Donnerstag, 14. Juni 2007

Babettes Fest

Auch die Beste aller Freundinnen feiert mal ihren 30. Geburtstag, und meine Aufgabe als Freundin ist in diesem Fall natürlich, ihr ein besonderes Geschenk auszusuchen. Eines, an dem sie sieht, dass ich an sie gedacht habe, mich in sie hineinversetzt habe, das ihr zeigt, wie viel sie mir bedeutet und überhaupt – eins, mit dem sie Freude hat. Tja, liebe Männer, ihr seht also: auch wir Frauen stehen oftmals vor dem Problem „was schenken?“. Da wir aber selbst auch Frauen sind, und wissen, dass Frauen vor Anlässen, wo man ein Geschenk braucht, gerne „Signale“ aussenden, spitzen wir einige Wochen vor diesem besagten Anlass natürlich besonders unsere Öhrchen und passen auf wie die Haftlmacher.

Wobei ich zugegeben einen gewissen Vorteil habe: dadurch, dass Caro und ich es sogar schaffen, eine ganze „Woman“ am Telefon durchzubesprechen, weiß ich ziemlich genau, was sie mag, und was nicht. Und in diesem einen Fall hat sie es mir sogar ganz besonders leicht gemacht. Eines Samstag Morgens klingelt mein Handy – „sag, hast du den Samstagkurier?“ Ich gähne noch ein bissl verschlafen und murmle „ja, warum?“ – „Schlag mal die Freizeit auf, hinten bei den Lokaltipps“ – ich blättere – „da sind Kochkurse drin“. Ah ja, Kim kocht, Babette’s und noch ein paar Andere aus den Bundesländern. „Du, das wär’ doch witzig – können wir so etwas mal machen?“ Hahaaa, Schurrrke – das ist ja die perfekte Geburtstagsidee… jetzt also gleich hinarbeiten, damit sie in den nächsten Wochen nicht gleich hinstürmt und uns alle für so einen Kurs anmeldet „ja, Schönste, das können wir gerne machen – geht’s aber bitte erst nach dem Abschluss, im Moment ist es einfach zu stressig bei mir“.

Einige Tage vor ihrem Geburtstag pilgere ich also zu Babette’s – eine urige Buchhandlung im 4. Bezirk, die mit dem Slogan „Spice and Books for Cooks“ wirbt – und besorge einen Gutschein für einen Kochkurs. Und als Caro an ihrem Geburtstag den Gutschein auspackt, hat sie eine Riesenfreude damit und teilt die Hälfte aller ihrer Gäste ein, mit ihr zu so einem Kurs zu gehen.

An Caro’s 31. Geburtstag fällt mir ein, dass wir ja noch nicht kochen waren… ich bin mir aber gar nicht mehr sicher, ob der Gutschein überhaupt noch gültig ist, oder ob sie ihn vielleicht verloren hat – am Besten, gar nicht drauf ansprechen, vielleicht ist dieser Kelch – zu einem Kochkurs gehen – noch einmal an mir vorüber gegangen. Vor ein paar Wochen allerdings klingelt wieder mal mein Handy – Caro dran. „Du, mir ist grad eingefallen, dass wir ja noch kochen müssen…“. Ach ja, stimmt, das hatte ich ja schon völlig verdrängt… Eine von Caros tollsten Fähigkeiten ist, dass sie perfekt im delegieren ist „kannst du bitte ein paar Kurse raussuchen, du weißt ja eh, zu welchen Terminen ich Zeit habe“. Ja, eh klar, mache ich super gerne, ich hab sonst ohnehin nichts zu tun… Nein, passt schon, der Vorteil, wenn ich die Vorauswahl treffe ist, dass ich dann auch etwas Einfluss auf die Kursauswahl habe, und ich kann gleich einige Kurse, die mich so überhaupt nicht interessieren, weglassen. Also maile ich Caro eine Kursauswahl samt zugehörigen Terminen. Caro sticht natürlich ein Kurs gleich ins Auge „Gourmet Fast Food“ – klingt ja auch zu gut, um wahr zu sein: Schnell muss es gehen, aber nur vom Feinsten darf auf den Tisch? Hier wird an der Zeit gespart, aber nicht beim Einkauf: wir kochen fünf Gourmetgänge, die wahlweise als Zwischen- oder Hauptgang aufgetischt werden können und kaum länger als 20 Minuten pro Gang in der Zubereitung brauchen. Alles selbstverständlich gästetauglich! Ich melde uns also zu besagtem Termin an.

Ich muss sagen, der Service bei Babette’s passt wirklich: am Tag des Kochkurses ruft ein Mitarbeiter an und erinnert mich daran, dass ich am Abend einen Kurs habe – so was mag ich. Punkt 18 Uhr treffen Caro und ich in der Buchhandlung ein, wir bekommen Prosecco angeboten und warten, bis die übrigen Kochwilligen eintrudeln. Nathalie, die Köchin, hat auch schon Rezeptheftchen aufliegen, was wir heute zaubern werden: geschmolzener Crottin mit Kräutersalaten und Feigen, Melonenkaltschale mit weißem Porto und sautierten Scampi, Jakobsmuschel-Lachsspieße auf Safranschalottencreme, Steak-Burger mit Morcheln, Spargel und Gänseleber und als Dessert Amarettini-Pfirsich Trifle. Ich seufze etwas resignierend – alles gespickt mit Milchprodukten, Krustentieren und Rindfleisch – genau jene Dinge, auf die ich allergisch bin… Tja, da werd’ ich wohl durchmüssen und hoffen, dass ich am nächsten Tag nicht zuviel leiden muss. Endlich sind alle Teilnehmer vollzählig versammelt: 9 Frauen, 2 Männer und 2 Köchinnen. Nathalie verteilt die Aufgaben unter uns: einer muss Scampi schälen, einer Schalotten schneiden, Kräuter zupfen, Frühlingskäse zubereiten – ich entscheide mich für Pfirsiche schälen, das ist keine sonderlich herausfordernde Arbeit und geht einfach.

… wenn ich allerdings gewusst hätte, wie viele Pfirsiche ich zu schälen gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich freiwillig die Scampi gequält. Nach einigen Minuten kleben meine Hände vom Fruchtsaft, und die Säure in den Pfirsichen bewirkt außerdem, dass die Finger brennen – na super, genauso hab ich mir das immer gewünscht. Caro hingegen ist in ihrem Element – das freut mich, immerhin ist es ja ihr Abend und sie soll schließlich Spaß haben. Nach einer halben Stunde, wo wir unsere Mitköche eher anschweigen, stellen wir fest, dass die Fünfergruppe (drei Mädels und zwei Männer) denselben Background haben wie Caro und ich: sie haben alle für eine der „fat four“-Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien gearbeitet bzw arbeiten noch immer dort. Von da an geht uns der Gesprächsstoff nicht mehr aus, wir gleichen gemeinsame Bekannte ab und machen uns über alle möglichen Dinge lustig.

Und so wird ein Abend, der vielleicht nicht zu 100 % lustig begonnen hat, noch der totale Kracher, beim Gehen umarmt mich Caro nochmals und dankt mir für den Abend. Ich freue mich, dass wir beide soviel Spaß gehabt haben. … und wenn jemand mal etwas ausgefallener kochen möchte: unbedingt ausprobieren!

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