Samstag, 26. Januar 2008

Wenn alle Männer Mädchen wär'n...

Ich weiß, der Titel dieser Kolumne ist sehr provokativ und lässt auf einen totalen Emanzeninhalt schließen, deshalb möchte ich gleich mal eines vorweg sagen: ich finde Männer toll. Sie bringen mich sehr oft zum Lachen, manchmal zum Weinen und ständig zum Grübeln und Nachdenken. Um es mit den Worten von Herbert Grönemeyer zu sagen „Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“. Und wenn frau mal durchschaut hat, wie diese Wunderwesen funktionieren, ist ja auch die Kommunikation watscheneinfach und es gibt kaum noch Missverständnisse zwischen den Geschlechtern. Ihr seid unglücklich, weil „er“ nicht auf ein mail oder ein SMS reagiert? Es ist so simpel – baut einfach eine direkte Frage ein. Der wohltuende Teil der Männer, die nicht in die Kategorie „Dampfplauderer“ zählen, findet nämlich, dass Informationen nicht kommentiert werden müssen und nur direkte Fragen einer Antwort bedürfen. Und wenn ihr nervös seid, weil er sich vor dem Date nicht rührt und ihr schon Angst hat, er hätte auf euch vergessen: nein, hat er nicht, und solange sich am Status-quo nichts ändert, gibt es auch keinen Grund, dass er vor dem Date nochmals anruft und nochmals bestätigt, dass es beim Termin bleibt. Wenn ihm hingegen was dazwischen kommt, dann meldet er sich zuverlässig. Was, Ladies, ihr glaubt mir nicht? Probiert es doch einfach mal aus…

Ich kann also sehr guten Gewissens sagen: Männer bereichern mein Leben. Gewiss, sie haben auch Macken und Schrulligkeiten und manchmal etwas eigenartige Angewohnheiten. Ich würde z.B. bedenkenlos einem anderen Menschen die Schlüssel und Papiere meines Autos in die Hand drücken, wohingegen mancher Mann die Meinung vertritt „my car is my castle“ und die Karre lieber irgendwo stehen lässt als jemand anders damit fahren zu lassen. Gut, darüber mag ich mich vielleicht wundern, aber wenn er’s so will, dann will er’s einfach so, und das ist für mich nichts, worüber ich mich ärgern oder lustig machen würde oder ähnliches. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Es gibt aber eine Angewohnheit, die einige Männer haben, die mich schlichtweg rasend macht: wildpinkeln. Und nein, ich leide nicht an einem unterdrückten Penisneid oder bin eifersüchtig, weil Männer im Stehen pinkeln können und ich nicht. Denn wenn ich mal das Bedürfnis gehabt hätte im Stehen zu pinkeln, dann hätte ich dafür ohne weiteres das pinkfarbene Urinal, das eine zeitlang im Einstein montiert war, ausprobieren können. So habe ich über dieses Ding herzlich geschmunzelt, aber ich habe keinen inneren Drang verspürt, es jemals zu testen.

Und während wir Frauen beim Weggehen oftmals einen etwas unentspannten Gesichtsausdruck haben – weil eben die Natur ruft und die Toilette aufgrund mangelnder Reinheit nicht sonderlich verlockend ist – und andächtig unsere Blase im Zaum halten, suchen sich Männer einfach den nächsten Baum oder die nächste Hauswand und verrichten dort ihre Notdurft. Ich habe einmal mit einem Mann darüber gesprochen, und er hat gemeint, das ist der letzte Rest des Tiers im Mann, dass er das Revier markiert. Ok, akzeptiert, einige Männer haben offensichtlich das Bedürfnis, sich wie die Hunde zu verhalten, aber könntet ihr dann bitte auch so freundlich sein, dass ihr euch zur Begrüßung auch gegenseitig am Hintern beschnuppert, dann kann man euch leichter erkennen und euch gezielt aus dem Weg gehen. Wobei – nein, das mit dem „am-Hintern-beschnuppern“, das wird nicht funktionieren, hätte diese Kategorie Mann doch sofort die Angst, man würde sie der Homosexualität verdächtigen, wenn sie auf einmal mit ihrer Nase am Hintern eines anderen Mannes hingen.

Wieder etwas, das wir Frauen nicht verstehen. Keine Frau würde sich weniger weiblich fühlen, wenn man ihr unterstellt, sie sei lesbisch. Aber ein Mann, bei dem man fälschlicherweise vermutet, er sei schwul, führt sich dann gleich auf, als hätte man ihn öffentlich kastriert…

Aber egal. Ich schlendere diesen Donnerstag zu nachtschlafener Zeit (nämlich gegen 22 Uhr) vom Büro Richtung heimwärts. Nach mehr als 12 Stunden im Office bin ich so müde, dass ich nicht mal den iPod einstöpsle, um mich vor der Umwelt etwas abzukapseln, ich will einfach nur noch heim und ins Bett. Als ich am 12. Februar Platz zur Straßenbahn marschiere, fällt mir ein junger Mann auf, der geraume Zeit vor einem Laternenpfahl steht und sich keinen Millimeter weg bewegt. Alle Fenster des Gemeindebaus sind geschlossen, also unterhält er sich auch mit niemandem. Was zum Teufel macht der Kerl da mitten auf dem Gehsteig? Auf einmal sehe ich die spiegelnde, sich ausbreitende Fläche zu seinen Füßen. Wenn es etwas gibt, das ich um 22 Uhr in der Nacht noch weniger ertrage als die Tatsache, dass mir da jemand quasi vor die Füße pinkelt ist es die Tatsache, dass der besagte junge Mann dafür das beste Stück des Mannes aus seiner Jeans hervorholen musste. Und beim Anblick eines blanken Penis um 22 Uhr auf offener Straße, da erwacht in mir der unverhohlene Wunsch nach einer öffentlichen Kastration.

Ich gebe zu, wenn ich nicht so hundemüde gewesen wäre, dann hätte ich dem jungen Mann sicher einen launigen Kommentar in Richtung „Schwanz ab“ oder „mach halt einen Knopf rein – ups, doch nicht, dafür ist er nicht lang genug“ an den Kopf geworfen. So habe ich lediglich meinen Schritt verlangsamt, um der direkten Konfrontation mit dem Penis zu entgehen – in müdem Zustand mag ich nicht mit einem Idioten streiten – schon gar nicht, wenn er dabei seinen Penis in der Hand hält.

Aber wenn’s eine Göttin gibt, und sie so launisch und nachtragend ist, wie ich vermute, dann hat der Idiot jetzt so eine richtig nette, feine Blasenentzündung, wo er sich wünscht, er wäre ein Mädchen, denn dann wäre der Harnleiter nicht so lange und das Pinkeln würde nicht so extrem schmerzen…

Sonntag, 20. Januar 2008

Schifoan

Es gibt einige „Standardgerüchte“, mit denen der Durchschnittsösterreicher im Laufe seines Lebens so konfrontiert wird: wir essen alle Apfelstrudel und Wiener Schnitzel, unsere Fußballnationalmannschaft wird im Leben kein Leiberl reißen (ok, das ist wahrscheinlich kein Gerücht) und wir können alle Schi fahren.

Ich muss hier eines klarstellen: der Österreicher wird nicht mit Schiern an den Füßen geboren. Aber zugegeben: selbst der Unsportlichste unter uns wird im Laufe seiner Schulkarriere sicher zwei, dreimal mit einem Schulschikurs „zwangsbeglückt“. Und Schifahren ist auch zugegeben einer der „Volkssporte“ in Österreich. Kaum ein Hügerl in den Alpen, wo nicht zumindest ein Schlepplift rauf führt und eine breite Schneise in den Wald Richtung bergab geschlagen wurde. Die malerischen Alpendörfchen haben sich zu Touristenburgen gewandelt, und verlangen Preise, wo man selbst das gesalzene Pflaster der Wiener Innenstadt als „eigentlich eh net so teuer“ empfindet.

Aber wozu Schifahren „aktiv“ betreiben und gebrochene Knochen riskieren (bei mir hat jeder Schiausflug mit einem Aufenthalt in der Notaufnahme und einem Körperteil in Gips gehüllt geendet – ich habe die Zeichen verstanden…), wenn man auch „passiv“ dem Schivergnügen frönen kann. Und zwar auf die bequemste denkbare Art: man knotzt sich daheim auf die Couch, schaltet den Breitbildfernseher ein und fühlt sich dank Exschifahrern, die mit einer Kamera in der Hand die Piste runter bretteln im wahrsten Sinne „live dabei“. Und selbst, wenn man keinen Fernseher in der Nähe hat, kann man im Radio einer Moderation von Adi und Edi lauschen, wo ich mir regelmäßig Sorgen um die beiden Knaben mache, weil so, wie die zwei sich reinsteigern und mitfiebern, müssen sie regelmäßig hart an der Grenze zum Herzinfarkt schrammen. Das ist alles Adrenalin pur.

Und ich muss gestehen, beim Schifahren bin ich stolz, dass ich eine Österreicherin bin. Zugegeben, in allen anderen Sportarten stinken wir ziemlich ab, aber – hey, Schifahren, das können’s, die Damen und Herren des Schiteams. Ich erinnere mich auch noch an legendäre Schirennen, wo die Plätze 1 bis 5 von Österreichern belegt wurden und der Kommentator launig bemerkt hat „Österreich bedankt sich für die ausländische Mitwirkung“. Und – gebt es doch zu – es ist doch herrlich, wenn wir kleines Österreich wenigstens in einer Sportart unserem Lieblingsnachbarn – den Piefke – zeigen können, wo der Bartl den Most herholt. Denn verlieren tun sie sehr ungern, die Deutschen, und wir Österreicher laben uns dann doch mit einem gewissen boshaften Grinsen an der Frustration der deutschen Nachbarn.

Und so verwundert es wohl niemanden, wenn einmal jährlich in der Gamsstadt Kitzbühel der Bär steppt. Alljährlich lockt die berühmt-berüchtigte Streif, die Reichen und die Schönen geben sich ein Stelldichein und die Liste der Promis ist endlos. Und so ähnelt der Beginn der Liveübertragung eher einer Extraausgabe der Seitenblicke, die österreichische Hochpolitik ist geschlossen vertreten (ok, den Bundeskanzler in seiner Eigenschaft als Sportminister versteh ich noch, aber was ein Verteidigungs- und ein Sozialminister dort machen…), alles, was Rang und Namen hat steht sich die Füße platt, um nur einmal kurz im Bild zu sein, und der Rundfunk sollte langsam überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, das Landesstudio Tirol nach Kitzbühel zu verlegen – rein infrastrukturmäßig betrachtet, natürlich.

Ich gestehe, ich schaue auch liebend gerne die Herrenabfahrt auf der Streif. Besonders beeindruckend finde ich, dass der Exschirennläufer Hans Knauß mit einer Handkamera (nein, nicht Helm, sondern Hand) die Streif freiwillig runter gefahren ist – ohne Schistöcke! Und langsam war der auch nicht unterwegs – auf meinem supertollen Riesenfernseher hab ich fast den Eindruck gehabt, als ob ich selbst die Piste runter brettle (wenn ich noch den Ventilator aufgestellt hätte, dann hätte ich sogar Fahrtwind imitieren können) und habe nur schwer der Versuchung widerstehen können, mich so richtig in die Kurven reinzulegen.

Aber die Streif hat nicht nur den Ruf, die schwierigste Abfahrt zu sein, sondern sie ist auch eine der gefährlichsten. Und ich denke, es kostet jeden eine gehörige Portion Überwindung, den sicheren Platz im Starthäuschen zu verlassen, um sich nur mit einem Sturzhelm und einem Rückenprotektor als Schutz (den Rennanzug vernachlässige ich mal) mit über 130 km/h den Berg runter zu stürzen – und wofür? Für Ruhm, Ehre und der Gewissheit, die eigene Angst bezwungen zu haben?

Es ist sicher mit ein Teil der Faszination der Speed-Bewerbe, dass man als Zuseher weiß, dass es den Rennfahrer jede Sekunde so was von zerbröseln kann. Nicht umsonst hat Reinhard Fendrich schon in den 80er Jahren gesungen „Wenn einer bei der Zwischenzeit sich zwanglos von sein’m Schi befreit, und es ihn in die Landschaft steckt, dass jeder seine Ohr’n anlegt. Wenn er das überleben tut, dann wird er nachher interviewt.“ Leider hat auch gestern die Streif ihren Tribut gefordert. Nun, es war nicht bei der Zwischenzeit, sondern beim Zielsprung, wo der Amerikaner Scott Macartney schwer gestürzt ist und die Livekamera einige Sekunden zu lang auf den Verunglückten gezoomt hat, damit das Publikum nur ja keine Zuckung des krampfenden Körpers verpasst. Zum Glück für den Amerikaner ist alles „halbwegs“ glimpflich ausgegangen. Tja, was soll man sagen: the show must go on, und nachdem der Verunglückte geborgen war, ging das Spektakel weiter – zum Glück ohne weitere Extremstürze. Ich hab auf jeden Fall mit jenen, die nach Macartney gestartet sind, mitgelitten – auch, wenn die Fahrer keine Information am Start bekommen haben, aber bei einer 20minütigen Rennunterbrechung kann sich jeder ausmalen, dass etwas schlimmes passiert sein muss. Mich hätten jedenfalls keine zehn Pferde aus dem Starthaus raus bekommen.

Gratulation an Didier Cuche, der gewonnen hat. Und eine gute Besserung an Scott Macartney…

Donnerstag, 10. Januar 2008

You don't own me

Wir haben – spätestens seit der Magnum-Werbung – alle gelernt, dass es sieben Todsünden gibt: Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Faulheit. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir alle im tiefsten Inneren unseres Herzens gestehen, dass wir der Einen oder der Anderen schon ein- oder mehrfach nachgegeben haben. Auch ich gebe zu, dass ich zu manchen dieser Todsünden öfters ein besonderes Naheverhältnis habe, auch wenn ich sie natürlich für mich selbst nie als Todsünde definieren würde. So würde ich mich zB nicht als hochmütig bezeichnen, aber eine Unterart des Hochmuts ist der Stolz, und den kann ich uneingeschränkt für mich okkupieren. Unter Völlerei kann man mit Sicherheit den Einen oder Anderen Shoppinganfall subsumieren und wer noch nie von sich behauptet hat, schon mal so richtig herzhaft zornig gewesen zu sein, der stelle sich gleich ins Eckerl für seine Lüge.

Es gibt natürlich auch in regelmäßigen Abständen die Diskussion, welche denn nun eigentlich die „Haupttodsünde“ ist. In einer Folge von Grey’s Anatomy wurde der Zorn als Mutter der Todsünden bezeichnet, weil die übrigen sechs nur einem selbst schaden, wohingegen der Zorn auch die Mitmenschen schädigt.

MEREDITH: [narrating] "In life we're taught that there are seven deadly sins. We all know the big ones... gluttony, pride, lust. But the thing you don't hear much about is anger. Maybe it's because we think anger is not that dangerous, that you can control it. My point is, maybe we don't give anger enough credit. Maybe it can be a lot more dangerous than we think. After all, when it comes to destructive behavior, it did make the top seven."

MEREDITH: [narrating] "So what makes anger different from the six other deadly sins? It's pretty simple really. You give in to a sin like envy or pride, and you only hurt yourself. Try lust or coveting and you'll only hurt yourself and one or two others. But anger is the worst... the mother of all sins... Not only can anger drive you over the edge, when it does, you can take an awful lot of people with you."

Nun, wenn die Mutter der Todsünden der Zorn ist, dann ist der Vater der Todsünden in meinen Augen der Neid – denn nichts vergiftet den betroffenen Menschen meiner Meinung nach so sehr wie er.

Ich muss gestehen, ich persönlich kann mit Neid und seinen Unterarten – Missgunst und Eifersucht – nur sehr wenig anfangen. Vor allem die Eifersucht ist mir persönlich völlig fremd. Friedrich Schleiermacher hat die Eifersucht mit einem Satz sehr treffend beschrieben: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft“.

Warum ist man eifersüchtig? Es gibt einen Satz von Max Frisch, der wie folgt lautet: Eifersucht ist die Angst vor dem Vergleich. Ich glaube, dass Max Frisch Recht hat – auf mich wirken eifersüchtige Menschen immer so, als ob sie von sich selbst denken, sie wären minderwertig, ungenügend, nicht gut genug. Und dass sie, wenn sie sich mal sicher, glücklich und geborgen fühlen, sofort befürchten, dass das alles nur Teil einer großen Verschwörung gegen sie ist und jeder Mensch, mit dem der Partner Kontakt hat, der potentielle nächste Nebenbuhler ist. Weil es ja nicht sein kann, dass man einfach „nur so“ glücklich ist. Ich erweitere somit die Aussage von Frisch um „… und das Fehlen von Vertrauen in den Anderen.“

Für mich ist Vertrauen etwas Essentielles im menschlichen „Miteinander“. Eifersüchtige Menschen wittern überall den Verrat und dass sie als Einzige sehen, was der übrigen Menschheit verborgen ist – dass das Ziel ihrer Eifersucht nur einen einzigen Lebenszweck hat: sie zu belügen. Und dass ihr einziger Lebenszweck ist, den Anderen dieser Lüge zu überführen.

Es gibt genügend Parodien über das berühmte Paar, er sagt „ich treff’ mich mit meinem Freund im Wirtshaus“. Sie ist daraufhin eingeschnappt: sie mag zwar nicht mitgehen (weil ihre Lieblingssoap im Fernsehen läuft oder sie den Freund überhaupt nicht ausstehen kann), unterstellt ihrem Mann aber dennoch, dass er in Wahrheit zu einer anderen Frau unterwegs ist. Er verlässt trotzdem die Wohnung, sie telefoniert ihm daraufhin im Minutenrhythmus hinterher, weint, schreit und zetert. Und er sitzt mit seinem Kumpel im Lokal und muss den mitleidigen Gesichtsausdruck ertragen, wenn sein Freund ihn anschaut und murmelt „na, nervt sie schon wieder…“.

Das Kernproblem ist ja, dass man jemanden, der eifersüchtig ist, nicht davon überzeugen kann, dass die Eifersucht unbegründet ist. Denn selbst, wenn das Eifersuchtsopfer so weit geht und 24 Stunden am Tag mit dem Eifersüchtigen zusammen ist und sich sozusagen rund um die Uhr von ihm überwachen lässt, kommt immer noch der Vorwurf „gib’s zu, du denkst jetzt grad an eine Andere…“. Das Einzige, das man mit so einer Methode ziemlich sicher erreichen kann, ist, dass der Partner eines Tages ziemlich entnervt aufgibt und sein Heil in der Flucht sucht…

Außerdem stelle ich es mir auch für das Eifersuchtsopfer als frustrierend vor: da gibt es einen Menschen, den man liebt, und nichts, was man tut, kann ihn davon überzeugen, dass es keinen Anderen gibt. Das Geschenk, das man außerplanmäßig mitbringt, weil man es in der Auslage gesehen hat und an den Partner gedacht hat, wird dahingehend interpretiert, dass man sich vom schlechten Gewissen freikaufen möchte. Das Funkloch in der U-Bahn, dass man das Handy beim Tete-a-tete abgeschaltet hat um ungestört zu sein…

Bleibt die Frage, wie man Eifersucht überwinden kann. Ich muss gestehen, ich weiß es nicht, da ich eben nicht zur Eifersucht neige. Aber warum bin ich eigentlich nicht eifersüchtig? Vielleicht liegt es daran, dass ich mit mir eins bin und mich so akzeptiere, wie ich nun mal bin. Vielleicht auch daran, dass mir bewusst ist, dass ich niemanden dazu zwingen kann, mich zu lieben. Und ich auch niemanden davon abhalten kann, sich in einen anderen Menschen zu verlieben, wenn ich ihn nur genug kontrolliere und dominiere. Und ich muss auch gestehen, dass mir der Gedanke Angst macht, dass ein anderer Mensch solche Besitzansprüche an mich stellen könnte. Seitdem die Sklaverei und die Leibeigenschaft abgeschafft wurden, gehören die Menschen nur sich selbst – sie sind für sich selbst eigenverantwortlich und dafür, dass sie glücklich werden.

Von dem her bleibt mir nur zu hoffen, dass ich nie den folgenden Satz aus dem Mund von McDreamy hören werde: „Du machst mich so glücklich…“. Denn dann könnte es passieren, dass ich darüber nachdenke, ob ich das überhaupt möchte… weil ich ja eigentlich der Meinung bin, dass das nicht mein Job ist.

Freitag, 4. Januar 2008

Akte Ex

Ab einer gewissen Altersstufe kann man wohl davon ausgehen, dass jeder Mensch, der einem über den Weg läuft, auch ein gewisses „Vorleben“ gehabt hat. Unter Vorleben verstehe ich, dass er sich zumindest schon einmal durch die Höhen und Tiefen einer Beziehung durchgefrettet hat, aus irgendwelchen Gründen an der Beziehung gescheitert ist und hinterher die Wunden, die diese Beziehung hinterlassen hat, geleckt hat. Und es gibt einige Menschen, die weiterhin mit ihren Exfreunden befreundet sind und es gibt andere, die einen Bogen um sie machen.

Auch in meinem Leben gibt es einen Ex, einen Mann, mit dem ich doch 13 Jahre meines Lebens verbracht habe. Und auch, wenn ich hier die Gründe für die Trennung nicht breit treten möchte, so gab es sie dennoch, er hat seinen Kram gepackt und ist aus meiner Wohnung ausgezogen. Danach hat er einige Zeit lang versucht, mich „zurückzuerobern“, was allerdings nicht nur an der stalkerhaften Methode gescheitert ist. Ich wollte einfach meine Ruhe von ihm haben und nach einigen Monaten hatte er das endlich auch verstanden.

Ich habe damals die interessante Feststellung gemacht: da gibt es einen Menschen, mit dem man jahrelang Freud’ und Leid teilt, der über die tiefsten Gedanken bescheid weiß, der einen kennt, wie sonst niemand. Und wenn es dann vorbei ist, stellt man fest, dass man mit diesem Menschen wohl im Bett war, dass man aber retrospektiv betrachtet nicht mit ihm befreundet sein mag. Dass man diesen Menschen nicht einmal mehr nett findet. Und doch hat man jahrelang zusammen gelebt, ja, hat diesen Menschen sogar mal geliebt. Aber wenn die Liebe weg ist, bleibt oft keine Freundschaft übrig…

Ich bin mit keinem meiner Exfreunde heute befreundet. Einige sind einfach völlig aus meinem Blickfeld verschwunden und bei anderen frag’ ich mich, welcher Teufel mich damals geritten hat, dass ich mich ausgerechnet in diesen Mann Hals über Kopf verliebt habe. Vielleicht ist es ja so, dass die Hormone in diesem Augenblick die Alleinherrschaft über den Körper übernehmen und dich nur in eine Richtung treiben, immer weiter vorwärts, völlig außer Acht lassend, dass die Klippe immer näher kommt und der Abgrund dahinter tief ist.

Mich hat heute – nach sicher 3 ½ Jahren absoluter Funkstille – mein Ex angerufen. Er ist gerade dabei, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, und nachdem er die Dinge durchforstet hat, die er damals so eingepackt hat, hat er festgestellt, dass noch einiges von mir dabei ist. Ich bin wütend: erstens mal werde ich Dinge, nach denen ich 3 ½ Jahre lang nicht gefragt habe, nicht auf einmal wieder haben wollen und zweitens mag ich nicht 20 Minuten lang am Telefon nieder gequatscht werden, was sich in seinem Leben nicht alles getan hat.

Man mag mich bitte nicht falsch verstehen: ich wünsche meinem Ex nichts Böses, ich bin ihm auch nicht gram für die 13 Jahre, die ein Anderer vielleicht als vergeudete Zeit sehen würde. Ich bin unter anderem auch durch die Zeit, die ich mit ihm verbracht habe, zu dem Menschen geworden, der ich heute bin, und ich finde diesen Menschen nicht so übel. Ich finde nur, dass ich lange genug seine Probleme zu meinen gemacht habe und ich möchte nicht mehr Teil seines Lebens sein. Und ich möchte, dass er diese Einstellung von mir respektiert.

Ich habe mir also mit meinem Ex ausgemacht, dass er die Dinge, die er (mit meinem Einverständnis) in meinem Keller gelagert hatte, Mitte des Jahres abholen wird. Er hat mir vieles über sich erzählt, ich habe zugehört, habe ihm aber nichts über mich berichtet. Einfach, weil ich finde, dass es ihn nichts angeht. Er ist nicht mehr Teil meines Lebens und ich möchte ihm keine Angriffspunkte bieten, wo er nachhaken kann. Zum Schluss habe ich ihm ein erfolgreiches erstes Halbjahr gewünscht und habe aufgelegt.

Das Absurde an der ganzen Geschichte ist ja, dass ich heute Morgen kurz an meinen Ex gedacht habe. Und mich über ihn geärgert habe, weil er nie so wirklich Rücksicht auf mich genommen hat. Mir ist heute früh wieder eingefallen, wie viele Stunden ich damit verbracht habe, dass ich irgendwo auf ihn gewartet habe, einfach, weil ich Zeit mit ihm verbringen wollte. Ich war auch auf das Mädchen, das ich damals war, wütend. Wenn ich könnte, würde ich ihr sagen, dass das ein Fehler ist, dass sie es nicht notwendig hat, sich stundenlang auf einen zugigen Gang zu stellen um auf ihren Freund zu warten. Dass er – wenn er sie wirklich liebt – ihr den Respekt erweisen wird, den sie verdient hat. Respekt war das, was unserer Beziehung wohl am Meisten gefehlt hat… Und keine zwei Stunden später ruft er an und versucht sich für alles, was er mir angetan hat, zu entschuldigen.

Es gibt nun nichts zu verzeihen. Ich bin ihm nicht böse. Ich bitte ihn nun nur, mir jenen Respekt entgegen zu bringen, den er mir all die Jahre vorher verwehrt hat – und respektiert, dass ich mir in den bald 4 Jahren, die seit unserer Trennung vergangen sind, ein eigenes Leben aufgebaut habe, und dass er nicht mehr Bestandteil dieses Lebens ist. Und auch nicht mehr sein wird – weil er nicht der Typ Mann ist, mit dem ich gerne befreundet sein möchte…

Montag, 31. Dezember 2007

Blick zurück nach vorne

Silvester – eine gute Gelegenheit, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Im Fernsehen und den diversesten Zeitungen bekommen wir schon seit einigen Tagen die Hochs und Tiefs des Jahres 2007 zu sehen und zu lesen. Also hab ich mir gedacht, ich rekapituliere mal, was sich bei mir im vergangenen Jahr so getan hat.

2007 ist das Jahr, in dem ich zu Bloggen begonnen habe. Und ich bin meinem mailfreund Andi immer noch sehr dankbar dafür, dass er mich in die Richtung geschubst hat. Noch mehr hat mich gefreut, dass sich eine treue Schar von Lesern eingefunden hat, die mir – sei’s in Kommentaren, sei’s persönlich – Feedback zu meinem teilweise recht wirren Geschreibsel gegeben hat.

Ja, aber was war denn alles 2007?

Nun ja, ich habe mich im Joggen versucht und habe feststellen müssen, dass Yoga für mich doch die geeignetere Sportart ist. Mein Fernseher ist von mir gegangen, wurde eine Woche lang intensiv betrauert (vor allem, wo es doch das lange Osterwochenende war, wo ich TV-los zuhause saß) und wurde dann durch einen coolen Flatscreen ersetzt. Der Flatscreen hat einen Festplatten-DVD-Rekorder als Gespons bekommen (und ich bin einem besonders lieben Menschen immer noch von Herzen dankbar, dass er quasi in einer Nacht und Nebel-Aktion alles professionell installiert hat). Ich habe meine handwerklichen Geschicke in mir wieder entdeckt und habe mich vorsorglich mit Tussiakkuschraubern und Sockenstrickwolle eingedeckt.

Ich habe mir sogar in Zeiten, wo in meinem Leben absolut null und nichts passiert ist, Kolumnen aus dem Kreuz geleiert, indem ich über absurde Nichtigkeiten, wie das Finale von Dancing-Stars, geschrieben habe – was mir sogar einen Kommentar meines Lieblingsradiomoderators und eine Einladung zu einem Fest in der Ottakringer Brauerei eingebracht hat (merke: nichts kann so absurd sein, als dass man nicht darüber schreiben könnte und ja, es gibt Menschen, die ihren Namen regelmäßig googeln).

Das Jahr hat auch Einblicke in das Leben meiner Mitmenschen gebracht, auf die ich gut hätte verzichten können – ich weiß nun, dass die Wände meiner Wohnung sehr dünn sind und dass meine Nachbarin ein erfülltes Sexleben hat. Und ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die lauter stöhnen als husten…

2007 war auch ein typisches Single-Jahr. Ich habe mich durch allerlei absurde Dates durchgekämpft, bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass man Glück und Liebe nicht erzwingen kann – seitdem verordne ich mir Geduld und Gelassenheit (und habe auch mein Singleprofil bei einer Online-Börse gelöscht). Ich habe festgestellt, dass es Menschen gibt, die einem – obwohl man eigentlich aus ihrem Leben verschwinden wollte – dennoch wieder über den Weg gelaufen sind, und dass das Universum oft einen eigentümlichen Humor hat, wenn es mit mir kommuniziert.

Ich habe mit Freundinnen in typischer Sex-and-the-City-Manier über Männer philosophiert, habe mit Männern über Männer philosophiert (auch sehr interessant) und habe für mich rumgesponnen, warum Männer so sind, wie sie sind. Interessante Erkenntnisse aus diesen Gesprächen waren: Männer antworten nur dann auf mails und SMS, wenn das Geschriebene eine Frage beinhaltet hat, die beantwortet werden muss. Und „ja“ und „nein“ sind ausreichende Antworten. Den „Antworten-Reflex“ haben anscheinend nur Frauen, der muss an’s X-Chromosom gekoppelt sein (oder liegt es einfach nur daran, dass wir Frauen so gerne das letzte Wort haben?). Und auch, wenn die Hollywood-Dating-Rules es vorsehen, dass der Mann die Frau anzurufen hat, so hat sich diese Tatsache noch nicht bis Wien durchgesprochen – in der aktuellen Auflage des geheimen Männerhandbuches ist „der Mann hat die Frau anzurufen“ gestrichen worden…

Ich habe mit meinen Freunden einiges erlebt, angefangen vom ultimativen Singlemänner-Contest bei Ulrich über Geburtstagsfeiern und gemütliche Augustabende beim Heurigen und beim Italiener, habe gelernt, dass Portiere unter Umständen als 8. himmlische Plage eingestuft werden können und dass man dem Horoskop nicht immer trauen darf. Ambi und ich waren beim geilsten Konzert der besten Band der Welt und haben miterlebt, wie 15.000 Leute die Wiener Stadthalle gerockt haben.

Somit blicke ich auf ein ziemlich turbulentes Jahr 2007 zurück – es war ein gutes Jahr, vor allem Dank der lieben Menschen, die mich in diesem Jahr begleitet haben.

Wie schaut’s aus mit 2008, welche Vorsätze habe ich gefasst? Ich mag keine Neujahrsvorsätze, da ist es immer irgendwie eine selbst erfüllende Prophezeiung, dass sie nicht umsetzbar sind. Ich weiß, dass ich weiterhin mehr oder weniger regelmäßig Yoga betreiben werde, dank meines Biokisterls kann ich mich gesund ernähren und nein, ich werde sicher keine Diät machen. Schließlich hat Marylin Monroe auch Konfektionsgröße 42 getragen. Und Schokolade kann unter Umständen eine Lösung sein, genauso wie Aperol-Spritzer. Und nein, ich habe nicht genug Schuhe. Von dem Standpunkt her lasse ich die guten Vorsätze heuer aus.

Was wünsche ich mir für 2008? Nun ja, abgesehen von den drei großen G – Gesundheit, Glück und Geld – habe ich für 2008 nur einen Wunsch: ich möchte das Jahr 2009 mit einem Silvesterkuss und einem Wiener Walzer beginnen. 366 Tage hab ich für die Umsetzung dieses Wunsches Zeit, schau ma mal, ob das ausreicht…

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und hoffe, ich sehe euch im Jahr 2008 wieder hier auf meiner Seite!

Samstag, 29. Dezember 2007

Ansichtssachen

Ein Kurzbeitrag für die Neugierigen hier, die immer gerne wissen würden, wie ich aussehe. Nun ja, mein Foto stelle ich nicht hier rein (wäre doch auch langweilig - Leute, Phantasie ist gefragt!), aber dank dieser Seite kann ich euch zeigen, wem ich ähnlich sehe:

doppelgaenger

Cool, 68 % Ähnlichkeit mit Katherine Heigl - da fühl ich mich doch gleich viel mehr Grey! Und ich schaue gar keinem Mann ähnlich, hab' anscheinend ein sehr weibliches Gesicht...

Mittwoch, 26. Dezember 2007

2 glatt, 2 verkehrt

Jeder von uns hat eine hot-flop-Liste im Kopf. Dinge, die der Betreffende also als wahnsinnig sexy bezeichnen würde, und andere Dinge, die man eher mit Omiklischee assoziiert. Hm, was gehört zu meiner hot-Liste: definitiv Schuhe, Kosmetik, meine waffenscheinpflichtigen Top’s, die ein Dekolletee zaubern, dass mein vis-a-vis Sonnenbrillen braucht, weil ihn der Anblick so blendet. Was gehört auf die flop-Liste? Nun ja, es gibt viele Sachen, die in meinen Augen total unerotisch sind. Doppeldates mit Männern und ihrem Ego, Crocks (auch wenn ich sie liebe, weil sie irre bequem sind), labbrige Rollkragenpullis. Es gibt aber quasi eine Mutter des Unerotiktums – das Stricken…

Mit Stricken habe ich immer meine verstorbene Großmutter assoziiert, die in zwei Tagen einen kompletten Pulli runter gestrickt hat. Und in der Schule habe ich stricken absolut gehasst – da hat die Beste aller Mütter immer meine Schulpullis stricken müssen. Weniger, weil ich es nicht konnte, sondern weil es mich immens gelangweilt hat. Und als Erwachsene? Nun, da habe ich immer einen Bogen um die Stricknadeln gemacht – eben, weil es so total unerotisch ist. Wenn man strickt, ist man alt, und in mir kam – wenn ich jemanden stricken gesehen habe – immer eine Frage hoch „fickst du noch, oder strickst du schon?“. Nein, freiwillig würde ich nie, nie, nie Strickzeug in die Hand nehmen… denn ich bin ja schließlich eine coole, sexy Singlefrau - ich hab's noch lange nicht notwendig, Sex mit Stricken zu kompensieren…

Ich treibe mich ja in dem einen oder anderen Internetforum herum. Eines davon ist ein reines Frauenforum (mit zwei, drei Quotenmännern), und natürlich habe ich dort eines schönen Tages auch einen Strick-Thread entdeckt. Und habe zu meiner großen Überraschung gesehen, dass dort einige sehr junge, sehr agile, sehr intelligente Frauen zum Strickzeug gegriffen haben. Sie geben sich dort die ultimativen Stricktipps, posten Bilder ihrer selbst gestrickten Kunstwerke und sprechen einander gegenseitig Mut zu, wenn der Kampf gegen die Nadeln von den Nadeln gewonnen zu sein scheint.

In diesem Forum haben wir dieses Jahr auch wieder ein Engerl-Bengerl-Spiel gestartet. Ich finde solche Dinge immer sehr lustig und bin natürlich für jede Dummheit zu haben. Das Bengerl, das mir zugelost worden ist, ist eine junge Frau, die im Strick-Thread zuhause ist. Ihr Wichtelhinweis besagte, dass ihr oft kalt ist. Und da das Geschenk ja nur eine Kleinigkeit sein soll und nicht zu teuer, habe ich überlegt, wie es wohl wäre, wenn ich ihr einen Schal stricken würde.

Also, gesagt – getan: ich fahre in ein Wollfachgeschäft und suche mir dicke, kuschelige Schalwolle aus und besorge mir auch gleich dazu passende Stricknadeln. Auf meine Frage, wie viele Knäuel Wolle ich wohl brauchen werde, wenn ich so einen richtig, richtig langen Schal fabrizieren möchte, schätzt die Verkäuferin so sicher zehn Knäuel. Puh, das ist dann schon ganz schön viel Wolle… Na, fangen wir mal mit der halben Menge an, nachkaufen kann ich ja immer noch. Am selben Abend noch setze ich mich hin und beginne an meinem Schal zu stricken. Und da ich ihn nur glatt stricke, muss ich beim Muster nicht aufpassen, die Wolle, die mal dick, mal dünn ist, verzeiht ein ungleichmäßiges Stricken und so schnell kann ich gar nicht schauen, ist das erste Knäuel schon verstrickt. Ein erstes Nachmessen ergab, dass ich mit einem Knäuel Wolle 40 cm Schal geschafft habe. Das sollte also eine Gesamtlänge von zwei Metern ergeben. Perfekt – zwei Meter war in etwa das, was ich mir vorgestellt habe. Die zweite Freude: es geht super schnell, nach zwei Fernsehabenden war das Meisterwerk fertig gestellt… und ich vom Strickfieber infiziert.

Ich erzähle Caro ganz stolz von meinem Kunstwerk, und sie äußert gleich die Befürchtung, dass ich zu Weihnachten nun alle mit selbst gestrickten Schals beglücken würde. Nun, das wäre durchaus eine Möglichkeit, weil es schnell geht und einfach ist. Aber mir fehlt ein bissl die Herausforderung, denn einen Schal in nur-glatt stricken ist wirklich keine Kunst.

Was aber eine Kunst ist, sind Socken… Eines schönen Einkaufssamstages laufe ich bei einem A&M einer Sockenstrickbox über den Weg. Inhalt: ein Nadelspiel (für die, die nicht wissen, was das ist: das sind fünf dünne Stricknadeln, mit denen man schlauchförmige Gebilde stricken kann), 2 Knäuel Sockenwolle, ein Buch und ein „Sockenkompass“, an dem man für jede Schuhgröße ablesen kann, wie viele Maschen angeschlagen werden müssen, wie die Ferse gestrickt werden muss, und wie lange der Fuß bis zur Spitze sein muss. Die Anleitung für die Spitze selbst kann man dem Ding auch entnehmen. Absolut perfekt – und das für nicht mal 15 EUR – da hab ich schon mehr Geld für blödere Dinge ausgegeben.

Vor allem male ich mir aus, wie perfekt es sein muss: laut diesem schlauen Buch kann man – wenn man geübt ist – in zehn Stunden ein Paar Socken stricken. Ich kalkuliere noch einen Sicherheitszuschlag ein und rechne, dass ich bis Weihnachten locker einen Probesocken und zwei Paar „richtige“ Socken gestrickt haben müsste. Außerdem hoffe ich auf die Wirkung der Lernkurve, die ja besagt, dass jede Verdoppelung des Outputs eine 20 bis 25%ige Zeitersparnis bringt. Damit sollte alles zum Schaffen sein.

Mein Probesocken ist zwar keine Schönheit geworden, aber man kann dennoch den Socken darin erkennen. Also wage ich den Sprung zu den Geschenksocken. Und kämpfe mich tapfer von Reihe zu Reihe. Zu meiner leisen Enttäuschung muss ich aber feststellen: von 10 Stunden je Paar bin ich so weit entfernt wie von einem Physiknobelpreis. Ich schaffe nicht mal einen Socken in 10 Stunden… Eines Sonntags, als ich bei meinen Eltern zum Essen eingeladen bin, schnappe ich mein Strickzeug und beginne, vor meinen Eltern die für sie als Überraschung gedachten Socken zu stricken. Den etwas ungläubigen Blick meiner Beiden kommentiere ich ziemlich trocken mit „ok, zwei Möglichkeiten. Möglichkeit eins ist, dass ihr geflissentlich ignoriert, was ich hier tue, und am heiligen Abend tut ihr wahnsinnig überrascht, wenn ihr eure Geschenke auspackt. Möglichkeit zwei ist, dass ihr kooperiert und probiert, ob die Dinger überhaupt passen.“. Die Besten aller Eltern sind kooperativ und probieren – und da meine Socken zwar schön sitzen, aber in keinster Weise einschneiden oder drücken oder reiben, beginnen sie sogar, sich auf ihr Geschenk zu freuen.

Leider habe ich bis Weihnachten nur ein Paar fertig stricken können – das Paar für meinen Dad liefere ich nach. Aber ich bin trotzdem stolz auf meine Leistung.

DSCN1301

Vor allem habe ich eines bemerkt: stricken macht süchtig. Dadurch, dass ich noch lange nicht so geübt bin, wie ich es gerne wäre, muss ich mich beim Stricken ständig auf meine Hände konzentrieren und genau aufpassen, was ich da genau mache. Was den Vorteil hat, dass ich nebenbei nicht meinen hunderttausend Zusatzgedanken um Weltfrieden, Weltgesundheit und Welternährung nachhängen kann – von meinen Gedanken an McDreamy mal ganz zu schweigen. In meinem Kopf ist es herrlich still… somit werde ich weiterhin Stricken als Meditation betreiben – und zur Not meinen Freundeskreis mit selbst gestrickten Socken beglücken. Also Leute, stellt’s euch schon mal seelisch drauf ein…

Edit: die Sendesuchlauf-Testbildsocken für meinen Dad sind nun auch endlich fertig - mir war schon ganz schwindlig beim Stricken... Und so sehen die Wunderteile aus:

DSCN1303

Sonntag, 16. Dezember 2007

It's the most wonderful time of the year

So this is Christmas, and what have you done? Another year over, and a new one just begun...

Irgendwann kann selbst ich alter Weihnachtszyniker die Realität nicht mehr leugnen und beginne, ein bisschen sentimental zu werden: im Radio läuft dreimal täglich „Last Christmas“ von Wham, ich hab mir an Keksen und am allzu süßen Punsch bereits mehrfach den Magen verdorben, die Weihnachtsfeiern häufen sich, die offenen Fensterchen des Adventkalenders werden mehr und mehr. Bald ist Weihnachten!

Also, höchste Zeit, um langsam damit zu beginnen, sich auf das Fest der Feste einzustimmen. Dies beginnt für mich traditionell mit einem Klassiker: Love… actually. Erst mit diesem Film beginnt für mich die offizielle Weihnachtszeit (ORF sei dank, dass es erst heute der Fall ist), und ich werde heute wieder um 20:15 Uhr mit einer Riesenpackung Tempotaschentüchern vor dem Fernseher sitzen und wie ein Schlosshund heulen, wenn diese Szene läuft:



Aber nicht nur mit Filmen können wir uns auf die schönste Zeit des Jahres einstimmen. Natürlich war ich mit Freunden heuer schon Punschtrinken (btw: ich empfehle das Weihnachtsdorf zwischen den Museen – lange nicht so überlaufen, wie man sich aufgrund der Lage vielleicht denken könnte). Ich habe mich auch schon mit ein bisschen Weihnachtsdeko eingedeckt (und ich kann zur Entschuldigung sagen: es war für einen guten Zweck), auf meinem Türstaffel hängt ein Mistelzweig (fehlt nur noch McDreamy, der mich darunter küsst), und ich habe einen Bund Barbarazweigchen in einer Vase stehen, die zu meiner großen Überraschung jetzt schon blühen. Nur zu dumm, dass ich mich nicht an den alten Brauch gehalten habe, und jedem Zweig den Namen eines Mannes zugedacht habe, denn der Legende nach weist jener Zweig, der als Erstes blüht, auf den zukünftigen Bräutigam hin.

Die Weihnachtspakete sind (bis auf eines) schon verschickt, die Weihnachtskarten geschrieben. Ich mag Weihnachtskarten. Und zwar nicht in dem Sinne, dass ich einmal im Jahr mein Adressbuch durchforste und all jenen ein „frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Julia“ schreibe, bei denen ich mich schon ewige Zeiten nicht mehr gemeldet habe. Vielleicht habe ich unter dem Jahr nicht immer Zeit, mich bei Freunden zu melden, aber grad um Weihnachten herum denke ich oft an sie und da verirren sich dann ein paar persönliche Worte auf die Karte. Und ich hoffe, dass sich meine Freunde über die Weihnachtskarte ebenso freuen wie ich mich darüber freue.

Ich bin schon eifrig am Geschenke basteln – die Besten aller Eltern freuen sich immer über eine selbst gebastelte Kleinigkeit (heuer sind selbst gestrickte Socken dran, und ich bin sehr stolz auf meine Strickkünste – also bitte nicht lachen). Und ich verpacke meine jährlichen Schokogeschenke. Zu Weihnachten habe ich mir angewöhnt, dass ich Kollegen aus anderen Abteilungen oder sogar aus anderen Unternehmen, mit denen ich das ganze Jahr über zusammen arbeite, Schokolade zukommen lasse. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber sie gibt mir doch die Möglichkeit, mich für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr zu bedanken (und wenn man nicht so altruistisch eingestellt ist, könnte man mir unterstellen, ich versuche, die gute Zusammenarbeit im kommenden Jahr auch zu erhalten… *hüstel*). Und auch der Briefträger, die Kosmetikerin oder der Biokistl-Auslieferer freuen sich über diese Weihnachtskleinigkeit.

Meine Eltern haben gestern schon den Weihnachtsbaum für meine Wohnung gekauft (ohne mich dabei zu haben… dürfen die das?) und der Beste aller Väter hat gestern und heute damit gekämpft, den Baum in das Kreuz hinein zu bekommen (sowohl Vater als auch Baum haben diese Aktion unverletzt überstanden… obwohl: der Baum ist eigentlich eh schon tot, bei dem wär’s ja wurscht…). Aber Aktion geglückt, und meine Mutter ist nun stolz, dass sie einen „graden Baum“ bekommen hat (was bei dem schiefen Fußboden in meinem Wohnzimmer zugegeben auch wieder eher egal wäre, aber lassen wir ihr die Freude).

Ja, die Weihnachtslieder… ich hab mich zugegeben an „Last Christmas“ als Teenie satt gehört (wobei das Video nach über 20 Jahren betrachtet zugegeben sehr witzig ist – George Michael mit Fönwelle…). Im Radio wird ja im Moment auch alles Mögliche rauf und runter gespielt, und in den Singlecharts steigen die alljährlichen Weihnachtssongs wieder unter den Top 30 ein und ich finde es lustig, dass „Last Christmas“ diese Woche auf Platz 7 ist. Denn ich kenne nur Leute, die mit einem Ächzen in der Stimme wünschen, dass das Empfangsteil des Radios spontan verschmort, wenn dieser Song angespielt wird (fragt sich bloß, wer die Single nach über 20 Jahren noch immer kauft). Auch ich habe natürlich einen Lieblingsweihnachtssong, und der ist von Frankie goes to Hollywood:



Bleibt nur noch eine Frage, die zu klären wäre? Was wünsche ich mir vom Christkind? Nun, das ist recht einfach beantwortet. Da die drei Wünsche als guter Mensch auch heuer unerfüllbar bleiben werden (kein Krieg, kein Hunger und Gesundheit für alle), werde ich mich wohl offiziell als „wunschlos glücklich“ deklarieren müssen. Obwohl… eigentlich hätte ich für mich gerne folgendes:



A very Merry Christmas and a happy New Year. Let's hope it's a good one without any fear...

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