Oder: Wie sie in Highheels unfallfrei eine Glühbirne auswechseln
Jeder Mensch, der ein kleinwenig in der ach-so-beliebten Selbstreflexion geübt ist, hat ein mehr oder weniger akkurates Bild von seinen Stärken und Schwächen. Dass ich in Sachen Technik ein ziemliches Ei bin und regelmäßig einen Kleinkrieg gegen die diversesten Elektrogeräte in meinem Haushalt führe, habe ich auf dieser Seite schon in schöner Regelmäßigkeit dargelegt. Aber abgesehen davon, dass ich mit Wechselstrom am Kriegsfuß stehe, habe ich zusätzlich noch einen genetischen Defekt: mir fehlt das Hausfrauengen…
Meine Toleranzgrenze, was Dreck und Unordnung angeht, war schon als Kind sehr hoch angesiedelt – sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die bei jedem Vorbeigehen an meinem Zimmer die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat. Und konnte ich damals noch das Argument vorbringen, dass die vielen, vielen Sachen in dem winzigkleinen Zimmer einfach nicht genug Platz fanden, so muss ich mir – seitdem ich eine eigene Wohnung und somit über die großartige Fläche von 64 m² de facto die Alleinherrschaft habe – eingestehen, dass ich nun einen gewissen Argumentationsnotstand habe. … denn Platz wäre ja nun genug da, bloß der Wille, Ordnung zu halten, ist nicht sonderlich stark ausgeprägt. Staub wischen, Staub saugen, Fenster putzen – wie sinnhaft ist das ganze, wenn es kurz danach entweder regnet, und die Fenster wieder verdreckt sind, oder die Katzen sich nach dem Staubsaugen einen Kampf liefern, sodass alles wieder mit ihren Haaren bedeckt ist… Eben… Aber Defizite sind dazu da, dass man sie beseitigt, und man bekämpft sie ja bekanntlich am Besten, indem man sie erkennt und sich ihnen stellt, aus diesem Grunde habe ich seit bald fünf Jahren eine gute Seele im Haushalt, meine polnische Putzfee, die einmal pro Woche meinem Chaos hartnäckig zu Leibe rückt.
Ein dunkler Fleck hält sich aber seitdem ich in meine Wohnung eingezogen bin, beharrlich: das Wäsche waschen. In meinem Haus gibt es im Keller eine Waschküche, mit Waschmaschine und riesigem Wäschetrockner, und einem Kalender, wo man sich eintragen kann, wann man denn gerne waschen möchte. Das Problem an diesen Kalendern ist jedoch: wer zuerst kommt, mahlt zuerst… Und somit habe ich den Sonntagvormittag als Waschtag ausgefasst. Seien wir ehrlich: was gibt es schlimmeres, als sich am Sonntag aus dem Bettchen zu quälen, um die Schmutzwäsche in den Griff zu bekommen? Wochenenderholung? Vergiss es…
Als unlängst ein Mitglied meiner Familie von uns gegangen ist, tagte der Familienrat und beschloss einstimmig, dass ich die Waschmaschine erben sollte. Die ist zwar nicht mehr neu, aber sie tut, was man von ihr erwartet: nämlich Wäsche waschen. Also habe ich mich darüber gefreut, dass ich nicht die Mikrowelle oder die Kaffeemaschine zugesprochen bekommen habe, sondern etwas, mit dem ich wirklich etwas anfangen kann: eine süße kleine Babynova, die klein genug ist, um auch in meinem Badezimmer unterzukommen.
Leider fliegt die Waschmaschine nicht von alleine zu mir und der Fundus an schleppwilligen Männern ist auch nicht der Größte (Freundinnen hätten sich lustigerweise zuhauf gemeldet), aber dankenswerterweise bietet sich der Beste aller Freunde an, um mir in meiner Misere zu helfen. Also verabrede ich mich mit Christian, um das Projekt „Waschmaschine zu Julia transportieren“ in Angriff zu nehmen. Zuerst allerdings düse ich zu meinen Eltern. Da die Waschmaschine im 3. Stock (natürlich ohne Lift) steht, schnorre ich von meinem Vater eine Transportrodel. Der Plan ist simpel: Waschmaschine auf die Rodel wuchten, Christian balanciert das Ding die Stiegen runter, ich gehe vor und stütze das Trum, und am Schluss laden wir alles in mein Auto ein.
Tjooooo, schmecks, mei Herzerl, weil auch, wenn mein Clio in seinem früheren Leben ein Kleintransporter gewesen ist, aber eine Überdimensionsgroßbaustellengewaltrodel passt nicht rein – selbst mit alle möglichen und unmöglichen Sitze umlegen, einfädeln und gut zureden habe ich keine Chance – die Rodel geht einfach nicht rein. Also Plan b) in die Tat umgesetzt und ein Brettchen mit vier Rollen mitgenommen, damit wir die Waschmaschine wenigstens auf der Geraden schieben können.
Mit dem Brettchen im Auto düse ich in den 18. Bezirk – bekomme dort natürlich keinen Parkplatz in der unmittelbaren Nähe, sondern irgendwo „am Berg“ und stapfe mit Christian in die Wohnung. Die Waschmaschine ist zum Glück nicht sonderlich schwer – aber unhandlich… Und so schnell kann ich gar nicht schauen, rutscht sie etwas und einer meiner Fingernägel verabschiedet sich mit viel Schwung. Autsch!
Dann quetschen wir uns gemeinsam mit der Waschmaschine durch das enge Stiegenhaus, keuchen die drei Stockwerke bergab, verfrachten die Waschmaschine zu ebener Erde auf das Rollbrettchen und rollern damit Richtung Straße. Dort muss ich mein Auto erst mal holen, dann die Waschmaschine einladen, zu mir fahren, dort feststellen, dass kein Parkplatz vor dem Haus frei ist, ergo „halblegal“ das Auto abstellen und hoffen, dass die gesamte Exekutive auf beiden Augen blind ist und keiner der Anrainer rachsüchtig, Waschmaschine ausladen, dankbar feststellen, dass bei mir der Lift funktioniert und wir das Ding nicht fünf Stöcke nach oben schleppen müssen und die Waschmaschine ins Bad stellen. *keuch* - und dann tieeeeeeeeeeef durchatmen…
Da ich sehr risikoavers lebe, organisiere ich einen Installateur, der mir die Waschmaschine zum stolzen Preis eines schönen Paars Damenpumps anschließt (ich mag ja nicht ausprobieren, ob meine Haushaltsversicherung das mit dem Wasserschaden wirklich abdeckt), versuche, aus der Bedienungsanleitung halbwegs schlau zu werden, und endlich, seit über 12 Jahren, bin ich nun eines… waschautark… So einfach bin ich in Wahrheit glücklich zu machen…
All jene, die mit einem gewissen „Grundkatholizismus“ aufgewachsen sind, haben zumindest in ihrer Kindheit von ihnen gehört: Engel. Geflügelte, mächtige Wesen, die zu uns Sterblichen entsandt werden, um uns in einer schwierigen Situation beizustehen und uns mit weisem Rat zu helfen. Manchmal halten sie einfach nur ihre schützende Hand über uns, und ab und zu, wenn wir vom rechtschaffenen Weg abzuweichen drohen, kommen sie mit dem Flammenschwert, um uns einzuschüchtern – zumindest wollen uns das die Katholen mit ihrer Forderung nach Buße und Strafe immer so einreden…
Es kommt vor, dass auch ich das Gefühl habe, als ob ich ein bisschen beschützt würde, vielleicht von meinem verstorbenen Großvater, vielleicht von Menschen, die mich ein kleines Stück meines Weges begleiten, mir bei der Bewältigung einer großen Herausforderung helfen, und die dann auch wieder aus meinem Leben verschwinden, wenn sie ihre Aufgabe erledigt haben. Bis vor einigen Jahren war ich immer sehr traurig, wenn ein Mensch von einem Tag auf dem anderen aus meinem Leben verschwand. Waren wir zu wenig befreundet? Habe ich dem Menschen zu wenig bedeutet? War ich selbst ein zu schlechter Freund? Heute bin ich geneigt, dass ich sage „dieser Mensch hat für kurze Zeit in meinem Leben die Funktion eines Engels übernommen“. Und nachdem er mich ein Stück meines Lebens begleitet und mir geholfen hat, zieht er weiter.
Es gibt in meinen Augen einen Unterschied zwischen „Freund“ und „Engel“. Ein Freund bleibt bei mir, solange es nicht Gründe gibt, die den Fortbestand der Freundschaft unmöglich machen. In guten wie in schlechten Zeiten steht man einander bei, ist füreinander da und ist Zeuge des Lebens des anderen. Bei einem Engel ist das anders. Der schneit sehr plötzlich in das eigene Leben hinein, bleibt eine Zeitlang und geht anschließend wieder.
Ein Engel ist ein sehr selbständiges Wesen, das mit Besitzansprüchen und den beliebten Brandzeichen nur recht wenig anfangen kann, und in Käfige lässt er sich schon gar nicht sperren. Über meine Freunde kann ich sagen „das ist mein bester Freund“ oder „das ist meine beste Freundin“, aber über einen Engel kann ich nie sagen „das ist mein Engel“, weil Engel sich nun mal nicht mit Besitzansprüchen konfrontieren lassen. Oft ist es sogar so, dass man einen Engel mit anderen Menschen teilen muss.
Auch in meinem Leben hat sich in den letzten Monaten einiges geändert. Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt, die mein Leben auf interessante und spannende Art und Weise bereichern. Ich habe Muster an mir erkannt, die ich aufbrechen möchte, ich habe Wege entdeckt, die es sich zu beschreiten lohnt. Und in dieser Umbruchzeit, in dieser Phase, wo kein Stein auf dem anderen bleibt, da tritt auf einmal jemand in mein Leben und stellt sich als Engel vor.
Ich muss gestehen, mit so einer Vorstellung bin ich bis dato noch nicht konfrontiert worden, vor allem bin ich zugegeben auch etwas skeptisch. Mit Engeln selbst hab ich noch keine direkten Erfahrungen gemacht, dafür mit Möchtegern-Rittern, und ich habe festgestellt, dass die recht unzuverlässig sind, was das Retten holder Maiden und das Beschützen vor bösen Ungeheuern angeht. Diesen Engel ziehe ich jetzt auch regelmäßig damit auf, ob ihm nicht das „B“ vor dem Engel fehlt, denn als „engelhaft“ würde ich seine Worte oder Taten nicht bezeichnen – dafür passt er zu wenig in das gängige Klischeebild mit Flügeln, blonden Locken, Harfengeklimper. Aber ich bekomme dann erklärt, dass diese „gut – böse“-Mentalität mit dem Engelsein nicht harmoniert – Engel haben sich nämlich schon vor langer Zeit vor dieser Normierung gelöst. Wenn ich dann lachend antworte „aber das macht man einfach nicht“, lautet die Antwort „nur weil ‚man’ es nicht macht, heißt das nicht, dass du es nicht machen kannst – und außerdem: wer ist dieser ‚man’ eigentlich und wo wohnt er?“.
Ich habe diesen Engel gefragt, warum er in mein Leben gekommen ist. Er glaubt, seine Aufgabe ist, mich fröhlicher zu machen. Dieser Satz hat mich kurz erschreckt. Bin ich so z’wieder, wie wir in Wien zu sagen pflegen? Muss ich mein – zugegeben sehr subjektives – Weltbild komplett überdenken, dass ich nicht ein fröhlicher, optimistischer Sonnenschein bin, der lachend durchs Leben geht? Ist mein Glas doch eher halb leer denn halb voll? Ich werde zum Glück rasch beruhigt: auch einen fröhlichen Menschen kann man noch fröhlicher machen, jemanden, der sich gerne durch eigene Glaubenssätze blockiert, kann man durch neue Glaubenssätze lockerer und freier machen.
Also nun ein Engel… Wie behandelt man die, wie geht man mit denen um, warum werden die nicht mit Gebrauchsanweisung ausgeliefert? Was darf ich von einem Engel erwarten, was nicht, wie oft darf ich ihn sehen? …wahrscheinlich nicht allzu oft, weil man Engel ja mit mehreren Menschen teilen muss (und grad im teilen bin ich doch so wahnsinnig schlecht als verwöhntes Einzelkind). Aber vielleicht ist es mit den Engeln ja so wie mit allen Dingen im Leben: „In großen Mengen genossen sind die leckersten Dinge irgendwann mal Strafe. Und Genuss ist ja eher etwas, das mit Besonderheit zu tun hat.“
Wenn es etwas auf der Welt gibt, das ich unendlich genieße, dann ist es, mit einem aufregenden Mann zu flirten. Unter einem aufregenden Mann verstehe ich jemanden, den ich optisch wohl ansprechend finde (also Grottenolm soll er keiner sein, aber Adonis ist auch nicht notwendig), der aber über Charme, Witz, Intelligenz und vor allem „Cochones“ verfügt – das noch gepaart mit einer kleinen Prise Frechheit, und alle Zutaten sind vorhanden, die meine Augen zum Strahlen bringen. Manchmal kann ein kleiner, harmloser Flirt jedoch sehr rasch zu einem Spiel mit dem Feuer werden, und ehe frau es sich versieht, ist sie von einem mittleren Buschbrand umgeben…
Endlich hat der Frühsommer Einzug in der Stadt gehalten, und die beliebten Schanigärten sprießen wieder wie die Schwammerl aus dem Boden. Auch ich verabrede mich mit einigen Freunden und Bekannten zu einem Schanigartentreff, einige der Leute kenne ich bereits, andere kenne ich vom Hörensagen und wieder andere sind mir noch gänzlich unbekannt. Eine interessante Mischung also. Und da ich mir für dieses Frühjahr vorgenommen habe, meinen Bekanntenkreis zu erweitern (jaja, immer der Strategie folgend „jeder kennt jeden Menschen über sechs Ecken" – ergo muss auch Mr. Right über diese Schiene auffindbar sein) bin ich schon sehr gespannt. Wie’s der Zufall so will, bin ich als Erste vor Ort, nach wenigen Minuten bekomme ich Gesellschaft von jemandem, den ich bis dato „vom Hörensagen“ kannte. Nachdem es ja lächerlich ist, wenn wir uns zu zweit auf der Tafel verteilen, setzt er sich neben mich und wir beginnen ein bisschen belanglos zu plaudern. Nach und nach trifft auch der Rest der Runde ein, und die Unterhaltung mit meinem Sitznachbarn wird lockerer.
Einige der neu hinzugekommenen stimmen in die Unterhaltung ein, und wir beginnen uns darüber zu unterhalten, wie viele nette Singlemänner es wohl in Wien noch geben mag, welche Erwartungshaltungen Singlefrauen an die Männer haben, und wie sich die Singlefrauen selbst sehen. Mein Sitznachbar vertritt offensiv die Meinung, dass es die Frauen in dieser Beziehung ohnehin einfacher haben – einfach dekorativ in einem Lokal platzieren, und so schnell kannst net schauen, bist angesprochen. Mooooooment, wenn’s gar so einfach wäre, dann wäre ich kein Single mehr… also kontere ich, dass, wenn ich mit Freundinnen unterwegs bin, wir in der Regel nicht angesprochen werden. Mein Sitznachbar kann das überhaupt nicht verstehen. Ich lächle ihn an und sage „du, wir erfüllen einfach nicht das optische Standardanforderungsprofil, dafür sind wir doch etwas zu üppig gebaut“. Mein Sitznachbar lässt seine Blicke langsam über meinen Körper wandern… „aber geh…“. Hach, so schnell wachse ich um 10 cm.
Relativ rasch ändert sich die Art des Gespräches – ich bin nun definitiv an diesem Mann interessiert, ich lausche seinen Worten andächtig, lache, wenn er etwas witziges sagt (und stelle dabei fest, dass seine Witze von der intelligenten Sorte sind), spiele mit meinem Haar, halte Augenkontakt – sprich: ich flirte. Und er zieht mit und erzählt mir von seinem Job als Coach, und dass Leute oft mit den absurdesten Problemen zu ihm kommen. Und dass viele Leute, denen er begegnet, auch gewisse Probleme mit der immer noch sehr anerkannten Monogamie haben. Ich lächle und sage „ich bin in diesem Fall auch ein sehr typisches Einzelkind – ich teile meine Spielsachen auch nicht…“. Irgendwann geht es in der Runde ans zahlen, er zahlt seine Rechnung, ich zähle auf, was ich alles hatte und krame in meiner überdimensionalen Handtasche nach meiner Geldbörse, als ich aus dem Augenwinkel registriere, dass er meine Rechnung – sprich Essen und Getränke – begleicht. Ich protestiere noch „das ist jetzt aber nicht in Ordnung“, er zwinkert mir zu und meint „das hab ich als Dank auch noch nicht gehört“, wir tauschen die Kontaktdaten aus und jeder geht seines Weges.
Verdammt will ich sein, wenn ich noch am selben Tag eine mail schicke… oder anrufe… Ich reiße mich brav zusammen, und siehe da, am nächsten Morgen finde ich schon eine mail von ihm in meinem Postfach – war nett, mich kennen zu lernen, wir sollten mal was trinken gehen. Ich antworte natürlich, liebend gerne, allerdings würde ich diesmal gerne die Rechnung übernehmen. Nein, das kommt gar nicht in Frage, in diesem Fall ist er konservativ (und ich krame in Gedanken die dating rules hervor… wenn ein Mann Essen bezahlt, erwartet er sich Sex…), und so flirten wir leicht und locker via mail ein bisschen weiter. Alles sehr harmlos… Im Laufe des frühen Abends auf einmal ein sehr kurzes mail von ihm, gerade mal zehn Wörter „achja, ist das mit dem Spielzeug nicht teilen noch aktuell?“. Ich stelle mich sicherheitshalber blonder und dümmer, als ich bin „warum willst das wissen?“. Als Antwort wieder nur fünf Wörter „kannst dir das nicht denken?“.
Ich koche vor Wut. Mit fünfzehn Worten die Information "bin liiert - wanna fuck?" zu übermitteln... Hallo? Habe ich „ficken“ oder „notgeil“ auf meiner Stirn stehen? Ich zügle meinen Zorn und verfasse eine lange mail, in der ich ausführlich erkläre, warum ich recht wenig von Affären halte. Ich liege dann in meinem Bett und ärgere mich – wie konnte ich mich nur so in einem Menschen täuschen? Aber es ist ja typisch für mich und mein Leben: die netten Männer finden mich so nett, dass ich in Rekordtempo die neue beste Freundin bin, ergo bleiben mir nur die Arschlöcher über…
Am nächsten Morgen finde ich eine Antwort in meinem Posteingang „eines der längsten Jas, die ich gelesen habe“. Und er wirft mir – zwar sehr charmant und eloquent, aber dennoch unmissverständlich – vor, dass ich als Mittdreißigerin mit zwei Katzen abends zuhause rumhocke, auf lustige mails warte, mich an eigenartige Moralvorstellungen klammere, um es den Männern möglichst schwer zu machen, während das Leben an mir vorüber zieht. Was immer deine Masche sein mag, Goldstück, um mich ins Bett zu kriegen, aber mit dem Vorwurf, ich sei prüde, wirst du das wohl nicht schaffen. Aber meine Neugierde ist geweckt: wie weit wird er wohl gehen? Und werde ich ihn wohl dazu bringen, dass er „bitte“ sagt?
Also steige ich in sein Spielchen ein und wir liefern uns einen Tag lang hitzige Wortgefechte, wo ich ihm immer wieder Knochen zuwerfe, er schlägt ein Treffen vor, ich lehne ab, weil ich schon verabredet bin, stelle aber möglicherweise eines am nächsten Tag in Aussicht. Abends wünscht er mir noch blumig via mail eine gute Nacht.
Am nächsten Tag – kein Muh, kein Mäh, kein gar nichts. Ich beginne zu schmunzeln: glaubt er, dass er mich durch Liebesentzug weich kochen kann? Schatzerl, die Masche hab ich quasi erfunden… also auch von mir kein Mucks an diesem Tag. Am nächsten Tag dann ein mail von ihm, wo er bedauert, dass ich seinem Charme nicht die Möglichkeit gegönnt habe, meine Moralvorstellungen zu untergraben. Ich antworte lapidar mit einem „ach, waren wir für gestern verabredet?“ und er steigt mir wieder darauf ein und das Spiel mit dem Feuer geht weiter.
Langsam fängt er an, mir wirklich Spaß zu machen… Wie weit er zu gehen bereit ist, kann ich in etwa erahnen. Stellt sich nur die Frage: wie weit werde ich wohl gehen?
Man kann sagen, was man will – wir leben schon in einem sehr kommunikativen Zeitalter. Jeder hat mindestens ein Handy (aus tarifoptimierenden Gründen hab ich z.B. zwei…), wir schreiben mails, chatten, posten in Foren – alle sind wir ständig erreichbar und rund um den Globus vernetzt. Ich selbst finde diese neue Art der Kommunikation toll: es gibt kaum mehr ein „aus den Augen, aus dem Sinn“, weil ich jederzeit meiner Freundin in den USA ein kurzes mail schreiben kann und so den Kontakt halten kann. Früher war das ja alles wahnsinnig schwierig, hinsetzen, Brief in Schönschrift schreiben, kuvertieren, frankieren, feststellen, dass man keine passende Marke hat, zur Post laufen, feststellen, dass die Post schon geschlossen hat, Brief zuhause wo hin legen und am nächsten Tag den Brief nicht mehr finden… Nein, da sind mails und Co. schon eine enorme Erleichterung.
Vor allem tun sich „online“ Möglichkeiten auf, die man „in real life“ nicht so rasch hätte. Ich habe zB über einige Internetforen auch viele Freunde im Ausland, diese Menschen wären mir ohne Internet wohl nicht über den Weg gelaufen. Und mir sind diese virtuellen Freundschaften auch sehr wichtig, auch, wenn ich die Person zuvor noch nie gesehen oder gehört habe, so sind sie mir doch ans Herz gewachsen und ich möchte sie nicht mehr missen.
Ja, ok, von der online-Singlebörse bin ich selbst nicht wirklich überzeugt. Das liegt wohl hauptsächlich an der Tatsache, dass 99,5 % aller Männer in ihrem Anforderungsprofil für ihre Traumfrau „schlank“ angeben, und auch, wenn ich nicht kugelrund bin, aber ich bin doch recht kurvig, und ich selbst finde es dann entwürdigend, wenn ich dann mails bekomme mit der Aufforderung, doch ein Ganzkörperbild von mir zu schicken, damit der betreffende Mann vor einem Treffen abchecken kann, ob ich „eh noch geh’…“. Wir sind ja schließlich nicht bei der Fleischbeschau…
Aber sonst ist das Internet toll. Ich mag auch Plattformen wie Xing, vor allem, nachdem ich herausgefunden habe, dass es dort auch Gruppen gibt, wo man sich mit Gleichgesinnten unterhalten kann und neue Kontakte knüpfen kann. Bei einer jungen, aktiven Regionalgruppe bin ich auch recht rege vertreten, und bin froh über die Möglichkeiten, die mir diese Gruppe bietet – wenn ich nicht alleine sporteln möchte, findet sich immer jemand, der mitmacht. Wenn ich nicht alleine weggehen möchte – eine Gruppe ist rasch beieinander. Und auch bei Unklarheiten wird gerne geholfen. Man vernetzt sich halt. Und manchmal trifft man einander auch im großen Rahmen – so wie vergangenen Freitag in der Wiener Kultdisko U4 – wo rund 300 Menschen ausgelassen gefeiert haben und wo man die Möglichkeit bekommt, mit einigen Leuten, die man bis dato nur vom Schreiben her kennt, ein bissl zu plaudern.
Aber nicht nur Xing bietet tolle Kommunikationsmöglichkeiten. Letzte Woche bin ich erstmals auf Skype aufmerksam geworden (ja, ich weiß, ich bin einige Jahre hintnach) und neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich mir sofort die Software runter geladen und installiert. … was damit geendet hat, dass ich bis halb 2 in der Nacht mit zwei Freundinnen gechattet hab, was wiederum meinem Schlaf nicht sonderlich zuträglich war… Und ich bin heute schon brav zum Cosmos gepilgert und habe mir ein Headset organisiert, damit ich auch „richtig“ skypen kann.
Bei all der Euphorie über die tollen Möglichkeiten, die sich „meiner Generation“ bieten, blitzt aber immer wieder eine gewisse Skepsis in mir hoch. Ja, es ist super, toll, aber mit gewohnt-selbstkritischem Blick bemerke ich, dass ich ziemliche Entzugserscheinungen bekomme, wenn ich mal keine Möglichkeit habe, meine mails abzurufen oder mich ins Internet reinzuhängen. Ich hab oft das Bedürfnis, mich auch tagsüber in meine Foren und Gruppen einzuklinken, einfach, weil ich die Angst habe, dass ich was Wesentliches, Witziges, Spannendes verpassen könnte. Sobald ich nachhause komme, werfe ich den PC an und checke, ob sich meine Welt in meiner Abwesenheit auch weiter gedreht hat… Und ich überlege, ob es wohl eine Möglichkeit gibt, mein Handy skype-tauglich zu machen, ohne dass ich den Provider wechseln muss. Auch mein Verhalten ändert sich: ich habe einen neuen Reflex entwickelt, den „antworten“-Reflex. Kaum ein mail oder eine persönliche Nachricht, die unbeantwortet bleiben… Und da ich gerne zu etwas… na, sagen wir „ausschweifenden“ Formulierungen neige, stelle ich oft fest, dass mir die Zeit davon läuft und ich zu einigen Dingen, die ich auch gerne gemacht hätte, gar nicht komme. So schnell kann man gar nicht schauen, ist es schon Mitternacht, und die Augenringe am nächsten Tag haben biblische Ausmaße und lassen sich nur sehr mühsam überschminken.
Langsam beschleicht mich das leise Gefühl, dass da etwas falsch läuft. Warum nehme ich mir nicht die Zeit, und treffe mich „live“ mit den Leuten, wenn ich mich mit ihnen unterhalten mag? Warum hocken junge, aktive Wiener am Samstagabend bis spät in der Nacht vor dem PC und liefern sich Postingschlachten, wo man sich doch in einem Lokal oder meinetwegen auch in einer Wohnung treffen könnte? Warum versuchen wir, der Einsamkeit zu entfliehen, indem wir uns alleine vor einen PC setzen?
Irgendwie hab ich den Eindruck, als ob das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Miteinander, das endlich-nicht-mehr-einsam-Sein in Wahrheit auch nur eine Illusion ist, die uns die schöne neue Welt da vorgaukelt…
Es gibt einige Augenblicke im Leben, wo manch einer von uns denkt, er muss diesen Augenblick mit der ganzen Welt teilen, sonst könnte er unter Umständen in tausend Stücke zerspringen. Wenn wir unendlich glücklich sind, dann wollen wir, dass die ganze weite Welt unser Glück teilt und Zeuge unseres Glücks wird. Denn was nützt uns Glück, wenn wir es nur mit einem Menschen teilen? Was ist der intimste Moment, den man als Paar teilen kann? Der erste Kuss? Das erste Mal? Der Moment, indem man beschließt, dass man den Rest des Lebens mit einer bestimmten Person verbringen möchte?
Ich persönlich glaube, der intimste Moment in meinem Leben wäre, wenn der Mann, den ich von ganzem Herzen liebe, um meine Hand anhalten würde. Natürlich habe ich für diesen Fall das „perfekte Szenario“ im Kopf: ein verlassener Sandstrand, eine Picknickdecke mit Picknickkorb, in dem eine Flasche eisgekühlter Champagner eingelagert ist (ja, wir sind in meinem Traum, wo es möglich ist, dass der Schampus nach 4 Stunden noch immer perfekt gekühlt ist), ein kitschiger Sonnenuntergang. Und dann mein Mr. Right – gesichtslos natürlich – der mich mit dem perfekten Ring in der Hand auf Knien darum bittet, dass ich für den Rest meines Lebens nicht von seiner Seite weiche… Zwei Menschen, vier Augen, abgeschieden vom Rest der Welt und eins in diesem Augenblick… aber, zugegeben, hier handelt es sich um meinen Traum…
Andere Menschen, andere Träume… Ich erinnere mich noch an das erste Robbie-Williams-Konzert im Jahr 2006, als einer von der Crew seiner langjährigen Freundin „on stage“ einen Heiratsantrag gemacht hat. Robbie hat angesagt, dass einer seiner Freunde seiner Freundin etwas Spezielles sagen möchte, und ich hab mich in der Sekunde zu Caro umgedreht und habe mit meinem Spezialaugenaufschlag zu ihr gesagt: „bitte keinen Heiratsantrag…“. Aber natürlich, es war ein solcher, und 50.000 Menschen waren Zeugen, als ein Mann vor einer Frau auf die Knie ging und sie darum bat, seine Frau zu werden…
Antragsexhibitionismus. Eine neue Steigerung von höher, weiter, stärker. Ja, man liebt diesen Menschen, aber das genügt nicht. Man will es nicht mit den Menschen, die man kennt und liebt, teilen, sondern mit zigtausenden Unbekannten. Einfach herausschreien „ich liebe dich“ und hoffen, dass alle anderen einen darum beneiden, was man hat, und dass das, was man hat, so ungewöhnlich ist, dass man es der ganzen weiten Welt auf die Nase binden muss.
… ein Kinoabend unter vier Freundinnen ist geplant. Eigentlich bin ich diejenige, die diesen Abend initiiert, und nach meiner Woche ist mir eigentlich – eigentlich – nach einem Splattermovie zumute, wo Blut in Bächen fließt, Körperteile abgehackt werden und Tote den Weg pflastern. Na schön, zur Not wäre ich auch mit einem spannenden Thriller einverstanden. Was meinen zwei meiner drei Freundinnen? „Ich würd gern was Lustiges sehen…“. Der lustige Film, den ich vorgeschlagen habe („be kind – rewind“), wird jedoch mehrstimmig abgelehnt (Scheißdemokratie), also kommt der beliebt-berüchtigte „Frauenfilm“: die sogenannte „Romantikkomödie“. Und dadurch, dass ich ja in Wahrheit ein gutmütiger Mensch bin, bin ich so nett und reserviere Karten für „Love Vegas“ – zur Not kann ich ja immer noch Ashton Kutcher anschmachten…
Außerdem bin ich ja ohnehin leicht glücklich zu machen – immerhin überstehe ich ja mit einer large Cola und einer Portion Nachos mit Käsesauce so ziemlich jeden Kinofilm. Also, warum nicht auch diesen. Die Werbung läuft, wir spielen unser Spiel „Werbung erraten“ und tratschen. Auf einmal wird mitten unter der Werbung der Saal wieder erleuchtet. Im ersten Moment schießt uns allen ein „bitte nicht schon wieder ein technischer Defekt“ durch den Kopf. Aber wir sehen, dass ein junger Mann mit Mikro in der Hand vor die Leinwand tritt. Ich wende mich wieder mal zu Caro zu und sage meinen berühmten Satz „bitte nicht schon wieder einen Heiratsantrag“…
Dieser junge Mann erklärt uns Publikum, dass er schon seit einigen Jahren (wie viele Jahre genau hat er sicherheitshalber offen gelassen) mit seiner Freundin zusammen ist und mit ihr sehr glücklich ist. Er bittet (kommandiert?) sie ebenfalls zu sich herunter und erklärt dem Auditorium, dass sie in den kommenden Monaten in die USA reisen, unter anderem auch nach Las Vegas. Er sinkt auf seine Knie und bittet sie darum, ihn zu heiraten… Das „Ja“ haben wir natürlich nicht mitbekommen, wir haben nur gesehen, dass die Frau im grünen T-Shirt dem Mann um den Hals fiel und ihn küsste. Ich nehme mal an, das war ein „Ja“…
Natürlich tut das Auditorium in diesem Fall das, was das Auditorium tun muss: es applaudiert und grölt und jubelt.
Während des Films grüble ich über den Antrag nach: ja, der junge Mann war zugegeben sehr tapfer, dass er vor einem ziemlich vollen Kinosaal seine Freundin gebeten hat, ihn zu heiraten – haben doch viele Menschen eine ziemliche Scheu davor, auch vor deutlich weniger Menschen zu sprechen. Und ich finde es auch nett von dem Kino, dass es diese Aktion möglich gemacht hat.
Vielleicht bin ich zynisch, aber schon ein anderer großer Mistkerl hat behauptet „in Wahrheit sind Zyniker nichts anderes als enttäuschte Romantiker“. Ein Antrag in intimer Atmosphäre, nur zwei Menschen, die einander lieben, das ist so ziemlich das Romantischste, das ich mir vorstellen kann. Vor einem Auditorium voller wildfremder Menschen – das ist für mich ein Grund, „nein“ zu sagen…
Von demher hoffe ich, falls mein McDreamy eines schönen Tages um meine Hand anhalten sollte, dass er es unter vier Augen machen wird – ein intimer Moment, wo es nur zwei Menschen auf der Welt gibt, nämlich ihn und mich, und dass alles andere in diesem Augenblick nebensächlich wird…
Als unser Brautpaar zwei Stunden später den Kinosaal verlassen hat, gab es kein Strahlen, kein Kosen, kein Knutschen. Sie haben einfach das Kino verlassen, als ob der Antrag unmittelbar vorher nicht stattgefunden hat. Ich wünsche ihnen trotzdem ein wunderschönes Leben zu zweit, und dass für sie immer die Sonne scheinen mag.
Schon Gottfried Keller wusste es: Kleider machen Leute. Für jeden Anlass haben wir die mehr oder weniger passende Garderobe im Kleiderschrank, die es uns gestattet, immer korrekt gekleidet zu sein. Denn – Gott bewahre – wir gehen zu einem Event und stellen auf einmal fest „hopelessly overdressed“, dann braucht man selbst nichts mehr, dann vervollständigen sämtliche Anwesende den Satz mit „… and underfucked“. So schnell kann ein Abend gelaufen sein…
Aber zum Glück gibt’s die berühmten Dresscodes: black tie, white tie, come as you are, Cocktail… mit einem kleinen Blick in die gängigen Benimmbücher und einem zweiten Blick in den Kleiderschrank sollte alles geklärt sein. Problematisch wird die Geschichte nur, wenn der Kleiderschrank dringend der Aufstockung bedarf.
Es gibt einen Anlass, für den möchte man nicht immer outfitmäßig gewappnet sein: Beerdigungen. Schon gar nicht, wenn der Mensch, den man verabschiedet, so eng verwandt ist, dass der Anstand „tiefe Trauer“ gebietet. Und während es für die Männer in diesem Fall noch ziemlich einfach ist – schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Kravatte, schwarze Schuhe – so sehen wir Frauen uns mit der Tatsache „ganz in schwarz“ konfrontiert (wobei ich für mich die schwarzen Strümpfe generell boykottiere – schwarze Strümpfe hab ich zuletzt in der Tanzschule getragen, und das ist mittlerweile nicht mehr wahr).
Ganz in schwarz… gut, das schwarze Kostüm ist in der Reinigung, die „guten Schuhe“ (sprich: bequem und nicht zu hoch) sind beim Schuster, bleibt lediglich noch die Frage offen, was zieht man unter den Blazer an. Ich weiß, mittlerweile ist es üblich, unter einem Kostüm einfach ein T-Shirt zu tragen. Ich finde allerdings ein schlichtes T-Shirt nicht angemessen, ich möchte eine schwarze Bluse tragen. Da es Anfang Mai mitunter auch schon wärmer sein kann (und es recht kuschelig werden kann, wenn man komplett schwarz angezogen in der prallen Sonne steht), und Beerdigungen ohnehin nicht sonderlich erbaulich sind, möchte man sich die ärgste Qual – sturzbachartige Schweißausbrüche - ersparen. Ich möchte also eine kurzärmelige schwarze Bluse, die ich unter meinem ebenso schwarzen Blazer zu meinem schwarzen Rock tragen kann. Und da ich in meinem Kleiderschrank eben keine kurzärmelige schwarze Bluse beheimate, muss frau eben das tun, was zu tun ist: einkaufen gehen.
Ich muss gestehen, die Shoppingerwartung für eine schlichte, schwarze Bluse ist nichts, was in die Kategorie „herausfordernd“ fällt. Und so überlege ich: in die Stadt rein fahren, zum Herrenhutterhaus marschieren, schwarze Bluse raussuchen, probieren, bezahlen und dann noch zu Starbucks auf einen Chai Latte mit Sojamilch düsen. Veranschlagte Zeit: 10 Minuten – das allerdings nur, wenn ich dort drei verschiedene Blusen anprobieren muss.
Ich marschiere also zum Fürnkranz, treibe mich in der Blusenabteilung herum, finde einige schwarze Blusen mit langen Ärmeln. Eine nette Verkäuferin kommt auf mich zu und bietet mir ihre Hilfe an – die ich dankbar annehme: „ich hätte gerne eine schwarze Bluse mit kurzen Ärmeln“. Die Verkäuferin schüttelt bedauernd den Kopf „nein, tut mir leid, so was haben wir nicht“. Okaaaaaaay, das könnte nun doch etwas schwieriger werden. „Darfs vielleicht etwas anderes sein, wir hätten da sehr nette T-Shirts“. Ich will nun wirklich nicht auch noch über meinen Blusenwunsch diskutieren, also zücke ich die „ich brauch’s für eine Beerdigung“-Karte. Nein, leider, da kann sie mir nicht weiterhelfen, aber vielleicht die Kollegin im Tiefgeschoß.
Ich also runter in den Keller, Verkäuferin gesucht, wieder meine Bitte um eine schwarze Bluse mit kurzen Ärmeln vorgetragen. Und – um etwaige Verkaufsbemühungen in Richtung „vielleicht doch lieber etwas Flotteres“ gleich im Keim zu ersticken, ergänze ich den Wunsch wieder mit dem berühmten „ich brauch’s für eine Beerdigung“. Kopfschütteln. Leider, schwarze Blusen mit Kurzarm gibt es nicht.
Gut, wohin schaue ich als nächstes? Hm, vielleicht Don Gil Donna im Steffl – die haben eine Riesenauswahl. Und tatsächlich, als ich die Regale durchforste, sehe ich eine nette schwarze kurzärmelige Bluse von Dolce & Gabbana, die ein mittleres Vermögen kostet, allerdings nur in Größe 40. Also suche ich mir eine Verkäuferin und frage, ob’s die Bluse denn auch ein bisschen größer gibt. Die Verkäuferin (ca. halb so alt wie ich) schaut mich an und sagt nur „nein, also größer als 40 führen wir nicht“. Hallo? Marilyn Monroe trug immerhin Größe 42… Und in Oberteile Größe 40 hab ich nicht mal gepasst, als mein Hintern noch mit Größe 36 herumgelaufen ist. Gut, Notiz an mich selbst: wenn ich mich wieder in 40 hineingesportelt habe, werde ich aus Protest nie in diesem Geschäft einkaufen. Also "hinten raus" beim Steffl und ab zum "Alexander" - auch dort ein Kopfschütteln: nein, keine schwarze Kurzarmbluse.
Nächster Shop, Fürnkranz Couture. „Naja, sie können ja durchschauen, ob sie irgendwo eine schwarze Bluse finden“. Bitte????? Schon mal was von dem kleinen Wörtchen „Service“ gehört?
Mittlerweile ist die ohnehin nur sehr latent vorhandene Shoppinglaune endgültig im Keller gelandet. Kann es das geben? Gibt es in ganz Wien keine kurzärmeligen schwarzen Damenblusen in Größe 42? Und gab es etwa einen Erlass, dass die Wiener nur noch in der kühleren Jahreszeit das Zeitliche segnen sollen, damit wir Hinterbliebenen mit langärmeligen schwarzen Blusen zur Beerdigung gehen können und dabei keinen Hitzschlag erleiden? Ist sterben nur noch bei Schlechtwetter gestattet?
Meine Rettung ist schließlich ein klitzekleines Geschäft vis-a-vis von der Staatsoper. Ich stolpere in den van Laack Store und schaue die Verkäuferin sehr verzweifelt an „bitte sagen sie mir, dass sie schwarze kurzärmelige Damenblusen verkaufen“. Die Verkäuferin nickt, in 2 Minuten bin ich in der Bluse drin und weitere 2 Minuten später unterschreibe ich den Kreditkartenbeleg. Wir plaudern noch ganz kurz miteinander und die Verkäuferin erklärt mir, dass schwarze Blusen halt grad nicht in Mode sind.
Na, dann bleibt nur zu hoffen, dass das auch einer dem Quiqui g'sagt hat…
Beständigkeit... vielleicht eines jener Dinge, die wir im Leben ganz besonders erstrebenswert finden. Und auch ich gestehe, dass ich in einigen Bereichen ein ziemlicher Monk bin, der es partout nicht ausstehen kann, wenn etwas, woran ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt habe, auf einmal geändert wird. Vielleicht bin ich damit langweilig, aber ab und zu mag ich es in meinem Leben, wenn mich täglich (oder sagen wir besser: regelmäßig) das Murmeltier grüßt.
Zum Beispiel bringt der mittlerweile beendete Autorenstreik in den USA meinen Montagabend extrem durcheinander: kein Grey’s Anatomy und kein Private Practice bis zum Herbst. Dabei haben wir doch grad erst mal Frühling, ich kann mich doch nicht Ende April schon auf den Oktober freuen, nein, das geht gar nicht. Und auch, wenn ich einige Folgen auf meinem Festplattenrekorder archiviert habe (der Großteil ist ja leider dem Festplattencrash im März zum Opfer gefallen) und mir auch die ersten Staffeln auf DVD quasi in Endlosschleife ansehen könnte, aber man will ja doch wissen, wie’s weiter geht, möchte mit Meredith, McDreamy, Addison und Pete mitleiden und mitfiebern. Außerdem finde ich es regelrecht ungewohnt, wenn ich am Dienstag nicht mit balkenartigen Augenringen im Office antanze sondern geradezu… ausgeschlafen bin (weil ich nicht bis nach Mitternacht wach bin, weil mich die Aufregung hellwach hält). Was für eine schockierende Erfahrung.
Das Zweite, das mir das Leben vergällen kann, ist, wenn von einem Tag auf den anderen mein Lieblingsparfum „delisted“ wird, um es auf neudeutsch zu sagen. Ich verwende seit ewigen Zeiten „by“ von Dolce & Gabbana und war letztes Jahr einem mittleren Nervenzusammenbruch nahe, als ich mitbekommen habe, dass die Parfumabteilung von D&G verkauft wurde, und der neue Eigentümer als erstes meinen Lieblingsduft gestrichen hat. Um es mit den Ärzten zu sagen: dürfen die das? So viele mehr als nur fürchterliche Geruchsvarianten, die die Ausrottung durchaus verdient hätten, und was wird nicht mehr produziert? Mein heiß geliebtes „by“… Solche Meldungen können frau durchaus für drei Wochen die gute Laune verderben.
Aber als ob ich mit diesen Katastrophen nicht schon genug gestraft worden wäre, hab ich diese Woche erfahren, dass ich von noch einer Gewohnheit Abschied nehmen muss: kein Ö3 Wecker mehr mit Peter L. Eppinger…
Ich muss gestehen, ich hab schon als Kind und als Teenager jeden Tag in der Früh den Wecker gehört. Als ich dann mit meinem Ex zusammengezogen bin, musste ich mich auf „Radio Wien“ umstellen, da mein Ex darauf bestanden hat, diesen Sender zu hören (was tut frau nicht alles um des lieben Hausfriedens willen…). Und so muss ich zu meiner großen Schande gestehen, dass ich die glorreichen Zeiten eines Harry Raithofer und den Vignettenman überhaupt nicht aktiv mitbekommen habe. Als mein Ex dann vor vier Jahren ausgezogen ist, war das Erste, das ich getan habe, dass ich den Sender von der Stereoanlage umgeschaltet habe. Endlich wieder der Wecker in der Früh…
Mit der Zeit hat sich dann herauskristallisiert, dass ich eine Lieblingsstimme beim Wecker habe. Und auch, wenn ich jetzt die Mehrheit der Österreicher gegen mich habe, aber… es ist nicht der Robert Kratky. Seine Stimme knarzt mir in der Früh einfach zu sehr und außerdem hör ich am Morgen lieber die heimatlichen Klänge einer Wiener Stimme. Abgesehen davon hat sich’s der Robert Kratky mit mir im Herbst 2004 ziemlich verscherzt, denn da lief im ORF tagein tagaus seine Actimel-Werbung, mit dem Slogan „Komm, nies mich an“. Aufgrund der Tatsache, dass ich selbst laktoseintolerant bin (und man mich mit einem Actimel für mehrere Tage außer Gefecht setzen kann, soviel zum Thema „zwei Wochen zufrieden testen oder Geld zurück“), hätt’ ich jedes Mal, wenn ich den Spot gesehen habe, in den Fernseher schlagen können. Gut, ich hätte jedes Werbetestimonial verteufelt, das für ein Milchprodukt so exzessiv Werbung macht, in dem Fall hat halt der Kratky meinen geballten Konsumentenunmut abbekommen (ich nehme an, sein Ego ist groß genug, dass er mit dieser Tatsache leben kann). Und ich gestehe, ich hab bei meinem ersten Besuch in der Wäscherei einen Lachanfall bekommen, als ich gesehen hab, dass ein Kellner dort mit einem Shirt rum lief, auf dem stand „Kratky hat mich angehustet“. Sei’s wie es sei, der Großteil der Fangemeinde darf mich nun steinigen, aber ich oute mich hiermit als Jeder-nur-nicht-Kratky-Fan und gelobe jedem zweiten Weckermoderator die ewige Hörertreue.
Nachdem ich nun seit doch über 2 Jahren den ganzen Tag über das Radio im Büro laufen habe, habe ich viele der Moderatoren mittlerweile gehört. Und habe über den ganzen Tag verteilt meine Lieblinge gefunden und auch jene, die ich eher entbehrlich finde. Als Frau hab ich natürlich zu den Männerstimmen eine höhere Affinität, das stimmt schon (auch wenn die Moderatorinnenriege allesamt eine ausgesprochen schöne Sprechweise hat und mit sehr angenehmen Stimmen vertreten ist). Über den Tag verteilt habe ich eigentlich nur einen Mann gefunden, der mir ebenso wie der Robert Kratky auf die Nerven geht: Andi Knoll.
… von demher ist’s ja jetzt fast schon ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ich jetzt sage, dass Zeitungsberichten zufolge Andi Knoll der Ersatz vom Peter L. Eppinger wird… Warum nicht Armin Rogl, oder Gerald Fleischhacker… aber nein, das Universum hat anscheinend entschieden, dass es für mich an der Zeit ist, dass ich mich von meinen lieb gewonnenen Morgengewohnheiten trenne und mir von sechs bis neun einen anderen Radiosender suche. Anyone any ideas?
Es gibt kaum etwas, das uns im Leben so stark beeinflusst wie unsere Erwartungen. Geben wir offen zu: wir gehen nur sehr selten unvoreingenommen auf eine neue Situation oder eine neue Person zu. Und wenn man sich mit Freunden für den Abend verabredet, dann hat man meist eine gewisse Erwartungshaltung, wie wohl der Abend werden wird. Wenn man mit einer großen Runde an netten Leuten unterwegs sein wird, erwartet man, dass der Abend lustig wird. Eilt man einer Freundin in einer Liebeskummerkrise zur Hilfe, erwartet man, dass der Abend tränenreich wird. Und hat man am Samstagabend eine Familieneinladung mit der Großtante ausgefasst, dann erwartet man, dass es tierisch langweilig wird…
Die Crux mit den Erwartungen ist allerdings: sie treffen nicht immer so ein, wie man es sich vorstellt. Der coole Singleurlaub ins Luxusressort kann recht rasch zu einem langweiligen am-Pool-liegen-und-den-Sonnenschirm-anstarren verkommen. Die Firmenveranstaltung, wo man sich nur mit größtem Widerwillen hinschleppt, wird die Party des Jahres. Ich selbst habe ja die Erfahrung gemacht: wenn man sich auf etwas besonders freut, dann wird es ein lahmer Abend. Und wenn man irgendwo eigentlich gar nicht hingehen möchte, und man den inneren Schweinehund nur mit größter Mühsal davon überzeugen kann, dass man sich nun doch vom Sofa hochhievt und den Luxuskörper zu der ungeliebten Veranstaltung schleppt, dann wird der Abend wider Erwarten ein Knaller. Quasi eine Art „Antithese“ zu Murphys Gesetz „alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen“.
Ja, auch ich bin ein Mensch, der von seinen Erwartungen geknechtet ist. Es ist Freitagabend, und im Wiener U4 steht eine Falco Night an. Ich stehe dazu: ich bin ein Kind der 80er und ich vergöttere Falco – der Meister des Zynismus schlechthin. Und noch dazu in seinem früheren 2. Wohnzimmer – der Abend kann einfach nur genial werden. Also verabrede ich mich mit meiner Freundin Johanna zu einer Nacht im U4.
Wobei ich jetzt noch mit einem kleinen Outing überraschen muss: ich war vorher noch nie im U4. In meinen ganzen 34 Jahren in Wien habe ich es noch nicht geschafft, in dieses Kultlokal zu gehen (zu meiner Entschuldigung muss ich sagen: im Schloss Schönbrunn und der Hermesvilla war ich auch noch nie – einige Dinge in Wien gibt’s einfach nur für die Touristen). Zu der Zeit, wo STS in „Fürstenfeld“ von grünhaarigen Punkerinnen gesungen hat, war ich einfach noch zu jung für die Disco, und als ich endlich alt genug war, hat’s mich nimmer gereizt. … obwohl ich mich natürlich immer gefragt hab, ob mir dadurch etwas Wesentliches in meinem Leben entgangen ist, schließlich liest man ja auch immer wieder von extrem coolen Parties dort. Wie dem auch sei – gestern sollte dann die Nacht der Nächte sein, die mich von meinem U4-Jungfrauentum erlöst.
Außerdem hege ich ja einige Erwartungen. Es ist Falco Night, da wird das Publikum eher in meiner Alterskategorie angesiedelt sein und nicht bei U20. Und außerdem… ein bisschen träume ich ja davon, dass mir vielleicht etwas Süßes an dem Abend zuläuft. Nachdem es das Universum in letzter Zeit ja nicht immer so 100%ig gut mit mir gemeint hat, hoffe ich, dass es mich mit einem genialen Abend aussöhnen wird.
Als Johanna und ich so knapp vor 23 Uhr im U4 ankommen (zeitig dort sein ist nur was für Loser), stellen wir fest: eine Bank hat den Nebenraum angemietet und gibt dort eine Party. Was auf den ersten Blick als Vorteil wirkt, entpuppt sich in den nächsten 3 ½ Stunden als mittleres Debakel. Man kann es im Prinzip auf einen Satz reduzieren: Banker sind nicht sexy… Die Schnuckeldichte im U4 liegt unter der Wahrnehmungsgrenze und ist vermutlich nur mit ausgeklügelten statistischen Methoden erhebbar. Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass das übrige Publikum, welches das U4 bevölkert, auch nicht grad in mein Beuteschema passt. Nachdem Johanna mich in das Geheimnis einweiht, wann ein Mann zu jung für frau ist, um ihn zu daten – Lebensalter / 2 + 7 – stelle ich fest, dass einige der Burschen definitiv unter diese Altersgrenze fallen. Und kleine Fische lässt man ja bekanntlich wieder vom Haken und wirft sie zurück ins Wasser, damit sie noch ein bissl wachsen können.
Wenn man vom vorhandenen Angebot die Banker und die Milchbubis abzieht, was bleibt dann übrig? Naja, eigentlich nimmer sonderlich viel. Ein George-Michael-Verschnitt (inklusive Föhnwelle aus den 80er Jahren), ein paar Bodybuilder und einige Typen mit Hemden, die sie bis zum Bauchnabel aufgeknöpft haben, damit man ihre gesamte Goldketterlpracht in 3D bewundern kann. Selbst nach dem zweiten Vodka-Soda stellen Johanna und ich fest: da is nix g’scheits dabei.
Mein persönlicher Level ist zu dem Zeitpunkt erreicht, wo ich feststelle, dass die bei einigen Jugendlichen so beliebte Vokuhila (üblen Gerüchten zufolge: vorne Business, hinten Party – Einbildung ist auch eine Bildung…) auch den Sprung über die magische Altersgrenze von 20 Jahren geschafft hat. Die Vokuhila lebt! Und wenn ich bei unseren Teenagern noch „sie müssen sich selbst finden“ und „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ als Entschuldigung vorbringe (ich persönlich kenne niemanden, der in den 80er Jahren eine Vokuhila trug und der heute freiwillig die darüber existierenden Fotos herzeigt), rätsle ich, was einen Ü20 dazu treibt, sich aus freien Stücken so zu verunstalten.
Mein Fazit des Abends: einmal hab ich „Amadeus“ gehört (soviel zur Falco Night), zweimal bin ich von Typen angequatscht worden, die ich mir im Leben nicht interessant saufen könnte, und für’s Auge war auch nicht wirklich viel dabei. Und in meinen Ohren pfeift noch am nächsten Morgen der sanfte Tinnitus von der lauten Musik. Aber vielleicht ist es ja mit dem U4 wie mit dem Sex: das „erste Mal“ ist meistens eine Enttäuschung…
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Zuletzt aktualisiert: 5. Mär, 18:13
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