City of Angels
All jene, die mit einem gewissen „Grundkatholizismus“ aufgewachsen sind, haben zumindest in ihrer Kindheit von ihnen gehört: Engel. Geflügelte, mächtige Wesen, die zu uns Sterblichen entsandt werden, um uns in einer schwierigen Situation beizustehen und uns mit weisem Rat zu helfen. Manchmal halten sie einfach nur ihre schützende Hand über uns, und ab und zu, wenn wir vom rechtschaffenen Weg abzuweichen drohen, kommen sie mit dem Flammenschwert, um uns einzuschüchtern – zumindest wollen uns das die Katholen mit ihrer Forderung nach Buße und Strafe immer so einreden…
Es kommt vor, dass auch ich das Gefühl habe, als ob ich ein bisschen beschützt würde, vielleicht von meinem verstorbenen Großvater, vielleicht von Menschen, die mich ein kleines Stück meines Weges begleiten, mir bei der Bewältigung einer großen Herausforderung helfen, und die dann auch wieder aus meinem Leben verschwinden, wenn sie ihre Aufgabe erledigt haben. Bis vor einigen Jahren war ich immer sehr traurig, wenn ein Mensch von einem Tag auf dem anderen aus meinem Leben verschwand. Waren wir zu wenig befreundet? Habe ich dem Menschen zu wenig bedeutet? War ich selbst ein zu schlechter Freund? Heute bin ich geneigt, dass ich sage „dieser Mensch hat für kurze Zeit in meinem Leben die Funktion eines Engels übernommen“. Und nachdem er mich ein Stück meines Lebens begleitet und mir geholfen hat, zieht er weiter.
Es gibt in meinen Augen einen Unterschied zwischen „Freund“ und „Engel“. Ein Freund bleibt bei mir, solange es nicht Gründe gibt, die den Fortbestand der Freundschaft unmöglich machen. In guten wie in schlechten Zeiten steht man einander bei, ist füreinander da und ist Zeuge des Lebens des anderen. Bei einem Engel ist das anders. Der schneit sehr plötzlich in das eigene Leben hinein, bleibt eine Zeitlang und geht anschließend wieder.
Ein Engel ist ein sehr selbständiges Wesen, das mit Besitzansprüchen und den beliebten Brandzeichen nur recht wenig anfangen kann, und in Käfige lässt er sich schon gar nicht sperren. Über meine Freunde kann ich sagen „das ist mein bester Freund“ oder „das ist meine beste Freundin“, aber über einen Engel kann ich nie sagen „das ist mein Engel“, weil Engel sich nun mal nicht mit Besitzansprüchen konfrontieren lassen. Oft ist es sogar so, dass man einen Engel mit anderen Menschen teilen muss.
Auch in meinem Leben hat sich in den letzten Monaten einiges geändert. Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt, die mein Leben auf interessante und spannende Art und Weise bereichern. Ich habe Muster an mir erkannt, die ich aufbrechen möchte, ich habe Wege entdeckt, die es sich zu beschreiten lohnt. Und in dieser Umbruchzeit, in dieser Phase, wo kein Stein auf dem anderen bleibt, da tritt auf einmal jemand in mein Leben und stellt sich als Engel vor.
Ich muss gestehen, mit so einer Vorstellung bin ich bis dato noch nicht konfrontiert worden, vor allem bin ich zugegeben auch etwas skeptisch. Mit Engeln selbst hab ich noch keine direkten Erfahrungen gemacht, dafür mit Möchtegern-Rittern, und ich habe festgestellt, dass die recht unzuverlässig sind, was das Retten holder Maiden und das Beschützen vor bösen Ungeheuern angeht. Diesen Engel ziehe ich jetzt auch regelmäßig damit auf, ob ihm nicht das „B“ vor dem Engel fehlt, denn als „engelhaft“ würde ich seine Worte oder Taten nicht bezeichnen – dafür passt er zu wenig in das gängige Klischeebild mit Flügeln, blonden Locken, Harfengeklimper. Aber ich bekomme dann erklärt, dass diese „gut – böse“-Mentalität mit dem Engelsein nicht harmoniert – Engel haben sich nämlich schon vor langer Zeit vor dieser Normierung gelöst. Wenn ich dann lachend antworte „aber das macht man einfach nicht“, lautet die Antwort „nur weil ‚man’ es nicht macht, heißt das nicht, dass du es nicht machen kannst – und außerdem: wer ist dieser ‚man’ eigentlich und wo wohnt er?“.
Ich habe diesen Engel gefragt, warum er in mein Leben gekommen ist. Er glaubt, seine Aufgabe ist, mich fröhlicher zu machen. Dieser Satz hat mich kurz erschreckt. Bin ich so z’wieder, wie wir in Wien zu sagen pflegen? Muss ich mein – zugegeben sehr subjektives – Weltbild komplett überdenken, dass ich nicht ein fröhlicher, optimistischer Sonnenschein bin, der lachend durchs Leben geht? Ist mein Glas doch eher halb leer denn halb voll? Ich werde zum Glück rasch beruhigt: auch einen fröhlichen Menschen kann man noch fröhlicher machen, jemanden, der sich gerne durch eigene Glaubenssätze blockiert, kann man durch neue Glaubenssätze lockerer und freier machen.
Also nun ein Engel… Wie behandelt man die, wie geht man mit denen um, warum werden die nicht mit Gebrauchsanweisung ausgeliefert? Was darf ich von einem Engel erwarten, was nicht, wie oft darf ich ihn sehen? …wahrscheinlich nicht allzu oft, weil man Engel ja mit mehreren Menschen teilen muss (und grad im teilen bin ich doch so wahnsinnig schlecht als verwöhntes Einzelkind). Aber vielleicht ist es mit den Engeln ja so wie mit allen Dingen im Leben: „In großen Mengen genossen sind die leckersten Dinge irgendwann mal Strafe. Und Genuss ist ja eher etwas, das mit Besonderheit zu tun hat.“
Es kommt vor, dass auch ich das Gefühl habe, als ob ich ein bisschen beschützt würde, vielleicht von meinem verstorbenen Großvater, vielleicht von Menschen, die mich ein kleines Stück meines Weges begleiten, mir bei der Bewältigung einer großen Herausforderung helfen, und die dann auch wieder aus meinem Leben verschwinden, wenn sie ihre Aufgabe erledigt haben. Bis vor einigen Jahren war ich immer sehr traurig, wenn ein Mensch von einem Tag auf dem anderen aus meinem Leben verschwand. Waren wir zu wenig befreundet? Habe ich dem Menschen zu wenig bedeutet? War ich selbst ein zu schlechter Freund? Heute bin ich geneigt, dass ich sage „dieser Mensch hat für kurze Zeit in meinem Leben die Funktion eines Engels übernommen“. Und nachdem er mich ein Stück meines Lebens begleitet und mir geholfen hat, zieht er weiter.
Es gibt in meinen Augen einen Unterschied zwischen „Freund“ und „Engel“. Ein Freund bleibt bei mir, solange es nicht Gründe gibt, die den Fortbestand der Freundschaft unmöglich machen. In guten wie in schlechten Zeiten steht man einander bei, ist füreinander da und ist Zeuge des Lebens des anderen. Bei einem Engel ist das anders. Der schneit sehr plötzlich in das eigene Leben hinein, bleibt eine Zeitlang und geht anschließend wieder.
Ein Engel ist ein sehr selbständiges Wesen, das mit Besitzansprüchen und den beliebten Brandzeichen nur recht wenig anfangen kann, und in Käfige lässt er sich schon gar nicht sperren. Über meine Freunde kann ich sagen „das ist mein bester Freund“ oder „das ist meine beste Freundin“, aber über einen Engel kann ich nie sagen „das ist mein Engel“, weil Engel sich nun mal nicht mit Besitzansprüchen konfrontieren lassen. Oft ist es sogar so, dass man einen Engel mit anderen Menschen teilen muss.
Auch in meinem Leben hat sich in den letzten Monaten einiges geändert. Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt, die mein Leben auf interessante und spannende Art und Weise bereichern. Ich habe Muster an mir erkannt, die ich aufbrechen möchte, ich habe Wege entdeckt, die es sich zu beschreiten lohnt. Und in dieser Umbruchzeit, in dieser Phase, wo kein Stein auf dem anderen bleibt, da tritt auf einmal jemand in mein Leben und stellt sich als Engel vor.
Ich muss gestehen, mit so einer Vorstellung bin ich bis dato noch nicht konfrontiert worden, vor allem bin ich zugegeben auch etwas skeptisch. Mit Engeln selbst hab ich noch keine direkten Erfahrungen gemacht, dafür mit Möchtegern-Rittern, und ich habe festgestellt, dass die recht unzuverlässig sind, was das Retten holder Maiden und das Beschützen vor bösen Ungeheuern angeht. Diesen Engel ziehe ich jetzt auch regelmäßig damit auf, ob ihm nicht das „B“ vor dem Engel fehlt, denn als „engelhaft“ würde ich seine Worte oder Taten nicht bezeichnen – dafür passt er zu wenig in das gängige Klischeebild mit Flügeln, blonden Locken, Harfengeklimper. Aber ich bekomme dann erklärt, dass diese „gut – böse“-Mentalität mit dem Engelsein nicht harmoniert – Engel haben sich nämlich schon vor langer Zeit vor dieser Normierung gelöst. Wenn ich dann lachend antworte „aber das macht man einfach nicht“, lautet die Antwort „nur weil ‚man’ es nicht macht, heißt das nicht, dass du es nicht machen kannst – und außerdem: wer ist dieser ‚man’ eigentlich und wo wohnt er?“.
Ich habe diesen Engel gefragt, warum er in mein Leben gekommen ist. Er glaubt, seine Aufgabe ist, mich fröhlicher zu machen. Dieser Satz hat mich kurz erschreckt. Bin ich so z’wieder, wie wir in Wien zu sagen pflegen? Muss ich mein – zugegeben sehr subjektives – Weltbild komplett überdenken, dass ich nicht ein fröhlicher, optimistischer Sonnenschein bin, der lachend durchs Leben geht? Ist mein Glas doch eher halb leer denn halb voll? Ich werde zum Glück rasch beruhigt: auch einen fröhlichen Menschen kann man noch fröhlicher machen, jemanden, der sich gerne durch eigene Glaubenssätze blockiert, kann man durch neue Glaubenssätze lockerer und freier machen.
Also nun ein Engel… Wie behandelt man die, wie geht man mit denen um, warum werden die nicht mit Gebrauchsanweisung ausgeliefert? Was darf ich von einem Engel erwarten, was nicht, wie oft darf ich ihn sehen? …wahrscheinlich nicht allzu oft, weil man Engel ja mit mehreren Menschen teilen muss (und grad im teilen bin ich doch so wahnsinnig schlecht als verwöhntes Einzelkind). Aber vielleicht ist es mit den Engeln ja so wie mit allen Dingen im Leben: „In großen Mengen genossen sind die leckersten Dinge irgendwann mal Strafe. Und Genuss ist ja eher etwas, das mit Besonderheit zu tun hat.“
drewshine - 7. Jun, 18:40