Sonntag, 19. August 2007

The name of the game: Football!

Fußball – es gibt wohl kaum ein Thema, das bei so vielen Frauen entweder Wut oder Unverständnis hervorruft. Ich gebe zu, auch ich habe lange Zeit den Sinn dieses Spiels nicht verstanden – wozu rennen 22 Mann einem einzigen Ball nach, gebt doch jedem einen, dann brauchen sie sich nicht um den einen Ball prügeln. Ich habe meine Idee immer für sehr gut gehalten, und habe nie verstanden, warum jeder Mann bei diesem Satz die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen hat. Und es hat mich auch immer fertig gemacht, dass man sich in Wien zu einer „Reichshälfte“ bekennen muss, entweder zum heiligen Rasen von St. Hannapi, oder aber zur violette Truppe vom Laaer Berg, in diesem Fall gibt es nur entweder – oder, und eine Stimmenthaltung oder eine falsche Antwort kann in gewissen Kreisen zu einigen Problemen führen. Weiters sind Diskussionen immer sehr anstrengend, immerhin ist Österreich ja das Land mit der höchsten Hobby-Trainer Dichte, und jeder weiß es besser als der Typ, der für die Mannschaft verantwortlich ist. Außerdem scheitere ich ja schon an den Grundvoraussetzungen: Abseits, Eckball, Freistoß… keine Chance.

Ich erinnere mich noch an einen Abend, es war noch vor der Fußball-WM, also irgendwann so Winter 2005/2006. Ich sitze vor der Glotze und zappe von Sender zu Sender. Mein Handy klingelt – Caro dran „du, schalt mal auf den Einser“. Ich schalte brav zu ORF 1 und verziehe das Gesicht „das ist ja Fußball“. Caro jubelt „ja, weißt du, ich glaube, das ist die neue Bayern-Arena“. Ich hab keine Ahnung, ob das die Bayern-Arena ist oder nicht, und eigentlich ist es mir auch ziemlich wurscht. „Können wir wegschalten?“ flehe ich. Nein, das ist lustig, das schauen wir uns jetzt an. Ich seufze – Caro kann manchmal sehr stur sein, wenn sie ihren Willen durchsetzen möchte. Naaaaaa guuuuuuut…. Ich kann zwar einige Seufzer von Caro nicht ganz nachvollziehen, wenn sie ächzt „das war jetzt eine schöne Aktion, das hätt’ ins Tor gehen müssen…“. Ich arbeite weitaus simpler. Ich erkundige mich „zu welcher Mannschaft halten wir?“ und stelle die alles entscheidende Frage „und welche Dressen tragen die?“

Caro ist seit jeher Fußball-Fan, und sie war auch eine jener tapferen Wiener, die im November 2005 nach München gefahren sind, um die Rapidler in der Champions League gegen Bayern München anzufeuern. Sie schwärmt heute noch von dem tollen Stadion und der coolen Atmosphäre, vor allem, da sie im Bayern-Sektor saßen, hatten die Bayern-Fans zu Beginn ein eher kritisches Auge auf sie geworfen, aber als sich langsam das 0:4-Debakel für die Grün-Weißen abgezeichnet hat, haben sogar die Bayern Mitleid bekommen und versöhnlich gemeint „das hätt’ jetzt wirklich ein Tor werden müssen“ – wenn man am gewinnen ist, kann man solche Kommentare ja recht leicht von sich geben.

Aber auf alle Fälle muss ich mir das Achtelfinale zwischen Bayern München und dem AC Milan anschauen – nichts könnte mir egaler sein. Aber im Hinterkopf habe ich, dass ja bald die Fußball-WM beginnt, und da ja meine Bürokollegen allesamt fußballnarrisch sind, kann ich mich ja schon beizeiten daran gewöhnen - ein bissl will ich ja schließlich auch mitreden können.

Nach diesem erzwungenen Fußballabend beschäftige ich mich etwas eingehender mit der Materie. Ich kaufe mir auch das Buch „Abseitsfallen – so überleben Frauen die Fußball-WM“ und lasse mich von meinen Kollegen zum Panini-Bildchen-Sammeln einteilen. Und dafür, dass ich mich so gar nicht dafür interessiere, ist mein Album sogar ganz schön voll geworden.

Beim Bildchen-Sammeln stelle ich eines fest: ein paar von den Jungs, die da dem Ball hinterher jappeln, sind ja gar nicht mal so unknackig. Und nein, ich stimme jetzt keinen Lobgesang auf David „Becks“ Beckham an (der meiner Meinung nach gar nicht so toll aussieht), mein Liebling ist der Arsenal-Spieler Fredrik Ljungberg. Beim Anblick der blauen Augen sitze ich regelmäßig sabbernd vor dem Bildschirm. Und deshalb halte ich während der WM natürlich zu den Schweden. Dumm für mich, dass die im Achtelfinale ausscheiden. Danach entscheide ich mich, dass ich zu Brasilien halte, weil die ja mit Ronaldinho den besten Spieler der Welt haben. Naja, hat ihnen auch nicht viel geholfen. Und dann, als das Finale vor der Tür steht, entscheide ich mich für Frankreich, da die Franzosen mit Zinedine Zidane auch einen ziemlich knackigen Spieler haben.

… offensichtlich bin ich im Daumenhalten bei Fußballmatches eine ziemliche Niete, ich nehme also gerne eine Teilschuld auf mich, dass Italien nun Weltmeister ist…

Mittlerweile schaffe ich es, dass ich mir ein Fußballspiel im Fernsehen anschaue, ohne dass ich sofort schlecht gelaunt werde oder permanent herum nörgle. Gewiss, mit der Regionalliga-Ost kann man mich nicht ködern, aber Champions League funktioniert immerhin schon ganz gut bei mir. Und ich kann ja auch schon ein bisschen mitreden, da mir ein Arbeitskollege dankenswerterweise die Abseitsregel so erklärt hat, dass ich sie auch verstehe:

Stell dir vor, du befindest dich in einem Schuhladen und stehst an der Kasse. Vor dir in der Schlange steht nur noch eine einzige Dame, eine nette, sympathische Erscheinung. Sie scheint die Kassiererin zu kennen, die gehören wohl irgendwie zusammen. Auf einmal entdeckst du auf dem Regal hinter der Kassiererin ein Paar Schuhe, in das du dich sofort verliebst. Du hast zwar schon genügend Schuhe, aber dieses Paar ist einzigartig, du musst es einfach haben, dieses Paar ist nur geschaffen worden, um dir zu gehören, du musst es besitzen, damit dein Leben glücklich weitergeführt werden kann, es geht nicht mehr ohne dieses Paar!

Plötzlich bemerkst du, wie die Dame vor dir in der Schlange, mit demselben Paar liebäugelt... die blöde Kuh! Per Blickkontakt signalisiert sie, dass das Paar nicht in deine Hände gelangen soll. Ihr beide habt nicht genügend Geld dabei, um das Paar zu bezahlen. Vordrängeln macht keinen Sinn ohne bezahlen zu können. Die Verkäuferin schaut euch geduldig an und wartet. Deine Freundin, die gerade im Laden andere Schuhe anprobiert, erkennt deine missliche Lage und reagiert, wie es natürlich eine solidarisch-loyale Freundin, wie man sie in einer Extremsituation wie dieser brauch, tut.

Sie plant, dir ihre Geldbörse zuzuwerfen, damit du das hinterhältige, fiese Biest vor dir, geschickt umrunden und die Schuhe kaufen kannst. Sie wird dir den Geldbeutel über sie hinweg nach vorne werfen, und während dieser sich in der Luft befindet, umrundest du das Miststück, fängst das Geld und kaufst blitzschnell die Schuhe.

Aber! So lange deine Freundin den Akt des Zuwerfens nicht abgeschlossen hat, d.h. das Geld sich noch in ihrer Hand und nicht in der Luft befindet, darfst du dich beim Überholen zwar auf gleicher Höhe, aber nicht schon vor der anderen Kundin befinden...

...andernfalls bist du im Abseits!

Ja, eigentlich eh völlig logisch – aber mit Shopping verstehe ich fast alles. Und seitdem schaffe ich es immer wieder, dass ich Freunde mit einem gekonnten „Schiri, was ist, hast Paradeiser auf den Augen? Das war doch eindeutig Abseits!“ überrasche. Und ich freue mich schon auf die EM nächstes Jahr in Wien – ich glaube, man wird mich ein paar Mal auf der Fanmeile vor dem Rathaus antreffen.

Mittwoch, 15. August 2007

Phänomenal egal

Bei einigen Menschen, denen wir über den Weg laufen, ist es wie mit Teflon – sie bleiben einfach nicht an uns kleben und hinterlassen auch keinen bleibenden Eindruck. Aber manchmal, da kommt jemand besonderer und auf einmal ist alles verändert. Nicht, weil man vorher mit seinem Leben vielleicht unzufrieden war, aber sobald wir diesen einen Menschen kennen, wissen wir, dass wir ihn schon unser ganzes Leben lang vermisst haben. Und selbst, wenn es später triftige Gründe gibt, warum man diesen Menschen dann auf einmal nicht mehr sehen möchte, das Universum sorgt dafür, dass man einander immer wieder über den Weg läuft … und dass diese Wunde in unserem Herzen nie so ganz verheilt. Und in diesen Fällen stellt man sich die Frage „was will mir das Universum mit dieser Aktion sagen“?

Auch in meinem Leben gibt es einen Menschen, der mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt – mein bester Freund Christian hat ihn mal zu einer Geburtstagsparty mitgeschleppt. Wir haben uns die ganze Nacht unterhalten, haben gelacht, getanzt… Es war das perfekte Kennen lernen, unverkrampft und fröhlich. Irgendwie habe ich es an diesem Abend nicht geschafft, diesem Mann meine Telefonnummer zu geben, aber da Christian, er und ich ohnehin noch miteinander ins Kino gehen wollten, war das mit der Nummer nicht wirklich ein Problem.

Wir schaffen es, dass wir einander in unregelmäßigen Abständen treffen, und wir telefonieren auch mehr oder weniger regelmäßig miteinander. Nach vielen Monaten des ewigen hin und her vertraue ich Christian an, dass ich seinen Freund mehr als nur „sehr nett“ finde. Christian ist begeistert, würde er sich doch genau so eine Freundin wie mich für seinen Kumpel wünschen. Und er weist mich auch auf einige Stolpersteine hin: schüchtern, auch schon einige Zeit Single, ein absoluter Telefonallergiker. Ich stutze… gewiss, mein Angebeteter ruft mich nie an, aber wenn ich ihn mal an der Strippe habe, dann plaudern wir schon mal eine halbe Stunde am Stück. Christian hakt nach und sagt „ja, da redest du 30 Minuten lang durch und er arbeitet nebenbei was“. Ich räume ein „ich kann natürlich nicht sagen, ob er nebenbei was arbeitet oder nicht, aber seine Fragen passen zu meinem Text und auch sonst hakt er thematisch richtig nach…“. Christian ist fassungslos „Julia, was hast du mit diesem Mann gemacht? Telefonate sind bei ihm immer einsilbig und dauern maximal eine Minute – so lange hat er noch nie mit jemandem telefoniert, nicht, dass ich wüsste“.

Ich fühle also, dass ich richtig unterwegs bin. Und ich leiere immer wieder Treffen an (um sie nicht „Date“ zu nennen, ist es mal ein Drink-Ding oder ein Kino-Ding). Leider habe ich allerdings noch einen ständigen Begleiter: die Ungeduld. Auch wenn Caro mir täglich einbläut „Geduld du haben musst, junger Padawan, dann ein Jedimeister aus dir werden wird“, mich zerreißt dieses „Nicht-wissen-woran-frau-ist“ und ich tue das, was ich in solchen Situationen gerne mache: ich erzwinge seine Entscheidung, indem ich ihm beim Abschied einen Kuss auf den Mund gebe. Aus dem Augenwinkel habe ich noch gesehen, dass er wie das berühmte 100-Watt-Lamperl zu strahlen beginnt. Na schau, hat er doch nur einen Schubs in die richtige Richtung gebraucht. Und auch, als wir telefonisch das nächste Treffen (das ich nun in Gedanken schon „Date“ nenne) vereinbaren, hängt der Himmel noch voller Geigen. Als ich die Befürchtung äußere, dass ich ihn beim letzten Abschied vielleicht verschreckt hätte, sagt er nur „aber warum solltest du mich denn verschreckt haben…“. Yessssss!!!!! Strike!!!!

Am Tag vor dem Date bekomme ich ein ungutes Gefühl und möchte das Treffen eigentlich absagen. Christian redet mir wie einem kranken Pferd zu „an dem Abend sind eigentlich wir Jungs miteinander verabredet. Aber er hat uns abgesagt – weil er sich mit dir treffen möchte. Also, geh hin!“. Ich gehe also zu dem Treffen – und lege einen Bauchfleck hin. Beim Heimfahren sitze ich Tränen überströmt in meinem Auto und hasse die Welt. Via SMS informiere ich Christian noch von meinem Reinfall, bevor ich mich in den Schlaf weine.

Der Beste aller Freunde ruft mich natürlich am nächsten Tag an und informiert mich, was die Jungs am Abend noch besprochen haben. Und zwar, dass mein Angebeteter lange mit sich gerungen hat, bevor er sich für ein "nein" entschieden hat. Christian meint tröstend „es liegt nicht an dir, er hat Angst vor einer Beziehung…“. Ich schalte innerlich auf stur: da kann ihm auch keiner helfen…

Danach mache ich das, was ich in solchen Situationen auch gerne mache: ich verschwinde spurlos aus seinem Leben. Ich muss mich erst wieder zusammenkitten, und so etwas kann dauern. Wie sehr mich die Geschichte mitgenommen hat, stelle ich ein gutes halbes Jahr später fest, als ich wegen eines PC-Problems Christian anrufe, er meint „ich kenn mich damit nicht so aus, aber zufällig ist grad wer da, der dir sicher weiter helfen kann“ und ich auf einmal diese vertraute Stimme auf der anderen Seite der Leitung höre. Danach bin ich wieder für zwei Wochen zu nichts zu gebrauchen.

Wieder ein halbes Jahr später, als ich Christian in sein ehemaliges Stammlokal begleite, treffen wir ihn dort. Und wieder unterhalten wir uns königlich, wir flirten miteinander und wir gehen danach sogar miteinander ins Kino. Und auch, wenn ich allen um mich herum sage, dass ich die Situation nun im Griff habe, innerlich bin ich immer noch verwundert, wie sehr mir dieser Mann auch nach einem Jahr noch den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Ich achte verstärkt auf die Körpersprache meines Begleiters: das bilde ich mir nicht ein. Wir stehen so dicht nebeneinander, dass man gerade mal ein Blatt Papier noch zwischen uns schieben kann, halten ständig Augenkontakt und ich bemerke, dass er sich bemüht, mich zum Lachen zu bringen. Nein, das ist kein Zufall.

Aber zwingen kann ich ihn nicht… Und so grüble ich über Plan B nach – vielleicht irre ich ja auch, und mein McDreamy ist in Wahrheit jemand anders, der noch unerkannt durch die Staßen Wiens läuft. Also maile ich mit einigen anderen Männern. Und verabrede sogar mit einem viel versprechenden Kandidaten ein Date im Tricafé in der Rotenturmstraße. Wir tauschen die Telefonnummern aus – falls was dazwischen kommt – und verabreden uns um 19 Uhr. Mein Date weiß allerdings nicht, dass ich einen festen Vorsatz gefasst habe: wenn er nur halbwegs nett ist und ein bisschen Interesse an mir zeigt, dann werde ich mich auf ihn einlassen – einfach, um den Anderen aus meinem Kopf zu bekommen.

Am Tag des Dates ist auch alles in Ordnung. Der Handyakku ist in der Früh halbvoll, es gibt tagsüber keine Katastrophen, also mache ich mich um halb Sieben auf den Weg zu meiner Verabredung. In der U-Bahn stelle ich fest, dass mein Handyakku ausgegangen ist und ich habe die Telefonnummer nirgends notiert. Aber ich bin ohnehin 10 Minuten zu früh im Lokal, ich setze mich also strategisch günstig neben den Eingang – um es mit Wilhelm Tell zu sagen „durch diese hohle Gasse muss er kommen“, ich habe nämlich nicht vor, dass ich durch das Lokal laufe und jeden brünetten Mann frage „T’schuldigung, heißt du Stefan?“. Neben mir sitzt ein brünetter Mann, der auch ständig auf sein Handy starrt und sichtlich auf jemanden wartet. Nachdem meine Verabredung noch immer nicht da ist, spreche ich ihn an „entschuldige, heißt du zufällig Stefan?“. Mein Sitznachbar schaut mich an „ja, wieso?“. Ich hake nach „wartest du zufällig auf eine Julia?“. Er schüttelt den Kopf, findet es aber lustig, dass ich auch auf einen Stefan warte.

Nach 20 Minuten, als sich ein ordentliches Sommergewitter über der Stadt zusammen braut, wird mir bewusst „das wird heute nichts mit dem Date“. Und statt mich zu ärgern oder gekränkt zu sein, beginne ich zu lächeln und denke mir „das Universum will anscheinend nicht, dass ich Stefan kennen lerne“.

Zwei Tage später bin ich mit Caro im Kino. Wie immer parke ich auf der kleinen Marxerbrücke – auch, wenn ich immer das einzige Auto bin, das dort steht, ich bin mir selbst auch nie sicher, ob man dort parken darf, aber bis jetzt hat es immer ohne Strafzettel geendet. Nach dem Kino komme ich zu meinem Auto zurück – hinter mir parkt ein zweites Auto. Was ich schon lustig finde, denn rundherum sind etliche Parkplätze, die weniger nach „hier-werden-sie-garantiert-abgeschleppt“ aussehen. Als ich bei meinem Auto ankomme, sehe ich, dass der Wagen hinter mir ein Wunschkennzeichen hat. Mir lacht vom Nummerntaferl der Name des Mannes entgegen, der mir schon seit zwei Jahren nicht mehr aus dem Kopf geht.

Was ist, Universum, verkehren wir mittlerweile schriftlich miteinander?

Montag, 6. August 2007

Urbane Mythen

Seitdem die schlauen Menschen das Internet und das e-Mail erfunden haben, werden wir ahnungslosen User permanent auf alle möglichen und unmöglichen Gefahren, die das Leben so bergen könnte, hingewiesen und vor verschiedenen Risiken gewarnt. Sei’s, dass Deodorant Brustkrebs verursachen könnte, dass Haustiere eingehen, wenn der Fußboden mit Swiffer gewischt wird oder dass Nokia Handies verschenkt, wenn man ein mail nur oft genug weiter leitet – der Phantasie sind in diesem Bereich keine Grenzen gesetzt.

Diese Art von urbanen Mythen beschäftigt mich allerdings nicht mehr. Wenn ich ein verdächtiges Mail bekomme, dann surfe ich kurz zum Hoax-Info Service der TU-Berlin, hier findet man eigentlich immer eine Antwort darauf, ob das Mail, das man gerade erhalten hat, einen seriösen Background hat oder nicht. Und wenn es sich um ein Hoax handelt, dann clicke ich auf „allen antworten“ und weise darauf hin, dass es sich um ein Hoax handelt und man das Mail bitte nicht weiterleiten soll. Hat bis jetzt anstandslos funktioniert, und mir hat noch niemand virtuelle Ohrfeigen deswegen angedroht.

Vor anderen urbanen Mythen wird frau jedoch von niemandem gewarnt. Also möchte ich sie hier andiskutieren:

Mythos 1: Zwei Freunde von mir haben sich über eine online-Singlebörse kennen gelernt und heiraten in zwei Wochen.

Es ist lustig: jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der die Liebe seines Lebens über eine Internet-Singlebörse gefunden hat. Und dass dieser betreffende Mensch genau der Deckel ist, den man zum persönlichen Topf schon immer gesucht hat. Vielleicht bin ich anspruchsvoll, wählerisch oder schlichtweg nur schwer vermittelbar: die Jungs, die mich interessieren würden, antworten mir nicht, und die, die mich anschreiben, finde ich wiederum zum Schreien. Ich habe mich auch schon durch einige Blind- und Halbblind-Dates durchgekämpft, was dazu geführt hat, dass mir mittlerweile die Lust am Daten gehörig vergangen ist, denn im besten Fall bin ich aus dem Lokal raus gegangen und dachte mir „ja, nett, aber niemand, den ich öfters sehen möchte“, im schlimmsten Fall hab ich mich einige hundert Kilometer weit weggewünscht und habe die Tatsache verflucht, dass ich dem betreffenden Mann einige private Daten, wie meinen Namen und meine Telefonnummer verraten habe. Warum ich weiterhin online-date? Nun, vielleicht ist meine individuelle Schmerzgrenze noch nicht erreicht, meine ultimative Leidensfähigkeit noch nicht bis zum letzten Punkt ausgelotet. Oder aber, ich hege die – zugegeben etwas naive – Hoffnung, dass McDreamy sich doch hinter einem ulkigem Nickname verbirgt…

Mythos 2: Ich habe das ultimative Schlankheitsmittel entdeckt, man braucht keinen Sport zu betreiben und kann weiterhin essen, was man will, und die Kilos purzeln nur so…

Wer immer diesen Satz hört: Rückzug – der Betreffende, der diesen Satz von sich gibt, ist mit Sicherheit prozentuell am Umsatz beteiligt! In Sachen Figurprobleme gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder, sich essens- und sportmäßig kasteien, oder sich damit abfinden, wie man aussieht, und dafür sorgen, dass es nicht schlimmer wird. Denn plastische Chirurgie ist – glaube ich zumindest – zur Gewichtsreduktion nicht wirklich geeignet… In diesem Sinne präsentiere ich den Slogan: Wahre Frauen stehen zu ihren Kurven – und wahre Männer können damit umgehen.

Mythos 3: Ich hab da einen Freund, der unglaublich gut zu dir passen würde. Ihr seid in etwa gleich alt, und er ist phantastisch – ich kann gar nicht verstehen, warum dieser Traumtyp schon so lange Single ist…

Auch hier ist eine gesunde Portion Vorsicht angebracht. Wenn der Typ so wahnsinnig toll wäre, dann hätte ihn sich schon eine clevere, schöne Frau gekrallt und ihn vor den Altar geschleppt. Wenn ein Mann in meinem Alter ein Langzeitsingle ist, dann kann das folgende Gründe haben: er ist gerne Single (auch solche Männer gibt’s, Mädels… leider…) oder aber es hat einen tief sitzenden Grund, warum er noch Single ist. Entweder ist er so schrullig, das ein normales Zusammenleben mit ihm nicht möglich ist, oder man hat eine Dreiecksbeziehung mit ihm und seinem Ego, oder der Typ ist einfach nicht mehr resozialisierbar.

In diesem Fall würde ich auch überprüfen, wie gut ihr mit der Freundin/dem Freund befreundet seid, der euch diesen Traummann so anpreist: seid ihr noch Geld schuldig, habt ihr mal schlecht über ihn/sie gesprochen, ist sonst eine Katastrophe passiert, wo euer individuelles Karma noch schwer negativ ist? Rache schmeckt ja bekanntlich am Besten, wenn sie kalt gegessen wird und Tiefschläge schmerzen am Meisten, wenn man sie am Wenigsten erwartet.

Mythos 4: Ich bin mit ein Grund, warum die Sexstatistik der Österreicher so wahnsinnig schlecht ist…

Oh weh, armer Junge, komm her, lass dich ein bisschen drücken und trösten, wobei… halt, damit hat er ja, ohne sich großartig anstrengen zu müssen, sein Ziel erreicht. Und er hatte es nicht mal schwer dabei – wir haben schon vor der eigentlichen Belagerung die Zugbrücke runter gelassen und die Tore geöffnet. Dabei mögen wir es doch so, wenn „Mann“ ein bissl sportlichen Ehrgeiz an den Tag legt, wenn er uns erobern möchte.

… abgesehen davon, ist euch das vielleicht auch schon aufgefallen: lustigerweise sind die, die solche Sätze von sich geben, diejenigen, für die’s am wenigsten zutrifft und die kaum etwas anbrennen lassen. Ein Schelm, der da was Böses denkt…

Mythos 5: Ich ruf dich an!

No comment!

Ich frage mich, woran es liegt, dass wir gerade in Herzensdingen so bereit sind, alle Vorsicht über Bord zu werfen und uns Hals über Kopf ins Gefühlschaos zu stürzen. Jeden Vertrag lesen wir bis ins kleinste Kleingedruckte, jede Meldung in den Nachrichten wird überprüft, ob es sich um eine Ente handeln könnte und wir schauen jedem Handwerker auf die Finger, nur damit er uns nicht über’s Ohr haut. In materiellen Dingen sind wir überextrem vorsichtig. Und wenn’s ums Emotionale geht – also das, wo’s so richtig weh tut, wenn man auf die Schnauze fällt – sind wir bereit, alle Märchen und Mythen, die uns so aufgetischt werden, zu glauben. Warum? Nun, vielleicht, weil wir im tiefsten Inneren immer noch an das Märchen glauben und hoffen, dass es auch uns eines Tages widerfährt…

Samstag, 4. August 2007

Luxus

Es gibt so Kleinigkeiten, die wir zwar beim besten Willen nicht benötigen, die das Leben auch nicht lebenswerter und uns Menschen um keinen Deut liebenswerter machen, aber nach denen wir uns dennoch verzehren. Nein, ich spreche hier nicht von Liebe, Ansehen, Macht oder Gesundheit – ich spreche von jenen Dingen, die wir uns mit Hilfe des schnöden Mammons leisten. Die Auslagen sind prall gefüllt, die Werbung flüstert die schönsten Versprechungen, und die Frage „wer soll das bezahlen…“ stellen wir uns gar nicht – zahlt ja eh alles Visa. Gut, bei der Kreditkartenabrechnung setzen sich Einige vielleicht hin, andere öffnen den Brief mit der Rechnung gar nicht, denn „was man nicht weiß, macht einen nicht heiß“.

Luxus wird nicht von jedem Menschen gleich definiert. Manch einer betrachtet materielle Werte als Luxus, ein anderer wieder ideelle. Und auch, wenn für mich ideelle Werte, wie Abendessen mit Freunden, nach einer Yogastunde völlig entspannt sein oder mit einem lieben Menschen eine gute Flasche Wein genießen für mich der größte denkbare Luxus sind, möchte ich hier heute die völlig oberflächliche Seite hervorkehren. Welche materiellen Dinge bedeuten Luxus?

Caro und ich diskutieren diese Fragestellung heute bei Starbucks in der Innenstadt – sie bei einem riesigen Cappuccino, ich bei meiner neuesten Leidenschaft: iced Caramell Macchiato. Unsere Stimmung ist glänzend, da uns die Kellnerin von Starbucks schon einen genialen Satz geschenkt hat „Wenn’st einen Menschen auf ‚Kunde’ reduzierst, kann nix g’scheits dabei rauskommen“.

Wann bedeutet ein Luxusgegenstand tatsächlich „Luxus“? Ist die Handtasche von Burberry und die Geldbörse von Louis Vuitton das non-plus-ultra, ohne dem frau nicht im Stande ist zu Leben? Die Vintage-Ohrringe von meiner Urgroßmutter oder die Lingerie von La Perla? Wenn wir sagen „Kleider machen Leute“, genügt es da, wenn man zu H&M geht, oder müssen die Klamotten von Calvin Klein, Gucci oder Escada sein? Und wie sieht es mit Schuhen aus? Bei den Schuhen sind wir uns schnell einig: Schuhe sind eine Notwendigkeit – egal in welcher Anzahl und in welcher Preisklasse.

Caro nippt bedächtig an ihrem Cappuccino und grübelt. „Elektrische Reisezahnbürsten“ erklärt sie nach einer kurzen Nachdenkpause. Eine elektrische Zahnbürste gehört für Caro zur Grundausstattung einer jeden Wohnung, eine elektrische Reisezahnbürste ist das Tüpfelchen am i. „Und die Tatsache, dass ich zwei elektrische Reisezahnbürsten habe, ist für mich Luxus“ lächelt sie zufrieden über ihrem Cappuccino. Weiters empfindet Caro es als Luxus, dass sie einen eigenen Schrank hat, in welchem sie ihre Schuhe unterbringt. Ich grüble kurz – die Liebste meines besten Freundes hat in ihrer Wohnung ein eigenes „Schuhzimmer“, ist das noch Luxus oder bereits Dekadenz?

Beim monatlichen Friseurbesuch, um die Haarspitzen schneiden zu lassen, ist Caro unsicher, ob es sich hierbei um Luxus handelt. Wenn ich Caros Mähne hätte, würde ich wahrscheinlich wöchentlich zum Friseur gehen, einfach, um mich hinterher an dem Anblick zu erfreuen. Caro ist es aber gewohnt, dass sie tolles Haar hat und sieht das entsprechend anders. Aber sie findet rasch einen Ersatz für den Friseurbesuch: Starbucks. Starbucks ist in Caros Augen ebenfalls Luxus, da man selten unter 7 EUR für einen Kaffee bezahlt. „Und rechne dir das mal zurück – das waren mal hundert Schilling, überleg mal, wie viele Nespresso-Kapseln man dafür bekommt. Also das ist definitiv Luxus“.

Ich grüble, was ich wohl für mich als Luxus definieren würde. Mein elektrisches Luxusgut ist wohl mein iPod. Ich hatte zuvor schon einen Minidisc-Player, mit dem ich auch MP3’s abspielen konnte, aber als ich letztes Jahr den iPod Nano gesehen habe, hab ich mich sofort in das schwarz-glänzende Teil verliebt, und ich musste es haben, auch wenn mein Bedürfnis „Musik unterwegs hören“ auch durch das alte Gerät befriedigt wurde. Und selbst, wenn der iPod lange nicht soviel „kann“ wie der Minidisc-Player, er ist einfach schöner und schicker und sowieso und überhaupt. Außerdem finde ich das Konzept genial, dass ich mir über Internet zu jeder Tages- und Nachtzeit via iTunes Musik legal kaufen kann. Jederzeit jede beliebige Musik konsumieren können – das ist für mich Luxus.

Ein weiteres Goodie, das ich mir einmal pro Monat gönne, ist ein Besuch bei meiner Lieblingskosmetikerin. Auch, wenn ich alles selbst gut alleine zuhause machen könnte, aber alleine die Tatsache, dass diese Frau eine viertelstündige Gesichtsmassage bietet, die mich regelmäßig zum Schnurren bringt, reiht den Kosmetik-Besuch in die Kategorie „Luxus“. Und ich freue mich jedes Mal schon den ganzen Tag auf den Besuch bei ihr, hinterher strahle ich zufrieden. Definitiv Luxus.

Das ultimative Luxusgut habe ich aber heute entdeckt. Jeder Mensch kennt Labellos, die nach Kirsche, Himbeere oder ähnlichem Obst riechen. Ich habe heute aber die ultimativen Lippenpflegestifte entdeckt – sie riechen nach Vanille und Schokolade. Und abgesehen davon, dass diese Stifte streichelweiche Lippen herbeizaubern und schon alleine deshalb eine Daseinsberechtigung haben – sie duften für Frauennasen absolut unwiderstehlich. Jetzt wäre es nur interessant, herauszufinden, ob die Männer das ebenso sehen. Na Jungs, anyone here who wants to figure it out?

Montag, 30. Juli 2007

Alles wird gut!

Es gibt einige Menschen, von denen ich mir denke, dass sie deshalb unter uns weilen, um mich zu nerven - tierisch zu nerven… Diese Zeitgenossen sind für mich das berühmte „rote Tuch“, kaum, dass sie mir unter die Augen kommen und den Mund aufmachen, beginne ich mit den Augen zu rollen, verliere meine übliche Gelassenheit und kann mich über die kleinste Kleinigkeit so dermaßen echauffieren, bis ich aus der berühmten Mücke eine ganze Elefantenherde gemacht habe. Mag sein, dass ich diese Menschen aus einem Grund nicht leiden kann – weil sie meine allernegativsten Seiten nach oben kehren, und wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich mich selbst nicht sonderlich mag, wenn ich Gift und Galle spucke. Und da ich so ungern bis aufs Blut gereizt werde, gehe ich diesen Menschen vorsorglich aus dem Weg.

Einer dieser Menschen ist ein ehemaliger Unilektor von mir, der von uns Studenten den Spitznamen „Gummibärchen“ verpasst bekommen hat. Weniger, weil er so süß ist wie ein Gummibärchen, sondern vielmehr, weil man sich tierisch daran den Magen verderben kann. Ich habe das Gummibärchen hassen gelernt, als er eine meiner Seminararbeiten mit „nicht genügend“ beurteilt hat. Ich bin daraufhin brav in seine Sprechstunde gepilgert und habe versucht, herauszufinden, woran ich so massiv gescheitert bin. Das Gummibärchen hat zunächst eine halbe Stunde lang heiße Luft von sich gegeben, ich habe immer weiter nachgehakt und irgendwann meinte er „naja, Sie haben mit Fußnoten zitiert“. Ja, und wo ist das Problem? „Ja, wissen Sie, das ist hier ein k.o.-Kriterium“. Gut, wie würde die Arbeit aussehen, wenn ich richtig zitiert hätte? „Ja, wissen Sie, das kann ich jetzt so nicht sagen, weil ja durch die Tatsache, dass Sie falsch zitiert haben, die Arbeit von vornherein ‚negativ’ ist…“

Wie kann man mit so vielen Worten nur so wenig Info von sich geben? Ich bin wutschnaubend aus der Sprechstunde abgedampft – eine dreiviertel Stunde wertvoller Zeit verplempert, die Information „Sie haben sich nicht an die Zitiervorschriften gehalten, deshalb sind Sie negativ“ hätte er auch in fünf Minuten loswerden können. Ich habe dann auch kein Herzblut in die Korrektur der Arbeit gelegt, sondern habe lediglich die Fußnoten durch Klammerverweise ersetzt, ansonsten habe ich die Arbeit wortident abgegeben – und habe eigentlich mit einem „genügend“ gerechnet und habe mich geärgert, dass ich mir dadurch den Notendurchschnitt versiebt habe. Aber zu meiner großen Überraschung habe daraufhin ein „sehr gut“ mit voller Punkteanzahl auf die Arbeit bekommen. Von diesem Augenblick an war ich felsenfest überzeugt, dass das Gummibärchen schlichtweg ein Vollidiot ist, der nur deshalb auf „meiner“ Uni herumhängt, um mir persönlich das Leben schwer zu machen. Und bin jedes Mal hochgegangen, wenn ich ihn gesehen habe.

Das Gummibärchen hat uns auch auf die Diplomprüfungen vorbereitet. Zwei Wochenenden lang waren wir mit ihm in einen Hörsaal eingepfercht, er hat vorne Belanglosigkeiten vorgetragen, wir haben uns hinten mörderisch gelangweilt. Eine Flucht war allerdings auch nicht möglich, da er nach jeder Pause die Anwesenheit kontrolliert hat. Also blieb nur „aussitzen“, und wir haben das insoweit versucht, als wir uns mit „Schifferl versenken“ und „Diplomarbeit korrekturlesen“ still beschäftigt haben. Dennoch waren diese Vorbereitungsstunden unglaublich öde und in unseren Augen schlichtweg unnötig.

Irgendwann beginnt unser Gummibärchen mit einem Beispiel, was in dieser Art noch nie durchgenommen wurde. Das führte natürlich zu einer mittleren Revolution auf den hinteren Rängen. Alle Studenten beginnen sich lautstark darüber aufzuregen, dass es so wohl nicht geht, dass man nicht Dinge prüfen kann, die während des gesamten Studiums noch nicht vorgekommen sind. Das Gummibärchen wartet geduldig ab, bis der ärgste Tumult abgeebbt ist, beginnt zu lächeln und sagt „Bitte bleiben Sie ruhig, ich kann Ihnen eines versprechen: alles wird gut!“. Ich hebe den Kopf, nachdem dieser Satz gefallen ist, und beginne zu grübeln. Kann es sein, dass dieses blinde Huhn gerade sein Korn gefunden hat? Dass er deshalb unsere Nerven strapaziert hat, weil es seine Aufgabe war, uns diesen einen Satz zu schenken? Kann es sein, dass das Gummibärchen doch eine Seele hat?

Nicht, dass die Diplomprüfungsvorbereitung für die eigentliche Diplomprüfung irgendetwas gebracht hätte – es sind nämlich komplett andere Beispiele gekommen, aber alleine der Satz „alles wird gut“ hat uns damals etwas milder gestimmt – weniger, weil wir die Diplomprüfung geschenkt bekommen haben, sondern vielmehr, weil uns dieser Satz den Glauben daran zurück gegeben hat, dass es das Universum sicher gut mit uns meint, und dass die vier Jahre Plackerei sicher nicht umsonst gewesen sind.

Auch nach dem Ende des Studiums ist der Satz „alles wird gut“ im Umkreis meiner Studienkollegen nach wie vor im Umlauf. Wenn einer einen schlechten Tag hat, bekommt er mit Sicherheit ein mail mit den Worten „was würde das Gummibärchen jetzt sagen? Alles wird gut!“ – und mit dieser Floskel geht es mir jedes Mal besser, mehr noch – ich beginne immer zu lächeln.

Und ich verwende diesen Satz auch gerne bei Nicht-Studienkollegen, auch wenn diese den Insider-Schmäh nicht immer verstehen. Aber ich rede mir dennoch ein, dass sie sich auch freuen, wenn ich ihnen diesen Satz schenke.

In diesem Sinne an alle, die heute gerade einen superbesch…eidenen Tag haben: das Gummibärchen würde in diesem Fall sagen „alles wird gut“ – und ich bin seiner Meinung.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Dogs (the girl that does Yoga)

Mag sein, dass es daran liegt, dass ich Wassermann bin – aber irgendwie bin ich etwas esoterisch “angehaucht”, wie wir Wiener so gerne sagen. Ich habe einen Wasserkrug, in dem Heilsteine liegen, ich habe mich eine zeitlang für Kinesiologie interessiert und ich pendle unverträgliche Nahrungsmittel mit einem Pendel aus. Als es „in“ war, habe ich Buddha-Beads getragen und bin als gestresste Großstadt-Singlefrau natürlich immer auf der Jagd nach der ultimativen Entspannung.

Nun, wenn wir „Westler“ auf der Suche nach Erleuchtung sind, dann führt irgendwann kein Weg mehr am Yoga vorbei. Und es gibt unendlich viel, das am Markt angeboten wird: Hatha-Yoga, Bikram-Yoga, Ashtanga-Yoga, Kundalini-Yoga, Power-Yoga – welches Yoga ist das Richtige?

Meinen ersten Yoga Kontakt habe ich im Fitnesscenter. Ein weiß gewandeter Yogatrainer, der auf einem Podest liegend einige Übungen vorzeigt, die ich mit verrenktem Kopf und verdrehtem Rücken versuche, nachzumachen. Wir liegen dicht an dicht in dem Studio gedrängt, kaum eine Übung ist möglich, ohne den Arm, das Bein oder sonst ein Körperteil vom Mattennachbarn in den eigenen Körper gerammt zu bekommen. Die Yogastunde selbst wird wie ein Workout runter gespult – ja, die Übungen machen schon Spaß – aber wo ist die Erleuchtung?

Aber wozu hat der Yogagott die DVD erfunden? Warum um teures Geld in ein Studio trippseln, wenn man um 20 EUR bei Amazon eine Yoga-DVD erhält. Also werfe ich die DVD in den Player, rolle meine Matte aus und beginne andächtig, im Wohnzimmer meine Übungen zu machen. Das Gute ist, dass ich wirklich viel Platz zum Trainieren habe und immer, wann ich Zeit, Lust und Laune habe, die DVD einlegen kann. Blöd ist allerdings, dass ich zwei Katzen habe, die natürlich auf der Matte Probe liegen müssen und bei jeder Übung mitmachen müssen. Entspannung? Vergiss es, von der bin ich so weit entfernt wie von einem Physiknobelpreis…

Dann die Wende: ich entdecke das Buch von Milena Moser „Schlampenyoga“. Ich lese es und bin begeistert: genauso stelle ich mir Yoga vor! Genau das will ich! Nur woher kriegen, wenn nicht stehlen…

Ein Jahr später eine weitere Yoga-Erfahrung. Wieder ist es ein Fitnessstudio, allerdings diesmal mit einem berühmten Yoga Lehrer: Oskar Hodosi. Ein ca. 50jähriger Mann mit langem Haar, vielen Tattoos und einigen Piercings. Seine Yogastunden unterscheiden sich deutlich von den vorangegangenen: wir beginnen mit einer Einführungsentspannung, danach einige Varianten des Sonnengrußes, eine rasche Abfolge weiterer Asanas. Oskar geht zwischen seinen Schülern herum und korrigiert die Haltung. Für die Anfänger in seiner Power-Yoga Stunde hat er den Hinweis: macht die Asanas soweit ihr sie könnt. Natürlich habe ich den Ehrgeiz, bei den Übungen mitzuhalten und beiße die Zähne zusammen. Oskar schätzt besonders die Stellung „der Hund“, von ihm auch Dreiecksstellung genannt. Man steht dabei wie ein Dreieck, Handflächen und Fußsohlen am Boden, der Hintern bildet die Spitze des Dreiecks. Ich taufe den Hund in Gedanken in „Demutshaltung“ um… Bei Oskar wird der Hund über 5 Atemzüge gehalten. Nach dem zweiten Mal Luftschnappen beginnen mir die Arme zu zittern. Aber ich beiße mich weiter durch die Stunde. Nach 20 Minuten beginne ich, die Minuten bis zum Ende der Einheit zu zählen. Verdammt, die dauert ja 100 Minuten… Irgendwann kommt die Schlussentspannung in der Totenhaltung, die mir besonders authentisch gelingt. Nach der Stunde wanke ich aus dem Studio und schleppe mich zu meinem Auto. So also fühlt es sich an, wenn man stehend k.o. geht… Zuhause angekommen überlege ich, wie ich mich wohl am Besten mitsamt meiner Sporttasche in meine Wohnung befördere. Kriechen wäre sehr praktisch, weil mir immer noch die Knie schnackeln… In meiner Wohnung klettere ich mühsam unter die Dusche und reibe mich hinterher großzügig mit Diana ein. Ein kleiner Fleck beim Brustbein, den ich übersehe – hier genieße ich drei Tage lang einen Muskelkater von biblischen Ausmaßen. Aber schon nach der zweiten Einheit bemerke ich Fortschritte – ich schaffe es sogar, einen Arbeitskollegen zu einem Hund-Wettstehen herauszufordern (merke: Fotohandies sind die blödeste und unnötigste Erfindung, solange sie sich in den Händen der Mitkollegen befinden…). Aber ich fühle mich in diesem Fitnessstudio ebenfalls nicht wohl: viel Glas und Spiegelfronten, es ist sehr unruhig – wo ist meine Erleuchtung?

Durch Zufall stoße ich im Xing auf der Absolventenseite meiner Universität auf eine Bekannte von mir: lustig, ich wusste gar nicht, dass Annemarie dasselbe wie ich studiert hat. Neugierig wie ich nun mal bin clicke ich auf ihr Profil und sehe dort, dass sie sich mittlerweile mit einem Yogastudio selbständig gemacht hat. Ich schaue mir ihre Homepage an und bin angenehm überrascht: für mich verkehrsgünstig gelegen, überstundenfreundliche Zeiten, sehr moderate Preise und die Schnupperstunde ist noch dazu gratis. Also melden meine Freundin Lilly und ich uns für die Schnupperstunde an.

Als wir am Freitagabend zum Yogastudio kommen, sind wir wieder erfreut: das Yogastudio befindet sich in einem Kellerlokal, und gerade an diesen Tropentagen ist es herrlich kühl. Wir ziehen unsere Trainingsklamotten an und Annemarie erklärt den Ablauf der Stunden. Zuerst eine Anfangsentspannung, dann eine Atemübung, darauf folgend das Sonnengebet, einige andere Asanas, darunter der König der Asanas, der Schulterstand. Und zum Schluss wieder eine Schlussentspannung. Es werden dreimal pro Woche Kurse für Anfänger angeboten, und Annemarie empfiehlt jedem Neuling, 10 Anfängerstunden zu besuchen, bevor man in die Fortgeschrittenenkurse wechselt. Da die Schnupperstunde viel Spaß macht, löse ich eine Monatskarte, damit ich auch ja motiviert bin, regelmäßig in die Stunde zu gehen.

Die Yogastunde beginnt sehr relaxed: wir liegen auf unseren Matten und gleiten in die Entspannung – zur Unterstützung haben wir mit Lavendel gefüllte Augensäckchen auf den Augen liegen, zusätzlich zündet Annemarie Räucherstäbchen an. Danach setzen wir uns auf die bereitgelegten Yogakissen und machen unsere Atemübungen. Das Sonnengebet danach ist etwas flotter, um den Kreislauf in Schwung zu bekommen. Einige Asanas für das Gleichgewicht, einige für den Bauch, für den Rücken und natürlich der Schulterstand. Die Übungen bringen mich zum Schwitzen, aber es ist ein angenehmes Schwitzen, ich habe nie das Gefühl, dass ich jederzeit groggy zu Boden gehen könnte. Annemarie achtet darauf, dass es für jede Bewegung eine Gegenbewegung gibt, damit kein Körperteil überbeansprucht wird. Nach jedem Asana lässt uns Annemarie die Übung nachspüren. Während der Asanas korrigiert sie die Haltung der Schüler, und die Gelassenheit, die diese Frau verströmt, schafft eine sehr angenehme Stimmung in dem Trainingsraum. Bei der Schlussentspannung merke ich, wie sich mein Körper mit Energie füllt – nach dieser Yogaeinheit fühle ich mich, als könnte ich Bäume ausreißen. Und selbst ein, zwei Tage später fühle ich immer noch diese Yogastunde in mir nachklingen.

Ich vermag nicht zu sagen, wie es mit mir in Sachen Yoga weiter gehen wird, aber für das Erste habe ich meine Yogaheimat gefunden.

Om namah Shivaya!

Sonntag, 22. Juli 2007

Hot in the city

Vor einigen Wochen, als der Sommer gerade seinen Einzug in Wien gefeiert hat und wir die ersten 30er begrüßen durften, habe ich mich noch über meine Mitmenschen insgeheim lustig gemacht, die bei schlappen 30 Grad schon aufgeben. Wobei ich mich mittlerweile frage, was diese Leute letzte Woche über so gemacht haben… denn es war einfach nur affig.

Tropentage in Wien. Das heißt so viel wie: nicht unter 25 Grad in der Nacht und weit über 30 Grad am Tag. Zusätzlich Windstille und nicht ein Wölkchen am Himmel, das die Stimmung trübt und ein bissl Schatten spendet. Morgens im Büro hat es bereits 31 Grad, und auch, wenn Klimagerät und Ventilatoren auf Hochtouren laufen, das Einzige, das wir schaffen, ist, dass wir die Temperatur unter 32 Grad halten (oder kann es sein, dass das Thermometer gar nicht weiter anzeigt…?). Dennoch sehen wir die Temperatur eher von der sportlichen Seite her, und rufen, wenn das Thermometer endlich 32 Grad anzeigt „wir wollen die 33 sehen!“ … und nein, ich streite den leisen Hang zum Irrsinn in unserem Office gar nicht ab.

Ganz schlecht ist es in solchen Zeiten, wenn man mitleidheischende Mails in den Freundeskreis schickt – diejenigen, die über voll klimatisierte Büros verfügen, schreiben dann als Antwort „also, ich überlege gerade, mir den Blazer wieder anzuziehen“ oder „wir haben 25 Grad im Büro – sehr fein!“, mitfühlender Trost wird von dieser Seite keiner gespendet (Vorsicht, liebe Freunde: wenn eure Aircondition mal defekt ist, wird mein Spott gnadenlos sein…).

Zu Hause läuft Tag und Nacht der Ventilator (und ja, der gesteigerte Stromverbrauch der letzten Woche ist auch auf mich zurück zu führen), beim Schlafen lasse ich mich kräftig anpusten, auch wenn ich mir damit ordentliche Rückenschmerzen am nächsten Tag einhandle. Es gilt zwei Dinge abzuwägen: schlafen können oder am nächsten Tag nicht die Zähne zusammen beißen müssen – der Schlaf gewinnt bei mir immer und mein Orthopäde reibt sich die Hände, wenn er mich sieht.

Alles geht eine Spur langsamer als gewohnt, ich schütte literweise Wasser in mich hinein und würde meine Seele für ein kühles Fußbad verkaufen. Die berufliche Leistungsfähigkeit sinkt auch, konzentrieren ist bei mehr als 30 Grad kaum möglich, und ich bin sehr froh, dass ich im Augenblick nicht den gewohnten Stress habe, sondern es im Büro auch etwas „gemütlicher“ zugeht.

Gestern habe ich allerdings ein Plätzchen in Wien gefunden, wo ich es die ganze Woche über sehr gut ausgehalten hätte: das Krapfenwaldlbad…

Marlene und ich haben diese Woche beschlossen, dass wir am Wochenende baden gehen. Wobei Marlene mir die Planung unseres Badetages überlässt, da sie selbst aus einem südlichen Bundesland „zuagrast“ ist und sie nach eigener Aussage in Wien noch nie in einem Freibad war. Als Döblingerin gibt es für mich da natürlich nur zwei Möglichkeiten: Hohe Warte oder Krawa.

Ich mag das Krapfenwaldlbad. Weniger, weil sich dort die Haute Voleé der Wiener Gesellschaft herumtreibt, sondern vielmehr, weil man vom Krawa aus die schönste Aussicht über Wien hat. Hier oben am Berg immer ein Lüfterl weht und es lange nicht so stickig ist wie auf Donauniveau. Und weil das Bad nicht über diesen Schnick-Schnack wie Wasserrutsche, Strudelbecken oder Sprungtürme verfügt, und damit auch weniger von Kindern frequentiert wird. Hier kann man wirklich in aller Ruhe schwimmen und in der Sonne liegen.

Marlene und ich sind sportlich-früh um kurz vor 10 Uhr oben am Berg – um diese Zeit ist es noch nicht so heiß und ich habe reelle Chancen auf einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Bades. Außerdem haben wir um diese Uhrzeit auch noch viel Auswahl, was den Liegeplatz betrifft und tatsächlich ergattern wir den Platz unter einem der strohgedeckten Sonnenschirme. Um 10 Uhr sind wir schon im Sportbecken und schwimmen die ersten Längen. Huh, das Wasser ist ziemlich frisch, aber das gehört zu einem Sportbecken ja dazu. Und das Angenehme: es schmeckt nicht sehr nach Chlor.

Nachdem wir den Morgensport absolviert haben, gehen wir zurück zu unseren Plätzen, ich lege mich ein bisschen in die Sonne, da es noch nicht so heiß ist, und Marlene schnappt sich ihr Buch und flüchtet in den Schatten. Ich genieße es, in der Sonne zu liegen und langsam vor mich hin zu trocknen. Um uns herum liegen sehr viele junge Leute, und viele der Frauen tun das, wofür das Krapfenwaldl früher so „berüchtigt“ war – sie liegen „oben ohne“ in der Sonne (schließlich war das Krawa ja das erste Bad, das den Damen „oben ohne“ gestattet hat). Diese Tatsache hat in den sehr frühen 80er Jahren ja sogar Rainhard Fendrich zu seinem Sommerhit inspiriert. Heutzutage kräht allerdings kein Hahn mehr danach, und ich gebe zu – auch ich hasse es, wenn ich den ganzen Sommer über die Streifen von meinem Bikini an allen möglichen Stellen habe.

Gegen 11 Uhr halte allerdings auch ich es nicht mehr in der Sonne aus und flüchte unter den Sonnenschirm. Und mache dort eine interessante Feststellung: unter dem Sonnenschirm ist es …frisch! Mich fröstelt! Wenn mir das jemand am Dienstag gesagt hätte – ich hätte Handy und Laptop geschnappt und wäre zum Arbeiten ins Bad gefahren! Oder zumindest intensiv über diese Möglichkeit nachgedacht… Ich liege unter dem Schirm, döse etwas vor mich hin und genieße den Geruch nach Wiese und Sonnencreme, der hier überall in der Luft hängt.

Kurz nach Mittag trippeln Marlene und ich wieder Richtung Becken. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Gruppe von Jugendlichen vorbei, wie alt werden sie sein, so 17 bis 19 – Burschen wie Mädchen, sie liegen in der prallen Sonne und zischen sich ein Bier nach dem anderen hinter die Binde. Komatrinken auf der Liegewiese in der prallen Sonne, mich wundert nicht mehr, warum wir so viele Badeunfälle haben… Über soviel Unvernunft kann man nur noch den Kopf schütteln.

Gegen 15 Uhr siegt bei Marlene und mir die Vernunft und wir packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg vom Berg wieder runter. Ich habe mein Vorhaben – keinen Sonnenbrand zu bekommen – nicht umsetzen können, mein Rücken leuchtet in einem zarten Rosa. Aber das ist nicht so schlimm, das vergeht wieder. Und ich fühle mich den übrigen Tag noch herrlich erfrischt…

Samstag, 14. Juli 2007

Let me entertain you

Das Internet – eine grandiose Erfindung, sei es zum Kommunizieren, zum Informieren oder schlichtweg zum Shoppen. Mein Lieblingsmoderator hat es eines schönen Junimorgens mal trefflich wie folgt formuliert „Es gibt nichts unverbindlicheres als das Internet, das trotzdem die Menschen verbindet“.

Eine weitere tolle Erfindung des Internet sind Weblogs, und auch ich schreibe ja seit einigen Monaten mehr oder weniger regelmäßig eine Kolumne. Wobei ich natürlich in das Dilemma komme: wenn in deinem Leben grad nix aufregendes passiert, was schreib’st… Wenn der Fundus an Altlasten schon ziemlich ausgelutscht ist und man sich keine Story aus der Nase ziehen möchte, bleibt wohl nur noch eines: schreib über Alltagsdinge, die dir so passieren.

Freitagabend und nichts vor. Der geplante Theaterabend mit Marlene ist ins Wasser gefallen, und anstatt, dass ich Karlheinz Hackl in „la cage aux folles“ genieße, sitze ich daheim und langweile mich. In diesen Fällen greife auch ich zum Ablenkungsmitteln Nr. 1 – dem Fernseher. Auch wenn mich das Programm so überhaupt nicht reizt – das Finale von „Dancing Stars“, na, bitte net… Aber unverhofft kommt oft, und ich schlage an diesem Abend quasi zwei Fliegen mit einer Klappe: ich amüsiere mich gut und werde zusätzlich von der Muse geküsst.

Ich gebe zu, beim Schreiben habe ich mich schon gefragt, wie’s wohl wäre, wenn unser Vizedancingstar den Artikel liest. Würde er wohl darüber schmunzeln? Würde er den Link zu meiner Seite wohl an seine Freunde weiterschicken? Und wohl die Gretchenfrage: würde ich all dies je erfahren…

Womit ich – zugegeben – nie gerechnet hätte, ist, dass ich grad mal zwei Tage, nachdem ich die Geschichte online stelle, einen Kommentar von einem Peter bekomme. Nach einem langen Bürotag sitze ich gegen 21 Uhr zuhause, starre 10 Minuten lang den Monitor an und denke nur: das gibt’s ja nicht, da verarscht dich wer. Ich lese mir den Kommentar wohl hundert Mal durch, als mir endlich das PS mit dem Link zur Homepage ins Auge sticht. Wenn mich jemand rollen wollte, warum dann den Link dazu schreiben… Also surfe ich zu der site – ah ja, da ist auch ein „Kontakt“-Button. Ich überlege einige Minuten, ob ich wohl soll oder nicht, denke mir dann aber „wenn das wirklich nur ein Fake war, dann denkt er sich nur ‚wer ist die Tussi?’ und das wars“. Also schreibe ich eine kurze Nachricht, sammle nochmals allen Mut zum Risiko zusammen und clicke auf „Absenden“. Und widme mich wieder meinem Posteingang. Einige Minuten später plingt eine Nachricht in meinem Postfach hoch. Inhalt „du bist ja eine Schnelle, was machst du so im richtigen Leben?“. Absender: eine mailadresse des Rundfunks.

… das ist der Moment, indem ich feststelle: das war kein Fake… Ja, die Erkenntnis kann einen manchmal wahrlich wie eine Dampfwalze überrollen. Ich würde lügen, würde ich nun schreiben „nachdem ich mich eine Zehntelsekunde von meiner Überraschung erholt hatte, habe ich einige unglaublich witzige und geistreiche Antwortmails geschrieben“. Man kann mich nicht leicht überraschen, aber wenn es mal jemanden gelingt, dann hält dieser Effekt eine zeitlang an. Trotzdem schaffe ich es quasi im Reflex, einige Antwortmails zu schicken.

Danach schwebe ich eine Woche lang wie auf Wolken: ein Promi liest mein Blog und möchte mich daraufhin sogar kennen lernen. Und sonne mich in meinen drei Minuten Berühmtheit – obwohl ich mich ansonsten gar nicht für Promis interessiere: die Seitenblicke? Yellow-Press? Mausi und Mörtel? Interessiert mich alles nicht. In dieser Woche bekomme ich viele mails von Freunden, die mein Blog lesen und die mich in Sachen „Klatsch und Tratsch mit Peter L. Eppinger“ updaten. Wow, eine interessante Feststellung: so cool meine Freunde sonst sind, aber jeder kennt mindestens ein G’schichtl über den Eppi – sie haben doch alle ein Faible für Promis… Eine meiner Freundinnen stellt die eine-Million-Euro-Frage: und wann trefft ihr euch? Ah ja stimmt, darauf hab ich in meiner Aufregung ganz vergessen…

Nach rund einer Woche schicke ich ein mail, wo ich mich erkundige, ob das mit dem Cocktail eigentlich noch aktuell. Und rechne eigentlich nicht mit einer schnellen Antwort. Aber zwei Tage später ist schon die Antwort da, ob wir einander nicht in der folgenden Woche auf eine Stunde treffen wollen. Das klingt ja sehr aufregend – warum eigentlich nicht!

Ich rufe also Caro an und frage sie, ob wir uns am Samstag zum Frühstücken in der Stadt treffen können, damit wir dann noch ein Bisschen shoppen gehen. Und die Beste aller Freundinnen stimmt dem natürlich gerne zu.

Am Samstagmorgen rufe ich nochmals meine mails ab und wundere mich, warum der Download so ewig dauert. Und dann ist da ein mail vom Eppi, als Betreff „schnapp deine beste Freundin (Caro?) oder wen auch immer…“ und als Text „… und vielleicht möchtest ja auch kommen?“. Ich starre den PC an und denke mir „Häh? Was will mir der Künstler damit sagen?“. Endlich sehe ich, dass da noch ein Attachment dran hängt. Ich öffne das Word-Dokument und…

Ottakring feiert seinen Dancing King! Bezirksvorsteher Franz Prokop bittet zum „Tanz“ auf den Gerstenboden der Ottakringer Brauerei. Es freuen sich Peter L. Eppinger und Franz Prokop.

Meine erste Reaktion ist „na, aber sicher nicht…“. Ich überlege, ob ich mich über die Einladung freuen soll oder aber nicht. Aber da ich mich ohnehin gleich mit Caro treffe, drucke ich das mail plus die Einladung aus, packe beides in die Tasche und fahre zum Café Mozart. Als Caro dort endlich eintrifft, lege ich ihr mit den Worten „liebe Caro, wir wurden eingeladen“ den Packen Papier auf den Tisch. Caro liest aufmerksam die Zeilen und ich merke, wie sehr sie sich beherrscht, um nicht laut loszulachen. Als sie fertig ist mit dem Lesen, ist die Stille am Tisch unerträglich. Ich sehe, dass Caro gerade dabei ist, ihre Gedanken zu ordnen und komme ihr mit einem „was sagst du dazu?“ zuvor. Dieser Satz bricht endlich die Stille zwischen uns und wir beginnen lauthals zu lachen. Nachdem wir kurz die wichtigen Fragen wie „wo ist Ottakring eigentlich?“ und „brauchen wir dafür ein Visum?“ geklärt haben, beginnen wir, die Einladung akribisch zu analysieren. Wir sind uns sofort einig, dass diese Nachricht signalisiert „ich würde dich gerne mal sehen, aber nimm’ dir wen mit, damit dir nicht langweilig wird, weil viel reden werde ich nicht mit dir können“. Zwischen ein paar Kicheranfällen sage ich auch zu Caro „ich geh dort nicht hin“. Caro hingegen findet, dass das sicher lustig ist und dass ich da unbedingt hingehen muss. Ich versuche, zu punkten, indem ich ihr sage „du weißt doch, wenn ich dorthin gehe, dann musst du auch dorthin – und ich weiß, dass du das nicht willst…“. Auf alle Fälle haben wir schon lange nicht mehr so viel bei einem Treffen gelacht. Als wir dann zum Shoppen aufbrechen, bin ich ein ganz armer Tutu, weil Caro mich in hunderte Kleider und Röcke zwingt, immer mit einem „das würde beim Tanzen aber besonders hübsch schwingen“ und einem kleinen Kichern begleitet.

Ich mache gute Miene zum bösen Spiel und hoffe, dass Caro sich bald wieder beruhigt und ich wieder von der Schaufel runter steigen kann. Irgendwann kurz vor Mittag – als wir schon eine halbe Stunde nicht mehr gekichert haben – schlendern wir mit einem Iced Mocca Macchiato durch die Innenstadt und kommen am Schanigarten vom Tirolerhof vorbei, in dem Kelly und Andy Kainz sitzen und angeregt miteinander plaudern. Ich zucke mit keiner Wimper und schicke einige Stoßgebete gen Himmel „bitte mach, dass Caro die zwei grad nicht gesehen hat“. Aus dem Augenwinkel sehe ich allerdings, dass Caro gerade gegen einen heftigen Lachanfall kämpft, kaum, dass wir um die Ecke sind, beginnt sie lauthals zu lachen – und ich stehe schon wieder auf der Schaufel…

In der Woche darauf redet Caro mir wie einem kranken Pferd zu, dass wir dort unbedingt hin gehen müssen. Ich bin ja auch zugegeben ein neugieriger Mensch, also mache ich das, was jeder wohl in dieser Situation machen würde: ich google die Key-facts der Einladung. Und stelle fest, dass man im ganzen Internet nichts zu dieser Veranstaltung findet. Und beginne mich darüber zu freuen, dass ich eingeladen wurde. Aber ich möchte nicht, dass ich zu „offensichtlich“ dort bin – mein Plan ist also, dass ich beim Veranstalter anrufe und Caro und mich unter Caro’s Namen anmelde, damit ich nicht auf der Gästeliste aufscheine – und wenn es ein Fiasko ist, kann ich ungesehen wieder verschwinden. Ich rufe also beim Magistrat an, habe dummerweise die Angewohnheit, dass ich mich am Telefon mit vollem Namen melde, die Telefonistin zwitschert „können sie ihren Familiennamen bitte nochmals buchstabieren“… Also nix mit inkognito. Und da es eh schon wurscht ist, schicke ich ein kurzes mail an Peter mit „danke für die Einladung, Caro und ich kommen gerne“ und bekomme ein „sehr fein, dann sehen wir einander dort“ zur Antwort.

Caro jubelt, als ich ihr das mail vorlese „na schau, ihr werdet euch dort kennen lernen“. Ich sehe die Geschichte zugegeben skeptischer: es werden ein paar hundert Leute dort sein, er wird permanent von Menschen umringt sein und ist zudem Gastgeber – ich habe außerdem nicht vor, mich um ein Autogramm anzustellen, ergo werden wir uns im selben Raum aufhalten aber nicht miteinander sprechen.

Und irgendwann ist dann der D-Day da… Ich werfe mich zur Feier des Tages in einen schwarz-weiß gemusterten Rock, ein schwarzes Top (schwarz macht ja bekanntlich schlank) und ziehe mir meine Lieblings-Heels von Hugo Boss an. Caro holt mich von zuhause ab und ist begeistert. Kurz nach 15 Uhr sind wir in der Ottakringer Brauerei, wir betreten den Gerstenboden, und direkt hinter der Stiege posieren Peter und Julia Polai für einen Fotografen. Fast wäre ich in die beiden reingelaufen, zum Glück kann ich gerade noch rechtzeitig abbiegen, denn mich hat gerade mittel der Schlag getroffen: Peter trägt Tracht. Eine knielange Lederhose und dazu knielange cremefarbene Stutzen. Perfekt – Großstadttussi trifft Alm-Öhi, ich wusste, warum ich dort nicht hin will. Caro flüstert mir zu „er ist grad da vorne gestanden“ und ich bring nur ein „hast die Stutzen gesehen?“ raus… Ok, Flucht nach vorne, in unserem Fall Richtung Bar. Die Bar hat einen großen Vorteil: man hat immer was zum Trinken in der Nähe und sie ist weit, weit weg vom Geschehen. Und mein Unbehagen steigt: es sind Unmengen an Fotografen im Raum, zusätzlich ist ein Kamerateam vom ORF auch dort. Ich will einfach nur noch weg.

Es folgt eine kurze Ansprache vom Bezirksvorsteher und dann auch eine kleine Rede von Peter L. Eppinger, wo er auch auf eine kleine Tombola hinweist. Caro hat natürlich nichts Besseres zu tun, als meinen Namen auf ein Los zu schreiben. Ich flüstere „ich hoffe für dich, dass ich nicht gezogen werde“. Als Peter Richtung Bar flitzt, um die Tombolageschenke zu holen, läuft er an uns vorbei und schenkt Caro einen babyblauen Luftballon. Caro fasst den Plan „den gebe ich ihm heute noch zurück, dann muss er mit uns reden“. Und das Universum meint es auch gnädig mit mir, und mein Name wird bei der Tombola nicht gezogen.

Caro redet mir ständig zu „komm, lass uns hingehen und mit ihm reden“. Ich vertrete aber stur die Ansicht „mein Part war, dass ich hierher komme. Es war nicht vereinbart, dass ich ihn anspreche – er hat ein Foto von mir im Internet gesehen, das muss reichen, um mich zu erkennen. Und wenn es nicht sein soll, dann ist’s eben nicht.“ Irgendwann ist es Caro zu mühsam und sie meint „redest du noch mit mir, wenn ich ihn hierher hole?“. „Aber natürlich rede ich noch mit dir“ sage ich und denke mir „er ist von Menschen umringt – er wird nicht her kommen“. Caro schnappt ihren blauen Ballon und marschiert auf die Gruppe los, in deren Mitte Peter steht. Von meinem Platz aus kann ich wohl Caro beobachten, aber ich sehe Peter nicht. Ich sehe, dass Caro mit jemanden spricht, sehe dann, dass sie jemand den Ballon in die Hand drückt. Und dann sehe ich, dass sich dieser babyblaue Ballon auf mich zu bewegt…

Damit habe ich natürlich nicht gerechnet, und ich bin mir sicher, dass mir die Überraschung überdeutlich ins Gesicht geschrieben ist. Zusätzlich bekomme ich fast kein Wort heraus (die zweite Überraschung – blöd reden ist bei mir bis jetzt in jedem Fall gegangen) und all die witzigen Dinge, die mir normalerweise in solchen Situationen zu hunderten einfallen, sind einfach nur weg… Ich schaffe es gerade, ein, zwei zusammenhängende Sätze hervorzuwürgen, bis unser Gastgeber wieder von seinen Pflichten eingeholt wird und er zum nächsten Tisch eilt.

Caro und ich stehen noch ein bisschen in der Gegend rum und beobachten die Szene. Irgendwann läuft der Bezirksvorsteher an uns vorüber und übergibt einer Zapferin das Trinkgeld für die Angestellten. Am Rückweg bleibt er bei uns stehen und erzählt uns, dass es ohnehin besser ist, wenn man(n) einer Frau das Trinkgeld gibt, weil Frauen ohnehin mit Geld besser umgehen können. Caro meint „das ist ja schön, dass sie das auch so sehen“, woraufhin uns der Bezirksvorsteher zuzwinkert und meint „wir Frauen müssen ja zusammen halten“. Caro und ich lachen artig über seinen Witz und er zieht glücklich von dannen. Ich bemerke trocken: „soviel Mühe hat er sich gegeben, und dabei nicht eine Wählerstimme lukriert“…

Gegen 18 Uhr verlassen Caro und ich die Party. Ich überlege, wie anstrengend es sein muss, wenn man berühmt ist: man muss zu allen Leuten nett und freundlich sein, wird permanent von Allen angesprochen und jeder glaubt, dass er dein Freund ist. Ich bin unendlich froh, dass mein Leben in Wahrheit so ruhig und beschaulich ist, und dass sich niemand drum schert, ob ich nun ungeschminkt und unfrisiert einkaufen gehe und mit wem ich essen gehe. Aus dem Cocktail mit Peter ist übrigens nichts geworden, aber der Volksmund sagt ja so schön: man trifft jeden Menschen zweimal im Leben.

… ups, ist diesmal etwas länger geworden, um nicht von ep(p)ischer Länge zu sprechen...

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