden kann. Ich muss gestehen, ich weiß es nicht, da ich eben nicht zur Eifersucht neige. Aber warum bin ich eigentlich nicht eifersüchtig? Vielleicht liegt es daran, dass ich mit mir eins bin und mich so akzeptiere, wie ich nun mal bin. Vielleicht auch daran, dass mir bewusst ist, dass ich niemanden dazu zwingen kann, mich zu lieben. Und ich auch niemanden davon abhalten kann, sich in einen anderen Menschen zu verlieben, wenn ich ihn nur genug kontrolliere und dominiere. Und ich muss auch gestehen, dass mir der Gedanke Angst macht, dass ein anderer Mensch solche Besitzansprüche an mich stellen könnte. Seitdem die Sklaverei und die Leibeigenschaft abgeschafft wurden, gehören die Menschen nur sich selbst – sie sind für sich selbst eigenverantwortlich und dafür, dass sie glücklich werden.

Von dem her bleibt mir nur zu hoffen, dass ich nie den folgenden Satz aus dem Mund von McDreamy hören werde: „Du machst mich so glücklich…“. Denn dann könnte es passieren, dass ich darüber nachdenke, ob ich das überhaupt möchte… weil ich ja eigentlich der Meinung bin, dass das nicht mein Job ist.

Freitag, 4. Januar 2008

Akte Ex

Ab einer gewissen Altersstufe kann man wohl davon ausgehen, dass jeder Mensch, der einem über den Weg läuft, auch ein gewisses „Vorleben“ gehabt hat. Unter Vorleben verstehe ich, dass er sich zumindest schon einmal durch die Höhen und Tiefen einer Beziehung durchgefrettet hat, aus irgendwelchen Gründen an der Beziehung gescheitert ist und hinterher die Wunden, die diese Beziehung hinterlassen hat, geleckt hat. Und es gibt einige Menschen, die weiterhin mit ihren Exfreunden befreundet sind und es gibt andere, die einen Bogen um sie machen.

Auch in meinem Leben gibt es einen Ex, einen Mann, mit dem ich doch 13 Jahre meines Lebens verbracht habe. Und auch, wenn ich hier die Gründe für die Trennung nicht breit treten möchte, so gab es sie dennoch, er hat seinen Kram gepackt und ist aus meiner Wohnung ausgezogen. Danach hat er einige Zeit lang versucht, mich „zurückzuerobern“, was allerdings nicht nur an der stalkerhaften Methode gescheitert ist. Ich wollte einfach meine Ruhe von ihm haben und nach einigen Monaten hatte er das endlich auch verstanden.

Ich habe damals die interessante Feststellung gemacht: da gibt es einen Menschen, mit dem man jahrelang Freud’ und Leid teilt, der über die tiefsten Gedanken bescheid weiß, der einen kennt, wie sonst niemand. Und wenn es dann vorbei ist, stellt man fest, dass man mit diesem Menschen wohl im Bett war, dass man aber retrospektiv betrachtet nicht mit ihm befreundet sein mag. Dass man diesen Menschen nicht einmal mehr nett findet. Und doch hat man jahrelang zusammen gelebt, ja, hat diesen Menschen sogar mal geliebt. Aber wenn die Liebe weg ist, bleibt oft keine Freundschaft übrig…

Ich bin mit keinem meiner Exfreunde heute befreundet. Einige sind einfach völlig aus meinem Blickfeld verschwunden und bei anderen frag’ ich mich, welcher Teufel mich damals geritten hat, dass ich mich ausgerechnet in diesen Mann Hals über Kopf verliebt habe. Vielleicht ist es ja so, dass die Hormone in diesem Augenblick die Alleinherrschaft über den Körper übernehmen und dich nur in eine Richtung treiben, immer weiter vorwärts, völlig außer Acht lassend, dass die Klippe immer näher kommt und der Abgrund dahinter tief ist.

Mich hat heute – nach sicher 3 ½ Jahren absoluter Funkstille – mein Ex angerufen. Er ist gerade dabei, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, und nachdem er die Dinge durchforstet hat, die er damals so eingepackt hat, hat er festgestellt, dass noch einiges von mir dabei ist. Ich bin wütend: erstens mal werde ich Dinge, nach denen ich 3 ½ Jahre lang nicht gefragt habe, nicht auf einmal wieder haben wollen und zweitens mag ich nicht 20 Minuten lang am Telefon nieder gequatscht werden, was sich in seinem Leben nicht alles getan hat.

Man mag mich bitte nicht falsch verstehen: ich wünsche meinem Ex nichts Böses, ich bin ihm auch nicht gram für die 13 Jahre, die ein Anderer vielleicht als vergeudete Zeit sehen würde. Ich bin unter anderem auch durch die Zeit, die ich mit ihm verbracht habe, zu dem Menschen geworden, der ich heute bin, und ich finde diesen Menschen nicht so übel. Ich finde nur, dass ich lange genug seine Probleme zu meinen gemacht habe und ich möchte nicht mehr Teil seines Lebens sein. Und ich möchte, dass er diese Einstellung von mir respektiert.

Ich habe mir also mit meinem Ex ausgemacht, dass er die Dinge, die er (mit meinem Einverständnis) in meinem Keller gelagert hatte, Mitte des Jahres abholen wird. Er hat mir vieles über sich erzählt, ich habe zugehört, habe ihm aber nichts über mich berichtet. Einfach, weil ich finde, dass es ihn nichts angeht. Er ist nicht mehr Teil meines Lebens und ich möchte ihm keine Angriffspunkte bieten, wo er nachhaken kann. Zum Schluss habe ich ihm ein erfolgreiches erstes Halbjahr gewünscht und habe aufgelegt.

Das Absurde an der ganzen Geschichte ist ja, dass ich heute Morgen kurz an meinen Ex gedacht habe. Und mich über ihn geärgert habe, weil er nie so wirklich Rücksicht auf mich genommen hat. Mir ist heute früh wieder eingefallen, wie viele Stunden ich damit verbracht habe, dass ich irgendwo auf ihn gewartet habe, einfach, weil ich Zeit mit ihm verbringen wollte. Ich war auch auf das Mädchen, das ich damals war, wütend. Wenn ich könnte, würde ich ihr sagen, dass das ein Fehler ist, dass sie es nicht notwendig hat, sich stundenlang auf einen zugigen Gang zu stellen um auf ihren Freund zu warten. Dass er – wenn er sie wirklich liebt – ihr den Respekt erweisen wird, den sie verdient hat. Respekt war das, was unserer Beziehung wohl am Meisten gefehlt hat… Und keine zwei Stunden später ruft er an und versucht sich für alles, was er mir angetan hat, zu entschuldigen.

Es gibt nun nichts zu verzeihen. Ich bin ihm nicht böse. Ich bitte ihn nun nur, mir jenen Respekt entgegen zu bringen, den er mir all die Jahre vorher verwehrt hat – und respektiert, dass ich mir in den bald 4 Jahren, die seit unserer Trennung vergangen sind, ein eigenes Leben aufgebaut habe, und dass er nicht mehr Bestandteil dieses Lebens ist. Und auch nicht mehr sein wird – weil er nicht der Typ Mann ist, mit dem ich gerne befreundet sein möchte…

Montag, 31. Dezember 2007

Blick zurück nach vorne

Silvester – eine gute Gelegenheit, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Im Fernsehen und den diversesten Zeitungen bekommen wir schon seit einigen Tagen die Hochs und Tiefs des Jahres 2007 zu sehen und zu lesen. Also hab ich mir gedacht, ich rekapituliere mal, was sich bei mir im vergangenen Jahr so getan hat.

2007 ist das Jahr, in dem ich zu Bloggen begonnen habe. Und ich bin meinem mailfreund Andi immer noch sehr dankbar dafür, dass er mich in die Richtung geschubst hat. Noch mehr hat mich gefreut, dass sich eine treue Schar von Lesern eingefunden hat, die mir – sei’s in Kommentaren, sei’s persönlich – Feedback zu meinem teilweise recht wirren Geschreibsel gegeben hat.

Ja, aber was war denn alles 2007?

Nun ja, ich habe mich im Joggen versucht und habe feststellen müssen, dass Yoga für mich doch die geeignetere Sportart ist. Mein Fernseher ist von mir gegangen, wurde eine Woche lang intensiv betrauert (vor allem, wo es doch das lange Osterwochenende war, wo ich TV-los zuhause saß) und wurde dann durch einen coolen Flatscreen ersetzt. Der Flatscreen hat einen Festplatten-DVD-Rekorder als Gespons bekommen (und ich bin einem besonders lieben Menschen immer noch von Herzen dankbar, dass er quasi in einer Nacht und Nebel-Aktion alles professionell installiert hat). Ich habe meine handwerklichen Geschicke in mir wieder entdeckt und habe mich vorsorglich mit Tussiakkuschraubern und Sockenstrickwolle eingedeckt.

Ich habe mir sogar in Zeiten, wo in meinem Leben absolut null und nichts passiert ist, Kolumnen aus dem Kreuz geleiert, indem ich über absurde Nichtigkeiten, wie das Finale von Dancing-Stars, geschrieben habe – was mir sogar einen Kommentar meines Lieblingsradiomoderators und eine Einladung zu einem Fest in der Ottakringer Brauerei eingebracht hat (merke: nichts kann so absurd sein, als dass man nicht darüber schreiben könnte und ja, es gibt Menschen, die ihren Namen regelmäßig googeln).

Das Jahr hat auch Einblicke in das Leben meiner Mitmenschen gebracht, auf die ich gut hätte verzichten können – ich weiß nun, dass die Wände meiner Wohnung sehr dünn sind und dass meine Nachbarin ein erfülltes Sexleben hat. Und ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die lauter stöhnen als husten…

2007 war auch ein typisches Single-Jahr. Ich habe mich durch allerlei absurde Dates durchgekämpft, bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass man Glück und Liebe nicht erzwingen kann – seitdem verordne ich mir Geduld und Gelassenheit (und habe auch mein Singleprofil bei einer Online-Börse gelöscht). Ich habe festgestellt, dass es Menschen gibt, die einem – obwohl man eigentlich aus ihrem Leben verschwinden wollte – dennoch wieder über den Weg gelaufen sind, und dass das Universum oft einen eigentümlichen Humor hat, wenn es mit mir kommuniziert.

Ich habe mit Freundinnen in typischer Sex-and-the-City-Manier über Männer philosophiert, habe mit Männern über Männer philosophiert (auch sehr interessant) und habe für mich rumgesponnen, warum Männer so sind, wie sie sind. Interessante Erkenntnisse aus diesen Gesprächen waren: Männer antworten nur dann auf mails und SMS, wenn das Geschriebene eine Frage beinhaltet hat, die beantwortet werden muss. Und „ja“ und „nein“ sind ausreichende Antworten. Den „Antworten-Reflex“ haben anscheinend nur Frauen, der muss an’s X-Chromosom gekoppelt sein (oder liegt es einfach nur daran, dass wir Frauen so gerne das letzte Wort haben?). Und auch, wenn die Hollywood-Dating-Rules es vorsehen, dass der Mann die Frau anzurufen hat, so hat sich diese Tatsache noch nicht bis Wien durchgesprochen – in der aktuellen Auflage des geheimen Männerhandbuches ist „der Mann hat die Frau anzurufen“ gestrichen worden…

Ich habe mit meinen Freunden einiges erlebt, angefangen vom ultimativen Singlemänner-Contest bei Ulrich über Geburtstagsfeiern und gemütliche Augustabende beim Heurigen und beim Italiener, habe gelernt, dass Portiere unter Umständen als 8. himmlische Plage eingestuft werden können und dass man dem Horoskop nicht immer trauen darf. Ambi und ich waren beim geilsten Konzert der besten Band der Welt und haben miterlebt, wie 15.000 Leute die Wiener Stadthalle gerockt haben.

Somit blicke ich auf ein ziemlich turbulentes Jahr 2007 zurück – es war ein gutes Jahr, vor allem Dank der lieben Menschen, die mich in diesem Jahr begleitet haben.

Wie schaut’s aus mit 2008, welche Vorsätze habe ich gefasst? Ich mag keine Neujahrsvorsätze, da ist es immer irgendwie eine selbst erfüllende Prophezeiung, dass sie nicht umsetzbar sind. Ich weiß, dass ich weiterhin mehr oder weniger regelmäßig Yoga betreiben werde, dank meines Biokisterls kann ich mich gesund ernähren und nein, ich werde sicher keine Diät machen. Schließlich hat Marylin Monroe auch Konfektionsgröße 42 getragen. Und Schokolade kann unter Umständen eine Lösung sein, genauso wie Aperol-Spritzer. Und nein, ich habe nicht genug Schuhe. Von dem Standpunkt her lasse ich die guten Vorsätze heuer aus.

Was wünsche ich mir für 2008? Nun ja, abgesehen von den drei großen G – Gesundheit, Glück und Geld – habe ich für 2008 nur einen Wunsch: ich möchte das Jahr 2009 mit einem Silvesterkuss und einem Wiener Walzer beginnen. 366 Tage hab ich für die Umsetzung dieses Wunsches Zeit, schau ma mal, ob das ausreicht…

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und hoffe, ich sehe euch im Jahr 2008 wieder hier auf meiner Seite!

Samstag, 29. Dezember 2007

Ansichtssachen

Ein Kurzbeitrag für die Neugierigen hier, die immer gerne wissen würden, wie ich aussehe. Nun ja, mein Foto stelle ich nicht hier rein (wäre doch auch langweilig - Leute, Phantasie ist gefragt!), aber dank dieser Seite kann ich euch zeigen, wem ich ähnlich sehe:

doppelgaenger

Cool, 68 % Ähnlichkeit mit Katherine Heigl - da fühl ich mich doch gleich viel mehr Grey! Und ich schaue gar keinem Mann ähnlich, hab' anscheinend ein sehr weibliches Gesicht...

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