Sonntag, 1. April 2007

Hausmittel

Trotz der Errungenschaften der modernen Medizin sind wir doch alle mit einem beträchtlichen Fundus an Hausmittelchen groß geworden, die schon die Ur-Ur-Urgroßmutter erfolgreich angewendet hat. Bei Halsweh gurgeln wir also mit Salbeitee, bei einer Erkältung trinken wir Aquamarin-Wasser und ein Honigpflaster auf einem entzündeten Pickel hat vor einer Verabredung schon Wunder bewirkt. Wie sieht es aber in der Liebe aus? Gibt es da auch Hausmittelchen, welche die Hormone anregen? Oder ein Geheimrezept, damit der Liebeskummer nicht mehr gar so schmerzt?

Der Frühling zieht ins Land, die Knospen sprießen auf den Bäumen, die Natur erwacht langsam aus dem Winterschlaf und auch in uns regt sich die Lust aufs Verliebt-sein. Nur leider, leider ist da kein Märchenprinz in Sicht. Nicht mal ein Frosch mit Prinzen-Potential. Es gibt niemanden, der unser Herz schneller schlagen lässt und der uns zum Stottern bringt, wenn er mal anruft. Was natürlich extrem blöd ist, weil wir ja gerne die Schmetterlinge im Bauch kribbeln spüren. Also, was tun, damit es kribbelt?

Plan a) wäre sich eine Ablenkung suchen. Gut, das Wetter ist schön und der Winter war ohnehin lang genug, also betreiben wir an der frischen Luft Sport – ist ja bekanntlich gut für die Figur und auch für die Stimmung, also quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sport hat allerdings eine Nebenwirkung, die vor allem für Singles ziemlich unpraktisch ist: er ist … anregend. Und da ist es egal, ob man Yoga betreibt (das einige Chakren mit Energie durchflutet) oder ob man mit gesteigertem Puls Tempoläufe betreibt – hinterher hat man einfach Lust auf Sex und da gibt’s als Single wohl nur ein Gegenmittel: sehr kalt duschen… Also Sport ist schon mal als Schmetterlinge-in-den-Bauch-Zaubermittel gestrichen.

Plan b) ist mir als Geheimmittel von einem lieben Freund ins mailaccount geflüstert worden: Wenn man Dinner-Canceling betreibt, dann setzt der Körper quasi Endorphine frei, und diese Endorphine führen dann dazu, dass man sich belebt und beschwingt fühlt und sozusagen die Schmetterlinge im Bauch vom Körper vorgegaukelt bekommt. Fasten hat ja auch für den Körper eine reinigende Wirkung, allerdings sollte man es von der Dauer her nicht übertreiben, denn zu langes Fasten kann unter Umständen auch zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen führen.

… abgesehen davon: wenn ich anfange zu fasten, damit ich mich fühle, als ob ich Schmetterlinge im Bauch hätte, wäre dann bitte jemand so barmherzig und würde mir gleich den Gnadenschuss geben?

Schokolade gibt einem zwar für fünf Minuten ein gutes Gefühl, sitzt dann aber ein halbes Jahr hartnäckig auf den Hüften, Shopping setzt auch kurzfristig Endorphine frei, aber bei der nächsten Kreditkartenabrechnung muss man sich dann hinsetzen und tief durchatmen, Reisen bildet zwar, ist alleine aber auch langweilig… Ich fürchte, Frühlingsgefühle sind einfach nicht substituierbar…

Was kann man gegen Liebeskummer tun, gibt es dagegen wenigstens das eine oder andere Hilfsmittelchen?

Liebeskummer ist eine beschissene Situation und es gilt im ersten Augenblick vor Allem eines: die eigene Würde zu bewahren, was soviel heißt wie: Telefonnummer und mailadresse des Verflossenen löschen. Es genügt schon, wenn man sich erbärmlich fühlt, aber man muss sich nicht auch noch so benehmen. Abgesehen davon hat wohl keiner Lust darauf, als Angeklagter in einem Anti-Stalking-Prozess am Landesgericht Wien zu landen. Also löschen wir vorsichtshalber alle mails und SMS (sowohl die, die wir von ihm bekommen haben als auch jene, die wir ihm geschickt haben). Ich hab mal ausprobiert, wie es ist, wenn man nach einer gewissen Zeit SMS und mails „von ihm“ liest – es ist nichts, das ich weiterempfehlen kann, selbst wenn man über den Idioten schon lang hinweg ist, fühlt man sich in diesem Moment einfach nur schlecht. Also nicht auf spätere sentimentale Stunden hoffen – löschen!

Erlaubt ist allerdings, sich einen Abend lang so richtig ausgiebig die Kante zu geben. Allerdings mit einer Auflage: niemals alleine aus Verzweiflung einen heben gehen, sondern immer in Begleitung einer lieben Freundin – das hat den Vorteil, dass man eine Aufpasserin bei sich hat, die darauf achtet, dass man dann in seinem Suff im eigenen Bett landet und die einem im Bedarfsfall die Haare aus dem Gesicht hält. Wenn man im Liebeskummer-wegsaufen etwas geübt ist, kann man den Kater am nächsten Tag auf den Verflossenen projizieren – kotzen und romantische Gefühle schließen sich nämlich quasi zwangsweise aus.

Das ist auch die beste Zeit, um unserer Neigung, bei Filmen zu heulen, nachzugeben. Also, eine DVD in den Player werfen, der Fundus ist unendlich: „Stolz und Vorurteil“, „Tatsächlich… Liebe“, „Unter der Sonne der Toskana“, „Titanic“ oder einfach „Grey’s Anatomy“, dazu eine Familienpackung Tempo – es ist ungemein befreiend.

Und auch sehr wichtig: eine Liste der Telefonnummern der besten Freundinnen, die man zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann und die uns gewissenhaft den Rückfall ausreden.

Gibt es also ein Hausmittel gegen Liebeskummer? Ja, das gibt es: unsere Freundinnen, die in dieser Situation immer für uns da sind.

… und in diesem Sinne ein dickes Busserl an meine Mädels, die mit mir schon so manches Drama tapfer durchgestanden haben – ihr seid die Allergrößten und ich hab euch sehr, sehr lieb…

Dienstag, 27. März 2007

Rückfälle

Es kommt ja immer wieder vor: man nimmt sich etwas Bestimmtes felsenfest vor, und schwört Stein und Bein, dass Nichts und Niemand uns von diesem Weg abbringen werden. Gute Vorsätze pflastern somit quasi unseren Weg, und wie’s im Leben dann so spielt, gibt es auch immer wieder Klippen, an denen unsere Vorsätze Schiffbruch erleiden. Der Süßigkeitenkonsum muss eingeschränkt werden? Naja, aber dieses eine, klitzekleine Eclair, das kann ja fast nichts ausmachen… Es werden keine neuen Schuhe mehr gekauft? Naja, aber das fünfte Paar schwarze Pumps schaut lang nimmer so gut aus wie früher, und dieses Paar im Schaufenster wäre genau das, was ich mir immer gewünscht habe – und es ist ja keine Neuanschaffung, sondern eine Ersatzinvestition, das zählt ja gar nicht. Uns fällt immer wieder ein guter Grund ein, warum wir wieder einmal gegen unsere Vorsätze verstoßen und wir haben immer eine schlüssige Rechtfertigung bei der Hand, warum es genau kein Verstoß gegen die selbst gestrickten Regeln ist.

Tja, und wenn es uns schon bei schnöden Konsumgegenständen so geht, wie geht es uns dann erst in der Liebe? Brechen wir hier wirklich rigoros mit der Vergangenheit oder wärmen wir vergangene Liebschaften immer wieder neu auf? Auf den ersten Blick haben wir auf diese Frage natürlich nur eine logische Antwort: „aufgewärmt wird nur ein Gulasch“ – sind wir aber wirklich so konsequent?

Wie das Leben so spielt, lerne ich eines Abends einen süßen Mann kennen – strahlend blaue Augen, ein verwegenes Lächeln im Gesicht, einen Humor, der vor feinem Sarkasmus nur so trieft und exakt der gleiche Geschmack, was Musik, Filme und Serien betrifft, wie ich. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dieser Mensch mein lange gesuchter Seelenverwandter sein muss. Wenn mich meine vagen Kenntnisse der menschlichen Körpersprache nicht täuschen, dann geht es ihm genauso. Seine Pupillen werden größer, wenn er mich ansieht, immer wieder flüchtige Berührungen, ich beschließe also „das kann kein Zufall sein“ und denke mir „den Mutigen gehört die Welt“. Also arbeite ich mich durch einige Dates durch, werfe meinem vis-a-vis immer wieder Knochen vor die Füße, sodass er nur noch anbeißen muss – aber nichts geschieht. Eines Abends erzwinge ich sozusagen die Entscheidung und bekomme ein „Gefühle kann man leider nicht erzwingen“ ins Gesicht gewürgt. Autsch – das war ein klassisches „Maß nehmen – anlaufen – Geschwindigkeit steigern und dann mit viel Schwung ungebremst auf die Schnauze fallen“. Und wie es in diesen Fällen so ist, sammle ich die Scherben meines Herzens ein, das bei dem Sturz in tausend Stücke zerbrochen ist, kitte sie mühe- und liebevoll und gebe die berühmten Worte von mir „in meinem ganzen Leben wird dieser Idiot nie, nie, nie wieder etwas von mir hören oder sehen…“.

„One year ago – ein Jahr wie eine Ewigkeit“ würde Falco jetzt sagen. Ich treibe mich mit meinem Freund Christian in einem gemütlichen Beisel rum. Und wie es das Universum mit seinem unnachahmlichen Humor so gerne hat, laufe ich ihm in diesem Lokal über den Weg. Jetzt gibt es in solchen Situationen zwei Dinge, die frau tun kann: erstens – das Heil in der Flucht suchen (die in meinen Augen etwas erbärmliche Variante). Plan b) ist Bauch-rein-Brust-raus und das Beste daraus machen. Naja, mit dem Outfit schramme ich am „Besten“ meilenweit vorbei, das kann ich jetzt aber auch nicht mehr ändern – egal. Ich setze mein strahlendes Lächeln auf, begrüße ihn mit Bussi-links-Bussi-rechts und starte den Small-talk. Er schildert mir die Highlights des vergangenen Jahres, ich stelle fest, dass mein Jahr um einiges weniger ereignisreich war und lasse ein lapidares „ja, bei mir hat sich auch nicht viel getan – einzig die Haare sind länger und dunkler“. Ja, das steht dir auch sehr gut…. Moooooment, war das gerade eben ein Kompliment? Ich hebe den Kopf und sehe wieder in diese eisblauen Augen, die mich letztes Jahr schon um den Verstand gebracht haben. Wieder sind die Pupillen untertassengroß und ich ertappe mich bei dem Gedanken „entweder, er tropft vor dem Weggehen seine Augen mit Belladonna-Extrakt ein, damit die Pupillen größer werden, oder aber es gefällt ihm wirklich, was er sieht“.

Tja, so stehen wir nun an der Bar und plaudern. Wir gleichen wieder unseren Musik- und Seriengeschmack ab (er ist immer noch identisch, selbst bei den neu hinzugekommenen Serien), diskutieren die Austropopper und auf welchen bewusstseinserweiternden Drogen die wohl in den 70er Jahren unterwegs gewesen sind, und ob die EAV nun wohl in die Kategorie „Spaßcombo“ oder „Band mit Message“ zu zählen ist. Irgendwann merke ich, dass ich mit ihm flirte – und dass es mir Spaß macht. „Rückzug“ brüllt meine imaginäre innere Stimme, und der Zeitpunkt wäre auch günstig, da ich mein Glas gerade geleert habe. Aber anstatt vernünftigerweise zu gehen, bestelle ich mir Nachschub, zwar antialkoholisch, da ich mit dem Auto unterwegs bin, aber es ist genug Zucker drin, um mich aufzuputschen.

Irgendwann gegen Mitternacht beginnt die Juke-Box folterähnliche Schlager von sich zu geben, in die Richtung gehend, wie man sie früher beim Song Contest gehört hat. Fast so schlimm wie ‚ein bisschen Frieden’… „Ja, das hat ja Thomas Forstner beim ersten Antritt gesungen“ meint mein Barnachbar. Ich schüttle den Kopf, nein, das war die Deutsche Nicole. Er ist sich aber sicher „beim zweiten Antritt hat Forstner ‚Venedig im Regen gesungen’ und ist damit abgesoffen – beim ersten Antritt war’s aber ‚ein bisschen Frieden’…“. Schatzl, ich hab die Übertragung damals gesehen, es war Nicole mit langem blonden Wallehaar, sie saß auf einem Barhocker und hat auf ihrer Klampf’n herumgeklimpert. Er bleibt stur – Thomas Forstner. Ich grinse und strecke ihm meine Hand hin „eine Wette…“. Er schlägt ein und mir fällt auf, dass er meine Hand nicht mehr loslässt. Gut, wir brauchen noch einen Wetteinsatz – und der muss wehtun… Er sieht mit wieder tief in die Augen und sagt „was immer du möchtest – egal was…“. Mooooooment, der flirtet nicht, der brät mich regelrecht an. Nein, Kommando retour, das war sicher nur ein freud’scher Verhörer von meiner Seite, da hat mir mein Gehirn eine Fata Morgana vorgespiegelt. Hmmmm, was könnten wir denn da nur nehmen… Er sieht mir noch immer tief in die Augen und wiederholt „was immer du möchtest – egal was es ist“. So, meine Denkfähigkeit ist nun endgültig im Keller gelandet, und statt eines kreativen Wetteinsatzes wie „im rosa Häschenkostüm über die Kärntner Straße hoppeln“ kommt mir lediglich ein „gemeinsam ins Kino gehen?“ über die Lippen.

Natürlich habe ich die Wette gewonnen (man sollte nicht mit jemandem wetten, der damals die Übertragung live im Fernsehen gesehen hat), und Ehrenmann, der er nun mal ist, steht er zu seinem Wetteinsatz, und wir werden wohl in nächster Zeit ins Kino gehen. Da ich aber quasi die Meisterin der guten Vorsätze bin, habe ich mir vorgenommen, diesmal nicht mein Herz zu verlieren. Naja, vielleicht ein kleines bisschen, aber diesmal werde ich nicht den Anfang machen…

Mittwoch, 21. März 2007

Manchmal...

Es gibt so Tage, da bin ich unrund. Nicht, dass ich mit meinem Leben hadere, aber irgendwie ist es an diesem Tag grad nicht 100%ig toll, sondern nur zu 98%. Es fehlt gerade nur die Kirsche am großen Eisbecher des Lebens, aber an diesen unrunden Tagen ist mir die Kirsche besonders wichtig. Sind wir alle so vom Glück geküsst, dass uns der gewohnte Glückskuss fehlt, wenn er mal einen Tag Pause macht?

Lustigerweise kann ich, wenn ich unleidig bin, nicht genau sagen, wo der Schuh denn nun exakt drückt. Die paar Kilo, die zu viel auf der Hüfte sind? Nein, mit denen hab ich mich arrangiert und sozusagen einen Nicht-Angriffspakt geschlossen: wenn sie versprechen, dass sie nicht mehr werden und vor allem, wenn der Körper dennoch straff bleibt, werden sie mir nicht die Nachtruhe rauben. Die viele Arbeit im Büro? Nein, die macht Spaß, auch wenn die Kollegen teilweise zum an-die-Wand-klatschen sind und der Chef nur halblustige Witze macht. Aber ich stelle mich täglich der Herausforderung der etwas anderen Art und bin mit mir zufrieden, wenn ich sie bestanden habe. Das kann’s also auch nicht sein…

Im Fernsehen läuft meine Lieblingsserie, und ich kann mit McDreamy mitfiebern und mitzittern. Der Kater ist lästig wie eine Krätz’n und beweist somit, dass er kerngesund ist und ich mir keine Sorgen um ihn machen muss. Das Girokonto ist lange nicht so negativ wie es sein könnte, die Rechnungen sind bezahlt und am Ende des Monats ist sogar noch etwas Geld übrig. Ich powere mich beim Sport aus und bin stolz auf mich, wenn ich ein kleines Ziel erreicht habe. Es ist wahnsinnig viel Schlagobers und Schokostreusel auf dem Eisbecher, aber wo zum Henker ist die verdammte Kirsche?

In meinem mailaccount sind heute wieder dutzende von lieben, lustigen mails eingegangen, und ich habe auch mit einigen Freunden telefoniert und hab an ihrem Leben teilgehabt und hab mein Leben mit ihnen geteilt, also kann es auch nicht die Einsamkeit sein. Wobei… es waren viele e-mails, aber es war keines darunter, wo mein Herz einen kleinen Hüpfer macht, wenn es im Posteingang „pling“ macht. Kein Telefonat, wo die Stimme zittert, wenn ich spreche. Es fehlt also doch etwas…

Es ist aber nicht der Mann an meiner Seite, der mir fehlt. Oder das Wissen, dass da jemand ist, der in mich verliebt ist und der den Boden anbetet, über den ich gehe. Nein, es ist die Tatsache, dass da niemand ist, der meine Hormone in Wallungen bringt. Mir fehlt das Gefühl, verliebt zu sein, zu wissen, dass da jederzeit Schmetterlinge im Bauch flattern können und dass das mail oder das Telefonat mir tagelang den Schlaf rauben wird. Dass ich meine Freunde mit Anrufen oder mails bombardiere und jede klitzekleine Nuance von dem, was er gesagt hat, jetzt, sofort und auf der Stelle bis ins kleinste Detail analysiert werden muss. Ich bin auf Endorphin-Entzug.

Nun mag man nüchtern meinen „besser gar nicht verliebt sein, als unglücklich verliebt und hinterher wochenlang ein gebrochenes Herz wieder mühsam zusammenzukitten“. Da bin ich wieder der Verfechter des „no-risk-no-fun“-Ansatzes: wer aus Angst vor dem Schmerz vor Freude kneift, wird nie im Glück baden können. Besser, einmal zuviel ein Stück vom eigenen Herzen weggegeben zu haben, und hinterher durch den Schmerz feststellen, dass auch der etwas süßes an sich haben kann, als das Herz verschließen und gar nichts fühlen.

Jetzt ist es aber nicht so, dass ich ein Leben wie eine Nonne führe, in dem keine Männer vorkommen. Nein, ich treffe laufend Männer, aber es ist niemand darunter, der mir die Knie weich werden lässt, wenn er mir in die Augen sieht. Und es ist auch nicht so, dass ich nicht bereit wäre, die Frösche zu küssen, damit sie sich endlich in Prinzen verwandeln können. Nein – Frosch bleibt Frosch…

Es ist nun mal so, dass ich nur dann vor Energie sprühe, wenn’s in der Bauchgegend kribbelt. Stellt sich die Frage: wo kriege ich dieses Kribbeln nun wieder her? Nun ja, eine Möglichkeit wäre, das Endorphin anderweitig zu substituieren, am Geeignetsten dazu ist wohl Schokolade. Das wäre aber ein direkter Verstoß gegen den Nicht-Angriffspakt mit meinem Hüftgold, und wehe, wenn das mal losgelassen…

Plan b) wäre wohl, einen Ex zu reaktivieren. Diese Exen haben den Vorteil, dass man ja schon mal in sie verliebt war. Dummerweise hat es aber einen Grund gehabt, warum man sich damals getrennt hat bzw warum er sich getrennt hat. Und flugs fallen mir wieder all die netten Kosenamen ein, mit denen ich die Idioten damals bedacht habe – diese Kosenamen vertragen sich aber so überhaupt nicht mit den romantischen Gefühlen, die ich so gerne hegen würde – Plan b) ist also ersatzlos gestrichen.

Gibt es einen Plan c)? Ich weiß es nicht. Mein Plan ist, dass ich einfach gar keinen Plan habe und mich schlicht an den Kleinigkeiten erfreue, die mir das Leben so bringt. Und wenn mich der Russel-Crowe-lookalike in der Straßenbahn das nächste Mal anlächelt, werde ich einfach zurück lächeln. Ich bin mir sicher, dass es dann in mir kribbeln wird…

Mittwoch, 14. März 2007

Runners high

Endlich kommt der Frühling! Die Tage werden länger, alles grünt, die Vöglein zwitschern, es wird wärmer und man muss sich nicht mehr in die dicke Winterjacke quetschen und überhaupt – frau kann sich wieder viel, viel luftiger anziehen. Gesagt, getan, bei prognostizierten 18 Grad wage ich es eines Morgens und werfe mich zur Feier des Tages in meine sandfarbene Jeans. Besser gesagt: ich versuche es… Hmpf, ein kritischer Blick in den Spiegel fördert die traurige Wahrheit zu Tage: Ende des letzten Sommers ist das Ding noch nicht wie eine Knackwursthaut auf den Hüften geklebt… Über dem Bund rollen sich bedenkliche Speckröllchen und auch, wenn das gute Stück zum Teil aus Elasthan besteht – in der hab ich schon mal knackiger ausgeschaut. Seufzend wuzle ich mich wieder aus der Hose raus und wage einen Sprung auf die Badezimmerwaage. Schock, die Zahl muss falsch sein – ich springe sofort wieder runter. Ich beginne zu grübeln: na ja, im Winter hat die Schokolade ab und zu schon ganz gut geschmeckt, bei Lichtmangel muss man ja mit dem Serotonin der Schoki der Winterdepression entgegenwirken. Und Bewegung hab ich ja auch keine gemacht…

Resignierend stelle ich fest: da muss sich was tun, und zwar schleunigst. Mit der Figur kann ich unmöglich im Frühling auf die Frühlingsgefühle der Männer hoffen, also wird mal in Gedanken die Schoki vom Speiseplan gestrichen (zum Glück ist nix mehr zuhause, das noch vernichtet werden muss, und von alleine fliegt sie ja Gott sei Dank auch nicht ins Küchenkastl). Und da man ja bekanntlich nur dann weniger wird, wenn man nicht nur die Energiezufuhr drosselt, sondern zusätzlich auch brav Bewegung macht, um dem bösen Jojo-Effekt entgegenzuwirken, überlege ich, wie ich mich wohl sportlich betätigen könnte.

Ich habe letztes Jahr schon mal mit dem Laufen begonnen (na ja, wenn ich ehrlich bin, muss ich wohl eher „Traben“ dazu sagen…), da bin ich noch voll ausgerüstet. Also Laufen… Im Internet finde ich einen Frauenlauftreff, der ganz in der Nähe meiner Wohnung stattfindet, zu einer bürofreundlichen Uhrzeit noch dazu, und das Beste: er beginnt in wenigen Tagen – solange hält meine Motivation noch an.

Gesagt, getan. Ich fahre also an besagtem Tag zum Türkenschanzpark in Wien-Währing, wo dieser Treff abgehalten wird. Uff, ich bin zum Glück nicht die Einzige, die gekommen ist, und – noch besser – ich bin nicht die Fülligste, wenn das nicht gut fürs Selbstvertrauen ist... Die Trainerinnen erklären den Ablauf: für die Laufanfängerinnen (also mich) wird ein Trainingsplan absolviert, der es ermöglichen soll, in 12 Wochen 30 Minuten lang durchzulaufen. Das Tempo sei langsam, sodass jede leicht mithalten kann, laufen und gehen wird abgewechselt, und es hat bis jetzt noch jede geschafft. Na, wenn’s jeder kann, dann kann ich das auch. Punkt 20 Uhr setzt sich das Grüppchen in Bewegung – wir laufen los.

Und man kann wirklich „laufen“ dazu sagen, das Tempo ist doch etwas strammer als das, was ich letztes Jahr gelaufen bin. Aber – ich halte das Tempo problemlos mit, die frische Luft, über mir glitzert schon ein bissl der Sternenhimmel, ach, das Leben ist schön. Die Trainerin quiekt mit einer Hupe – Bewegungswechsel – und die Gruppe lässt sich vom Laufen ins Gehen fallen. Wir schwingen eifrig mit den Armen, wieder die Hupe – wir laufen wieder los. Dieses Stück im Türkenschanzpark geht leicht bergab, ich bin beschwingt und selig – das war die Beste Entscheidung meines Lebens. Immer schön abwechselnd gehen, laufen, gehen, laufen...

Beim vierten Mal Laufen stelle ich fest, dass mir langsam aber sicher ein bissl die Luft ausgeht. Die Strecke windet sich einen kleinen Hügel hinauf. Verdammt, seit wann ist der Türkenschanzpark nicht brettleben? Ich fühle mich wie eine Hochgebirgsgemse. Im Internet stand aber nichts davon, dass man für diesen Lauf geländetauglich sein muss. Neben mir höre ich zwei Mädchen plaudern, die völlig enthusiastisch sind und die Meinung vertreten, dass Laufen ja die natürliche Bewegungsform des Menschen sei, schließlich sind unsere Vorfahren in der Steppe ja auch den Gazellen nachgewieselt. Ich schau mir die beiden Mädchen an – zierlich, schlank, langbeinig. Ja, eh klar, dass eure Vorfahren in der Steppe Gazellen gejagt haben. Ich blicke an mir herunter. Nun ja, meine Vorfahren waren anscheinend eher von jener Kategorie, die in der Tundra gemütlich hinter dem Weidemastodon her getrottet sind. Nix mit Flucht vor Löwen und Gazellenjagd… Und warum zum Henker haben die zwei Tussis noch immer genug Luft, um über solche Dinge zu schwatzen. Mordlüstern könnte man werden – wenn man Luft hätte…

Nach einer absolvierten Runde machen wir eine ungeplante Pause, denn vor unserer Gruppe steht SIE: Dr. Dagmar Rabensteiner, ihres Zeichens schnellste Marathonläuferin Österreichs und Sportärztin. Sie freut sich, dass so viele Frauen zum Lauftreff gekommen sind, und erzählt, dass sie grad von ihrer Ordination weggelaufen ist und grad am Heimweg ist. Eine Trainerin wirft ein, dass ihre Ordination hinter der Karlskirche im vierten Bezirk ist… No, auch ein breiter Weg – ich werfe einen kurzen Blick auf das zarte Persönchen vor mir und stelle fest: die Frau schwitzt noch nicht einmal! Ich hab nach knappen 2 km einen halben Lungenpatschen und ihr steht nach der Distanz nicht ein Schweißtropfen auf der Stirn…

Bei der zweiten Runde kann ich mich nicht mehr entspannen, als wir den Hügel bergab laufen, weiß ich doch, dass ich mich in einigen Minuten – wenn ich noch mehr nach Luft japse – wieder hinaufquälen muss. Irgendwann sind die 30 Minuten Laufzeit um und wir stehen vor der Meierei um noch ausgiebig zu dehnen. Während des Dehnens beginne ich mich zu entspannen, die Anspannung der vergangenen Wochen fällt von mir ab und mein Pulsschlag verlangsamt sich auch wieder auf ein Niveau, das einem Kardiologen nicht mehr Sorgenfalten auf die Stirn zaubert. Ich bin stolz auf die Leistung, die ich gerade erbracht habe und lasse mich dazu hinreißen, dass ich in den allgemeinen Kampfruf der Frauenläuferinnen „Fisch schwimmt, Vogel fliegt – Frau läuft“ einstimme. Und ich beginne zu begreifen, was der Runners high eigentlich ist: der Sauerstoffmangel im Gehirn mordet anscheinend ein paar Millionen Nervenzellen abrupt und setzt die individuelle Hemmschwelle ordentlich herab – somit ist frau bereit, bei jeder Peinlichkeit mitzumachen.

Was soll ich sagen? Geil war’s, natürlich bin ich nächste Woche wieder mit dabei!

Montag, 12. März 2007

Schlampen unter sich

Wann bezeichnet man eine Frau als Schlampe? Wenn sie ein unordentlicher, liederlicher Mensch ist? Wenn sie nur sehr kurze Beziehungen zu Männern unterhält? Oder wenn sie dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht?

Nun ja, Milena Moser hat in ihrem Buch „Schlampenyoga“ den Begriff „Schlampe“ eher für eine chaotische Frau verwendet, die in ihrem unordentlichen Leben auf der Suche nach der Erleuchtung ist. Einer meiner Lieblingssätze in diesem Buch ist die Frage, woran man nach der Meinung von Frau Moser eine Schlampe erkennt. Nun, man kann nicht nur von ihrem Boden essen, sondern sich sogar ein mehrgängiges Menü zusammenstellen… Ich hatte aber unlängst einen Schlampenabend der etwas anderen Art.

Eine Freundin berichtet mir, dass eine Autorin ein neues Buch veröffentlicht – „Wiener Schlampengeschichten“. Das Buch handelt von den Erinnerungen und Erlebnissen von Wiener Callgirls, also eine Art „Josefine Mutzenbacher“, nur halt auf unsere Zeit umgelegt. Da ich für jeden Spaß zu haben bin, und außerdem die Meinung vertrete, dass Autoren ohnehin unterstützt werden müssen (um im deutschsprachigen Raum von seinen Büchern leben zu können muss man entweder einen Verlag haben, der waghalsig genug ist, um einem einen sehr großzügigen Vorschuss auf das Honorar zu gewähren, oder aber man macht es wie Thomas Brezina und verlegt sich auf die große Masse), erkläre ich mich gern bereit, sie zu dieser Veranstaltung zu begleiten. Außerdem bin ich neugierig, denn angeblich ist die Autorin selbst früher im „Milieu“ unterwegs gewesen – mich reizt also die Verlockung des Verbotenen… Zur Feier des Tages schmeiße ich mich sogar in meine schwarzen Jeans und ein violettes „fick-mich-Top“, ich will ja schließlich bei einem Schlampenabend auch ein bisschen selbst wie eine Schlampe wirken.

Die Lesung selbst findet in einer Galerie im siebten Bezirk statt, ich bin etwas früher dort und schaffe es, dass ich für mich und meine Freundin eine ziemlich bequeme Couch als Sitzgelegenheit ergattere. Pünktlich um sieben kommt auch meine Freundin – kurz geschorener Undercut, darüber lange schwarze Haare, ein toller langer schwarzer Rock und das Outfit wird durch ein paar Martens komplettiert. Neben ihr wirke ich ein bisschen wie ein domestiziertes Weibchen der Spezies „Homo Sapiens“, und ich halte ihr sehr zu gute, dass sie mich trotzdem mag. Wir beginnen uns über dies und das zu unterhalten und bestellen uns etwas zu trinken, damit das Reden etwas flüssiger vonstatten geht.

Ich selbst kenne in diesem Raum nur meine Freundin, deshalb frag ich sie „und, kennst du da wen?“ Sie schaut sich um und meint „ja, ein paar von den Leuten kenn ich aus einem Erotik-Forum.“ Ich lasse noch einmal den Blick durch den Raum wandern und beginne in mich hinein zu grinsen. Genauso muss man sich fühlen, wenn man sich in einer Alltagsgeschichte von Elisabeth T. Spira wieder findet, besser gesagt: genauso hab ich mir die User eines Erotikforums immer vorgestellt. Und ich frage mich im Stillen, ob der dickliche Herr mit der hohen Stirn wohl „Sixpack 69“ als nickname hat und grinse noch mehr in mich hinein. Oh ja, Webspace ist eindeutig geduldig…

Und wenn wir schon bei den Klischees sind, frage ich mich, wie wohl die Autorin selbst sein mag. Ich stelle mir eine große Blondine mit langem Haar, üppiger Figur und – auf gut wienerisch gesagt – einer Gosch’n wie ein Rasiermesser vor, natürlich in breitestem Wiener Dialekt. Und natürlich auch entsprechend gekleidet, das Mindeste, das ich mir erwarte, sind hohe Lederstiefel und ein Leopardenmuster-Top. Und natürlich auffälliges Make-up.

Kurz nach sieben Uhr beginnt die Lesung. Auf dem Hocker vorne nimmt eine Dame platz. Nun ja, mit den langen blonden Haaren hatte ich Recht, aber nicht Wasserstoffblond, wie in meiner Phantasie, sondern schöne, honigblonde Locken, die sie zu Zöpfen geflochten hat. Gekleidet ist sie sehr geschmackvoll, eine schwarze Hose, ein Top und darüber eine schwarze durchsichtige Bluse als Jackenersatz und dezent geschminkt. Als die Frau zu sprechen beginnt, hat sie eine sehr sanfte Stimme, und sie spricht wunderschönes Hochdeutsch, das mit einigen Wienerischen Ausdrücken gespickt ist. Sie erinnert mich ein bisschen an eine Volkschullehrerin, so gütig, lieb und geduldig. Gut, das, was sie vorliest, ist eher nichts für zart besaitete Gemüter, aber wie sie es bringt, mit soviel Humor in der Stimme… nach einigen Minuten hat sie die Zuhörer in dem Raum für sich gewonnen, keiner, der nicht die vier Damen, von denen ihr Buch handelt, nicht sofort ins Herz geschlossen hätte.

Nach der Lesung signiert sie noch mit einer Engelsgeduld die Bücher, ich stehe noch mit meiner Freundin und einem Freund in einer Ecke und bespreche noch alle wesentlichen Dinge des Lebens stilecht bei einem Seid’l Bier. Irgendwann überkommt auch mich die Müdigkeit und ich verabschiede mich von meinen Freunden und marschiere zur Straßenbahn. Auf dem Weg dorthin gönne ich mir noch einen Abstecher zum Würstelstand, wo ich den Schlampenabend mit einem Bratwurst-Hot dog abschließe.

Und ich habe für mich die Erkenntnis gewonnen, dass man mich in Zukunft mit dem Wort „Schlampe“ nicht mehr kränken kann – von der Sorte Schlampen, die ich an diesem Abend kennen gelernt habe, könnt es ruhig ein paar mehr geben…

Mittwoch, 7. März 2007

Gewohnheiten

Beziehungen haben unbestritten viele Vorteile: man hat Gesellschaft, teilt Freud’ und Leid mit einem geliebten Menschen, fühlt sich geliebt und geborgen – es ist einfach alles Liebe, Wonne, Waschtrog. Und doch gibt es einen entscheidenden Nachteil an Beziehungen: man ist quasi gezwungen, Kompromisse einzugehen und muss auf den Menschen an seiner Seite Rücksicht nehmen. Somit ist der unbestrittene Vorteil als Single: man kann tun und lassen, was man möchte!

Wenn man zum ersten Mal im Leben alleine lebt, ist alles neu und aufregend und – zugegeben – ungewohnt und manchmal auch ein kleines Bisschen gruselig. Aber mit der Zeit kommt man auf den Geschmack und entwickelt seine ganz persönlichen Angewohnheiten und Schrulligkeiten. Und entdeckt das eigene geheime Singleverhalten.

Das GSV ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Ich z.B. möchte in der Früh einen Radio laufen lassen, wo ich mich berieseln lassen kann und halbstündlich Nachrichten und – ganz wichtig – Wetterbericht laufen. Welche Art von Musik dabei läuft, ist mir wiederum völlig egal, einzig den Callboy von Ö3 ertrage ich morgens vor dem zweiten Kaffee nicht – gibt es irgendjemanden, der den Typen witzig findet? Ich finde ihn einfach nur nervtötend… Aber ansonsten genieße ich die Ruhe in der Früh, wenn ich eine halbe Stunde lang in mein Kaffeehäferl starre und mir wünsche „wirke… jetzt…“! Und ich bin gewohnt, dass ich morgens lange dusche, mein Haar wasche und es danach style. Dazu gehört auch, dass ich rund ½ Stunde mit Lockenwicklern am Kopf durch die Wohnung laufe – und ich rate jedem Anwesenden, sich dazu halblustige Kommentare zu ersparen, die ertrage ich auch erst nach dem zweiten Kaffee.

Richtig grantig werde ich, wenn morgens schon der Fernseher läuft. Nur im äußersten Notfall, wenn eine mittlere Katastrophe eintritt und man auf eine Dauer-ZiB hoffen kann, wird die Kiste auch in der Früh eingeschaltet, aber das ist die absolute Ausnahme, nicht die Regel. Frühstücksfernsehen? Das wurde nicht für mich erfunden.

Der Morgen läuft somit zumeist genormt ab (wahrscheinlich, um die Verletzungsgefahr am Morgen zu minimieren) und ich genieße meine Morgenmuffeligkeit, wo ich meine Ruhe vor der Welt habe und entspannt „Mensch werden“ kann.

Ähnlich genormte Verhaltensweisen lege ich am Abend an den Tag. Wenn ich nachhause komme, schalte ich den Fernseher und den Computer ein. Ersteres, um mich berieseln zu lassen, letzteres, um meine mails zu checken und mich in den diversesten Foren, in denen ich mich dann und wann herumtreibe, auf den letzten Stand zu bringen. Je nachdem, wie viele mails zu beantworten sind und wie viele Threads gelesen werden möchten, kann das durchaus eine Stunde oder auch länger dauern. Diese Stunde benötige ich aber, um ein bisschen von meinem Arbeitstag herunterzukommen – man kann es auch als mein persönliches defrag-Programm betrachten, mit dem ich mich auf meinen Feierabend-Status resette. Erst danach bin ich wieder für andere Dinge zu gebrauchen.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das geheime Singleeinkaufsverhalten – sogar die Marktforschung hat schon den SINKY definiert (Single Income No Kids). Mit dem Inhalt meines Kühlschrankes gewinne ich mit Sicherheit keinen Preis für bewusste Ernährung: eine Flasche Vodka, eine Flasche Weißwein, eine Packung Sojamilch. Beim Rest sollte man lieber einen kritischen Check machen, bevor man es anfasst, so in die Richtung: lebst du schon? Und wenn ja: beißt du? Mit dem Kühlschrank schaffe ich es somit nicht in die nächste Ausgabe von „Schöner Wohnen“, aber dafür ist der Inhalt meines Schuhschrankes absolut sehenswert. Und ich genieße es unendlich, dass ich mich vor niemandem für das vierte Paar schwarze Pumps rechtfertigen muss. Und ich bin auch Anhängerin der Meinung, dass man nie genug weiße Blusen und weiße T-Shirts haben kann. Und auch der Fundus an Pashmina-Schals und Handtaschen ist gut bestückt.

Das Gleiche gilt für mein Badezimmer. Ja, ich weiß, Männern genügt Zahnpasta, eine Zahnbürste, ein Rasierer plus Schaum sowie ein Duschbad (bevorzugterweise ein all-in-one-Produkt, mit dem mann auch gleich Haare waschen kann). Dazu ein Duftwässerchen und vielleicht noch ein Deo, und das war’s. Bei einem Blick in mein Badezimmer hat ein Mann mal gemeint „ich hab’ noch nie eine Frau mit so vielen Tiegeln gesehen, die sie auch alle verwendet!“ – und wir sprechen hier rein von der pflegenden, nicht von der dekorativen Kosmetik. Ich finde da aber auch nichts Verwerfliches daran, ich pflege mich gerne und achte auf mein Äußeres, was soll also schlimm daran sein?

… mit einem geübt-selbstkritischen Blick betrachte ich nun noch einmal alle Bestandteile meines geheimen Singleverhaltens und frage mich „bin ich überhaupt je wieder resozialisierbar?“. Mit den Macken (und ich bin sicher, dass ich einige vergessen habe - oder bewusst ausgelassen...) muss ich mir ja „schwer vermittelbar“ auf die Stirn tätowieren lassen…

Als grenzenloser Optimist bin ich dennoch zuversichtlich. Gewiss, ich bin sicher nicht unkompliziert im Umgang, und ein Mann müsste sich nicht nur einen Platz in meinem Herzen, sondern auch in meinem Schrank erobern (fragt sich, was schwieriger ist…). Meredith Brooks formuliert es in einem Song sehr treffend „so take me as I am, this may mean you’ll have to be a stronger man…“ – und dem kann frau eigentlich nichts mehr hinzufügen.

Samstag, 3. März 2007

Weckruf

Ab und zu muss auch frau sich eine kleine Auszeit gönnen, und letztes Jahr habe ich da etwas besonders Entspannendes entdeckt: Thermenurlaub… Den ganzen Tag lang entweder im Hausanzug oder gar im Bademantel durch die Gegend laufen, Massagen, Maniküre, Pediküre, einfach alles, was ein weibliches Herz höher schlagen lässt. Und zusätzlich: klösterliche Ruhe. Es läutet nicht ständig das Telefon, niemand belästigt einen mit Gott-weiss-was, frau bekommt endlich mal genug Schlaf ab – perfekt! Die Therme, die ich mir ausgesucht habe, ist Bad Waltersdorf mit dem dazugehörigen Quellenhotel – sehr angenehm, da kaum Kinder dort sind, die lärmen, kreischen und im Pool herumpritscheln. Da sind mir die Senioren sehr viel lieber, auch wenn ich nach einer Woche genug vom Anblick von Krampfadern und Hängepos habe.

Auf alle Fälle genieße ich die Entspannung. Und da ich am nächsten Morgen zeitig (also um neun Uhr) eine Massage habe, gehe ich entsprechend früh schlafen, da ich ja ausgeruht sein möchte, damit ich die Massage besonders genießen kann. Irgendwann vor Mitternacht dämmere ich somit süß und selig dem Träumeland entgegen…. Ich liege also im Bett und schlafe meinen verdienten Schönheitsschlaf… Plötzlich schlägt mein Handy an, als Klingelton plärrt Meredith Brooks „I’m a bitch“ durch das Hotelzimmer. Mich reißt’s aus dem Bett. Völlig desorientiert lange ich nach dem verdammten Krachmacher und luge auf’s Display. Ulrich…

Ulrich ist eine Unibekanntschaft von mir – er war da einer meiner Vortragenden. Und da er nur drei Jahre älter ist und ein lustiger Typ obendrein, sind wir auch nach der Uni befreundet geblieben. Ich schau auf die Uhr – 1:30 Uhr - und denke mir „oh mein Gott, was ist passiert?“. Ich melde mich verschlafen „ja, bitte?“ und gähne herzhaft in’s Telefon. Auf der anderen Seite Ulrich „Ja servus, du, wir sitzen da grad nett bei mir beieinander und haben grad festgestellt, dass es so schad’ ist, dass du net da bist“ … Stimmt, in dieser Woche veranstaltet Ulrich ja zahlreiche „Freunde-zusammentrommel-Abende“, er hat mich ja auch eingeladen aber ich hab wegen meines Urlaubs abgesagt. „Mhm….“ – mehr ist um diese Uhrzeit nicht aus mir herauszubringen. „Ja und weißt du, direkt gegenüber von mir sitzt Alfons, dein zukünftiger Ehemann, und er möchte unbedingt mit dir telefonieren.“ Grummel… „ok, Ulrich, wie viel hast du getrunken?“ – „Nein, ich bin nicht betrunken, und der Alfons will unbedingt mit mir sprechen“ – ich gähne nocheinmal herzhaft – „kannst du mir bitte kurz die Caro geben?“

Caro ist eine meiner besten Freundinnen, und auch, wenn sie mir nicht erzählt hat, dass sie an diesem Abend bei Ulrich ist, weiß ich dennoch, dass sie da ist. Fünf Sekunden später flötet Caro ins Telefon „Hallo Mausimaus, du der Alfons ist ein ganz ein Lieber“ Allein beim Namen „Alfons“ hab ich einige Bilder, die durch meinen Kopf geistern, und keines dieser Bilder passt auch nur ansatzweise in mein Beuteschema. „Schatzl, hast du einen groben Blick auf die Uhr geworfen? Ich schlaf schon…“ – „Ja, das mag schon sein, aber er ist wirklich süß“ – „Gut, dann schnapp du ihn dir, have fun and use condoms“. „Naja, weißt, für mich ist er nix – aber für dich wäre er perfekt!“ – „Du, die Diana ist doch sicher auch da…“ – „Ja, freilich“ – „…dann soll die sich doch mit ihm beschäftigen – könnt’s mi bitte weiter schlafen lassen….“ Der Unterton in meiner Stimme wird flehentlich – Boshaftigkeit geht nur, wenn ich wach bin. Aber Caro ist nicht zu bremsen „Wart, ich schick dir ein Foto von ihm aufs andere Handy“. Dreißig Sekunden später piepst das zweite Telefon. Ich linse auf das Bild – ein dunkler Fleck auf dunklem Hintergrund, das Einzige, das ich erkenne, ist, dass Alfons dunkle Locken am Kopf hat. Ich grummle in das Telefon „Süße, du weißt schon, dass Alfons nicht mein Beuteschema ist sondern eher deins – ich steh’s mir nicht so auf Dunkelhaarige mit Glutaugen, ich mag lieber die Blonden, Blauäugigen…“ Caro zwitschert in das Telefon „du, wart mal kurz…“

Am anderen Ende eine Männerstimme „Gutten Takkk….“. Na leiwand, ein Scherzbold obendrein – Caro, ich bring dich um, und Ulrich gleich mit dazu! „Mhm….“ – ich versuche krampfhaft, nicht wach zu werden, bloß nicht zuviel reden oder die Augen aufmachen, sonst bin ich hellwach und kann mir für den Rest der Nacht den Schlaf in blasslila aufzeichnen… „Ja grüß dich, ich bin der Alfons“ – Ja, die Neuigkeit ist mittlerweilen bis zu mir durchgedrungen. „Mhm….“ – „Wieso bist du heute nicht zu Ulrich gekommen?“ – Verdammt, der Typ will wirklich eine Unterhaltung. Ich gähne demonstrativ in das Telefon (das muss er gehört haben) und murmle „Urlaub….“. „Hey, cool, wo bist denn hingefahren? Kann ich da auch hinkommen?“ Langsam werd’ ich unruhig – was soll der Scheiß? Aufwecken – ja, gut. Reden wollen – nojo… Besuchen kommen – vergiss’ es! Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf – ich hab Caro wohl erzählt, wo ich hingefahren bin, aber die Gute hat sich das mit Sicherheit nicht gemerkt. Ich brumme also „frag die Caro, die weiß, wo ich bin“ ins Handy. Alfons stellt anscheinend die Frage ans Auditorium, wo ich zu finden bin. Caro jubelt im Hintergrund „ich weiß es, ich weiß es, sie ist im Hotel ‚Waldquelle’ in Bad Tatzmannsdorf“. Ich grinse still in mich hinein – auf meine Freundin und ihr schlechtes Gedächtnis ist in solchen Fällen einfach Verlass. Alfons fragt mich „Bist du wirklich im Hotel Waldquelle in Bad Tatzmannsdorf?“ Ich knurre ein kurzes „Yupp“ in den Hörer.

Alfons versucht tatsächlich, weiterhin eine Unterhaltung mit mir zu führen, und ich halte stur an meiner Taktik „nur nicht zuviel reden, vielleicht werd’ ich ja nicht richtig wach und kann dann weiterschlafen“ fest und bestreite – für Frauen absolut untypisch – den Großteil der Unterhaltung mit einem „Mhm….“. Irgendwann, nach einer guten halben Stunde, schaffe ich es endlich, dass ich den Typen abwimmle (auflegen hätte ja nichts gebracht, die Wahnsinnigen hätten ja wieder angerufen). Ich bin natürlich nun hellwach und liege bis vier Uhr morgens wach im Bett und frage mich „Warum? Und warum ich?“. Als am nächsten Morgen um halb acht Uhr der Wecker läutet, damit ich vor der Massage noch zum Frühstück komme, bin ich entsprechend gerädert und groggy. Zu meiner kleinen Genugtuung hat Caro ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und als ich Ulrich um 14 Uhr anrufe, wecke ich ihn auch auf.

Einige Wochen später lerne ich Alfons tatsächlich kennen – als ich mich vorstelle, lacht er „du bist die Frau, die die ganze Zeit ins Telefon gestöhnt hat!“ Scherzerl, Bester, ihr habt mich aus den süßesten Träumen gerissen… Aber ja, er ist ein witziger, liebenswerter Kerl, halt überhaupt nicht mein Beuteschema (ich aber auch nicht seines) – er ist grob geschätzt zwei Köpfe größer als ich und wiegt – grob geschätzt – als Nasser rund die Hälfte von dem, was ich wiege. Aber ich unterhalte mich den Abend über köstlich mit ihm und stelle fest „vielleicht ist er nicht mein zukünftiger Ehemann, aber auf alle Fälle jemand, mit dem man höllisch viel Spaß haben kann“. Und finde die Telefongeschichte auf einmal gar nicht mehr so dramatisch.

Donnerstag, 1. März 2007

You can't hurry love

Die von mir sehr geschätzte und verehrte Angelika Hager, aka „Polly Adler“ hatte letztes Jahr einen genialen Satz in einer ihrer Kolumnen: „Am Ende des Tages gibt es nur eine Frage, und die lautet: kostet der Knabe Energie oder bringt er welche?“. Wieso ist es so wahnsinnig schwierig, sich zu verlieben? Warum nahezu unmöglich, sich in jemanden zu verlieben, der auch in einen selbst verliebt ist? Und warum gibt es trotzdem so viele Paare?

Ich lerne auf einer Party einen sehr netten Mann kennen. Wir unterhalten uns den ganzen Abend, lachen, tanzen, haben einfach Spaß miteinander. Und wir treffen uns sogar nach dieser Party in unregelmäßigen Abständen. Wenn er nicht bei mir ist, klopft mein Herz, ich schwärme von ihm und seinen unglaublich blauen Augen und male mir die Zukunft in den pastelligsten Farben aus. Wenn er bei mir ist… nun ja, dann ist es nett, aber irgendwie sprühen da keine Funken, die Knie werden nicht weich und ich bleibe weiterhin Herrin meiner Gedanken und finde sogar noch die Muße, seine Körpersprache zu analysieren. Bin ich verliebt in ihn?

Eines Tages kommt es, wie es kommen muss, und der Satz „ich mag dich, ich mag dich sogar sehr – können wir bitte Freunde sein“ kommt über seine Lippen. An dieser Stelle ein kleiner Tipp an die Männer: liebe Männer, ich weiß, in kitschigen Filmen wird dieser Satz verwendet und danach sind alle glücklich und zufrieden. Was euch anscheinend noch niemand gesagt hat (deshalb tue ich es hier): bei diesem Satz handelt es sich um reine Fiktion, und die Frau, die diesen Satz gesagt bekommt, wünscht sich in dieser Sekunde, dass ihr ihr stattdessen ein Messer in den Rücken rammt, das wäre nämlich ein humaneres Ende. Beziehungsweise wünscht sie sich ein Messer, um es in euren Rücken rammen zu können. Also am Besten für alle Beteiligten ist, ihr streicht diesen Satz aus eurem aktiven Wortschatz.

Ok, zurück zum Stück: bin ich nach diesem Satz verzweifelt, heart-broken und einfach schlichtweg am Ende? Nun ja, ich bin zugegeben sauer. Aber weniger, weil mir die potentielle Liebe meines Lebens durch die Lappen gegangen ist. Eher, weil ich ein bereits sicher geglaubtes Spielzeug nun doch nicht bekommen habe. Bin ich verliebt?

Eines anderen Abends laufe ich – zugegeben sehr betrunken – einem anderen Mann mit unglaublich blauen Augen (die blauen Augen häufen sich…) in die Arme und wie es in solchen Situationen gelegentlich unter Erwachsenen vorkommen mag, wache ich am nächsten Morgen nicht in meinem Bett und nicht in meiner Wohnung auf. Ich stelle fest, dass der Mann neben mir wohl sehr süß ist, aber die Situation ist irgendwie nicht „meine“, und so suche ich mein Heil in der Flucht – mit dem schalen Gedanken im Hinterkopf, dass ich sicher nicht die Erste und sicher nicht die Letzte gewesen bin, die auf diese Art und Weise seine Wohnung verlässt.

Einige Stunden später, als ich nicht mehr ganz so betrunken bin und mir nicht mehr so übel ist, rekapituliere ich die vergangenen Ereignisse und stelle fest, dass er ja eigentlich doch recht süß ist und dass der Start zugegeben nicht der verheißungsvollste ist, aber vielleicht ist er ja doch mein McDreamy… Ich investiere Unmengen an Energie, um den Kontakt wieder herzustellen, fiebere dann einem Date entgegen um hinterher festzustellen, dass ich ihn wohl nett finde, und er intelligent ist und er mich zum Lachen bringt, aber die Schmetterlinge erst wieder Stunden nach dem Date zu flattern beginnen – aber nicht währenddessen… Auch hier falle ich wieder kräftig auf die Schnauze. Bin ich verliebt?

Ja, natürlich bin ich verliebt. Aber nicht in den Mann, sondern vielmehr in die Idee, verliebt zu sein und von jemandem geliebt zu werden. Die Schmetterlinge im Bauch sind trügerische Verbündete, denn sie flattern erst, wenn’s eigentlich nichts mehr zum Flattern gibt und das vermeintliche Objekt der Begierde wieder außer Sichtweite ist. Und dennoch bin ich nicht bereit, auf die Stimme meines Körpers zu hören, sondern versuche Gefühle – sowohl bei ihm als auch bei mir - zu erzwingen. Und ich verschwende viel Energie (und natürlich auch Zeit) damit, mir diesen Mann in gewissem Sinne einzureden – der Kopf findet immer unendlich viele Gründe dafür, warum gerade eine bestimmte Person für uns „perfekt“ sein sollte (das finden auch oft Freunde – gebt es zu, ihr hasst den Satz „aber ihr würdet soooooooo toll zueinander passen“ genauso wie ich), leider ist aber der eigene Körper dann der Verräter, der nicht so mitspielt, wie er sollte.

Nüchtern betrachtet ist dieses Verhalten natürlich völlig kontraproduktiv. Und wenn ich mir einen gewissen gesunden Egoismus unterstelle, dann muss ich zugeben, dass ich mich mit dieser Vorgehensweise um das geilste aller Gefühle betrüge: dass mir ein Mensch den Atem, den Verstand und die Sinne raubt, dass mein Köper in seiner Gegenwart in Aufruhr ist, der Herzschlag beschleunigt, die Knie zittern, die Stimme stockt und ich mich hinterher dafür verfluche, dass ich keinen geraden Satz herausbekommen habe und insgeheim hoffe, dass es ihm ebenso ergangen ist und er deshalb meine vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit nicht bemerkt hat. Das Tolle an richtiger Verliebtheit ist ja, dass man tagelang ohne feste Nahrung auskommt und trotz allem regelrecht high ist – sie schenkt also Energie. Wenn man aber nur in die Verliebtheit an sich verliebt ist, dann kostet sie sehr viel davon.

Es ist wie früher vor Weihnachten: auf die besten Geschenke muss man einfach warten. Umso schöner ist dann die Bescherung, wenn man das bekommen hat, was man sich immer erträumt und erhofft hat. In diesem Sinne verordne ich mir eine große Portion Geduld.

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