Donnerstag, 25. Oktober 2007

Tool time

Ich finde, das Tolle an uns Menschen ist, dass jeder von uns seine Stärken und auch seine Schwächen hat. Es wäre ja auch unerträglich langweilig, wenn wir ein menschlicher Einheitsbrei wären, den jeden Tag das Murmeltier grüßt. Nein, da ist es doch so viel besser und unendlich bunter. Und ich denke, ich kann von mir auch behaupten, dass ich so ein paar Vorzüge habe, die andere Mitmenschen nicht haben. Ich bin in der Lage, Arbeitnehmerveranlagungen zu machen, kann ganz brauchbar kochen und bin ganz praktisch, wenn’s um Übersiedlungen geht. In einem Bereich bin ich aber ein geistiges Nackerpatzl sondergleichen: in der Technik…

Um es mit den Worten meiner Freundin Sarah zu sagen„ich spreche nicht Strom“. Seit meiner Unterstufenzeit (die ja doch schon ein paar Jährchen her ist *hüstel*) verstehe ich nicht, warum Wechselstrom funktioniert (das mit dem Gleichstrom hab ich recht rasch heraußen gehabt – den kenn ich, wenn ich meine frisch gefönten Haare mit der Bürste bearbeite…). Und wenn der Physiklehrer rein gekommen ist, und gesagt hat „Julia, erkläre mir den Kühlschrank“ – tja, dann bin ich gescheitert. Denn ich hätte ihm wohl aufzeichnen können, wie das Innenleben des Kühlschranks aussieht. Ich konnte es bloß nicht erklären, einfach, weil ich es nicht verstanden habe. Und habe mit schöner Regelmäßigkeit die Minus in Physik kassiert…

Der Führerschein war ja auch so eine Herausforderung, vor allem der technische Part. Vor der Prüfung ist der Fahrlehrer noch mit uns ums Auto gegangen und hat uns erklärt „manchmal müsst ihr auch vor der Fahrt die Motorhaube öffnen und ein paar Fragen beantworten. Wichtig ist, dass ihr euch merkt: es gibt wartungsfreie und nicht-wartungsfreie Autobatterien. Und bei den nicht-wartungsfreien Batterien muss man die Kapperl aufschrauben und nachschauen, ob genug Schwefelsäure drin ist. Wenn die unter der Markierung steht, muss man destilliertes Wasser nachgießen.“. Der freundliche Technikprüfer, der mich kurze Zeit später in der Mangel hatte, stellt die Frage „was können sie mir über Autobatterien sagen?“. Julia – ganz stolz, weil sie das ja erst ein paar Minuten vorher gelernt hat - „da gibt es wartungsfreie und nicht-wartungsfreie Autobatterien“. Der Techniker – von meinem Stolz gänzlich unbeeindruckt – „und was machen sie bei nicht-wartungsfreien Batterien?“. Ich – immer noch stolz - „da schraube ich die Kapperl auf und schaue nach, ob genug destilliertes Wasser drin ist“. Der Prüfer schüttelt den Kopf und meint nur „nein, da schauen sie nach, ob genug Schwefelsäure drin ist. Und was machen sie, wenn nicht genug Schwefelsäure in der Batterie ist?“. Julia – nun schon nicht mehr so cool und selbstbewusst – „dann kippe ich Schwefelsäure nach?“. Der Prüfer lacht und meint „nein, dann kippen sie destilliertes Wasser nach…“ (warum ich den technischen Part der Führerscheinprüfung mit lauter Plus bestanden habe, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben…).

Aber man muss ja bekanntlich seine eigenen Grenzen kennen und respektieren, von dem her habe ich für mich festgestellt: ich mag viele tolle Eigenschaften haben, aber Technik gehört definitiv nicht dazu. Da gibt es andere Menschen, die dazu um ein vielfaches berufener sind als ich, die ich für ihr technisches Verständnis unendlich bewundere – ja, Techniker sind in Wahrheit meine Helden, meine strahlenden. Und das Leben ist ja auch in Wahrheit komplikationslos, solange ich mit einem technisch versierten Mann durchs Leben gehe.

Problematisch ist die Sache erst, seitdem ich Single bin… Glühbirnen, Sicherungen (natürlich die zum Schrauben, nicht die Automaten zum Umlegen), …, oh ja, das Leben kann schwierig sein, sehr, sehr, sehr schwierig… Und manchmal bietet sich der Beste aller Väter als Retter in der Not an, der mit einem Schraubenzieher bewaffnet meine Probleme souverän vom Tisch wischt. In einigen Bereichen ist aber auch mein Dad hilflos.

Wie zum Beispiel bei meinem neuesten Spielzeug: ein Festplatten-DVD-Rekorder, 160 GB Festplatte, HDMI, Dolby digital und Show View *grunzt* - eine absolut geile Sache. Und dank der Erfindung des Scart- und des Antennenkabels sogar für die blondeste Frau mit einem Fernsehgerät zu verbinden, wenn… ja, wenn da nicht der Dolby digital Receiver wäre, dem man ja auch noch beibringen sollte, dass da ein neues Kastl ist, das ihn gerne kennen lernen würde…

Ich musste einmal den Receiver ausbauen, weil ein Techniker einen Defekt vermutet hat. Seitdem weiß ich, dass ich dieses Ding nie, nie, nie wieder freiwillig anfasse – bitte, das besteht ja nur aus allen möglichen Löchern, wo man alle möglichen Kabel reinstecken kann (und ich bin bis heute dankbar dafür, dass ich damals in einem akuten Anfall von „Geistesblitz“ alle Kabel mit Post-it’s versehen habe, sonst würde ich heute noch rätseln, was genau was ist…). Die Bedienungsanleitung ist ein Buch mit sieben Siegeln, das offensichtlich in Suaheli geschrieben ist – denn ich verstehe kein Wort von dem, was da drin steht. Nein, das Ding greif’ ich freiwillig nicht an.

Also, was tut frau in ihrer Not? Am besten Freunde anbetteln. Hm, dumm, mein bester Freund Christian ist grad zum Segeln unterwegs, und solange warten, bis er wieder in Wien ist – nein, geht nicht. Er hat mir aber – selbstlos, wie er nun mal ist – mal gesagt „bei technischen Problemen kannst du dich auch gerne an meinen besten Freund wenden, der hilft dir da sicher“. Also quasi die moderne Form der „Bürgschaft“: ich lasse den Freund dir als Bürgen, ihn magst du – entrinn’ ich – erwürgen… Also zücke ich das Handy und rufe den besagten Freund an „duhu… ich hab ein Problem, ich brauche Hilfe…“ und schildere ihm kurz den Sachverhalt. Ich brauche gar nicht lange reden, und muss mich nicht wirklich erniedrigen und so richtig zu betteln beginnen – binnen 30 Sekunden hat er mir seine Hilfe zugesagt und verspricht, in einigen Tagen zu mir zu kommen.

Hm… ich habe ihn einmal zum DVD-schauen zu mir eingeladen, und da war die Liste seiner Ausreden ungefähr so lang wie die chinesische Mauer, nur damit er nicht zu mir in meine Wohnung kommen muss. Und bei einem technischen Problem ist er binnen 30 Sekunden bereit, mir zu helfen… Wobei er ja dafür auch in meine Wohnung kommen muss… ich versteh’ den Unterschied zwar nicht, will ihn aber auch nicht wirklich hinterfragen und bin unendlich dankbar, dass er als moderner Ritter des Alltags seinen Feierabend opfert um mir in meiner technischen Not beizustehen.

Und der Mann ist gut… innerhalb von einer Stunde ist alles ordnungsgemäß verkabelt und verdrahtet, der Receiver plaudert mit dem DVD-Rekorder, als ob sie seit Jahren die allerbesten Freunde wären, die Sender sind eingestellt, die Uhr programmiert und ich freu mich wie ein kleines Kind, dass ich jetzt so ein cooles neues Spielzeug habe.

… und spreche hiermit meinem selbstlosen, technischen Ritter meinen aufrichtigsten und tiefsten Dank aus – ich würde mich gerne mit einem tollen Abendessen bei dir revanchieren, nicht, weil ich es muss, sondern weil es mir ganz einfach ein Bedürfnis ist…

Samstag, 20. Oktober 2007

Murphy's Gesetz

Manchmal frage ich mich, ob es in jedem Menschen einen Selbstzerstörungsknopf gibt. Einen kleinen roten Knopf, der verführerisch blinkt und uns lockt, darauf zu drücken. Das Problem mit Verlockungen ist ja, dass wir ihnen nur sehr schwer widerstehen können. Und dieser Knopf ködert uns auf diese besondere Art und Weise, denn irgendwie glauben wir ja trotzdem, dass sich dahinter der eine-Million-Euro-Jackpot verbirgt, und wenn wir drauf drücken, dann löst sich alles in Wohlgefallen auf…

Manchmal sollte man aber einfach glauben, was draufsteht: ein Selbstzerstörungsknopf ist ein Selbstzerstörungsknopf ist ein Selbstzerstörungsknopf… Aber warum stürzen wir uns immer wieder freiwillig selbst ins Verderben, wie der Lemming, der dem Abgrund entgegen läuft und auf den letzten Metern noch die Geschwindigkeit steigert, nur damit er den Absprung ja nicht verpasst?

Bei einigen Dingen weiß man im Vorfeld bereits, dass sie einem nicht gut tun, auch wenn man sie nicht ausprobiert hat. Jeder weiß, dass es schmerzt, wenn man die Hände ins Feuer hält – das muss man im Vorfeld nicht testen. Unser Selbsterhaltungstrieb hält uns davon ab, mit dem Kopf gegen eine Wand zu schlagen, uns spitze oder scharfe Gegenstände in den Körper zu rammen oder uns irgendwelche Körperteile abzuschneiden. Warum hält er uns davon ab? Weil wir dem Körper damit Schmerzen zufügen würden. Bei einigen Bereichen funktioniert dieser Selbstschutz allerdings nicht so, wie er sollte…

„Messer, Gabel, Schere, Licht,…“, ja das gilt schon alles, und wir wissen ja zum Beispiel auch, dass Alkohol schädlich ist. Dennoch gibt es so gewisse Situationen, wo wir uns freiwillig die Kante geben, einfach, um den Moment zu vergessen. Dass der Kater am nächsten Tag trotzdem da ist und erbärmlich maunzt und uns schlecht ist wie nur was, das verdrängen wir, während wir das Glas heben. Wobei grad Alkohol besonders gefährlich sein kann: er kann enthemmen, sodass wir am nächsten Tag neben einem Unbekannten aufwachen und uns fragen, wie wir in diese Situation gekommen sind (und inständig hoffen, dass das mit den Kondomen wirklich funktioniert). Er kann redselig machen, sodass wir Menschen unser Innerstes offenbaren, was wir ihnen in nüchternem Zustand nie im Leben verraten hätten (und was diese wahrscheinlich auch im betrunkensten Zustand nie von uns erfahren hätten wollen), wofür wir uns noch Wochen danach im hintersten Winkerl vor lauter Peinlichkeit verkriechen möchten. Oder er macht gefühlsduselig, indem er Liebeskummer verstärkt, und man genau den gegenteiligen Effekt von dem erzielt, was man ursprünglich geplant hat: statt wie ein Stein ins Bett zu fallen und traumlos zu schlafen, sitzt man heulend vor dem halbvollen Glas und verbraucht packerlweise die Tempos. Und hab ich schon die Übelkeit am nächsten Tag erwähnt, die biblische Ausmaße annehmen kann? Da schlägt man mit einer Klappe gleich einen ganzen Haufen Fliegen: es ist einem schlecht, man fühlt sich schlecht, und man sieht verdammt schlecht aus…

Aber die Unvernunft kann auch in anderen Bereichen lauern. Ich weiß, dass ich mit meiner Laktoseintoleranz keine Milchprodukte essen soll. … und dennoch lagern in den Tiefen meines Tiefkühlers, zwischen den eingefrorenen Zucchini und dem Weinkühler, zwei große Packungen Häagen Dazs – einfach für den Notfall. Und wenn der Notfall kommt, wo eine Frau einfach Eiscreme braucht, um ein Drama zu überwinden, dann grabe ich es aus und löffle eine große Portion Eis, auch, wenn ich ganz genau weiß, wie sehr ich das am nächsten Tag bereuen werde.

Ja, wir tun uns absichtlich weh. Wissentlich. Mit Vorsatz. Und vollem Bewusstsein. Es kommt gar nicht so weit, dass Engelchen und Bengelchen auf der Schulter sitzen und sich drum streiten, was tun. Und ich glaube auch nicht, dass auf meiner Schulter nur ein Teufelchen sitzt, der mir all die Dinge einflüstert, die ich vielleicht am nächsten oder spätestens am übernächsten Tag bereue. Eher hab ich das Gefühl, dass der kleine Engel auf meiner Schulter resigniert mit seinen Flügeln zuckt und meint „is a scho’ wurscht…“. Stellt sich nur die Frage: warum zum Henker tun wir das? Was ist der tiefere Sinn dahinter? Sind wir alle heimliche Masochisten, die verzweifelt jemanden suchen, der ihnen Schmerz zufügt, und wenn sie niemanden finden, dann fügen sie sich selbst diesen Schmerz zu? Oder sind wir schon so abgestumpft gegenüber uns selbst, dass wir uns selbst nur noch wahrnehmen, wenn es so richtig weh tut?

Ich glaube nicht, dass ich bewusst jenen Weg wähle, der mir am meisten Leid zufügt. Denn in Wahrheit sehne ich mich genauso nach dem berühmten „Friede, Freude, Eierkuchen“ wie jeder andere Mensch auch. Und ja, ich hätte auch gerne, dass der Weg dorthin nicht mit Dornen gepflastert ist, sondern mit Rosenblättern bestreut. Aber wie hat’s meine Omi früher so schön gesagt „das Leben ist kein Wunschkonzert“. Es gibt nun mal einige Dinge im Leben, für die man kämpfen muss, wenn man sie haben will. Und bei denen man sich im Vorfeld überlegen muss, welchen Einsatz man wagt, um sie zu bekommen – und ob sie diesen Einsatz auch wert sind. Es sind dies alle jene Dinge, bei denen ich – nüchtern betrachtet – sofort sagen müsste: Finger weg, Julia, das kann nur in einem Chaos enden. Und du wirst bei der Geschichte so was von tierisch auf die Schnauze fallen. Das kann einfach nicht gut gehen. Und du wirst es bereuen, dass du das versucht hast. Ja, vielleicht…

… aber vielleicht geht’s ja doch gut. Vielleicht versagt in diesem einen Fall Murphy’s Gesetz und es geht nicht schief. Es ist einfach diese Hoffnung auf die Belohnung, die mir hinterher winkt, das unglaubliche Glücksgefühl, dass es doch geklappt hat, die mich weiter nach vorne treibt. Und es mag sein, dass mein Finger dabei immer ein kleines bisschen am Selbstzerstörungsknopf vorüberschrammt. Bleibt nur zu hoffen, dass ich ihn nie drücke…

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Romance

Partnersuche in den Thirties… ein schwieriges Unterfangen. Als Teenager war das Ganze sehr viel einfacher: man hat für jemanden geschwärmt, hat mit Herzklopfen an den Betreffenden gedacht, hat Herzchen in die Schulhefte gemalt... Und wenn dann da jemand war, der die Gefühle erwidert hat, dann war ein Strauß roter Rosen oder ein Candlelight-Dinner das absolute Non-plus-ultra, und wenn wir böse aufeinander waren, hat ein kleiner Teddybär alles wieder ins Lot rücken können. Beim ersten Kuss war es, als würde die Welt stehen bleiben, und beim ersten Sex wussten wir, dass wir uns an diesen Augenblick für den Rest unseres Lebens erinnern würden…

20 Jahre später sieht die Welt anders und ein bisschen nüchterner aus… Was ist aus den Mädchenträumen geworden, aus dem Ritter auf dem weißen Ross und der Traumhochzeit im weißen Kleid? Warum lassen wir uns nicht mehr Hals über Kopf in das Abenteuer „Liebe“ hineinfallen, sondern schmieden Pläne, die eines Napoleons würdig wären, um nicht ein Waterloo zu erleben?

Irgendwann hat auch mal die glücklichste und ausgeglichenste Singlefrau genug von ihrem Singledasein, und sie macht sich auf die Suche nach ihrem persönlichen McDreamy. Ich gestehe, ich ertappe mich selbst regelmäßig dabei, dass ich – wenn ich einen Mann kennen lerne – einen unauffälligen Blick auf den Ringfinger seiner rechten Hand werfe, ob da etwas verräterisch glitzert und funkelt (by the way: ich wäre dafür, dass es ein Gesetz geben muss, dass verheiratete Männer verpflichtend ihren Ehering tragen müssen – frau weiß dann sofort, woran sie ist und es gibt keine falschen Hoffnungen – das Leben wäre unendlich einfacher, es würden weniger Herzen gebrochen werden und die Taschentuchindustrie müsste am Hungertuch nagen, weil wir die Tränenströme nicht mehr mit Familienpackungen an Tempo’s trocknen müssten. Und auch die allzeit beliebten Scheidungsanwälte bräuchten dann zumindest ein zweites Fachgebiet, um die monatlichen Rechnungen noch zahlen zu können). Aber wenn an besagtem Ringfinger nicht das Brandzeichen einer anderen Frau prangt, dann bemerke ich auch, dass ich mit dem Mann anders rede, sofern er in mein Beuteschema passt – ich lache mehr, spiele mit meinem Haar herum und halte intensiven Augenkontakt. Wenn ich dann dein Eindruck bekomme, dass meine Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen, dann scheue ich mich auch nicht, ein „hast Lust, mal was trinken zu gehen?“ fallen zu lassen.

Und dann? Tja, dann ist es da, das berühmte Date… The moment of truth, wo alle Beteiligten den beliebten Eiertanz versuchen, indem sie herausfinden wollen, was wohl der Andere denkt und fühlt und selbst nur einen minimalistischen Teil von sich selbst preis geben wollen – man will ja schließlich nicht auf die Nase fallen und sich lächerlich machen. Ganz schlimm ist es, wenn einer von Beiden oder – Katastrophenfall - beide schüchtern sind, dann kann ein Date schon mal die Ausmaße einer antiken Tragödie annehmen (und auch, wenn mir das jetzt keiner glaubt, aber ja, auch ich kann recht schüchtern sein – schließlich habe auch ich Angst vor der Zurückweisung…).

Aber beim ersten Date ist frau ja noch für alles offen. Und da ich ja auch zu der Kategorie Frauen gehört, die in Wahrheit erobert werden möchte, ist das erste Date die Spielwiese des Mannes. Da darf er alle seine Stückerl runterspielen, um sein Jagderlebnis zu genießen und mich schlussendlich zu gewinnen. Blöd ist es nur, wenn diesbezüglich nichts passiert. Ja, der Abend war super nett, und ich hab auch den Eindruck, dass er ihn genauso genießt wie ich, aber irgendwie… da kommt nichts. Kein „darf ich dich heimbringen“ und kein „ich möchte dich wieder sehen“ und schon gar kein „was hast du nächsten Samstag vor“. Sondern einfach dieser magische Moment, wo man das Gefühl hat, dass Beide darauf warten, dass jetzt irgendwas passiert – und dann fährt die U-Bahn ein, man verabschiedet sich hastig, dreht sich um und steigt ein (sch... Wiener Verkehrsbetriebe, unübertroffen immer zum genau falschen Zeitpunkt da...). Und dabei war doch der ganze Abend vorher so perfekt und die Funken sprühten wie bei einem Feuerwerk – sehr verwunderlich, das Ganze…

Was macht die weise Frau in diesem Fall, wenn sie keine Ahnung hat, was sie von der Geschichte halten soll? Nun, zuerst natürlich ein bisschen Zeit vergehen lassen und dann mal das Objekt der Begierde anrufen. Ein nettes Geplaudere am Telefon, dann der Vorschlag „das könnten wir doch viel gemütlicher bei einem Bier weiter diskutieren, oder was meinst du?“. Ja, können wir sehr gerne machen. Haha, Schurke, erwischt, denn es ist schließlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Mann nur dann was mit einer Frau trinken geht, wenn er Interesse an ihr hat… Das ist dann der Moment, wo ich anfange, mir Unmengen an Strategien zu recht zu legen, um die Geschichte etwas ins Laufen zu bringen.

Das zweite Date hat dann den Charakter „werfen wir ihm Hölzchen zu und schauen wir mal, ob er drauf anbeißt“. Wie wär’s mit Kino… Kino ist immer gut, man ist gezwungen, eine gewisse Zeit nebeneinander zu sitzen, es ist meist recht eng und es ist dunkel. Die Filmauswahl überlasse ich gerne dem Mann (hab ich ein Glück, dass ich Action- und Kriegsfilme liebe…) – er soll sich ja auch wohl und sich nicht in einen „Frauenfilm“ gezerrt fühlen… Für mich der positive Nebeneffekt ist, dass ich bei grauslichen Szenen nicht hinsehen kann, sondern wegschauen muss und jemanden neben mir brauche, der „kannst schon wieder hinschauen“ sagt. Und mein Begleiter somit uneingeschränkt seinen Beschützerinstinkt ausleben kann, indem er meine Hand hält oder den Arm um mich legt. Während des Films beobachte ich mein Date auch immer ein bissl aus dem Augenwinkel, um die Situation abzuchecken. Hm, blöd, dem gefällt der Film vorne genauso wie mir… Vielleicht doch keine gute Idee, wenn der Mann den Film aussucht, vielleicht wäre es klüger, einen Film zu wählen, der ihm nicht so zusagt, dann konzentriert er sich weniger auf das Geschehen vorne auf der Leinwand, sondern mehr auf mich… Nach dem Kino der nächste Versuch: demonstratives Frieren gepaart mit unüberhörbarem Zähneklappern (soll heißen „mir ist kalt – kannst du bitte den Arm um mich legen und mich ein bisschen wärmen“). Funktioniert auch nicht wirklich…

Ich muss gestehen, für ein drittes Date habe ich noch keinen Plan in der Schublade liegen. Von meinem Freund Christian habe ich mal den Tipp bekommen „den Mann schnappen, betrunken machen, ins Bett schleppen und am nächsten Morgen vor vollendete Tatsachen stellen“. Aber das ist doch sooooooo unromantisch… ob ich für so drastische Maßnahmen wohl schon verzweifelt genug bin? Oder bin ich schlichtweg zu ungeduldig, wer weiß?

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Merry Christmas everyone

Alle Jahre wieder bekomme ich Ende August im Supermarkt den ersten akuten Grant-Anfall, wenn ich die erste Lieferung an Spekulatius und Lebkuchen sehe – und draußen hat’s 30 Grad oder mehr. Im Oktober, wenn wir noch den schönsten Altweibersommer genießen, wird die Vorweihnachtszeit schon konkreter, die Lebkuchenberge werden höher und die Einrichtungshäuser verschicken Kataloge mit Werbung für Kerzen und Kugeln. Diese Woche Montag hat mich Andi Knoll am Nachmittag zu Tode erschreckt, als er für einige Sekunden „Last Christmas“ von Wham angespielt hat, und die Tatsache verkündet hat, dass in 77 Tagen Weihnachten ist…

77 Tage… oder 11 Wochen… oder fast 3 Monate – es sollte doch noch mehr als genug Zeit bis zur Vorweihnachtszeit sein, aber der Handel hat nun mal beschlossen, dass das Geschäft schon beizeiten angekurbelt werden muss. Und so sehe ich schon mit leisem Grauen der vorweihnachtlichen Dauerberieselung mit den Weihnachtsklassikern im Radio und den Geschäften entgegen – irgendwie muss man ja in Weihnachtsstimmung versetzt werden, und wenn’s von alleine nicht geht, dann wendet man eben Gehirnwäsche an.

Wobei ich nicht verstehe, warum wir uns jetzt schon mit Weihnachten beschäftigen müssen, steht uns doch zuerst ein anderer amerikanischer Import ins Haus: Halloween. Vor einigen Jahren noch ein Spleen unter Verrückten, hat sich diese Sitte mittlerweile auch bei uns eingebürgert. Seit zwei Jahren gehen auch die Kinder in meinem Haus verkleidet von Wohnung zu Wohnung, läuten an den Türen und flüstern „Süßes sonst gibt’s Saures“ (wobei sie ihre Drohung bis jetzt noch nie wahr gemacht haben, nicht mal die Türmatten werden versteckt…). Von den zumeist älteren Bewohnern meines Hauses werden sie immer ziemlich verständnislos angeschaut und ich lasse sie jedes Jahr die Süßigkeitenschale, die ich für Besucher zuhause stehen habe, plündern. Ok, ich hab mich schon damit abgefunden, dass wir jetzt einen Feiertag mehr im Jahr haben, aber können wir bitteschön die Reihenfolge einhalten und erst Halloween feiern und dann mit der Vorweihnachtszeit beginnen? Wäre ja ohnehin noch mehr als nur früh genug, wenn wir mit Allerheiligen die Maronistände und den Lebkuchen täglich vor die Nase gesetzt bekämen…

Ja, die Maronistände… heuer ist mir in Heiligenstadt aufgefallen, dass der Eiskiosk nahtlos vom Maronistandl ersetzt wurde. Und im schönsten und sonnigsten Altweibersommer seit langem stehen die Menschen Anfang Oktober Schlange und kaufen Maroni, wo mir in der strahlenden Nachmittagssonne eher noch nach einem Eisbecher zumute wäre.

Und es dauert auch nicht mehr allzu lange, und dann schießen die Punschstandl’n und die Christkindlmärkte wie die Schwammerl aus dem Boden. Gab’s zu meiner Kinderzeit nur den großen Christkindlmarkt vor dem Rathausplatz, so hat sich das in den letzten 15 Jahren auch geändert, und jeder größere Platz in Wien fühlt sich berufen, einen Christkindlmarkt dort aufzustellen. Und die Tourismuswirtschaft frohlockt, denn das weihnachtlich geschmückte Wien zieht auch die Touristen magnetisch an. Und statt, dass man die „stillste Zeit des Jahres“ mit Freunden und Familie beschaulich verbringt, verfallen alle im Kollektiv in einen Konsum- und Punschrausch, sodass kein Auge trocken bleibt.

Wobei man mich bitte nicht missverstehen mag: ich mag Weihnachten. Und ich gehe auch gerne auf Christkindlmärkte. Allerdings beginnt für mich die Adventzeit, wenn ich das erste Fensterl im Adventkalender aufmachen darf – und das ist halt nun mal der 1. Dezember. Vorher nervt mich der Rummel einfach nur tierisch. Ab dem 1. Dezember trifft man mich ab und zu auf Christkindlmärkten, so um den 20. Dezember mache ich mich auf die Suche nach meinem Christbaum, und am 24. Dezember wird der Baum aufgestellt, geschmückt, die Eltern und die Omi kommen zur Jause zu mir auf Besuch und der Heilige Abend wird in aller Stille im Kreis der Familie verbracht, wo wir die Zeit miteinander einfach nur genießen und an den Kekserln knabbern.

Ich liebe es auch, am Heiligen Abend so gegen 20 Uhr auf die Straße zu gehen – es sind kaum Autos unterwegs, alles ist ruhig und still… und um Mitternacht läuten dann die Glocken zur Christmette. Diese Stille ist für mich das Beschauliche an Weihnachten. Der ganze Wirbel vorher – der bringt mich nur zum Kopfschütteln.

Aber ich bin ja grundsätzlich kein Spielverderber. Also verkünde ich die Devise des heurigen Exzesspunschens „Alle Jahre wieder und in keinem Jahr trocken“. Und wünsche heute, am 11. Oktober, allen schon eine besinnliche Vorweihnachtszeit…

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Dienstag, 9. Oktober 2007

Gesünder leben

Gerade bin ich im online-Standard über einen interessanten Artikel gestolpert: Menschen, deren Beziehung konfliktreich ist und in deren Partnerschaft häufig gestritten und viel kritisiert wird, haben ein um 1/3 höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schmerzen in der Brust. Außerdem hat eine Studie ergeben, dass man an gebrochenem Herzen sterben kann.

Puh, da hab ich dann ja ein Massel, dass ich – natürlich streng im Interesse meiner eigenen Gesundheit – als Single mein Dasein friste. Ich genieße das Privileg, selten bis gar nie streiten zu müssen. Im Büro ist es mir die Aufregung und den Ärger nicht wert, da denke ich mir im Bedarfsfall meinen (meist nicht sehr charmanten Teil) über die Kollegen, in der Familie herrscht Harmonie, und meine Freunde liebe ich so, wie sie sind. Und mit mir selbst bin ich zum Glück in der Regel auch einer Meinung, also gerate ich auch mit mir nicht aneinander. Und die Katzen haben ohnehin Narrenfreiheit und immer Recht. Meiner (natürlich sehr subjektiven) Meinung nach kann ich auch mit Kritik gut umgehen, denn wenn sie konstruktiv ist, versuche ich, die Anregungen und Vorschläge umzusetzen, wenn sie destruktiv ist, kommt wieder das oben angeführte zum Zuge: mich drüber ärgern ist mir die Mühe nicht wert. Und so kommt es, dass ich ausgesprochen ausgeglichen und zufrieden mit meiner Welt bin. Die Magengeschwüre sollen bitteschön die Anderen bekommen.



Aber woran liegt’s, dass in unseren Beziehungen soviel gestritten und kritisiert wird? Man verliebt sich, beginnt ein gemeinsames Leben und auf einmal fliegen die Fetzen. Lässt uns die anfängliche Verliebtheit großzügig über Fehler des Partners hinweg sehen, und wirkt der anschließende Beziehungsalltag wie ein Vergrößerungsglas, das alle Schwächen und Fehler des Anderen übernatürlich vergrößert? Vor allem: die ganzen Schwächen und Fehler laufen uns ja nicht von heute auf morgen überraschend zu – die waren ja vorher schon da. Von dem her verstehe ich nicht, warum sich Menschen ineinander verlieben, und dann auf Biegen und Brechen den Partner zu ihrem Idealbild formen wollen.

Alexander Pope hat es sehr treffend formuliert „irren ist menschlich, vergeben göttlich“. Wir alle sind Menschen, und Menschen machen nun mal Fehler. Und ich gestehe sogar, ich mag meine Fehler. Den Einen vielleicht mehr und den Anderen vielleicht weniger, aber jeder Fehler, den ich in meinem Leben begangen habe (und das waren mehr als genug) hat mich ein Stückchen weiter gebracht. Weil ich eben die Art Mensch bin, der nur aus eigenen Fehlern lernt. Und so haben mich die vielen, vielen Fehler, die ich begangen habe, zu dem gemacht, was ich heute bin. Einige meiner Schrulligkeiten sind vielleicht besonders liebenswert, für andere mag man mich sicher erschlagen. Aber ich bin, wie ich bin – und ich versuche jeden Tag, den Menschen aus mir zu formen, der ich sein möchte. … aber ich verbiege mich nicht, um anderen zu gefallen… Ich würde nicht sagen, dass ich meinen Mitmenschen ihre Fehler „vergebe“ (wer bin ich schon, dass ich einem anderen Menschen etwas zu vergeben habe?), aber ich versuche, ihre Fehler als Teil ihrer Persönlichkeit zu sehen. Als diesen einen, besonders individuellen Part ihres Seins, für den ich sie vielleicht ganz speziell schätze.

Ich denke, das Kernproblem ist, dass wir auf der Suche nach dem „perfekten Partner“ sind. Weil wir natürlich der Meinung sind, dass wir selbst so unglaublich toll sind und deshalb einen makellosen Menschen an unserer Seite verdient haben. Wenn dann vom vermeintlichen Traumprinzen der Lack abbröckelt, fühlen wir uns betrogen – weil wir ja in unseren Augen ein Recht auf den perfekten Partner haben. Und uns der Mensch an unserer Seite diesen perfekten Partner vorenthält… Also versuchen wir, unseren Partner umzuerziehen, zuerst auf die freundliche Art, und irgendwann wird der Umgangston etwas rauer und herrischer. Wir nörgeln und werden immer unzufriedener. Und entfernen uns immer mehr von dem Menschen, der wir waren, als sich unser Partner in uns verliebt hat…

Ich finde, jeder sollte die notwendige Größe besitzen, um seine eigenen Fehler zu erkennen und sie – wenn man sie an sich selbst nicht ändern möchte – zu akzeptieren. Und mit dem Wissen, dass man selbst nicht fehler- und makellos ist, muss man tolerieren, dass auch der Partner seine Ecken und Kanten und Eigenheiten hat. Dazu gehört natürlich auch, dass einem für diese Erkenntnis nicht das eigene Ego im Weg steht. Aber wenn man diesen geübt-selbstkritischen Blick an sich selbst anwenden kann, dann glaube ich auch, dass man in der Lage ist, mit einem Augenzwinkern über die Nicht-Makellosigkeit des Partners hinwegzusehen. Denn ich glaube, wenn ich den Menschen an meiner Seite so sehr verändert habe, bis er meinen Erwartungen entspricht – dann ist es nicht mehr der Mensch, in den ich mich verliebt habe. Ich erwarte von meiner Umwelt, dass sie mich so akzeptiert, wie ich bin – im Gegenzug muss ich meinen Mitmenschen aber dieselbe Toleranz entgegenbringen. Alles andere wäre meiner Meinung nach kleingeistig und falsch.

Von dem her habe ich mit mir ausgemacht, dass ich die Menschen so nehmen möchte, wie sie sind – mit allen Vorzügen und Fehlern. Und hoffe, dass sie im Gegenzug das Gleiche mit mir tun. Damit ich nicht eines schönen zukünftigen Tages, wenn ich meinen McDreamy gefunden habe, ihn nicht bei einem Bier zu seinen Kumpels sagen höre: „Es stimmt nicht, dass liierte Männer länger leben – es kommt ihnen lediglich länger vor…“

Samstag, 6. Oktober 2007

Cupido

Wir haben ein sehr verklärtes Bild vom Verliebt-sein. Ein kleiner, geflügelter Gott, der sich zwei wehrlose Opfer sucht, flink zwei Pfeile abschießt und sich ins Fäustchen kichert, wenn beide Pfeile getroffen haben und sich die beiden Menschen dann strahlend in die Arme fallen und bis zum Ende ihrer Tage glücklich und zufrieden miteinander sind. Der Himmel hängt voller Geigen, das frischgebackene Paar wird von Rosenblättern umweht und die Sonne lächelt dazu…

… ich persönlich glaub ja, dass der süße Gott Amor in Wahrheit ein ziemliches G’frast ist. Einer, der sich auf seinem Wölkchen auf die Lauer legt, alles ins Visier nimmt, das ihm vor den Bogen läuft, seine Pfeile in Heckenschützen-Manier wahllos abfeuert, und sich dann diebisch über das Chaos, das er so anrichtet, freut. Unser aller Leben wäre mit Sicherheit unendlich leichter, wenn der Bengel nicht so ein verzogener Fratz wäre, der sich an unseren leidenden Herzen so sehr weidet... Oder kann es sein, dass ich den kleinen, geflügelten Liebesboten verkenne? Vielleicht ist der Ärmste ja gar nicht boshaft, sondern schlichtweg massiv kurzsichtig, der grad mal vier Zentimeter weit scharf sieht, und alles, was dahinter liegt, ist unscharf und verschwommen…

Aber schon die alten Griechen haben ihren Göttern zutiefst menschliche Charaktereigenschaften zugeschrieben. Und von demher glaube ich, dass Bosheit ganz gut zu dem kleinen, geflügelten Bengel passt. Außerdem: wenn er tatsächlich so kurzsichtig wäre, dann wäre er sicher schon von seiner Wolke gepurzelt oder gegen einen Brückenpfeiler geflogen. In jedem Fall hätte er sich sicher schon vor ein paar tausend Jahren den Hals gebrochen und würde jetzt nicht solche Unruhe unter uns Menschen stiften.

Meine Freundin Lisa hat es mal trefflich wie folgt formuliert „Ich frag’ mich nur, ob Amor seine Pfeile absichtlich so bescheuert asymmetrisch verschießt“. Und meine Freundin Ambi knurrt in einem mail an mich „Cupido ist ein Loser und gehört zur Nachschulung!“. Ja, ich glaube, dass Absicht dahinter steckt. Dass wir in Wahrheit nur zu Amors Unterhaltung dienen, der sich auf seinem Wolkerl kropfert lacht über uns. Denn wie kann es sonst kommen, dass wir uns in Vorgesetzte, Gebundene oder schlichtweg Bindungsunwillige verlieben? Wenn wir bewusst entscheiden könnten, wem wir unser Herz schenken wollen, wäre das Leben doch viel einfacher und komplikationsloser. Wir würden nicht sinnlose Hoffnungen hegen, würden uns vor dem Angebeteten nicht lächerlich machen, würden nicht all diese Verrücktheiten tun, die wir im Überschwang der Gefühle so fabrizieren. …und bräuchten nicht Tonnen an Tempo-Taschentüchern, wenn unser Herz mal wieder in tausende Stücke zerbrochen am Boden liegt.

Ein weiterer Vorteil von dem Konzept wäre auch, dass wir das Verliebt-sein auch viel besser timen könnten. Denn manchmal passt uns Herzeleid und Gefühlschaos einfach nicht ins Konzept, sei’s, weil unser Leben grad schon kompliziert genug ist, sei’s, weil wir im Job Stress haben, sei’s, weil wir grad Ärger mit der Familie haben. Und justament in diesem Augenblick kommt dann auch noch die liebe Liebe dazu, die sich in unseren Kopf und unser Herz drängt, die es macht, dass wir im Büro am Schreibtisch sitzen und verträumt in die Gegend starren, mit einem verklärten Lächeln im Gesicht, und die uns noch mehr ins Chaos stürzt – das hamma wieder braucht wie einen Stein am Schäd’l… Denn ja, es mag schon sein, dass diese umwerfende Person, die da grad vor uns steht, und deren Anwesenheit wir so unendlich genießen, die Person ist, die uns vom Universum als Partner zugedacht worden ist. Nur ist sie uns halt zum denkbar beschissensten Zeitpunkt über den Weg gelaufen. Würden wir ihr doch in einem Jahr begegnen, dann hätten wir alles, was uns im Augenblick so im Weg steht, weggeräumt und könnten dieses überwältigende Gefühl, dass wir in der Gegenwart unserer Person empfinden, uneingeschränkt genießen… Wir hätten uns im Job selbst verwirklicht, hätten das Familienleben auf die Reihe gekriegt und könnten uns ganz auf die Liebe und auf den geliebten Partner konzentrieren.

Würden wir wirklich? Oder wäre es nicht vielmehr so, dass wir vielleicht das Problem, das uns im Augenblick Schwierigkeiten bereitet, zwar aus dem Weg geschafft hätten, uns das Leben aber im Gegenzug etliche neue Stolpersteine vorbeischicken würde – Hindernisse, die wir vorher nicht kommen sahen? Und so schieben wir die Liebe wieder und wieder vor uns her, weil’s grad so gar nicht in den Zeitplan passt, und warten weiterhin geduldig auf den perfekten Augenblick. Und dann, eines Tages, blicken wir zurück und stellen fest, dass wir in unserem Leben viel zu wenig geliebt haben. Und bedauern womöglich, dass wir all die Chancen, die sich in den vorangegangenen Jahren ergeben haben, nicht genutzt haben…

Ich für mich möchte nicht, dass ich mal zurückblicke und über mich sage „ich habe in meinem Leben zu wenig geliebt“. Und somit nehme ich jeden fehlgeleiteten Pfeil von Amor dankbar an. Mag sein, dass ich mich immer in Männer verliebe, die mir nicht gut tun. Dass ich mir aus einem Raum mit 100 Singlemännern mit sicherem Griff den einen Mann rausfische, der im Augenblick grad überhaupt keine Beziehung mag (mit dem Talent sollte ich zu „wetten, dass…“ gehen). Dass sich eine Liebesbeziehung grad überhaupt nicht mit meinem stressigen Job vereinbaren lässt. Ja, das mag alles sein… Aber soll ich dir was sagen, Amor? Das ist mir völlig wurscht, denn selbst, wenn ich auf die Nase falle und meine Liebe nicht erwidert wird und am Ende des Tages mein Herz wieder mal zerbrochen vor mir auf dem Boden liegt – in meinem Bauch fliegen wenigstens die Schmetterlinge. Und das ist ja in Wahrheit das, lieber Amor, worum du mich so unendlich beneidest…

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Feindbilder

Ich glaube, meine Eltern haben bei mir ganz gute Arbeit geleistet, was die Erziehung angeht. Ich kann „bitte“ und „danke“ sagen, bin höflich, freundlich und sogar stubenrein. Zwei Sätze haben meine Kindheit immer besonders geprägt „wie man in den Wald hinein ruft, so kommt’s zurück“ und „was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andren zu“. Und ich versuche, mich an diese Sätze zu halten – ich bin im ersten Schritt zu den Leuten immer nett und freundlich und teile auch nie mehr aus, als ich selbst einzustecken bereit bin. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich das gleiche Verhalten dann von meinen Mitmenschen mir gegenüber erwarte. Und wenn man mir nicht dieselbe Freundlichkeit erweist, die ich den Menschen entgegenbringe, dann kann ich mich darüber sehr echauffieren…

Hurra, wir sind übersiedelt! In ein schönes Gebäude, und für mich verkehrsgünstigst gelegen. Zusätzlich arbeiten in unserem Nachbarunternehmen zwei liebe Freunde von mir, und mein Unternehmen darf die Kantine mitbenützen. Ich freue mich schon die ganze Zeit auf die Übersiedlung, sehe ich doch meine Freunde häufiger.

Tag 1
Wir packen im Büro mühsam alle Kisten aus, schlichten alles mögliche Klumpert von links nach rechts und wieder zurück und zittern, ob wohl alle Pflanzen die Übersiedlung heil überstanden haben. Da unsere Kaffeemaschine den Weg noch nicht zu uns gefunden hat, beschließen meine Kollegen und ich, die Nachbarskantine auszuprobieren. Also schnappen wir uns Dienstausweis und Essensberechtigungskarte und machen uns gut gelaunt auf den Weg ins Nebengebäude. Wir marschieren in das Gebäude hinein, grüßen fröhlich und halten dem Portier beide Karten entgegen. Rasch werden wir gestoppt. Und bekommen einen dreiminütigen Vortrag darüber gehalten, auf welche Art und Weise Dienstausweis und Essensberechtigungskarte vorgezeigt werden müssen, damit wir passieren dürfen – in einem Tonfall, als ob der Portier in seinem früheren Leben Gefängnisaufseher in Ostsibirien gewesen wäre… Abgesehen davon: aus über einem Meter Entfernung sieht das Bild auf meinem Dienstausweis nur noch wie ein heller Fleck auf hellem Hintergrund aus, der Portier kann mir unmöglich erklären, dass er mich auf diese Entfernung auf dem Foto erkennt.

Die Laune wird uns durch diese Aktion natürlich gründlich getrübt und dementsprechend nörgelig sind wir, als wir endlich in der Kantine ankommen und das Essen probieren. Wehmütig stochern wir auf unseren Tellern herum und jammern, wie sehr wir doch unsere „alte“ Kantine vermissen und die lieben Leute, die wir im alten Gebäude zurückgelassen haben.

Tag 2
Von den Ereignissen des Vortages doch etwas gebrandmarkt, sind wir schon nicht mehr ganz so euphorisch, als wir zum Mittagstisch trotten. Aber vielleicht hatten wir auch nur einen schwierigen Start. Wir schmettern dem Portier ein freundliches „Grüß Gott“ über die Budl und werden wieder von dem Typen niedergeblafft. Mein Kollege meint „irgendwann kochen wir ihn schon weich, dann muss er einfach nett zu uns sein“. Ich erwidere lediglich resigniert „ich will mich mit diesem Menschen nicht mehr beschäftigen, als ich eigentlich muss“ – die Lust aufs Essen ist mir wieder gründlich vergangen.

Tag 3
Naja, Essen muss schließlich sein. Also brechen wir mit einem gewissen Unbehagen Richtung Kantine auf. Beim Eingang ein Hochgefühl – hurra, es ist ein anderer Portier als an den beiden Vortagen! Das kann ja dann nur besser werden! Brav halten dem anderen Portier alle Karten unter die Nase – vorschriftsgemäß, so wie wir es ja gelernt haben. Der Portier sieht uns an, hebt eine Augenbraue hoch und blafft „sie haben Zutrittsberechtigung bis 13:30 Uhr, jetzt ist es 13:31 Uhr, ich lasse sie heute ausnahmsweise noch einmal durch…“. Ich bringe nur ein „wie bitte?“ hervor. Der Kollege ist ebenso penibel wie unhöflich „ich hab das hier schriftlich“. Jaja, das glauben wir ihnen schon. Müssen wir jetzt jedes Mal eine Uhrenkontrolle machen, bevor wir unser Office verlassen? Zum Überfluss sind in der Kantine dann die Schnitzerl schon mehr als nur knusprig, die Stimmung ist im Keller, die Kollegen beschließen, dass sie nur noch sehr eingeschränkt „zum Feind“ essen gehen werden und ich bin quengelig. Und tröste mich mit dem Gedanken, dass es nun ja wohl nicht mehr schlimmer kommen kann…

Tag 4
… und sehet, es kam schlimmer… Ich vereinbare mit meiner Freundin Marlene, die im Nachbargebäude arbeitet, dass wir gemeinsam Mittag essen gehen. Als Treffpunkt schlägt sie den Parkplatz zwischen unseren beiden Gebäuden vor. Also schnappe ich mir kurz vor Mittag Dienstausweis und Essensberechtigungskarte (allein bei dem Wort vergeht mir der Appetit), trotte Richtung Nebengebäude und biege vor dem Eingang zum Parkplatz hin ab.

Auf einmal höre ich hinter mir ein herzhaft gebrülltes „halt, wohin des Weges?“. Ich bremse mich ein (überlege kurz, ob ich wohl die Hände über den Kopf heben soll), drehe mich um und sehe, dass mir der Portier vom Vortag hinterher sprintet. Puh, hab ich ein Massel, dass der private Wachdienst unbewaffnet ist – der Gesichtsausdruck jagt mir nämlich eine ziemliche Angst ein. Ich schau den Portier an wie die berühmte Kuh das noch berühmtere Scheunentor und stammle ein „ich treffe mich hier mit einer Mitarbeiterin ihres Hauses“. Ja, das kann ich gern auf der Straße machen, das hier ist Privatgrund und ich soll schleunigst schauen, dass ich von dort wegkomme.

Ich bin ob des rüden Umganges doch etwas verwundert, hab ich dem Portier doch nichts getan, im Gegenteil: ich bin immer nett und höflich und verstehe gar nicht, warum dieser Kerl, der mich in seinem Leben noch nie gesehen hat, so unglaublich garstig zu mir ist. Schaue ich so verdächtig aus? Oder schau ich aus wie seine Exfrau, die ihn bei der Scheidung so sehr abgezockt hat, dass er nun nicht mehr von den Erträgen seiner Privatstiftungen leben kann, sondern darauf angewiesen ist, seinen Lebensunterhalt als Portier zu bestreiten? Oder hat er schlichtweg „nur“ ein Problem mit Menschen an sich – aber wenn das der Fall ist, warum hat er dann einen Beruf gewählt, wo er permanent mit Menschen in Kontakt kommt, soll er sich doch einen Job in einem gemütlichen Lager suchen, wo er den ganzen Tag über niemanden sieht…

Irgendwie trau ich mich jetzt nicht mehr sagen „die Aktion von heute kann unmöglich getoppt werden“, denn ich fürchte, die Portiertruppe des Nebengebäudes sieht es als Herausforderung an, die Aktionen vom Vortag noch zu übertrumpfen. In dem Sinne erwarte ich demütig, was wohl Tag 5 für mich bringen wird…

Sonntag, 30. September 2007

Chaos

Es gibt Thesen, die besagen, dass wir uns – bevor wir geboren werden – überlegen, wen wir in diesem Leben kennen lernen wollen und was wir in diesem Leben lernen wollen, damit es uns kosmisch weiterbringt. Ich mag diesen Gedanken, weil er mich daran erinnert, dass ich in den Widrigkeiten, die mir widerfahren, etwas Positives finden kann und damit diese Widrigkeit nicht als verlorene Zeit, sondern als wertvolle Lektion sehen kann. Das ist so meine Art, alles Positiv zu sehen, und das Glas als halbvoll und nicht als halbleer zu betrachten.

Dumm ist das Ganze nur, wenn die liebe Liebe zuschlägt. Da hantelt frau sich dann mit blutendem und klopfenden Herzen von einem Date zum nächsten und versucht, den Sinn darin zu ergründen, warum es „diesmal“ schon wieder nicht geklappt hat, und die Funken, die ja definitiv sprühen, den vis-a-vis nicht in Flammen aufgehen ließen. In diesen Situationen sage ich mir immer „da ist noch etwas, das ich vorher erledigen muss, etwas, das ich noch zu lernen habe“. Das ist mein Strohhalm, an den ich mich klammere, wenn mich die Geduld verlässt und ich mit meinem Leben etwas hadere. Und mich frage, warum es bei Millionen anderen Menschen tagtäglich klappt, dass sie einander tief in die Augen schauen, ineinander versinken und sich in die Arme fallen, und ich reiße mir einen Hax’n nach dem anderen aus und komme keinen Millimeter weiter.

Ich überlege, was mir das Universum beibringen möchte: ist es tatsächlich so, dass ich „Geduld“ lernen muss, dass ich mein Mantra „Geduld du haben musst, junger Padawan, dann ein Jediritter aus dir werden wird“ bis zur letzten Faser meines Herzens verinnerlicht haben muss? Oder möchte das Universum, dass ich um diesen Mann, meinen McDreamy, aus voller Kraft kämpfe, um zu lernen, wie wertvoll es ist, wenn man mit ganzem Herzen um etwas kämpft? Und werde ich dann zum Schluss belohnt werden, oder soll ich lernen, wie man mit einer Niederlage umgeht, wenn man mit vollem Einsatz um etwas kämpft und doch nur wieder verliert?

Der risikoaverse Typ würde nun natürlich sagen „nur kein Risiko eingehen, lieber nicht zu weit ins offene Wasser vorwagen, denn da können Untiefen lauern, die dir den Boden unter den Füßen rauben“. Mit dieser Ideologie kann ich mich nicht anfreunden – wäre es ja dann in meinen Augen nur eine lauwarme Geschichte, und der Mann an meiner Seite dann nichts besonderes, sondern er wäre schlichtweg zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und ich hätte immer das Gefühl, dass ich in Wahrheit wahnsinnig ersetzbar wäre. Was, wenn dann nicht ich, sondern eine andere dort gestanden hätte? Wären wir einander dann auch begegnet? Oder wäre er dann mit dieser anderen zusammen?

Nein, ich bin da viel risikofreudiger. Oder auch schlichtweg wahnsinnig, weil ich mich immer in ein halsbrecherisches Gefühlschaos stürze, immer hoffend, dass mir die Liebe diesmal Flügel verleiht und mich fliegen lässt, und die am Ende des Tages doch nur mit platter Nase am Boden liegt, und sich fragt, warum es nicht funktioniert hat. Wo ich doch in Wahrheit auch nur auf diese Susi-und-Strolch Romantik hoffe, wo wir uns beide einen Teller Pasta teilen und einander dabei tief in die Augen blicken…

Nun ja, in meinem Fall ist es wohl kein Teller Pasta, sondern eine Platte Feuerribs. An einem Samstagabend beschließt mein Angebeteter, dass er mit mir Essen gehen möchte – natürlich nur eine Kleinigkeit. Wir sitzen im Bettelstudenten und studieren die Karte. „Hm, die Ripperl klingen gut, aber das ist recht viel“ – also schlage ich vor, dass wir uns ja die Rippchen teilen können. Bleibt nur die Frage „scharf oder nicht scharf“. Ich lache und meine „na ja, ich weiß ja nicht, wie scharf du so bist“. Diese Zote beschert mir einen breiten Grinser meines vis-a-vis, der sofort meint „ich hab mit scharf kein Problem“. Ich erwidere das Grinsen „ich auch nicht“. Also die scharfen Feuerrippchen. Wir sitzen über den Rippchen – die nicht annähernd so scharf sind wie erwartet – und plaudern weiter angeregt miteinander. Die blauen Augen, die ständig den Kontakt mit meinen Augen suchen, machen mich über die Maßen nervös, und ich bin schon keines klaren Gedankens mehr fähig, und habe langsam Angst, dass ich meine Selbstbeherrschung verliere. Also weiche ich auf Smalltalk aus, wir plaudern über dies und das und unter anderem über die Hollywood Dating Rules. Mein McDreamy kennt diese Regeln nicht, also umreiße ich kurz die, die mir im Gedächtnis geblieben sind (wie kann man auch noch klar denken, wenn man von diesen blauen Augen regelrecht hypnotisiert wird): nach einem Date ruft man am nächsten Tag nicht an, weil das verzweifelt ist, man sagt nicht als erstes „ich liebe dich“ und beim ersten Date zahlt jeder für sich, weil – wenn der Mann das Essen zahlt, es impliziert, dass er sich dafür Sex erwartet.

Irgendwann ordern wir die Rechnung. Ich krame nach meiner Geldbörse, als die Kellnerin die beliebte Frage stellt „zusammen oder getrennt“ (für die Frage könnt ich jedes Mal hintreten…). Noch bevor ich etwas sagen kann, tönt es von der vis-a-vis Seite „zusammen bitte“. Ich beginne kurz zu schimpfen „das war so aber nicht ausgemacht“. Er lächelt mich an und sagt „mag sein, aber es ist mir einfach ein Bedürfnis, dich hier und heute einzuladen“. Ich versuche mit einem „das verstößt aber massiv gegen die Hollywood Dating Rules“ zu kontern. Mein McDreamy beginnt breit zu grinsen (ich weiß genau, welche der Regeln er da gerade im Kopf hat) und sagt „ach, das war doch bloß das, wo keiner zuerst sagen darf ‚ich liebe dich’, oder?“. Sein Grinsen wird breiter. ‚Den Mutigen gehört die Welt’, denke ich und sage „na ja, war das denn heute ein Date, das wir hatten?“. Ich bekomme keine Antwort auf meine Frage, ich brauche diese Antwort auch nicht, denn sein Lächeln ist mir Antwort genug.

Wir hatten also offiziell unser erstes „richtiges“ Date. Und auch, wenn wir getrennt nachhause gefahren sind, weiß ich doch, dass sich das Kämpfen lohnen wird. Vielleicht nicht diese Woche, und vielleicht nicht nächste – aber wie heißt’s so schön „Geduld du haben musst, junger Padawan…“.

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