Donnerstag, 27. März 2008

Same mistake

Wenn es etwas gibt, das unserem Leben diese gewisse Beständigkeit gibt, die wir so lieben und schätzen, dann sind es die Fehler, die wir mit schöner Regelmäßigkeit begehen. Wobei ich bei dem Wort „Fehler“ mich immer frage: wer entscheidet eigentlich, ob ein Fehler ein Fehler ist? Gibt es eine kosmische Jury, die mit Wertungstaferln sitzt und darüber abstimmt, ob diese Handlung, die wir soeben gesetzt haben, eine 10 verdient, oder ob es doch nur eher eine laue 3 ist? Und kann man irgendwo gegen das Urteil Berufung einlegen?

Ist es ein Fehler, wenn man einem Mann unterstellt, er sei Mr. Right? Der Eine, der uns vom Universum zugedacht wurde, der uns so liebt, wie wir sind, an dessen Seite wir wachsen können und der es als seine Hauptaufgabe ansieht, dass er uns zum Lachen bringt, einfach, weil er die Grübchen an unseren Wangen dann blitzen sieht. Und was ist, wenn sich am Ende des Tages herausstellt, dass es sich bei besagtem Mann um Mr.-leider-doch-nicht gehandelt hat? War dann die Zeit, die man mit ihm verbracht hat, die man ihm quasi „geopfert“ hat, ein Fehler, denn wenn man sie nicht mit ihm verbracht hätte, dann hätte man ja vielleicht schon Mr. Right gefunden und würde im Happy ever after-Club tanzen.

Im Leben meiner Freundinnen gab es in letzter Zeit einige Mr.-leider-doch-nicht. Und ich hab immer gesessen und mit schöner Regelmäßigkeit gepredigt: lass es zu, dass es dir einen Tag lang dreckig geht, wenn du mich brauchst, dann bin ich da, verabschiede dich in deinem Innersten von deiner Liebe, trauere anschließend darum, und nach einer gewissen Zeit des Trauers schaust du nach vorne und lachst wieder. Ich habe virtuelle Tempo-Boxen verteilt, habe über alle möglichen Kommunikationsmittel ein Ohr zum Zuhören und eine Schulter zum Ausweinen angeboten und habe meinen Freundinnen alle denkbare Kraft zur Verfügung gestellt.

Tja, und heute stehe ich da und stelle fest, dass hinter meinem Mr. Right auch ein Mr.-leider-doch-nicht steckt. Ohnmacht. Wut. Das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen fortgerissen wurde und man in ein tiefes schwarzes Loch stürzt, ohne den Grund dieses Loches zu sehen, ohne zu wissen, was einen dort erwartet. Das Einzige, das beim Fall begleitet, ist Schmerz. Dieser tiefe Schmerz, der einem durch Mark und Bein fährt und der sich schließlich sein Plätzchen im Herzen sucht. Und der sich dort im Herzen so richtig wohl fühlt und der dafür sorgt, dass man so richtig hemmungslos schluchzt, all die Taffness, die uns sonst tagein, tagaus begleitet, ist auf einmal dahin und man wünscht sich nur, dass es gestern ist, als man „es“ noch nicht gewusst hat und den Traum vom persönlichen Prince Charming noch träumen durfte.

Und so sitze auch ich heute auf meinem Sofa und stelle mir die berühmten Fragen: warum? Warum bin es nicht ich? Warum sieht er nicht, wie unendlich toll ich bin und wie perfekt wir zueinander passen würden? Warum macht sein Herz nicht auch diesen kleinen Hüpfer, wenn er mich sieht, und warum kann er sich nicht für mich entscheiden? Bin ich denn nicht auch liebenswert? Wert, dass man mich so liebt, wie ich nun einmal bin, mit all meinen Macken, meinen Fehlern. Und da ist es dann, das böse Wort: Fehler. War es ein Fehler, die ganze Zeit ihm zu opfern? Hätte ich – wenn ich in dieser Zeit nur beide Augen offen gehalten hätte und meinen Verstand bei mir gehabt hätte – vielleicht meinen tatsächlichen Mr. Right getroffen? Ist Mr. Right nun auf ewig aus den Augen, aus dem Sinn?

Ich glaube nicht, dass ich meinen Mr. Right verpasst habe. Vielleicht habe ich ihn nur noch nicht als meinen Mr. Right wahrgenommen. Oder er läuft mir erst in zwei Wochen über den Weg. Und ich glaube auch nicht, dass meine Zeit mit Mr.-leider-doch-nicht ein Fehler war. Denn ich habe in dieser Zeit viel über mich gelernt, habe mich auch weiter entwickelt. Ich habe in dieser Zeit Geduld gelernt, habe gelernt, dass ich nichts erzwingen kann, nur weil es mir vielleicht grad so in den Kram passt. Und – hey – ich habe gesehen, dass ich in der Lage bin, mich Hals über Kopf zu verlieben, ohne Netz, ohne doppelten Boden, dass ich den Mut habe, Risiken einzugehen, auch wenn mir hinterher das Ergebnis vielleicht nicht gefällt. Aber ich kann sagen, dass ich es zumindest versucht habe.

In diesem Sinne habe ich mir alle Ratschläge, die ich in den vergangenen Monaten meinen Freundinnen gegeben habe, ins Gedächtnis gerufen. Ich habe meinen Plan A – mich sinnlos betrinken – verworfen. Gewiss, mir geht es heute dann gut, weil ich mich nicht mehr spüre, aber morgen ist der Schmerz von neuem da, und ich habe einen Abend verloren, wo ich meinen Schmerz aufarbeiten kann. Also habe ich mich Plan B zugewendet. Ich habe alle Tränen, die sich in den vergangenen Monaten in mir aufgestaut haben, fließen lassen. Ich habe es mir gegönnt, einmal nicht stark zu sein, sondern klein, verletzlich, verwundbar. Und ich habe mir ein Ritual gegönnt, um mich von meinem Mr.-leider-doch-nicht zu verabschieden. Ich habe das Foto, das ich seit gut einem dreiviertel Jahr ständig bei mir trage, in meinem Aschenbecher verbrannt, habe zugesehen, wie sich das Fotopapier schwarz verfärbt hat und das Gesicht des Mannes, dem ich mein Herz geschenkt habe und der es nicht wollte, langsam vom Papier verschwindet. Ich habe danach überlegt, ob ich das verbrannte Papier wohl wegwerfen soll, habe es dann aber für passender gefunden, die Asche beim Fenster raus zu streuen (und merke: auch in dieser Situation gilt die alte Seglerweisheit „mit dem Wind, nicht dagegen“ – ein großer Teil der Asche ist wieder auf meinem Fensterbrett gelandet). Und ich habe mich bei Mr.-leider-doch-nicht in Gedanken dafür bedankt, dass ich ihm für eine kleine Zeit mein Herz geschenkt habe, hab ihm für die schönen Stunden, die ich mit ihm verbracht habe und für das viele Herzklopfen, das davor und danach war, gedankt und habe ihm im Geiste „alles Gute“ gewünscht.

Jetzt werde ich mich wieder auf mein Sofa verkrümeln – in mir sind noch einige Tränen, die noch vergossen werden wollen. Morgen werde ich mir dann eine Augenmaske spendieren, um meine verquollenen Augen wieder halbwegs menschlich aussehen zu lassen. Und dann? Dann werde ich wieder mein Leben leben, und wer weiß, vielleicht gefällt es dem Universum, dass es mir meinen Mr. Right vorbei schickt. Verdient hätte ich es… finde ich zumindest.

Dienstag, 25. März 2008

Happy Easter

Die Fasten- und die Osterzeit ist für die Agnostiker unter uns zugegeben eine komische Zeit. Leute, die das übrige Jahr über durchaus vernünftig sind, verweigern plötzlich Nahrung und Alkohol, weil ja „Fastenzeit“ ist, überall finden Ostermärkte statt, auf denen es – im Gegensatz zu den Christkindlmärkten – keinen Punsch oder Glühwein gibt, sondern Osterschinken und Osterpinzen. Alle möglichen und unmöglichen Bräuche werden ausgegraben, junge Leute hüpfen über Osterfeuer und verletzen sich dabei an allen denkbaren Stellen… Am Gründonnerstag wird jedem in der Kantine Cremespinat aufgedrängt (dabei finde ich den soooooo grausig), und am Karfreitag gibt’s sowieso nix g’scheites zum Essen, weil’s ja der wichtigste Fasttag der Katholen ist. Nein, ich kann mich mit Ostern nicht sonderlich anfreunden, einzig die Tatsache, dass am Karfreitag und am Karsamstag die Glocken nicht läuten (weil sie ja der Legende nach zu urteilen in Rom sind), ist angenehm. Aber sonst…

Das Komplizierte an Ostern ist ja, dass es jedes Jahr an einen anderen Kalendertag fällt. Und zwar ist es vom Mond abhängig. Der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ich kann mit variablen Feiertagen nicht sonderlich viel anfangen, überrascht mich schon der Heilige Abend jedes Jahr auf’s Neue, und der findet ja – Gerüchten zufolge – regelmäßig am 24. Dezember statt.

Für mich hat Ostern aber noch einen negativen Beigeschmack. Meine Elektrogeräte schätzen anscheinend dieses „von uns gehen und nach drei Tagen wiederauferstehen“, und war es letztes Jahr mein Fernseher, der am Karsamstag (natürlich nach dem Ladenschluss) von mir gegangen ist, so war es dieses Jahr mein quasi noch nigelnagelneuer Festplatten-DVD-Rekorder. Faszinierend, dass meine Elektrogeräte das mit den variablen Feiertagen besser im Griff haben als ich…

Mein Rekorder hat die ganzen Monate, die er nun schon mein Leben bereichert, immer ein bissl vor sich hingesponnen. Und ich gebe es ja gerne zu: dadurch, dass ich so ein technisches Nackerpatzl bin, bin ich gerne geneigt, allfällige Fehler auf meine nicht-sachgemäße Bedienung zurückzuführen. So habe ich gute 4 Monate gebraucht, bis ich herausgefunden habe, wie man dieses Ding mit VPS programmiert. Habe ich doch vorher in dem Irrglauben gelebt, dass das Programmieren über die elektronische Programmzeitschrift, auch EPG genannt, von alleine alles richtig macht. Wobei das mit dem EPG auch nicht immer so hingehaut hat, wie es eigentlich sollte. Zwar hat das Kastl jeden Tag irgendwann brav am Display angezeigt, dass er sich grad die Daten holt, aber wenn ich dann ins Menü gegangen bin, war oft alles leer. Nix mit aufnehmen.

Vor knapp zwei Monaten ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass der Fehler unter Umständen doch nicht an mir liegt. Und zwar, als mein Rekorder eine Aufnahme in 5 oder 6 Teile gesplittet hat und da teilweise beim Abspielen stehen blieb oder die Bilder sehr großpixelig waren. Und auch die übrigen Aufnahmen durfte ich nicht mehr auf DVD runtersichern, da mein Schatz mir die Zusammenarbeit verweigert hat. Man soll sein Herz ohnehin nicht zu sehr an Fernsehsendungen hängen, also habe ich beherzt „Festplatte formatieren“ im Menü gesucht und die Platte mal formatiert. … und mich danach 2 Stunden damit beschäftigt, dass ich alles wieder so einrichte, wie ich es gerne hätte, von der Senderreihenfolge angefangen über EPG einrichten bis hin zum „Lieblingssendungen wieder fix einspeichern“.

So ein Käse. Vor allem, wo ich mich ja so ungern mit solchen Dingen beschäftige. Das ist der Augenblick, wo ich mir von ganzen Herzen einen Mann an meine Seite wünsche, der mir diese lästige Tätigkeit abnimmt. Aber – noch immer kein Mann in Julias Leben, ergo selbst ist die Frau. Und auch, wenn ich manchmal die Wuttränen nur mit Mühe runterschlucken kann und sowohl Fernbedienung als auch Bedienungsanleitung am liebsten in ein Eck pfeffern würde, aber da muss ich wohl selbst durch. Vielleicht ist es ja auch so, dass so eine Beschäftigung mit ungeliebten Dingen sich positiv auf mein Karma auswirkt, wer weiß…

Aber nach dem Formatieren hat mein Liebling eine Weile durchgehalten. Bis gestern. Gestern mache ich es mir vor dem Fernseher gemütlich, weil ich mir ja eine meiner Lieblingsserien, die ich am Sonntag verpasst habe, anschauen will. Und bis zur ersten Werbeunterbrechung klappt es ja auch problemlos, danach kommen wieder die mir schon bekannten Problemchen. Das Gerät stoppt beim Abspielen, großpixelige Bilder erscheinen, und – das Rücksichern der anderen Sendungen auf DVD wird stur verweigert. Resigniert schalte ich das Gerät aus (solange es sich noch bedienen lässt) und suche im Internet die Adresse vom Produzenten raus.

Heute früh rufe ich als Erstes an, der freundliche Techniker meint, ich soll das Gerät und die Rechnung vorbei bringen. Also mit Todesverachtung alle Stecker entfernen (und mich still fragen, ob ich die wohl je wieder in der richtigen Reihenfolge anbringen kann), Kastl und Rechnung schnappen und mich auf eine Expedition in den 23. Bezirk machen. Beim Pioneer angekommen, klage ich dem Techniker mein Leid, der meint „das klingt, als ob die Festplatte hinüber wäre“, Ende der Woche soll ich mich nochmals melden, ob sie mit der Reparatur schon fertig sind.

Na, dann hoffe ich mal das Beste. Vielleicht hat der Schutzgott der technischen Geräte ein Erbarmen mit mir armen, antitechnischem Würschtl, dass ich Ende der Woche wieder ein funktionierendes Gerät zurückbekomme. Vor dem Wiedereinbau bei der Stereoanlage hab ich jetzt schon reichlich Respekt. Ob mir da wohl wieder der nette Techniker hilft, der mir auch schon Ende Oktober beim Aufstellen geholfen hat?

Sonntag, 16. März 2008

Ich will keine Schokolade

Den Fall kennt wohl jeder Österreicher: der Bürgermeister einer österreichischen Gemeinde findet ein Mon Cherie und eine Karte auf seinem Auto und isst am darauf folgenden Tag die Praline. Das Problem: die Praline war mit Strychnin vergiftet, der Politiker liegt seitdem im künstlichen Tiefschlaf.

Ich erinnere mich noch daran, als ich ein kleines Kind war, haben mir meine Eltern immer eingeschärft, dass ich unter keinen Umständen Süßigkeiten von Fremden annehmen dürfe. Und auch in Amerika – dem Land des Halloween-Wahns – werden die Kinder oft von ihren Eltern angewiesen, nur original verschweißte Süßigkeiten anzunehmen, da man nie davor gefeit ist, was Erwachsene denn in die Keks hinein tun.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Sogar Dirk Sternmann und Christoph Grissemann haben sich des Themas schon angenommen. An einem Donnerstag Abend sehe ich im Fernsehen, dass Grissemann vor einer Schüssel Mon Cherie sitzt und darüber rätselt, ob er wohl davon essen soll oder nicht. Und dass Stermann – als Grissemann sich endlich eine Praline in den Mund steckt – zu ihm sagt „du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…“.

Auch bei mir im Unternehmen hatten wir danach einen „Mon Cherie“-Fall. Neben einem Gangdrucker lag eines schönen Tages ein einsames Mon Cherie. Und das halbe Haus hat sich schräg darüber gelacht, dass die private Security das so überhaupt nicht lustig gefunden hat und einige Tage lang sehr nervös war. Und wenn mein Kollege wieder mal über die Handwerker flucht und sich fragt „ob ich denen wohl Mon Cherie schicken soll“ antworte ich jedes mal „aber nur, wenn du eine Karte dazu legst, auf der steht ‚du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…’“.

Ich frage mich, wie sich seit dem Zwischenfall im Februar die Absatzzahlen für Mon Cherie Pralinen entwickelt haben… Aber wie auch immer: uns ist nun allen klar, dass man in keinem Fall von Fremden Schoki annehmen soll.

Mitte dieser Woche finde ich in meinem Briefkasten ein kleines Päckchen von einem Personalberater, von dem ich mich vor einigen Jahren in die Kartei habe aufnehmen lassen. In meiner Wohnung angekommen öffne ich das Packerl und finde darin… nein, keine Mon Cherie, sondern eine Tafel Zotter Schokolade.

Ich gebe zu – wenn der Fall von dem Bürgermeister nicht gewesen wäre, hätte ich mich wie ein kleines Kind über die Schoki gefreut, hätte mich vor den Fernseher gesetzt und hätte die Tafel verputzt (soviel zum Thema „wir nehmen keine Süßigkeiten von Fremden an“). So aber ist mir etwas… unwohl zumute. Und ich sitze vor der Schokolade und frage mich „essen oder nicht essen“? Das Problem an Zotter Schoki ist nämlich, dass sie nicht so fest eingepackt ist wie andere Schokolade, dh, grundsätzlich könnte jeder sehr leicht die Banderole entfernen, die Verpackung öffnen, irgendwas mit der Schoki tun und dann alles wieder zumachen und so tun, als wär’ nix.

Vor allem frage ich mich, was jemanden reitet, dass er knapp einen Monat nach so einem Vorfall Schokolade verschickt. Liest der Betreffende keine Zeitung? Ich starre nach wie vor meine Schokolade an und frage mich „was will mir der Künstler damit sagen? Ist das die Rache, dass er keine Provision an mir verdient hat?“. Zusätzlich rätsle ich, ob Zotter-Schokolade wohl flüssig gefüllt ist (bei einer Feinbitterschokolade mit einer Füllung aus grünem Veltliner, Pfeffer und Schokolade – außerdem alkoholhaltig – ist es zumindest denkbar). Und ich zerlege das ganze Päckchen, ob vielleicht noch irgendwo eine kleine Karte oder ähnliches dabei ist (falls sich irgendwer noch die Frage stellen sollte: ja, ich habe nach der Karte gesucht, auf der steht „Sie sind für uns auch etwas ganz Besonderes“).

Kurze Zeit später schimpfe ich mich selbst für meine gesteigerte Paranoia – was soll denn bitte schön schon passieren? Auf der Banderole steht groß der Firmenname gedruckt, ebenso auf dem Packerl… gut, den Jungs von CSI würde wahrscheinlich ein Schokobröserl reichen, um im Fall der Fälle den Übeltäter dingfest zu machen – ich vertraue der Wiener Polizei und ihren Fähigkeiten bedingungslos und drapiere deshalb alle potentiellen Beweismittel malerisch am Couchtisch – sicher ist sicher…

Aber ich gebe zu, die Schokolade hat lange nicht so gut geschmeckt, wie sie hätte schmecken können, wenn dieses gewisse Unbehagen nicht da gewesen wäre… Und man reagiert auch sehr eigenartig: ist dieses kurze Räuspern wirklich nur ein Verschlucken oder sind das schon die ersten Anzeichen einer Vergiftung? Am liebsten wäre ich aufs Klo gelaufen und hätte mir den Finger in den Hals gesteckt…

Am nächsten Tag habe ich übrigens meinem Personalberater ein kurzes mail geschickt, in dem ich mich zuerst artig für das Geschenk bedankt habe, im zweiten Schritt aber zu bedenken gab, dass ich mich angesichts der Geschichte im Februar etwas unwohl dabei gefühlt habe. Sie haben sich ebenfalls artig für mein Feedback bedankt… bleibt nur zu hoffen, dass sie für diese Werbekampagne keine Werbefirma bezahlen müssen – die Honorarnote würde ich an ihrer Stelle nur mit sehr viel Widerwillen berappen…

Und dem betroffenen Bürgermeister wünsche ich alles erdenklich Gute und eine rasche Genesung.

Samstag, 8. März 2008

Was Sie schon immer wissen wollten...

Anlässlich meines Jubiläums „400 Tage online“ habe ich mir einen Blogcounter gegönnt. Ja, ich geb’s zu, ich wollte meine eitle Neugierde befriedigen und wollte wissen, wie viele Leute sich denn eigentlich so im Laufe der Zeit auf meine Seite verirren. Sind es viele, oder sind es nur 2, 3 Stammleser, die mir da tapfer die Treue halten?

Der Blogcounter hat allerdings noch ein Feature, von dem ich nichts geahnt habe, als ich ihn eingerichtet habe: nicht nur, dass er die Besucher zählt und dokumentiert, welche Artikel gelesen wurde und wie lange der Besucher auf meiner Seite blieb, nein, er zeigt sogar die Google-Anfragen an, die den Besucher auf meine Seite geführt haben. Und – ich gestehe – ich habe seit Ende Februar ein neues Hobby: Blogcounterlog lesen und mich königlich über die Anfragen an Google amüsieren. Aus diesem Grunde präsentiere ich hier heute: Was Sie schon immer wissen wollten, bisher nicht zu fragen wagten. Oder auch: Fragen, die die Welt nicht braucht…

Die ersten paar Tage meines Blogcounters haben ergeben: wer immer sich gewundert hat, warum in der Joghurtwerbung mittlerweile Nackte herum laufen, dem sei gesagt: Sex sells… Wobei die Joghurtwerbung ja nahezu prüde wirbt: ein bisschen nackte Haut (was die mit Joghurt zu tun hat, sei dahin gestellt), eine schöne Frau… Im Internet ist die Sache ein bisschen anders. Hier werden die Phantasien ausgelebt, die man nicht mit jedem teilt.

Aber was führt die Leute denn nun haufenweise zu mir? Nun, ich glaube nicht, dass ich verklemmt oder prüde bin, aber… Was wollen die Internetuser vom Google-Orakel wissen? “Warum sehen Männer gerne Frauen beim pissen zu?“ – Gute Frage, ich habe keine Ahnung und ich gebe auch zu: ich mag’s gar nicht wissen… „Blasenentzündung bei schwulen Männern“ – sicher genauso schmerzhaft wie für Heteros, ich empfehle Preiselbeersaft trinken. „Mädchen pinkeln ins Bett“ – stell ich mir unangenehm vor, vor allem: das reinigen danach… „Wie pinkeln Mädchen“ – wo war das Problem im Biologieunterricht? Hamma g’schlafen oder mit dem Nachbarn getratscht? Und was ist so interessant dran? Egal, lieber User: üblicherweise im Sitzen, obwohl es auch einige unter uns gibt, die das im Stehen auch beherrschen. Wow – eine überraschende, weltbewegende Information… Ruft die UNO an, wir haben zwar den Hunger noch nicht besiegt und den Weltfrieden noch nicht hergestellt, aber wir wissen nun endlich, wie Frauen pinkeln. Das ist doch sicher Nobelpreis-würdig. „Mädchen pinkelt Klobrille“ – ich hoffe, sie verwendet hinterher WC-Papier, um die Sauerei wegzumachen. „Frauen pinkeln beim Schifahren“ – wenn, dann nur unabsichtlich. Außerdem müsste dann ja das Lied umgeschrieben werden, nicht mehr „zwei Spuren im Schnee“, sondern „drei Spuren im Schnee führ’n herab aus steiler Höh’…“. „Kann ein Mädchen im Stehen pinkeln“ – dass diese Frage so interessant ist… Ja!!!! Können wir!!!! Aber nur, wenn wir wollen. „Pinkeln in der Öffentlichkeit“ – sollte unter sehr hohe Geldstrafe gestellt werden… „Männer sehen sich gegenseitig beim Pinkeln zu“ – was ist da der Sinn dahinter? Will mann wissen, ob der andere besser bestückt ist? Ob er weiter pinkeln kann? Oder ob er besser zielen kann? „Mädchen im stehen pinkeln“ – die Frage hatten wir schon mehrfach… Unglaublich, wie viele Menschen sich von einem golden shower angezogen fühlen…

Was wollen die Leute sonst noch von Google so wissen? „Lesben Kitzbühel“ – statistisch gesehen wird’s auch dort die Eine oder Andere geben, sollte die sexuelle Orientierung etwa ins Telefonbuch aufgenommen werden? „Sanfte Domina“ – ja, wos jetzt? Sanft oder Domina? Könnt’s euch bitte mal entscheiden… „Mag Josh Hartnett dünne Frauen“ – wer immer die Frage gestellt hat: es ist unwahrscheinlich, dass du Josh Hartnett je begegnen wirst, egal ob dick oder dünn. Und es laufen schon genug Magersüchtige durch die Gegend, also hol dir bitte ein Buttersemmerl und iss… „Ich war mit Falco befreundet“ – schön für dich. Ich hab ihn mal live gesehen – bäh. „Villacher Schlampe“ – auch die wird’s geben, ich persönlich kenne keine. „Meine Ex die Schlampe“ – keine Sorge, du Koffer, sie spricht über dich auch nicht netter. „Shrek schwul“ – oh mein Gott, und die 7 Zwerge von Schneewittchen betreiben wahrscheinlich einen Swingerclub… stellt alle Zeichentrickfilme ab sofort unter den Jugendschutz!!!

Was wurde noch häufig gefragt? „Martens richtig einlaufen“ – gute Frage: ich hab das gemacht, was mir die Verkäuferin im Geschäft geraten hat. Zwei Paar Socken übereinander anziehen und die Dinger nicht jeden Tag tragen. Es gibt auch zusätzlich Martens-Pflege, die macht das Leder auch weicher. Ich hab für mich festgestellt: wenn ich mir je wieder Martens kaufe, dann werde ich mir die Comfort-Martens nehmen. „Wartungsfreie Autobatterien“ – sehr praktisch, gibt’s fast überall, einfach die Werkstätte des Vertrauens fragen. „Schal stricken“ – sehr dicke Wolle kaufen, noch dickere Nadeln, 20 Maschen anschlagen und sich dann einen netten Film ansehen.

Was hat die Mitmenschen (ich vermute hier mal: Frauen) noch bewegt? „Dating Regeln USA“ – sollten meiner Meinung nach dort bleiben. „Welche Vorsätze müssen Männer haben“ – ernst gemeinte!!! „Zweites Date wann“ – wer schon weiß, dass die eigenen Nerven nicht unbedingt die besten sind: am Ende des ersten Dates sagen „das war schön, das sollten wir wiederholen“. Wenn von der anderen Seite Zustimmung kommt, dann einfach nach ein paar Tagen anrufen. Wer findet, dass das Anrufen Sache des Mannes ist: viel Spaß beim Weiterleiden… „Date zu hause“ – ich würde davon ausgehen, dass er dann in jedem Fall Sex erwartet, also nicht wundern, wenn er dann sauer wird, wenn frau sich ziert. „Nach dem ersten Date, wer meldet sich zuerst“ – wer sich das noch immer fragt, darf sich nicht wundern, dass er immer noch Single ist. „Zweites Date“ – der Klassiker hier ist: Abendessen und hinterher Kino.

Die Frage – könnte ich mir zumindest gut vorstellen – kam sicher von einem Mann: „Wieviel verdient Robert Kratky“ – ich hab keine Ahnung, es ist mir auch ziemlich wurscht, ich gönne ihm jeden einzelnen Cent.

Und zu guter Letzt: „Maronischnitten“. Ich muss gestehen, ich backe die nicht, ich kaufe sie nur. Gute hat aber „der Mann“.

To be continued…

Mittwoch, 5. März 2008

With teeth

Wir Menschen werden ja oft von der einen oder anderen Angst gebeutelt. Und es ist ja in Wahrheit unpackbar, wovor man Angst haben kann. Agoraphobie, Arachnophobie, Höhenangst, Flugangst – Ängste berühren uns in unserem tiefsten Inneren und sorgen dafür, dass uns die Gänsehaut aufsteigt, uns jedes verdächtige Geräusch zusammen zucken lässt, unser Magen sich verknotet und uns der Angstschweiß auf der Stirn steht. Nun, ich habe das Glück, dass meine Ängste recht gut domestizierbar sind. Ich habe zB Angst vor mir unbekannten Aufzügen, da kann ich zum Amüsement meiner Begleiter stocksteif werden und sehr irrational agieren – aber diese Angst ist noch nicht so stark ausgeprägt, dass sie mich behindert. Eine Angst gibt es allerdings, die mich von frühester Kindheit an begleitet: die Angst vor dem Zahnarzt…

Himmel, was habe ich als Kind die Zahnärztin doch gehasst. Und ihren Bohrer, und vor allem dieses kreischende Geräusch, das dieser Bohrer macht. Wenn dieses Geräusch nicht wäre, dann würde das Bohren beim Zahnarzt wahrscheinlich gar nicht so wehtun. Aber alleine bei diesem Geräusch sind alle meine Nervenenden zum Zerreißen gespannt und höllisch überreizt – ein Anstupsen genügt, und es schmerzt. Meine Angst vorm Zahnarzt hat mich soweit gebracht, dass ich regelrecht hysterisch wurde, wenn ich die Ärztin gesehen habe – was damit geendet hat, dass die Zahnärztin meine Mutter aus dem Zimmer geschickt hat und mir eine Ohrfeige verpasst hat. Ja, von da an war ich ruhig, das stimmt. Aber ich hab vor jedem Zahnarztbesuch alle Zustände bekommen.

Aber da ich ja in Wahrheit vom Glück geküsst bin (und die schönen Zähne von meinem Dad geerbt habe), sind meine Zähne – bis auf ein paar kleinere Löcher – gut beieinander. Ich habe sogar durch Zufall eine sehr nette Zahnärztin gefunden. Da Zahnbeschwerden ja grundsätzlich am Wochenende kommen, wo man sich mit 40 anderen Menschen in der Notpraxis zusammenpferchen kann, hat mir das Universum eine sehr einfühlsame, nette, junge Zahnärztin zugespielt, die ihr Handwerk eindeutig versteht und die sehr flink arbeitet. Und wenn man zufrieden ist, kann man ja auch zur Routineuntersuchung hingehen.

Hab ich schon gesagt, dass ich meine Zahnärztin sehr mag? Vor jeder Untersuchung wird ein Röntgen gemacht, das genau zeigt, ob irgendein Zahn von Karies befallen wurde. Und da ich ja ein bisschen in die Kategorie „Angsthase“ zähle, bekomme ich auch beim Bohren immer eine Spritze, damit es nicht weh tut. Eines schönen Tages stelle ich voller Stolz fest, dass mir mittlerweile sogar schon die Weisheit aus dem Munde sprießt. Dummerweise ist rundherum alles entzündet und schmerzt. Ich verstehe, warum Babies wie am Spieß brüllen, wenn sie zahnen. Und ich kann auch den Drang, auf etwas Hartem herumzukauen, nachvollziehen, immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich etwas in den Mund stecke und daran herumnage…

Als das Zahnfleisch zum x-ten Mal entzündet ist, erkundigt sich meine Zahnärztin „wie alt sind sie jetzt eigentlich? 33? Da sollten sie überlegen, ob es nicht klüger wäre, den Zahn ziehen zu lassen.“ Ziehen???? Einen gesunden Zahn, der ja nix hat? Nö, sicher nicht. Vielleicht brauche ich den ja mal, später… Ich mag ihn nicht hergeben. Und das Zahnfleisch wird sich irgendwann mal beruhigen. Ja, hat es auch, allerdings hat dann der Kiefer zu maulen begonnen. Denn – man soll es nicht für möglich halten, aber: für alle meine Zähne ist mein Mundwerk einfach nicht groß genug. Und so kommt es, dass ich am Heiligen Abend am Vormittag in der Apotheke stehe, mit schmerzverzerrtem Gesicht, und bettle „Schmerzmittel, bitte…“. Die Apothekerin sieht mich mitleidsvoll an „Weisheitszahn?“ – ich nicke. Sie meint daraufhin „ich auch, ich hab in zwei Wochen den Termin zum ziehen“. Nach einigen Tagen ist der Schmerz aber vorbei, und – wenn’s eh net weh tut, warum dann freiwillig zum Zahnarzt gehen? Letzten Freitag setzen um 14 Uhr (natürlich zu einer Zeit, wo meine Zahnärztin im verdienten Wochenende ist) die Zahnschmerzen ein – der Weisheitszahn schubt wieder mal. Ich halte mich übers Wochenende mit meinen bewährten Schmerztabletten über Wasser und rufe am Montag in der Früh als erstes meine Zahnärztin an. Und weil ich ja Schmerzen habe, schlägt die Assistentin vor, ich soll doch gleich am nächsten Abend kommen. So schnell… aber undankbar darf man auch nicht sein. Also gerne und herzlichen Dank, dass ich so rasch drankomme.

Danach plane ich, wie der Dienstag ablaufen wird: erst Office, dann zum Zahnarzt. Caro holt mich dort ab und bringt mich heim, damit ich nicht U-Bahn oder Taxi fahren muss, wer weiß, wie’s mir nach dem Reißen gehen wird. Denn die Assistentin hat ja am Telefon geschätzt „hm, schaut so aus, als ob er leicht rausgehen würde – sagen wir eine halbe Stunde“. Ich lade den iPod auf, damit ich mich von den Zahnarztpraxisgeräuschen wegstöpseln kann. Überpünktlich komme ich in der Praxis an und lasse dort auch noch das obligate Röntgen über mich ergehen. Dann, der Moment, wo der Aff’ ins Wasser hupft, wie meine Oma sagen würde. Ich werde in den Behandlungsraum gebeten. Die Zahnärztin erklärt mir den Eingriff und betäubt die betroffene Stelle. Ich stöpsle den iPod ein und versuche, mir vorzustellen, dass ich an einem tollen Strand liege. Das erste Lied ist noch nicht mal fertig und ich bin noch lange nicht an meinem Strand angekommen, als ich spüre, dass mir etwas in den Mund gesteckt wird und die Aufforderung kommt „zubeißen bitte“. Was, das wars? Das waren ja nicht mal zwei Minuten… Und ich hab ja gar nix gespürt. Die Zahnärztin lächelt mich an, drückt mir die Instruktion für die kommenden Tage in die Hand und gibt mir als Andenken meinen Zahn mit.

Und davor hab ich solche Angst gehabt? War doch alles gar nicht so schlimm. Und: sie hat gar nicht gebohrt…

Samstag, 23. Februar 2008

½ + ½ = 1?

Wenn ich aus dem Fenster meiner Wohnung schaue, dann sehe ich, dass die Sonne scheint, höre die Vögel um die Wette zwitschern, und der Nussberg deutet schon einen Hauch von Grün an. Frühling wird’s in Wien! Und bei Temperaturen, die deutlich im Plus-Bereich sind, werden auch die Hormone wieder aus der Winterstarre wach, und in der Einen oder Anderen erwacht der Wunsch, sich zu verlieben. Frühlingsgefühle liegen in der Luft…

Wenn ich dann in meinen Posteingang, auf mein Handy oder in einige Internetforen blicke, dann sieht die Realität etwas anders und deutlich kälter aus. Meine Freundinnen verabreden sich, treffen sich häufiger mit einem bestimmten Mann, beginnen, sich Hoffungen zu machen… und fallen im Rekordtempo auf die Schnauze, während die Herren der Schöpfung sich schneller aus dem Staub machen, als frau „abgeblitzt“ sagen kann. Was ist passiert, sind alle „guten“ Männer vom Markt und müssen wir „übrig gebliebenen“ versuchen, mit dem verbleibenden Material zurande zu kommen?

Als ich noch die Hälfte eines Paares war, gab es einen Satz, den ich immer abgrundtief gehasst habe: „und, wo ist denn deine bessere Hälfte?“. Ein Satz, der immer mitschwingen ließ, dass man alleine unkomplett ist, unfertig, unvollkommen… Als ich dann doch schon ein Jahr Single war (in den Augen mancher Freunde also quasi „überfällig“ für einen neuen Freund), war die Frage dann: „und, schon eine neue bessere Hälfte gefunden?“. Wenn ich das dann verneint habe, dann wurde mir gerne unterstellt, ich wäre zu wählerisch. Oder – um es mit den Worten eines anderen großen Mistkerls zu sagen: „wer selbst nicht aussieht wie Angelina Jolie, darf auf keinen Brad Pitt hoffen“.

Muss ich mich mit dem begnügen, was für mich quasi „übrig bleibt“? Bin ich unter einigen recht selbstgefälligen Ehepaaren in meinem Umfeld das einzige Aschenputtel, das nach wie vor vor der Erbsenschüssel sitzt und zählt „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“? Bin ich dazu verpflichtet, mich in meinen Augen „unter Wert“ an den Erstbesten zu verkaufen, nur um das Schandmal „Single“ endlich von meiner Stirn wischen zu können? Besser irgendeinen als gar keinen?

Letztes Jahr hatte ich eine Phase, wo ich mir vor einem Date gedacht habe: wenn der nur halbwegs nett ist und ein bissl an mir interessiert ist, dann werde ich es mit ihm versuchen – selbst, wenn er nicht der Mann ist, der mir Herzerl in die Augen zaubert. Das Universum hat mich allerdings vor diesem Fehler bewahrt, indem es dafür gesorgt hat, dass wir einander bei dem Date nicht gefunden haben. Es kommt recht selten vor, dass das Universum so deutlich zu mir spricht, aber in diesem einen Fall war die Message klar „Mädl, das wäre ein riesengroßer Fehler – einen, den du später sehr bereuen würdest“.

Ich habe diese Botschaft verstanden. So bleibe ich vorerst weiter Single. Und ich finde das Singledasein im Großen und Ganzen ja nicht so schlecht. Gewiss, es gibt Dinge, die mir sehr fehlen. Am Abend heimkommen und von einem lieben Menschen nach einem beschissenen Arbeitstag einfach in den Arm genommen zu werden. Jemanden haben, mit dem man stundenlang herumknutschen kann. Ja, und auch der Sex fehlt mir. Aber der Knackpunkt an der Geschichte ist ja: ich will diese drei Dinge haben, aber mit einem Mann, der mir mit jedem Blick in die Augen den Boden unter den Füßen wegzieht und der dann hinter mir steht, um mich aufzufangen. Der mir, wenn er mich ansieht, das Gefühl gibt, dass ich in seiner Welt die umwerfendste Frau bin, und wer bitteschön ist diese Angelina Jolie? Dem ich blind vertrauen kann, weil er mir das Gefühl gibt, dass er mich so liebt, wie ich bin und nicht, wie ich vielleicht sein könnte.

Ich möchte für den Mann an meiner Seite nicht austauschbar sein. Nicht diejenige sein, die grad zufällig da war, und die nach dem 4. Mojito – im Halbdunkel betrachtet – eh nicht so übel aussieht. Nicht diejenige sein, mit der Mann halt ins Bett geht, weil sie grad da ist und willig ist und weil Sex ja doch etwas angenehmer ist als das Rendez-vous mit der rechten Hand am WC.

Und so denke ich mir, wenn ich den Satz lese „dabei wünsche ich mir doch so sehr einen Partner“: ja, ich wünsche mir auch einen. Aber halt nicht „irgendeinen“. Sondern einen besonderen Menschen, der mich respektiert. Der mich so nimmt, wie ich bin, auch wenn das für ihn manchmal eine Herausforderung bedeutet. Durch den mir, nachdem er in mein Leben getreten ist, bewusst wird, dass ich genau ihn schon mein ganzes Leben lang vermisst habe. Und dass er mich auf diese besondere Art und Weise ergänzt. Ich möchte nicht, dass er mich vervollständigt – ich bin schon so komplett, wie ich bin. Und ich will auch nicht seine Sonne sein, um die er sich dreht. Wie hat es schon Christina so schön gesagt: mag daran liegen, dass ich mich auf Podesten, auf die man mich stellt, unwohl fühle.

Einfach einen Menschen finden, der mich als den Menschen schätzt, der ich nun mal bin. Mit all meinen Vorzügen und Fehlern, die ich habe. Der mich nicht ändern möchte, weil ich eben nun mal so bin wie ich bin. Und der findet, dass genau das meinen Charme ausmacht. Im Gegenzug verspreche ich, dass auch ich ihn als „Gesamtkunstwerk“ sehen werde – mit all den Macken und Schrulligkeiten, die nun mal zu Kunstwerken so dazu gehören…

Mittwoch, 13. Februar 2008

Cocktail

Jeder, der schon mal einen kurzen Blick in meine „worth to be addicted to…“-Liste geworfen hat, der hat eines festgestellt: ich habe ein sehr starkes Faible für Serien. Ich finde Serien toll: man lernt über einen gewissen Zeitraum die Charaktere kennen, findet seinen persönlichen Liebling in der Serie und kann dann mitfiebern und mitleiden. Und meine Leidenschaft für Serien begleitet mich schon durch mein ganzes Leben: im zarten Alter von fünf Jahren habe ich mir die Biene Maja und Wickie und die starken Männer gegeben, mit zwölf habe ich Michael Knight angeschmachtet (zu meiner Verteidigung muss ich sagen: das haben damals ALLE gemacht), und heutzutage sitze ich am Serienmontag gespannt und schaue mir Grey’s Anatomy und Private Practice an. Ab und zu stelle ich mir die Frage, ab wann eine Serie eigentlich eine Serie ist. Und da es ja irgendwo ein Urvölkchen gibt, das nur die Zahlen eins und zwei kennt – danach kommt für alle weiteren Zahlen „viele“ – übernehme ich diese Zählweise und definiere, dass für mich jede Geschichte, die mehr als eine Nachfolgestory hat, eine Serie ist. Und freue mich hiermit bekanntzugeben, dass es auch in den Ansichtssachen eine Serie gibt. Werte Leserinnen, werte Leser, hiermit präsentiere ich euch voller Stolz und mit einem kleinen bisschen Herzklopfen die Serie „das Mädchen und der Moderator“…

Angefangen hat ja alles ganz harmlos: wenn mich die Langeweile treibt und ich frustriert bin, dass in meinem Leben grad so gar nix Spannendes und Aufregendes passiert, neige ich dazu, dass ich über meine Langeweile und ihre Blüten in meinem Blog schreibe. In diesen Fällen kann es dann sein, dass das Universum mit seinem unnachahmlichen Humor meint „na schön, dann stoßen wir die Julia mal in eine ganz absurde Situation – damit sie nicht jammern kann, dass in ihrem Leben nix passiert“. Bei mir hat das Universum wohl gemeint „was passiert, wenn wir der Julia eine Cocktaileinladung von ihrem Lieblingsradiomoderator in die Hände spielen?“. Nun, da gibt es dann einige lustige mails und eine Einladung zu einer Veranstaltung in die Ottakringer Brauerei. Aber auf meine Frage, ob der Cocktail eigentlich noch aktuell ist, gibt's keine Antwort…

Naja, in solchen Fällen denke ich mir „ich hab eine lustige Geschichte bekommen“ und bin mit meinem Schicksal wieder versöhnt. Außerdem kann ich einige Wochen später der Klatsch- und Tratschpresse entnehmen, dass der Eppi nun eine sehr hübsche, süße Freundin hat – na, da wird er für mich keine Zeit haben, das sei ihm verziehen und ich wünsche ihm in Gedanken eine schöne Zukunft. Und finde es immer wieder witzig, wenn ich seine Stimme in der Früh höre, weil… jetzt hab ich ja der Person dahinter immerhin schon einmal die Hand geschüttelt. Als ich eines schönen Tages meine Erlebnisse in der Ottakringer Brauerei online stelle, bin ich auch so fair und schicke ihm den Link – falls ihm die Geschichte nicht gefällt, kann ich sie ja wieder löschen. Wobei ich mir den Disclaimer gönne „wenn ich von dir nichts höre, nehme ich mal an, dass die Story für dich ok geht“ – weil ich ja ohnehin mit keiner Antwort rechne. Und ich bekomme auch keine…

Viele Monate später, so um den Nationalfeiertag, werfe ich eines Morgens einen Blick in mein mailaccount und falle fast vom Sessel: aus heiterem Himmel ein mail von Peter, wo er unter anderem die Cocktaileinladung wiederholt. Damit hätte ich nun echt nicht gerechnet. Aber ich antworte natürlich „ja, können wir gerne machen“ und bin gespannt auf die Antwort. Und die kummt net, kummt net, kummt net…

Ich muss gestehen, solche Geschichten ärgern mich. Ich mein’, einmal in der Versenkung verschwinden, ok, aber zweimal… Und wenn ich mich über etwas ärgere, dann will ich auch, dass die Zielperson meines Ärgers davon etwas mitbekommt, still vor mich hinleiden ist nicht meins. Aber was tun bei einem Promi? Nämlich, ohne dass ich das Gefühl habe, ein Stalker oder ein Groupie zu sein. Ein mail schicken ist nicht sehr sinnvoll, wahrscheinlich stehe ich schon auf irgendeinem spam-Filter. Ein Eintrag im Gästebuch auf seiner Homepage? Und mich dort in die Reihe der enttäuschten Groupies einreihen? Nein, dann fühl’ ich mich erbärmlich. Es muss doch noch irgendwas anderes geben…

Das Thema „Peter L. Eppinger“ kommt natürlich auch regelmäßig in meinem Freundeskreis hoch. Und alle paar Wochen kommt von irgendjemandem die Frage „und, was ist jetzt mit dem Cocktail?“. Eines schönen Tages antworte ich meiner Freundin Lisa „weißt, ich hätt’ ja gute Lust, ihm die Zutaten für einen Tequila Sunrise mit der Post zu schicken – soll er sich das Klumpert doch selbst zusammenmischen…“. Mooooooment… das ist es!

Bei einem Blick auf die Zutaten eines zünftigen Tequila Sunrise und einem zweiten Blick auf die Preisliste der dazu notwendigen Alkoholika wird mir allerdings etwas schwummrig. Für so einen Spaß eine Flasche silver Tequila zu opfern, das ist mir dann doch etwas zuviel Geld zum Fenster raus geworfen… Praktisch wäre es, wenn es solche Cocktails in Dosen gäbe… Nach einem kurzen Abstecher zu Google stelle ich fest: es gibt Tequila Sunrise in Dosen – sogar in Österreich. Und da man sich ja bekanntlich für nichts zu blöd sein darf, bestelle ich zwei Dosen, und als die stillste Zeit des Jahres naht, wo man liebe Menschen mit einem Päckchen bedenkt, packe auch ich ein kleines Packerl, mit zwei Dosen Tequila Sunrise, einem Glas Cocktailkirschen, einem Packen Strohhalmen und einigen Cocktailschirmchen, schreibe eine sehr freundliche Weihnachtskarte und schicke das zum Radiosender – sehr zum Amüsement meines Postlers, der nach einem kurzen Blick auf den Empfänger – „Hitradio Ö3 z.H. Peter L. Eppinger – Persönlich“ sehr breit zu grinsen beginnt. Wobei die freundliche Weihnachtskarte eigentlich nur da ist, um die Kernaussage des Packerls – nämlich ein herzhaftes „… du mich auch!“ - etwas zu verschleiern. Denn wenn, dann möchte ich auch ein bisschen Spaß bei der Geschichte haben. Und male mir drei mögliche Szenarien aus, die passieren können. Szenario 1: er kriegt das Packerl, versteht den tieferen Sinn und rührt sich daraufhin nicht mehr bei mir – dann habe ich das letzte Wort. Szenario 2: er kriegt das Packerl, versteht den tieferen Sinn nicht und bedankt sich bei mir – dann kann ich mich wochenlang drüber amüsieren. Szenario 3: er versteht den tieferen Sinn und entschuldigt sich bei mir – dann hab ich diese Genugtuung. Also quasi eine triple-win-Situation. Ich reibe mir die Hände und bin stolz auf meinen Plan – und kann mir nicht vorstellen, dass es noch ein 4. Szenario gibt…

Einige Wochen nach Weihnachten maile ich eines schönen Freitagnachmittags mit meinen Freundinnen Caro und Lisa – frau braucht schließlich etwas Unterhaltung, wenn man so spät noch das Büro hütet, und das vor dem Wochenende… Und jedes Mal, wenn ich ein mail bekomme, achte ich gar nicht drauf, von wem ich das habe, sondern clicke einfach nur auf „öffnen“. Als also am Nachmittag ein mail hochplingt, denke ich mir nichts und lese… und stelle während des Lesens fest, dass der Inhalt des mails so gar nicht zu den mails passt, die ich vorher meinen Freundinnen geschrieben hab. Eigentlich passt auch der Betreff gar nicht dazu… „Du bist wirklich gut! :-)“ – und als Absender wieder mal die mir schon bekannte mailadresse des Rundfunks…

Peter schreibt mir also, dass er das Päckchen erst an diesem Tag bekommen hat (und ich bin in der Sekunde dankbar dafür, dass ich die Idee, auch eine Deko-Orange mit einzupacken, verworfen habe – die wäre ihm in allen Farben aus dem Packerl entgegengeschimmelt…), gibt zu, dass er sehr geschmunzelt hat und bedankt sich artig. Und ergänzt, dass er zu Silvester den Vorsatz gefasst hat, dass wir dieses Jahr unseren Cocktail schaffen müssen… Jaja, Schatzerl, den Schmäh kannst deiner Großmutter erzählen. Und auch, wenn ich das vergangene Silvester in der Nähe der Eppinger’schen Latifundien verbracht habe, ich hab mir um Mitternacht sicher nicht über ihn den Kopf zerbrochen. Insgeheim freue ich mich aber diebisch „er hat’s nicht verstanden…“. Also antworte ich auch ganz brav und artig, dass es mich freut, ihm eine Freude gemacht zu haben. Und dass ich mich ganz einfach überraschen lasse, ob das mit dem Cocktail wirklich was wird. Außerdem äußere ich die Befürchtung, dass diese Dosen sicher fürchterlich schmecken werden, aber Strafe muss ja schließlich sein. Als Antwort bekomme ich ein „wir werden diese Dosen gemeinsam leeren…“. Uah, das zählt dann wohl in die Kategorie „gefährliche Drohung“. Ich antworte also schon lachend „du, das soll für DICH eine Strafe sein, nicht für mich…“. Das wirft bei Peter die Frage auf, ob ich schon mal so eine Dose geleert habe. Denn besser wäre eigentlich eine Flasche gewesen, er selbst hat noch nie gehört, dass jemand zu jemand anderem sagt „Du bist so eine Dose!!!“.

Jetzt hat er es geschafft – ich schaffe es gerade noch, mich soweit zusammenzureißen, dass ich mich weder am Kaffee verschlucke noch dass ich ihn über den Flatscreen spucke. Die Lachtränen, die mir über die Wange kullern, kann ich allerdings nicht unterdrücken. Und während ich haltlos vor mich hinkichere, sehe ich, dass meine Kollegen nur noch leise den Kopf über mich schütteln. Chapeau, Herr Eppinger, der war echt gut! Womit wir also Szenario 4 hätten: den tieferen Sinn des Packerls verstanden – und herzhaft darüber lachen können.

Und da man mir bekanntlich die größte Freude macht, wenn man mich zum Lachen bringt und mir zusätzlich eine Wuchtl spendiert, bin ich nun wirklich neugierig, ob das mit dem Cocktail tatsächlich was wird. Wenn ja, dann könnt’s ein lustiger Abend werden…

Dienstag, 5. Februar 2008

40 Tage, 40 Nächte

Es gibt einige Tage im Jahr, die ich für absolut entbehrlich halte. Dazu zählen unter anderem der Valentinstag, der Superbowl-Sunday und Halloween. Die Mutter aller Unnötigkeiten ist in meinen Augen allerdings der Faschingsdienstag.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen den Fasching. Was mir allerdings gegen den Strich geht, ist die Tatsache, dass am Faschingsdienstag alle meinen, dass der helle Wahnsinn ausgebrochen ist, was für Normalsterbliche wie meinereiner, die auch an diesem Dienstag in Ruhe arbeiten wollen und die von Ansprechpersonen Auskünfte wollen, ziemlich lästig sein kann. In Kärnten ist der Faschingsdienstag anscheinend ohnehin der höchste Feiertag des Jahres und auch sonst bekommt man den ganzen Tag über sehr amüsante mails von Kollegen aus anderen Zweigniederlassungen, die sich freiwillig in extrem peinlichen Kostümen fotografieren lassen. Alle Welt hat Spaß. Alle Welt? Nein, ein kleiner, unbeugsamer Haufen trotzt dem Gruppenzwang der Lemminge und läuft nicht mit dem Faschingsumzug mit – sondern hackelt zur Abwechslung was.

Ein weiterer Grund, warum ich den Faschingsdienstag nicht mag, ist die Tatsache, dass er der einzige Tag im Jahr ist, wo ich mich für die Tatsache geniere, dass ich seit gut 30 Jahren in Döbling lebe. Döbling ist in einiger Hinsicht sicher mit Villach vergleichbar: beide so um die 60.000 Einwohner, beides an einem Fluss gelegen, beides mit ein paar Bergerl versehen. Und: sowohl Döbling als auch Villach haben eine eigene Faschingsgilde. Und jeder, der beim berühmten Villacher Fasching schon die Ohren anlegt und die Augen verdreht, wenn das Publikum zum 4.739sten Mal „Lei-Lei“ ruft, der soll sich stets vor Augen halten: es geht noch peinlicher. Der Kampfschrei der Döblinger Faschingsgilde ist nämlich – superoriginell – „Dö-Dö-Bling-Bling“… Ganz schlimm ist, wenn diese Tatsache alle Jahre wieder über den öffentlichrechtlichen Rundfunk verbreitet wird – dann lachen sich nämlich die übrigen 22 Bezirke kropfert über uns und wir armen Döblinger leiden. Nein, Faschingsdienstag ist definitiv nichts für mich.

An dem heutigen Faschingsdienstag ist eine Besonderheit im Tagesablauf: ein Arbeitskollege von mir hat Geburtstag. Das ist grundsätzlich immer etwas Erfreuliches, da es sich in unserer Abteilung eingebürgert hat, dass das Geburtstagskind was Essbares mitbringt. Also gibt es immer entweder Brötchen oder Kuchen und in besonders netten Fällen gibt es beides. Weniger erfreulich ist heute allerdings die Tatsache, dass die übrigen Kollegen Geburtstag mit Fasching verbinden, und mit trötenden Luftpfeifen durch die Gegend wandern. Unter normalen Bedingungen bin ich für so ziemlich jede Dummheit zu haben, aber da ich in letzter Zeit recht viel gearbeitet habe, und demnach übermüdet und überarbeitet bin (wenn ich noch ein bissl nachdenke, fallen mir sicher noch einige Verben ein, die mit „über“ beginnen), habe ich für solchen Krach keinen Nerv. Als mir ein Kollege freudig ins Ohr trötet, knurre ich ihm nur ein kurzes „was is’, hast heute Clown gefrühstückt“ entgegen. Und auch meine Drohung, ihm das Krachzeugs wegzunehmen und einen Knoten rein zu machen, fruchtet nicht sonderlich. Der Kollege trötet munter weiter, ich gehe mit jedem „tröt“ an die Decke und verbreite Misslaune. Wahrscheinlich werde ich eines schönen Tages für mangelnden Humor standrechtlich erschossen – ich überlege also, ob ich nun vorsichtshalber jeden Tag meine Schlafmaske einpacken soll, damit wir im Fall des Falles eine Augenbinde bei der Hand haben, und rätsle, ob mir die Kollegen wohl noch einen letzten Tschik gönnen würden.

Das gute am Faschingsdienstag ist allerdings: er endet um Mitternacht, und dann beginnt der Aschermittwoch – der offizielle Beginn der Fastenzeit, wo das närrische Treiben wieder ein Ende hat. Naja, vielleicht nicht überall – in irgendeiner oberösterreichischen Ortschaft wird der Karneval bis zum Mittag des Aschermittwochs gefeiert und anschließend eine Strohpuppe verbrannt – solche archaischen Rituale will ich aber gar nicht verstehen.

Aschermittwoch… der Tag, wo es in jeder Betriebskantine Heringsschmaus zu essen gibt. Der Beginn der Fastenzeit, wo man sich so als guten Vorsatz etwas vornimmt, auf das man 40 Tage lang verzichtet. Der Eine sagt, dass er das Rauchen einschränkt, der Zweite, dass er weniger Alkohol trinkt, der Dritte, dass er etwas abnehmen möchte. Nun, mit dem Rauchen werd’ ich mir als Nichtraucherin nicht allzu schwer tun, das zählt also nicht als Verzicht. Alkohol möchte ich nicht streichen, weil ich in der Fastenzeit Geburtstag habe und an meinem Geburtstag anstoßen möchte. Und Schokolade zählt im Augenblick in die Kategorie „Medizin“, die kann ich auch nicht streichen. Also habe ich mir überlegt: ich nehme eine Anleihe bei dem Film „40 Tage, 40 Nächte“ mit Josh Hartnett und werde 40 Tage lang auf Sex verzichten…

Jetzt könnte der wohlwollende Leser dieser Zeilen natürlich meinen „ok, Julia, und worin genau besteht jetzt der Unterschied zum restlichen Jahr?“. Ganz einfach, meine Lieben – in der inneren Einstellung… Wenn es das übrige Jahr eine lästige, nervige Tatsache ist, dass ich keinen Sex habe – diese 40 Tage werde ich bewusst keinen Sex haben und mein Zölibat regelrecht zelebrieren. Selbst, wenn auf einmal McDreamy vor meiner Türe stehen und darum betteln sollte. Ich habe meinen Entschluss gefasst und er ist unumstößlich: kein Sex in der Fastenzeit.

Und – wer weiß, vielleicht hilft es, das Universum auf diese Art und Weise ein kleines Bisschen herauszufordern. Denn wie hat es auch schon Annett Louisan so schön gesungen „so viele Dinge bekommt man erst dann, wenn man sie nicht mehr gebrauchen kann...“. Und falls doch McDreamy während der Fastenzeit in mein Leben tritt? Tja, dann, Darling, darfst du dich schon jetzt auf einen heißen Ostersonntag freuen…

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