Donnerstag, 27. September 2007

Vienna

Ja, ich liebe das Internet. Nicht nur, es Unmengen an Wissen vermittelt, hat es noch einen weiteren Vorteil: man lernt die tollsten Leute kennen. Und nein, ich spreche jetzt nicht von Online-Singlebörsen – an die habe ich nie wirklich geglaubt, und nach einem mehrmonatigen Probelauf habe ich mein Profil bei einer Singlebörse deaktiviert. Ich spreche von Internet-Foren.

Es gibt zu allen möglichen und unmöglichen Themen Internetforen: Fernsehserien, Musiker, Ernährung, … die Palette ist schier endlos. Und der große Vorteil ist: wenn man sich ein fachspezifisches Forum ausgesucht hat, dann hat man den Vorteil, dass man dort mit Gleichgesinnten diskutieren kann. Und da man mit diesen Leuten doch regelmäßig diskutiert oder tratscht, hat man oft auch das Bedürfnis, diese Personen „in real life“ kennen zu lernen. Nun, in Wien selbst ist das ja kein Problem, und die Wiener, die sich in denselben Foren wie ich herumtreiben, veranstalten in unregelmäßigen Abständen Forentreffen. Wenn die User aber über das gesamte deutschsprachige Gebiet verteilt sind, wird es zugegeben etwas schwieriger.

Vor einigen Wochen bekomme ich von einem Forumsbekannten aus Deutschland ein kurzes Mail „Hi Julia, ich bin Ende September für ein paar Tage in Wien, hast du Zeit und Lust, mit mir auf einen Kaffee zu gehen.“ Na klar hab ich Lust. Aber wieso sollte man nur auf einen Kaffee gehen, wenn man doch eine ordentliche Sightseeing-Tour veranstalten könnte. Also schreibe ich zurück „ja freilich, sehr gern, aber wenn du magst, biete ich mich auch als Stadtführerin an“. Sascha ist begeistert, und mailt mir zurück „ich nehme das Angebot dankend an, als Soziologe interessieren mich die Menschen ohnehin mehr als die Gebäude, also zeig mir doch einfach ‚dein’ Wien.“.

Ähm, ja… meinen Plan von „eine Runde durch die Innenstadt“, mit Besichtigung von Stephanskirche, Hofburg, Museen und vielleicht noch einen Abstecher nach Schönbrunn kann ich mir somit offiziell aufzeichnen. Himmel, wie kann ich ihm die „Wiener Mentalität“ nur nahe bringen? Wie meine Liebe zu dieser großartigen Stadt vermitteln, ohne dass es lächerlich wirkt?

Ich weiß gar nicht, wie lange ich Sascha schon virtuell kenne – es sind sicher schon vier Jahre, wenn es nicht schon länger ist. Wir haben immer losen Mailkontakt gehalten, er hat mir aufmunternde mails geschickt, als ich mich vor über drei Jahren von meinem damaligen Freund getrennt habe, ich habe Gratulationsmails geschickt, als er vor einem halben Jahr geheiratet hat. Und selbst, wenn wir mal ein Jahr lang keinen Kontakt haben, ist es auch kein Drama – es ist unkompliziert und man ist auch befreundet, wenn man sich nicht wöchentlich Belanglosigkeiten schickt. Deshalb finde ich es ungemein aufregend, dass wir uns „in echt“ kennen lernen. Ja, gewiss, man kennt einander von Fotos, aber man weiß nicht, wie die Stimme des anderen klingt, und ob man groß ist oder nur auf dem Bild groß wirkt.

Mein Problem aber ist immer noch: wie bringe ich einem Deutschen Wien nahe – so, dass er genauso in „mein Wien“ verliebt ist wie ich? Schwierig… ich beschließe also, Sascha all jene Dinge zu zeigen, die einem Wiener wichtig sind – soweit man das in einen knappen Nachmittag hineinpacken kann.

Was aber sind die Dinge, die einem Wiener wichtig sind? Nun ja, man behauptet ja gemeinhin über uns: als Kind wollen wir Sängerknabe werden, später dann Lippizaner, und am Schluss wollen wir „a scheene Leich’“ haben. Ja klar, warum denn eigentlich nicht…

Lisa und ich klauben Sascha an einem strahlenden Altweibersommertag auf – Lisa ist sich zwar etwas unsicher, ob wir ihn sofort finden werden, aber schließlich bin ich ja schon blinddate-erfahren. Sascha ist zwar etwas kleiner, als er auf Fotos wirkt, aber auch, wenn wir einander vorher noch nie zuvor gesehen haben, begrüßen wir uns wie jahrelange Freunde. Und viel von Wien hat er auch noch nicht gesehen, also dann geh' ma's an…

Unsere erste Station führt uns zu Tor 2 vom Wiener Zentralfriedhof. Da ist ein Großteil der Ehrengräber und die Präsidentengruft – dank Google bin ich auch gut gewappnet und könnte gut und gern ½ Stunde referieren. Als wir das Friedhofsgelände betreten, bin ich etwas überrascht: auch wenn ich zuvor schon erwähnt habe, dass wir Wiener ein geschäftstüchtiges Völkchen sind, aber… es gibt Ehrengrab-Führungen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen… Ich brauche relativ lang, um mich von dieser Überraschung wieder rückstandsfrei zu erholen und nehme an, dass all die honoren Herrschaften, die da im Rahmen der Friedhofstour gezeigt werden, in ihren Ehrengräbern rotieren.



Was ist dem Wiener noch wichtig im Leben? Natürlich ein g’scheits Papperl… und aus diesem Grund steht als Nächstes ein Besuch am Wiener Naschmarkt am Programm. Sascha ist von dem Angebot und der Vielfalt begeistert und schwört Stein und Bein, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt. Als nächstes hüpfen wir in die U4 und fahren zum Karlsplatz. In der Innenstadt machen wir einen kurzen Abstecher in die Kapuzinergruft, um Sisi und Franzl einen kurzen Besuch abzustatten, danach wird die Wiener Caféhauskultur untersucht. Und wo könnte man das Authentischer machen als hier:



Und auch, wenn Herr Leopold selbst nicht mehr hinter der Budl steht, ist das Flair vom Hawelka unverkennbar. Das Lokal ist nach wie vor verraucht, bummvoll, der Tisch wackelt immer ein bissl, und es ist einfach urgemütlich. Hier kann man einen Nachmittag mit ein paar Zeitungen und ständigem Kaffeenachschub durchaus verbringen. Ich versuche auch, Sascha in das Geheimnis des Wiener Kaffee's einzuweihen: "Wenn du einen kleinen Espresso willst, musst du einen 'kleinen Schwarzen' verlangen. Ein großer Espresso ist demnach ein 'großer Schwarzer'. Einen kleinen Schwarzen mit einem Schuss Milch nennt man 'kleiner Brauner', einen großen Schwarzen mit etwas Milch 'großer Brauner'. Ein kleiner Espresso mit viel Milch und einem Milchschaumhauberl ist eine 'Melange' und ein kleiner Espresso, der mit Wasser gestreckt wird, ist ein 'Verlängerter'". Die Feinheiten wie Kapuziner, Einspänner und Co. lasse ich vorsorglich mal weg - das muss an Auswahl reichen.

Danach strandeln wir noch ein bissl über den Graben und plaudern über dies und das. Sascha ist von meiner Stadtführung übrigens begeistert – mich freut’s, dass ich ihm damit eine Freude gemacht habe, und bin stolz, dass es nun einen Menschen mehr auf dieser Welt gibt, der meine Leidenschaft für Wien teilt.

Donnerstag, 20. September 2007

I should be so lucky

Glück. Es gibt kaum etwas, das wir uns so sehnlich wünschen wie Glück. Und das ist auch nur zu verständlich, schließlich bekommen wir von allen Seiten um uns herum suggeriert, wie wichtig, ja geradezu existenziell es ist, dass wir glücklich sind. Kinofilme, Musik und sogar die schnöde Werbung um uns herum, alle lachen, sind froh und so unerträglich happy, dass einem mitunter der leise Zweifel überkommt, ob es an der Welt an uns herum liegt, die so völlig verrückt geworden ist, oder ob schlichtweg wir das Problem sind…

Das Kernproblem ist ja, dass wir eigentlich nur eine sehr grobe Vorstellung davon haben, was uns glücklich macht. Ja, gewiss, keine Geldsorgen wären schon mal sehr hilfreich, aber ob das die ultimative Befriedigung bietet? Brauchen wir den uneingeschränkten Rückhalt in der Familie oder im Freundeskreis? Gesundheit? Nächtelangen tabulosen Sex? Oder ist es die Geborgenheit einer Beziehung, des liebenden Partners an der Seite, der uns das Gefühl gibt, dass wir durch ihn komplett sind, und der uns glücklich macht? Wir wissen es nicht. Und die Krux ist ja, dass wir wohl unser Unglück bemerken, wir aber keinen Leitfaden in der Schublade liegen haben, wie wir das Problem lösen könnten.

Ich muss gestehen, ich habe ein etwas ambivalentes Verhältnis zum Glück. Und zwar mag ich den Gedanken nicht, dass mein Glück fremdbestimmt ist, dass ich jemand anderes benötige, um glücklich zu werden – schlichtweg, dass Glück ein Zustand ist, den man nur durch eine zweite Person erlangen kann. Bedeutet dies doch, dass ich – solange ich allein bin – zwangsweise zum Unglücklichsein verurteilt bin.

Andererseits hat dieser Gedanke – fremdbestimmtes Glück – auch einen sehr verführerischen Teil: ich entbinde mich selbst von der Verantwortung, für mein Glück selbst zuständig zu sein, weil ich warte ja auf meinen Prinzen, der auf seinem Schimmel angaloppiert kommt und mich aus meiner Tristesse errettet. Und wenn der Prinz nicht kommt – dann kann ich mich ruhigen Gewissens zurück lehnen und sagen „i sog’s glei’, i woa’s net“. Denn schließlich ist es ja die Schuld des blöden Prinzen, wär’ der Trottel doch vorbei gekommen und hätt’ das getan, was man in solchen Situationen von ihm erwartet. Is’ ja wahr…

Ja, das wäre eine unendlich bequeme Vorstellung, aber dennoch: ich mag diesen Gedanken nicht. Denn wenn dieser Mensch und ich einander nicht finden, dann sind wir für den Rest unserer Tage traurig und trübselig, und das Universum mit seinem subtil-boshaften Humor reibt sich die Hände und kichert „hehe, wieder erfolgreich zwei Leben ruiniert!“.

Und wenn mein Glück schon von einem einzigen Menschen abhängig sein sollte, dann möchte ich gefälligst, dass das ein Mensch ist, auf den ich mich uneingeschränkt verlassen kann. Und dieser eine Mensch bin… ich! Stellt euch doch mal vor, wie unendlich praktisch das ist. Ich muss den Menschen, der mich glücklich macht, nicht suchen – denn er ist ja schon da. Und immer bei mir! Damit ich mich selbst glücklich machen kann, muss ich mich aber auch selbst ziemlich mögen, denn so selbstlos bin ich nicht, dass ich mir einen Hax’n ausreiß’, um einem Ungustl in meinen Augen zur Happyness zu verhelfen. Also muss ich mich aufmachen, um mich selbst zu entdecken, um festzustellen, ob diese Julia nun ein netter Mensch ist oder nicht, und ob sie es verdient hat, dass ich sie glücklich mache.

Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen in diesem Bereich geht: ich war ziemlich streng zu mir. Und ich machte ganz gerne aus einer Mücke eine Elefantenherde, und drängte meine negativen Eigenschaften gerne in den Vordergrund, und stellte meine positiven Eigenschaften hintan. Mein Selbstbildnis war so, wie wenn ich in einen Zerrspiegel geschaut hätte, der meine guten Seiten massiv verkleinerte und meine negativen Charaktereigenschaften unnatürlich vergrößerte und auf das Bizarrste verzerrte. Ein kurzer Blick in diesen Zerrspiegel und ich schreckte mich vor mir selbst. Und fragte mich immer wieder: wenn ich all meine Fehler schon so deutlich sehe, dann müssen meine Mitmenschen diese Fehler ja noch schlimmer wahrnehmen. Umso erstaunter war ich immer wieder, wenn ich von meinen Mitmenschen sehr positives Feedback bekommen habe. Da war ich im ersten Schritt misstrauisch, denn die wollten sich sicher nur insgeheim über mich lustig machen. Als ich gemerkt habe, dass es den Leuten durchaus ernst war mit ihrer Meinung über mich, bin ich neugierig geworden. Was ist es, das meine Umwelt an mir so anziehend findet?

Ich habe für mich herausgefunden, dass es bei Charaktereigenschaften so ist wie bei allen Dingen im Leben: es hat alles zwei Seiten. Und ich kann natürlich über mich sagen: Julia ist stur, stolz und unerträglich ungeduldig. Wenn ich aber versuche, das ganze positiv zu formulieren, dann sage ich „Julia steht zu ihrer Meinung, hat Rückgrat und hat den Mut, rasche Entscheidungen zu treffen“. Hoppla, das klingt ja auf einmal ganz anders…

Außerdem habe ich festgestellt, dass die Umwelt gerne die positiven Eigenschaften wahrnimmt und die negativen eher hintanstellt. Und so denke ich, dass meine Freunde über mich sagen würden „die Julia ist ein g’rader Michl’, auf die man sich verlassen kann, auch wenn ihr manchmal alles ein bissl zu langsam geht“.

Natürlich hat man es selbst viel lieber, wenn man von den Mitmenschen mit Komplimenten überhäuft wird, wie schön, klug und liebenswürdig man doch ist. Ich glaube aber, dass es einen selbst sehr viel weiter bringt, wenn man sich selbst mal alle negativen Eigenschaften, die einen schon immer gestört haben, auf einen Zettel aufschreibt und sich überlegt, wie man diese Liste auf „positiv“ umformulieren kann. Ja, zugegeben, das kostet Mut, Schweiß und Tränen. Aber ich denke, dass man so einige sehr liebenswerte Seiten an sich selbst entdeckt. Und dass man auf diese Art und Weise lernen kann, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist. Und damit dann genug Motivation hat, um diesen tollen Menschen, den man da grad kennen gelernt hat, glücklich zu machen.

Mir wurde heute die Frage gestellt, ob man sich selbst nicht eher über die Beziehung, die man zu den Menschen um einen herum hat, definieren soll. Ja, die Menschen um uns herum sind wichtig, denn niemand ist eine Insel. Ich aber glaube, dass es im ersten Schritt wichtig ist, dass ich mich selbst achte, respektiere und liebe. Denn wenn ich mir selbst keine Achtung, keinen Respekt und keine Liebe entgegen bringe, wie kann ich dann von meiner Umwelt erwarten, dass sie das tut? Und ich habe nicht die Angst, dass ich – wenn ich von keinem anderen davon abhängig bin, dass er mich glücklich macht – zum überzeugten Single mutiere. Im Gegenteil, ich glaube, dass – wenn ich ausstrahle, dass ich mit mir selbst durchaus zufrieden bin – ich damit für die Menschen um mich herum anziehender wirke.

Es kann natürlich sein, dass ich mich in diesem Fall irre. Aber ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen. Und als nächstes werde ich eine lange Liste all meiner negativen Eigenschaften anlegen – das finde ich nämlich unendlich spannender als so eine langweilige „pro“-Liste…

Sonntag, 16. September 2007

Nur mal so nachgedacht...

Mag sein, dass John Miles’ erste Liebe die Musik gewesen ist – meine erste große Liebe, der ich nun seit bald 3 Jahrzehnten die Treue halte, sind Bücher. Ich liebe Bücher und meine Freunde wissen, dass sie mir eine Riesenfreude bereiten, wenn sie mir zu allen möglichen Anlässen ein Buch schenken. Ich finde, Bücher sind – wenn sie sorgfältig ausgewählt werden – das persönlichste Geschenk, das man einem anderen Menschen machen kann. Ich liebe Bücher, weil sie mich zum Nachdenken bringen, mal bringen sie mich zum Lachen, mal zum Weinen und manchmal entführen sie mich in weit entfernte Länder oder in vergangene Epochen. Ja, Bücher sind phantastisch, und ich bin Gutenberg unendlich dankbar dafür, dass er den Buchdruck erfunden hat.

Da ich Bücher schon so liebe, ist es nur natürlich, dass ich auch Buchhandlungen phantastisch finde. Und auch, wenn mir alte, stimmungsvolle Buchhandlungen wie der Bundesverlag in der Schwarzenbergstraße am allerliebsten sind, weil man sich – wenn man sie betritt – vorkommt, als wäre man mindestens hundert Jahre in die Vergangenheit versetzt, kommt es in letzter Zeit doch auch schon mal vor, dass ich mir einen Quickie beim Thalia gönne. Besonders mag ich den Thalia in der Landstraße – vor allem, weil man hier auch am Sonntag einkaufen gehen kann. Er ist gut sortiert und hat einige Leseecken, wohin man sich zum Schmökern zurückziehen kann. Und manchmal – so wie heute – passiert es mir, dass man mir dort eine Kolumne schenkt…

Sonntagabend als Singlefrau, keine Verabredung und natürlich kein g’scheites Fernsehprogramm. In diesem Fall tut frau, was eine Frau tun muss – sie verabredet sich mit der besten Freundin zu einem Kinoabend. Caro’s und mein Stammkino ist das Village in der Landstraße – es liegt quasi auf halber Strecke zwischen unserer beiden Wohnungen, man findet dort eigentlich immer einen Parkplatz und – man kann vorher zum Thalia shoppen gehen. Also das perfekte Erlebnis für eine Frau: erst Geld ausgeben und dann bei einer großen Portion Nachos mit Käsesauce in die Cola schluchzen. Ich komme als Erste im Kino an, besorge schon mal die Karten (immer hinten mit Gang-Rand) und gehe dann zum Thalia um ein bissl zu schmökern, während ich auf Caro warte. Einige Minuten später trifft Caro ein und reißt mich aus einem asiatischen Kochbuch, das ich interessiert durchblättere. Wir treiben uns noch etwas in der Kochecke herum, machen uns dann aber auf den Weg, um im Erdgeschoß weiter zu stöbern… als wir an zwei Männern vorbei gehen, die sich miteinander unterhalten. Ich weiß nicht, worüber sie sprechen, wir bekommen auch nur einen Satz aus der Unterhaltung mit. Und zwar, dass der eine zum anderen sagt: „Dein Problem ist, dass du immer zu viel nachdenkst“.

Wow – da steht er nun, dieser Satz – er hängt förmlich in der Luft und bettelt darum, kommentiert zu werden. Ich sehe Caro an und Caro sieht mich an. Beide wissen wir, dass die andere den Satz auch gehört hat und ich kann förmlich Caros Gedanken in dieser Sekunde lesen – genauso, wie sie meine in diesem Augenblick hört. Und wie es in solchen Fällen so ist, wenn man sich ansieht und weiß „zwei Dumme, ein Gedanke“ beginnen wir haltlos zu lachen, während wir die Treppe hinunter gehen. Caro prustet „hast du das jetzt auch gehört?“ und ich kichere „was ist ein Paradoxon? Wenn ein Mann zu einem anderen Mann sagt ‚Dein Problem ist, dass du immer zu viel nachdenkst’.“

Eigentlich hätte es auf diesen Satz nur eine korrekte Antwort gegeben „meine Herren, jetzt wissen sie, wie sich eine Frau ständig fühlt“. Wir Frauen denken über alles nach. Wir denken sogar über mehrere Dinge gleichzeitig nach (das nennen wir dann Problemlösungsbewusstsein oder Multitaskingfähigkeit). Und wir denken ständig. Während wir uns den Liebeskummer einer Freundin am Telefon anhören und Worte des Trosts oder Schimpftriaden auf den Ex spenden, können wir gleichzeitig im Kopf die Einkaufsliste zusammenstellen und die To-Do-Liste fürs Büro für den nächsten Tag aktualisieren. Und können zur Not in Sekundenschnelle das Thema wechseln, wenn wir merken, dass es unserer Freundin gleich so schlecht geht, dass sie eine Familienpackung Tempo braucht. Wir spielen mit unseren Gedanken wie ein Hund, der mit einem Knochen spielt, beschnuppern sie mal von der einen, mal von der anderen Seite, nagen etwas halbherzig an ihnen herum und vergraben sie auch vielleicht für eine Weile, um sie eines Tages wieder hervor zu holen um weiter mit ihnen zu spielen und völlig neue Aspekte an ihnen zu entdecken.

Etwas Absurd wird die Geschichte, wenn eine Frau zum Nachdenken beginnt, was wohl ein Mann denken könnte. Ich hoffe, die hier mitlesenden Herren verzeihen mir, wenn ich das jetzt schreibe, aber: Mädels, sie sind in der Regel recht simpel gestrickt. Sie spielen keine was-wäre-wenn-Spielchen, mit denen wir uns nächtelang beschäftigen können. Sie identifizieren ein Problem und nehmen die nächst beste Lösung, wobei diese Lösung durchaus auch alkoholisch sein kann. Und sie würden sich nie siebenerlei Strategien überlegen, wie sie die Frau ihres Herzens wohl erobern könnten.

Von dem her wäre es sicher mal ein interessantes Experiment, wenn ein Mann für einen Tag versucht, wie eine Frau zu denken. Und zwar nicht sehr geradlinig und direkt, sondern verschnörkelt und gewunden, mit mehreren Abzweigungen, von denen einige durchaus ins Nirwana führen. Ja, dann würdet ihr uns sagen „dein Problem ist, dass du immer zuviel nachdenkst“. Ihr würdet wissen, dass es keine Kampfansage ist, wenn wir euch ansehen und sagen „10 Cent für deine Gedanken“ – ihr würdet merken, dass es uns wichtig ist, wenn ihr eure Gedanken mit uns teilt, und sei es auch nur, um uns für unsere Gedankenspielereien neuen Nachschub zu geben. Und ihr würdet verstehen, dass es manchmal keine Lüge ist, wenn wir abends im Bett zu euch sagen „heute nicht, Schatz, ich hab so Kopfschmerzen…“.

Montag, 10. September 2007

Farbenlehre

Carrie: Wo ist deine Frau?
Mr. Big: Sie hält ihr Gebot in einer stillen Auktion. Sie hat ein Auge auf einen beigen Sessel geworfen. Alle Möbel in meiner Wohnung sind jetzt beige. Beige! So’n Schwachsinn.
Carrie: Ich dachte, du wolltest beige.
Mr. Big: Ja weißt du, es will nur nicht so recht… passen.


Sie sind kein urbaner Mythos, sondern es gibt sie tatsächlich: diese perfekt aussehenden Frauen, die nie unpassende Dinge sagen, deren Haar immer perfekt gestyled ist, mit der perfekten Figur und den perfekten Klamotten. Das Make-Up ist immer tadellos, und diese Frauen sind in der Öffentlichkeit immer lieb und freundlich. Für die normale Durchschnittsfrau wie meinereiner, die regelmäßig gegen Pickel, Problemzonen, Flecken auf der Bluse und Bad-hair-days kämpft und die ihr Herz auf der Zunge trägt, sind diese Überfrauen schlichtweg hassenswert. Die Männer fliegen auf diese Art von Frauen wie die Bienen auf den Honig. Woran liegt’s?

Caro hat für dieses Phänomen eine interessante Erklärung „Diese Frauen sind super austauschbar. Wenn auf einer Party 50 % der anwesenden Frauen diesem Typus entsprechen, haben die Männer den Eindruck, dass sie mit der Hälfte der anwesenden Frauen schon geschlafen haben“. Ist es tatsächlich so? Suchen sich Männer die Frauen aus, wie sie sich einen neuen Anzug oder ein neues Auto aussuchen – Frauen als Statussymbol?

Beige Frauen – sie sind oft auch Trägerinnen des Prinzessinnen-Gens. Die Meisterinnen im Bambi-Augenaufschlag, die jede Entscheidung aus der Fassung bringt, die auf Kommando auf die Tränendrüse drücken können, und wenn sie den starken, männlichen Retter an ihrer Seite nicht hätten, dann wüssten sie nicht, wie sie das schwierige Leben meistern sollten. Wo es doch so schwerwiegende Hürden, wie die nächste Vöslauer-Flasche, die geöffnet werden will, birgt…

Ich war in meinem früheren Leben auch beige – gut domestiziert in einer Beziehung, die Frage meines damaligen Liebsten „was möchtest du heute Abend essen“ wurde von mir mit „ich weiß nicht – worauf hast DU denn Lust?“ beantwortet. Wenn sich ein Insekt in die Wohnung verirrt hat, hat dies mit einem hysterischen Schreikrampf und einem „mach das weg, mach das weg, mach das weg!“ geendet. Und als die Beziehung zu kränkeln begonnen hat, hatte ich nicht die Kraft, mich dagegen aufzulehnen, denn – was mache ich denn ohne IHN? Ich musste warten, bis es mir so dermaßen dreckig ging, dass ich am Boden lag, bevor ich den Mut aufbringen konnte, IHN zu verlassen. Und da stand ich dann – zum ersten Mal in meinem Leben war ich allein…

Vom ersten Augenblick meines Allein-Seins musste ich mich Herausforderungen stellen, die für jede naturbeige Frau der blanke Horror sind. Der erste Insektenangriff war ein Alptraum, im ersten Reflex wollte ich schreien, aber zum Glück ist mir gerade noch durch den Kopf geschossen „du bist alleine in der Wohnung, mit Schreien machst du nur die Katzen nervös“. Ich habe also meine aufsteigende Hysterie runtergeschluckt, mir ein „Julia, denk nach“ geschenkt und überlegt, was tun. Als ich dann – in Kooperation mit meinem Staubsauger – der Ungezieferinvasion Herr wurde, fühlte ich mich, als ob ich eine Schlacht gewonnen hätte. All die Berge von Problemen, die da auf einmal vor mir standen… ich habe begriffen, dass ich sie als Chance und Herausforderung sehen muss. Und von da an platze jeden Tag ein Stückchen mehr von meiner beigen Patina ab, bis ich eines Tages erstaunt festgestellt habe, dass ich darunter kunterbunt bin.

Dummerweise habe ich mit meiner neu gewonnenen Farbenfreude jene Unschuld verloren, die wahrscheinlich notwendig ist, um Männer erfolgreich zu ködern. Denn ich bin nun nicht mehr hilflos, schüchtern und ängstlich, sondern stark, selbstbewusst und mutig – ich weiß, was ich will und ich stehe dazu. Interessanterweise stehen Männer auf den etwas hilflosen Frauentyp – allerdings nur zu Beginn einer Beziehung. Wenn sie ihr Heroentum dann endlich satt haben und sich nach der gleichberechtigten Partnerin an ihrer Seite sehnen, dann kann man nur sagen „Houston, we have a problem“. Denn dann beginnt Mann, das Püppchen an seiner Seite umzuerziehen. Manchmal, wenn er Glück hat (und sie willig ist), platzt der beige Kokon von ihr ab, und eine starke, tolle, selbstbewusste Frau tritt zum Vorschein. Manchmal gelingt das allerdings nicht, und dann gehen ihre Wege wieder auseinander. Und er sucht sich wieder eine neue Partnerin, die – ist euch das schon mal aufgefallen? – in der Regel wieder… beige ist. Anstatt, dass er gleich von Beginn an eine Frau mit Ecken und Kanten, an der er sich reiben und an der er wachsen kann, sucht, greift er wieder auf sein altes Beuteschema zurück, in der Hoffnung, dass er sie diesmal so umgestalten kann, wie es ihm passt. Vielleicht auch, weil es einfacher ist. Neben einer beigen Frau wirkt mann sofort wie der strahlende Held, der Superchecker, der jede Situation fest im Griff hat. Neben einer selbstbewussten Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und die genau weiß, was sie will, hat ein Mann vielleicht das Gefühl, dass er jeden Tag mit ihr im Wettstreit steht.

Liebe Männer, dabei ist es doch so einfach! Wir wollen gar nicht mit euch im Wettstreit stehen – auch starke Frauen brauchen mal eine Schulter zum Anlehnen. Und wenn ihr mit Herz, Charme, Schmäh und „cochones“ unser Herz erobert habt, versprechen wir euch eines: langweilig wird euch mit uns nie… Ich glaube – natürlich völlig objektiv, ist ja klar – dass man nach farbenfrohen Frauen süchtig werden kann. Dass man an uns sein Herz vollständig verlieren kann, und dass es dann – wenn die Beziehung doch zu Bruch geht – in tausend Stücke zerbricht. Suchen Männer vielleicht beige Frauen aus, weil sie Angst vor zu großem Schmerz haben?

Übrigens: dank der Kolumne von Polly Adler von vergangenem Samstag weiß ich nun, dass es auch eine Steigerungsform von beige gibt: farblos. Farblose Frauen zeichnen sich dadurch aus, dass „sie am Lebensstil anderer Frauen herummosern und denen, die nicht ihrem Weltbild hinterherliefen, Mangelerscheinungen andichten“. Meiner Meinung nach klingt das so, als ob beige Frauen eines Tages ziemlich verbittert enden, fast so, als ob sie uns unsere Ecken und Kanten neiden. Und – ganz ehrlich - wer von uns möchte schon so farblos werden…

Montag, 3. September 2007

Bäumchen wechsle dich

In der heutigen Zeit ist es leider so, dass das „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“ irgendwie nicht mehr „in“ ist. Paare finden sich und Paare trennen sich. Und manchmal geht man als Freunde auseinander, manchmal hingegen fliegen die Fetzen. Und dann kommt die Zeit, wo man dem Ex mal auf der Straße über den Weg läuft. Selbst ist man noch dabei, die beendete Beziehung zu verarbeiten und sich selbst zu finden, er hingegen hat schon eine andere Freundin am Arm und redet über „zusammen ziehen und dann weiter schauen“. Und selbst, wenn man froh war, als die Beziehung beendet war, irgendwie fragt man sich in dieser Sekunde „hat ihm die gemeinsame Zeit so wenig bedeutet, dass er so schnell jemand anders gefunden hat?“

Lustigerweise sind es wir Frauen, die oft in diese Situation geraten. Wenn wir eine Beziehung beenden, dann verbringen wir hinterher viel Zeit mit unseren Freundinnen und arbeiten das Vergangene in nächtelangen Gesprächen auf. Wir versuchen herauszufinden, was wir falsch gemacht haben, damit wir beim nächsten Anlauf nicht in das gleiche Fettnäpfchen tappen. Dann entdecken wir unsere neu erworbene Unabhängigkeit und schlagen uns die Nächte in Cocktailbars um die Ohren. Wir erkennen die Heldin in uns, wenn wir unsere erste Spinne töten. Und stellen fest, dass wir doch nicht das hilflose, ängstliche Hascherl waren, sondern dass in uns eine tapfere Frau steckt, die nur darauf gewartet hat, dass wir sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

Ich habe das Alleinsein als Bereicherung empfunden. Ich war immer das hilflose Frauchen, das an der bösen Mineralwasserflasche, die nicht und nicht aufgegangen ist, verzweifelt ist. Die vor jeder langen Autofahrt Panik geschoben hat, weil ihr der Ex eingeredet hat „du kannst nicht so lange Strecken fahren“. Im Sinne des positiven Denkens habe ich all die Probleme, die das Singledasein mit sich bringt, als Chancen und Herausforderungen betrachtet. Und ich habe auch die Freundschaften meines Lebens mehr wertschätzen gelernt. Es ist etwas sehr schönes, wenn man Freunde an seiner Seite hat, die man im Fall des Falles um Hilfe bitten kann – kein Mensch ist schließlich das Universalgenie aus der Renaissance, das einfach alles kann und mit keiner Problemstellung überfordert ist.

Irgendwann haben wir also die vergangene Beziehung aufgearbeitet. Ich möchte hier mit einem Sex & the City-Mythos aufräumen. In einer Folge sagt Charlotte „man braucht halb so lang, wie die Beziehung gedauert hat, um über die Beziehung hinweg zu kommen“. Bei aller Liebe zu den vier Girls aus New York, aber den Satz unterschreibe ich nicht. Meine letzte Beziehung hat 13 Jahre gedauert, und ich war nach rund einem Jahr so weit, dass ich sie verarbeitet hatte. Aber ich finde, man soll – schon allein aus Respekt vor der Beziehung, die man zuvor geführt hat, und aus Respekt zu der Beziehung, die danach kommt – sich die Zeit nehmen, die man braucht, um die Beziehung zu verarbeiten. Wenn frau der Meinung ist, sie kann ohne Sex nicht leben – bitte schön, wir sind in Wien, und der nächste one-night-stand ist immer nur ein paar Cocktails entfernt (Kondome nicht vergessen!).

Aber woran liegt es, dass sich die Menschen von einer Beziehung in die Nächste stürzen? Ich glaube, es ist die Angst vor dem Alleine sein. Es gibt Menschen, die es nicht ertragen, alleine in einer Wohnung zu sein, die mit sich in ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen und die sich nicht mit sich selbst beschäftigen können. Die dann – um nicht alleine sein zu müssen – mit dem oder der Nächstbesten eine Beziehung eingehen. Und die sich dann wundern, warum es schon wieder nicht geklappt hat mit der „großen Liebe“. Caro hat es eines Tages sehr treffend formuliert „während wir uns noch überlegen, ob das was werden könnte, und ob genügend Gefühle da sind, um das Wagnis einzugehen, sagen andere ‚ich kann’s ja probieren, und wenn’s mir nicht gefällt, kann ich immer noch nein sagen’“.

Ein weiteres Problem in Wien ist aber auch, dass brauchbare Singlemänner einfach ein extrem rares Gut sind. Und im Sinne von „Angebot und Nachfrage“ sehen die Männer, dass sie einfach sehr nachgefragt sind, und dass sie aus einem Überangebot von Frauen auswählen können. Und die wenigsten Frauen sagen „nein“, wenn ein charmanter Singlemann zu haben wäre – selbst, wenn sie im Vorfeld schon weiß, dass seine Fußballabende mit ihren Lieblingsserien nie harmonieren werden. Aber wir Frauen hegen dann immer die Hoffnung, dass Mann sich noch ändert. Und die Männer wundern sich, warum diese tolle, schöne Frau, die doch zu Beginn der Beziehung so entgegenkommend war und ihm das Bier serviert hat, auf einmal rumzickt, wenn Champions League im Fernsehen läuft.

Wir sehen Beziehungen oft noch als das, was sie früher waren: als Versorgungsgemeinschaften, wo man sich miteinander „arrangiert“ hat. Alleine, wenn ich das Wort „arrangieren“ höre, sträuben sich meine Nackenhaare. Weil ich im tiefsten Inneren glaube, dass es da draußen irgendwo den einen Menschen gibt, der zu mir passt, ohne, dass sich einer von uns bis zur Selbstaufgabe verbiegen muss. Mit dem ich in einigen Bereichen perfekt harmoniere, und mit dem ich mich in anderen Bereichen perfekt ergänze. Der mich ansieht und zu strahlen beginnt, und der mir einfach das Gefühl gibt, dass ich für ihn die schönste Frau auf der Welt bin, einfach, weil ich so bin, wie ich bin. Und den ich ansehe und mich wohl und geborgen fühle, wo ich es nicht notwendig habe, dass ich um mich herum eine Schutzmauer aufbaue. Bin ich naiv, wenn ich so etwas glaube? Mag sein, dass dem so ist. Außerdem glaube ich, dass eine Beziehung viel intensiver ist, wenn von beiden Seiten tiefe und innige Gefühle im Spiel sind. Und darauf zu warten ist doch eigentlich etwas Schönes…

Donnerstag, 30. August 2007

Games people play

Auch, wenn wir über uns immer behaupten, dass wir immer authentisch sind, in Wahrheit ist es doch so, dass wir um uns Schutzwälle aufbauen und mit unserem Gegenüber das eine oder andere Spielchen spielen. Einfach, um nicht zu viel von unserem Innersten, unseren Gedanken und unseren Gefühlen Preis zu geben. Und wie beim Pokern bemühen wir uns um ein Pokerface, damit nicht das Gesicht der Spiegel unserer Seele wird, und sagen „nein“, wenn wir doch „ja“ meinen und lavieren uns durch ein Meer an Unverbindlichkeiten, nur um selbst nicht Farbe bekennen zu müssen.

Ein Dreimäderlabend im Danieli’s in der Wiener Innenstadt. Lisa, Johanna und ich machen es uns gemütlich, flirten mit dem Kellner und unterhalten mit unseren Stories mit Sicherheit auch den Nebentisch. Nachdem wir alle Jobveränderungen und Reisepläne durchdiskutiert haben, geht es an’s Eingemachte: die liebe Liebe… Johanna berichtet von ihrem neuen Lover und wie sie ihn kennen gelernt hat, Lisa von ihrer Zerrissenheit zwischen zwei Männern. Und ich sitze am Tisch und höre mir die Geschichten an, werfe den einen oder anderen Satz ins Rennen und freue mich ansonsten an der Anwesenheit meiner Freundinnen.

Ein Gesprächsthema sind natürlich die unvermeidlichen Blind-Dates, durch die wir uns im Laufe unserer Single-Karriere durchgekämpft haben. Wir outen auch sehr rasch das Kernproblem: wenn man mit einem Mann mailt, dann macht man sich automatisch ein Bild von dem Menschen. Und je länger man mailt, umso glorreicher wird dieses Bild. Wenn man den Typen dann man „in real life“ trifft – ihm also einem Reality-Check unterzieht – dann können die wenigsten Männer mit unserer Idealvorstellung mithalten. Die große Enttäuschung ist also vorprogrammiert. Ich erzähle auch von meinen verschiedensten Blind- und Halbblind-Dates, und dass die allesamt solche Katastrophen waren, dass ich mein Profil bei Websingles mittlerweile deaktiviert habe. Johanna formuliert es sehr treffend „Es ist schwierig, weil man muss mit dem Männermaterial, das grad am Markt ist, zurecht kommen“. Schwierig ist in diesem Zusammenhang wohl die Untertreibung des Abends, es ist phantastisch, welche gestörten Typen sich in Singlebörsen herumtreiben.

Wir sprechen auch darüber, wie wir auf andere Menschen wirken, und dass wir uns oft hinter einer Mauer von Unnahbarkeit verstecken, uns aber auf der anderen Seite darüber ärgern, dass wir von den Männern nicht angesprochen werden. Ich überlege, ob ich wohl wie eine Eisprinzessin auf die Männer wirke, komme aber für mich zu dem Schluss, dass dem sicher nicht so ist – dafür bin ich zu kommunikativ und offen. Und wenn ich mit Pokern meinen Lebensunterhalt verdienen müsste, dann wäre ich schon lange verhungert, weil man in meinem Gesicht wie in einem offenen Buch lesen kann.

Irgendwann im Laufe des Abends kommt natürlich die Kernfrage „na, Julia, wie ist’s bei dir in Sachen Liebe?“. Tja, trostlos, denke ich mir. Aber ich bin natürlich keine Spielverderberin und berichte brav, dass es da sehr wohl jemanden gibt, der mir schon seit zwei Jahren nicht mehr durch den Kopf geht, dieser Mann aber eingefleischter Single ist und ich mir an seinem Panzer meine Zähnchen ausbeiße – egal, was ich auch tue, ich dringe einfach nicht durch. Und dabei habe ich aber das Gefühl, dass er auch sehr an mir interessiert ist, aber wie ich einen Schritt nach vorne mache, macht er zwei zurück und dass mich diese Situation wahnsinnig macht. Und ich für dieses Problem keine Lösung habe, denn das Universum sorgt anscheinend dafür, dass wir einander immer wieder über den Weg laufen, und jedes Mal zieht er mir von neuem den Boden unter den Füßen weg. Ich berichte sogar von einem Abend beim Heurigen mit meinem besten Freund Christian, wo er mir geraten hat „den Mann schnappen, betrunken machen, ins Bett schleppen und am nächsten Morgen vor vollendete Tatsachen stellen“ und ich gejammert habe „aber das ist ja sooooooo unromantisch…“. Nein, Plan habe ich wirklich keinen.

Johanna ist als Juristin natürlich eine gute Analytikerin. Sie lächelt mich an und meint „Kann es sein, dass du für ihn ein besonderer Mensch bist? Einer, den er ansieht und weiß‚ die spielt keine Spielchen mit mir, das wäre nicht der belanglose Zwischendurch-Fick mit der blonden Tussi von nebenan, sondern dass es etwas Ernsthaftes zwischen euch würde. Dass er, wenn er sich auf dich einlässt und seine Mauern dir gegenüber einreißt, er so verwundbar und verletzlich wäre, dass er – sollte es dann aus irgendeinem Grund doch aus sein zwischen euch – er auf das Allerschmerzhafteste auf die Schnauze fällt. Und dass er noch nicht sicher ist, ob er dieses Risiko eingehen kann.“

Noch zuhause grüble ich über diese Zeilen. Kann es das sein? Liegt es daran, dass ich zu gerade, zu offen bin und ich dieses Spielchen-Spielen so auf den Tod nicht ausstehen kann? Dass ich immer klare Verhältnisse haben möchte und es nicht scheue, darüber zu sprechen? Dass man mir am Nasenspitzel ansieht, dass ich bis über beide Ohren in diesen Mann verliebt bin? Strahle ich aus, dass ich mir nichts sehnlicher wünsche als eine ernsthafte Beziehung mit ihm? Und ist es das, was ihm so Angst macht?

Das Problem dahinter ist ja, dass ich selbst nicht sehe, wie ich auf andere Menschen wirke. Ich selbst habe das – zugegeben sehr subjektive – Bild von mir, dass ich mich in der Anwesenheit meines Schwarms besonders zurück nehme, um ihn nicht zu erdrücken. Dass ich ihn den Raum bestimmen lassen möchte, der zwischen uns ist. Dass ich ihn agieren lasse und selbst nur reagiere. Aber vielleicht irre ich ja damit. Vielleicht hat er den Eindruck, dass ich wie eine Klette an ihm hänge und mit meinen vierzehntägigen Anrufen einfach nur tierisch nerve. Und dass er selbst nur zu höflich ist, um mir das zu sagen.

Ich mag diesen letzten Gedanken nicht – da ich selbst offen bin, hoffe ich, dass mir meine Mitmenschen dieselbe Offenheit entgegen bringen. Und hege die Hoffnung, dass Johannas Freund Andi recht hat, wenn er sagt „ein Mann geht nur dann mit einer Frau was trinken, wenn er Interesse an ihr hat“…

Montag, 27. August 2007

Crocodile rock

Dem geneigten Leser meiner Kolumne sind sicher schon einige meiner größeren und kleineren Laster nicht entgangen: ich tu mir schwer, ohne Iced Caramell Macchiato zu leben, würde meinen Fernseher mit auf die berühmte Insel nehmen, hab ein Faible für Kosmetika und gebe viel zu viel Geld beim Palmers aus. Aber das sind alles nur Kleinigkeiten, denn die Mutter aller Laster ist bei mir… Schuhe.

Meine Schuhleidenschaft beschränkt sich allerdings nicht nur darauf, dass ich Schuhe kaufe und trage – nein, ich habe auch ein gewisses Interesse an Modeerscheinungen. Wenn ich die Woman, die Cosmopolitan oder die Vogue durchblättere, dann schaue ich mir auch immer die Schuhmodeseiten an. Und denke mir dann mal „hm, ja, hübsch“ oder „würd’ ich freiwillig nie im Leben anziehen“. Deshalb ist es meinem suchtgeplagten Auge auch nicht entgangen, dass ein neuer Modetrend über den großen Teich geschwappt ist: Crocs. Mir sind diese Schuhe das erste Mal in der 2. Staffel von Grey’s Anatomy aufgefallen, als Dr. Bailey Alex Karev um ihre Schuhe geschickt hat. Da dachte ich mir noch „Boah, die Frau ist schwanger und trägt freiwillig Plastikschlapfen – na, um ihre Kreuzschmerzen beneide ich sie wirklich nicht“. Aber meine Neugierde war geweckt.

Laut der Homepage des Crocs-Flagshipstores gibt es viele gute Gründe (genau genommen 10), warum man Crocs tragen sollte:

• nichts ist so weich und bequem
• fast unspürbar (wiegt weniger als 160g)
• Lüftungsöffnungen für ein angenehmes Fußklima
• die Sohle färbt nicht ab
• resistent gegen Bakterien und Fußgeruch
• ultra-hip, italienisches Design, mit vorgeformter Fußstütze
• rutschfest
• kann mit Chlorbleiche sterilisiert werden
• einfach zu pflegen
• genoppte Oberfläche stimuliert Blutzirkulation

Ich hab auf der Uni gelernt, dass Behauptungen dazu da sind, damit sie falsifiziert werden können. Und hiermit präsentiere ich – natürlich streng im Dienste der Wissenschaft – den ultimativen Crocs-Test.

Behauptung 1 „nichts ist so weich und bequem“: Irgendwas muss an diesen Schuhen dran sein, denn in ganz Wien ist nicht ein Paar in Größe 40 (ja, ich weiß, ich lebe auf großem Fuß) aufzutreiben. Und ich frage mich, wo all die Tausenden von Crocs nur sind, denn auf der Straße sehe ich kaum welche. Aber alle Geschäfte sind auf wundersame Art und Weise ausverkauft. Also pilgere ich zum Flagship-Store in der äußeren Mariahilfer Straße. Im Store schlüpfe ich in ein Paar dunkelblauer Beach-Crocs. Den Blick in den Spiegel erspare ich mir mal – ja, es drückt nichts, es reibt nichts, es zwickt nichts, ich fühle mich, als ob ich in einem Paar sehr bequemer Hausschuhe stehen würde. Behauptung 1 stimmt also.

Behauptung 2 „fast unspürbar (wiegt weniger als 160g)“: Auch wenn die Crocs sehr klobig aussehen, aber man spürt sie wirklich nicht. Also Behauptung 2 unterschreibe ich auch.

Behauptung 3 „Lüftungsöffnungen für ein angenehmes Fußklima“: Ich teste den Schuh an einem Tag, wo es in Wien angenehme 30 Krügerl im Schatten hat. Die Crocs haben rundherum einige Löcher in allen möglichen Formen, wo tatsächlich Luft reinströmt – sofern Wind geht und der Fuß in Bewegung ist. Wenn das nicht gegeben ist, dann wird’s a bissi warm um die Fusserl. Genau genommen schwitze ich ziemlich in diesen Dingern, also vielleicht sind sie bei kühleren Temperaturen optimal, aber über der magischen 30-Grad-Marke… keine Chance.

Behauptung 4 „die Sohle färbt nicht ab“: Da ich in den Schuhen doch ziemlich schwitze, den Test aber über 6 Stunden durchziehe (Angst ist was für Schwächlinge), mache ich mir ein kleinwenig Sorgen, welche Farbe wohl meine Füße haben werden, wenn ich die Dinger ausziehe. Aber – oh Wunder – meine Füße sind nicht blau! Also Behauptung 4 stimmt.

Behauptung 5 „resistent gegen Bakterien und Fußgeruch“: Gut, ich hab kein Mikroskop zuhause, um wissenschaftlich zu untersuchen, ob sich etwas in meinen Schuhen vermehrt. Aber beherzt schnuppere ich in den Schuh nach 6 Stunden tragen hinein. Fazit: stinkt nach Plastik, aber nicht nach Fußgeruch. Behauptung 5 passt also auch.

Behauptung 6 „ultra-hip, italienisches Design, mit vorgeformter Fußstütze“: Mit Schuhgröße 40 habe ich ohnehin schon ziemliche Hobbit-Füße, aber mit blauen Crocs an den Füßen schaue ich aus wie der blaue Teletubby – wie hieß der noch mal, Dinky-Winky? Italienisches Design? Wohl eher von den holländischen Holzpantoffeln inspiriert… Aber da man über Geschmack bekanntlich streiten kann…

Behauptung 7 „rutschfest“: Mich hat’s den ganzen Tag nicht auf die Papp’n g’haut, wie man in Wien so schön zu sagen pflegt, also sag ich mal – ja, stimmt.

Behauptung 8 „kann mit Chlorbleiche sterilisiert werden“: Wo zum Teufel bekomme ich Chlorbleiche her? Und brauch ich für die Anwendung einen Chemielehrgang? Wird mein Leben generell mit Chlorbleiche besser? Und verträgt sich Chlorbleiche überhaupt mit Nagellack? Zu viele ungeklärte Fragen für meinen Geschmack – diese Behauptung glaube ich einfach.

Behauptung 9 „einfach zu pflegen“: Der Verkäufer im Store erklärt mir „einfach mit Wasser abwaschen, wenn sie dreckig sind, und wenn sie sehr dreckig sind, einfach mit ein bissl Geschirrspülmittel drüber gehen“. Als ich – praktisch denkender Mensch – zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte und frage „also kann ich sie auch in den Geschirrspüler schmeißen?“ ernte ich einen sehr vorwurfsvollen Blick – offensichtlich habe ich gerade gegen eines der 10 Crocs-Gebote verstoßen. Ich muss versprechen, dass ich das nie, nie, nie im Leben tun werde, bevor ich mein Sackerl in die Hand gedrückt bekomme. … aber wenn man sie in den Spüli tun könnte, dann wären sie noch einfacher… schon gut, schon gut, ich lass ja mit mir reden: ja, sie sind einfach zu pflegen.

Behauptung 10 „genoppte Oberfläche stimuliert Blutzirkulation“: Ja, das ist ganz angenehm beim Gehen. Und da ja auch schon Kondome seit einigen Jahren genoppt sind…

Das Fazit von meinem ultimativem Crocs-Test: schön sind sie ja nicht, aber saubequem…

Mittwoch, 22. August 2007

In the neighborhood

Wenn man in einer Stadt wie Wien wohnt, dann hat man mit Sicherheit eines: Nachbarn. Manche sind so wie in der Sendung „Kaisermühlen Blues“, dass sie ständig ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten stecken, anderen hingegen gehen ihre Mitmenschen so am A...llerwertesten vorbei, dass sie nicht mal merken, dass ihr Nachbar schon vier Wochen lang nimmer aus seiner Wohnung raus gekommen ist, und die sich langsam über den eigentümlichen Geruch am Gang wundern.

Ich muss gestehen, ich mag das Haus, in dem ich lebe – wahrscheinlich habe ich einen der schönsten Ausblicke von Wien, wenn ich aus meinem Fenster sehe, habe ich das Gefühl, ich wäre in der Toskana, da ich auf begrünte Innenhöfe und Weinberge blicke. Ich kenne einige meiner Nachbarn namentlich – hauptsächlich ältere Leute, die sich wahnsinnig freuen, wenn ich sie grüße oder kurz mit ihnen plaudere – und einige kenne ich nur vom Sehen. Ich lasse sie ihr Ding machen und begrüße es, wenn sie ihre Nase nicht in meine Angelegenheiten stecken. Alleine durch meine Anwesenheit in dem Haus senke ich den Altersdurchschnitt um gut 30 Jahre, und so bin ich sehr froh, dass meine Nachbarin – die sich mit mir die Penthouseetage teilt – in etwa in meinem Alter ist.

Mein Haus hat allerdings einen entschiedenen Nachteil: es ist Ende der 60er Jahre gebaut worden, und da damals beim sozialen Wohnbau ein bissl bei den Materialien gespart worden ist, sind halt einige Wände wohl tragend, aber nicht sonderlich gut Geräusch gedämmt. Und die Kombination „dünne Wände – junge Nachbarin“ kann Einblicke in das Leben meiner Mitmenschen bieten, auf die ich wirklich nicht neugierig bin…

Eines schönen Sonntagnachmittags sitze ich völlig entspannt vor meinem Fernseher und lasse mich geistlos von der Glotze berieseln… als mir plötzlich ein etwas eigenartiger Ton ins Ohr steigt. Da mein Fernseher schon etwas älter ist, überlege ich, ob dieses komische Geräusch vom Fernseher kommt. Wie finden wir das am Besten raus – nun, wir drehen die Kiste mal ab. Stille in meiner Wohnung – und dieses Geräusch ist immer noch da. Ich schaue etwas ratlos meine Katzen an, als das Geräusch den Charakter etwas verändert. Es wird rhythmischer – und lauter. Das klingt fast so, als… oh mein Gott, das klingt fast so, als ob irgendjemand in diesem Haus Sex hätte. Genauer gesagt, meine Nachbarin. Ich spüre, wie mir kurz die Schamesröte ins Gesicht schießt, fühle ich mich doch irgendwie wie ein Voyeur, der gerade ein Pärchen ertappt hat. Was tut man als brave Nachbarin in diesem Fall? Nun, ich drehe den Fernseher wieder auf und stelle den Ton lauter – vielleicht, weil ich insgeheim hoffe, dass sie sich dann wegen des Krachs in meiner Wohnung beschweren kommt. Ich überlege kurz, ob ich – später natürlich – bei ihr klingeln soll, denke mir dann aber, dass das ja für sie wirken müsste, als ob ich ihr den Spaß nicht gönne (und nach Spaß hat es ja definitiv geklungen). Ich entscheide mich also für das bewusste Ignorieren.

Dummerweise ist es ja mit Geräuschen so, wenn man mal identifiziert hat, was es ist, dann hört man es immer wieder. Und auch ich bemerke also in den folgenden Wochen, dass meine Nachbarin ziemlich… bettaktiv ist. Ab und zu funktioniert es nicht mal mehr mit „Fernseher lauter drehen“, weil der Ton des Fernsehers dann selbst mir schon zu laut ist. Vor allem geht in solchen Situationen auch schon mal die Phantasie mit mir durch (nein, nicht was ihr jetzt alle denkt…), und ich überlege, was frau wohl tun muss, damit ihr Gestöhne so ungefiltert in mein Wohnzimmer gelangen kann. Wahrscheinlich presst sie ihr Gesicht an meine Wand und schreit in die Eternitziegel, anders kann ich mir den Krach nicht erklären.

Vor allem wälze ich einen weiteren Gedanken: was tun, wenn ich selbst mal Gäste hab? Ich denke, ich würde vor Scham im Erdboden versinken, wenn mein Angebeteter bei mir auf der Couch sitzt, ich versuche gerade, charmanten Small-talk zu führen und das Eis zu brechen, und dann beginnt meine Nachbarin nebenan so laut zu stöhnen, dass mein Schwarm denken muss, sie dreht hauptberuflich Hardcore-Pornos. Oh mein Gott, das wäre mir unendlich peinlich. Ich stelle mir auch den Sonntagsbesuch meiner noch-nicht schwerhörigen Omi als sehr spannend vor, wenn sie über ihrem koffeinfreien Kaffe meint „Julchen, was ist denn das für ein komisches Geräusch“ und ich mich dann auf die Katze ausrede. Un-sag-bar peinlich…

Eines Abends ist mir der Krach im Wohnzimmer zu laut, und ich mache das, was man als tolerante Nachbarin in diesem Fall so tut: ich flüchte ins Schlafzimmer. Dort hab ich ja schließlich auch einen Fernseher, und mit einem Zimmer „Puffer“ zwischen mir und meiner hyperaktiven Nachbarin sollte es ja schließlich funktionieren. Ich habe nur eines nicht bedacht: auf der Nebenstiege wohnt auch ein junges Pärchen, die Wände zur Nebenstiege sind genauso dünn wie die zwischen meiner Nachbarin und mir – und dieses Paar hat natürlich auch gerade jetzt, in diesem Augenblick Sex… Was ist, bin ich die Einzige in unserem Haus, die grad mal enthaltsam lebt? Und dem Geräusch nach zu urteilen schafft das zweite Nachbarspaar sogar einige Durchgänge hintereinander – ich hasse es, wenn sie so angeben…

Die sehr kurzen Single-Phasen meiner Nachbarin genieße ich zugegeben sehr. Aber mittlerweile hat sie wieder einen neuen Lover. Ich selbst hab ihn noch nie gesehen. Ich höre ihn auch nicht – ich höre lediglich sie, wenn sie seine Qualitäten in den höchsten und lautesten Tönen preist. Seit gestern Abend habe ich massive Angst um meine Sammlung mundgeblasener Riedl-Gläser, denn da hat in der Hitze des Gefechtes das Bettgestell so lautstark gegen meine Wand geschlagen, dass die Gläser in der Vitrine zu klirren begonnen haben.

Vielleicht sollte ich sie bitten, dass sie das Bett auf die andere Seite des Zimmers rückt?

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