Love Vegas
Es gibt einige Augenblicke im Leben, wo manch einer von uns denkt, er muss diesen Augenblick mit der ganzen Welt teilen, sonst könnte er unter Umständen in tausend Stücke zerspringen. Wenn wir unendlich glücklich sind, dann wollen wir, dass die ganze weite Welt unser Glück teilt und Zeuge unseres Glücks wird. Denn was nützt uns Glück, wenn wir es nur mit einem Menschen teilen? Was ist der intimste Moment, den man als Paar teilen kann? Der erste Kuss? Das erste Mal? Der Moment, indem man beschließt, dass man den Rest des Lebens mit einer bestimmten Person verbringen möchte?
Ich persönlich glaube, der intimste Moment in meinem Leben wäre, wenn der Mann, den ich von ganzem Herzen liebe, um meine Hand anhalten würde. Natürlich habe ich für diesen Fall das „perfekte Szenario“ im Kopf: ein verlassener Sandstrand, eine Picknickdecke mit Picknickkorb, in dem eine Flasche eisgekühlter Champagner eingelagert ist (ja, wir sind in meinem Traum, wo es möglich ist, dass der Schampus nach 4 Stunden noch immer perfekt gekühlt ist), ein kitschiger Sonnenuntergang. Und dann mein Mr. Right – gesichtslos natürlich – der mich mit dem perfekten Ring in der Hand auf Knien darum bittet, dass ich für den Rest meines Lebens nicht von seiner Seite weiche… Zwei Menschen, vier Augen, abgeschieden vom Rest der Welt und eins in diesem Augenblick… aber, zugegeben, hier handelt es sich um meinen Traum…
Andere Menschen, andere Träume… Ich erinnere mich noch an das erste Robbie-Williams-Konzert im Jahr 2006, als einer von der Crew seiner langjährigen Freundin „on stage“ einen Heiratsantrag gemacht hat. Robbie hat angesagt, dass einer seiner Freunde seiner Freundin etwas Spezielles sagen möchte, und ich hab mich in der Sekunde zu Caro umgedreht und habe mit meinem Spezialaugenaufschlag zu ihr gesagt: „bitte keinen Heiratsantrag…“. Aber natürlich, es war ein solcher, und 50.000 Menschen waren Zeugen, als ein Mann vor einer Frau auf die Knie ging und sie darum bat, seine Frau zu werden…
Antragsexhibitionismus. Eine neue Steigerung von höher, weiter, stärker. Ja, man liebt diesen Menschen, aber das genügt nicht. Man will es nicht mit den Menschen, die man kennt und liebt, teilen, sondern mit zigtausenden Unbekannten. Einfach herausschreien „ich liebe dich“ und hoffen, dass alle anderen einen darum beneiden, was man hat, und dass das, was man hat, so ungewöhnlich ist, dass man es der ganzen weiten Welt auf die Nase binden muss.
… ein Kinoabend unter vier Freundinnen ist geplant. Eigentlich bin ich diejenige, die diesen Abend initiiert, und nach meiner Woche ist mir eigentlich – eigentlich – nach einem Splattermovie zumute, wo Blut in Bächen fließt, Körperteile abgehackt werden und Tote den Weg pflastern. Na schön, zur Not wäre ich auch mit einem spannenden Thriller einverstanden. Was meinen zwei meiner drei Freundinnen? „Ich würd gern was Lustiges sehen…“. Der lustige Film, den ich vorgeschlagen habe („be kind – rewind“), wird jedoch mehrstimmig abgelehnt (Scheißdemokratie), also kommt der beliebt-berüchtigte „Frauenfilm“: die sogenannte „Romantikkomödie“. Und dadurch, dass ich ja in Wahrheit ein gutmütiger Mensch bin, bin ich so nett und reserviere Karten für „Love Vegas“ – zur Not kann ich ja immer noch Ashton Kutcher anschmachten…
Außerdem bin ich ja ohnehin leicht glücklich zu machen – immerhin überstehe ich ja mit einer large Cola und einer Portion Nachos mit Käsesauce so ziemlich jeden Kinofilm. Also, warum nicht auch diesen. Die Werbung läuft, wir spielen unser Spiel „Werbung erraten“ und tratschen. Auf einmal wird mitten unter der Werbung der Saal wieder erleuchtet. Im ersten Moment schießt uns allen ein „bitte nicht schon wieder ein technischer Defekt“ durch den Kopf. Aber wir sehen, dass ein junger Mann mit Mikro in der Hand vor die Leinwand tritt. Ich wende mich wieder mal zu Caro zu und sage meinen berühmten Satz „bitte nicht schon wieder einen Heiratsantrag“…
Dieser junge Mann erklärt uns Publikum, dass er schon seit einigen Jahren (wie viele Jahre genau hat er sicherheitshalber offen gelassen) mit seiner Freundin zusammen ist und mit ihr sehr glücklich ist. Er bittet (kommandiert?) sie ebenfalls zu sich herunter und erklärt dem Auditorium, dass sie in den kommenden Monaten in die USA reisen, unter anderem auch nach Las Vegas. Er sinkt auf seine Knie und bittet sie darum, ihn zu heiraten… Das „Ja“ haben wir natürlich nicht mitbekommen, wir haben nur gesehen, dass die Frau im grünen T-Shirt dem Mann um den Hals fiel und ihn küsste. Ich nehme mal an, das war ein „Ja“…
Natürlich tut das Auditorium in diesem Fall das, was das Auditorium tun muss: es applaudiert und grölt und jubelt.
Während des Films grüble ich über den Antrag nach: ja, der junge Mann war zugegeben sehr tapfer, dass er vor einem ziemlich vollen Kinosaal seine Freundin gebeten hat, ihn zu heiraten – haben doch viele Menschen eine ziemliche Scheu davor, auch vor deutlich weniger Menschen zu sprechen. Und ich finde es auch nett von dem Kino, dass es diese Aktion möglich gemacht hat.
Vielleicht bin ich zynisch, aber schon ein anderer großer Mistkerl hat behauptet „in Wahrheit sind Zyniker nichts anderes als enttäuschte Romantiker“. Ein Antrag in intimer Atmosphäre, nur zwei Menschen, die einander lieben, das ist so ziemlich das Romantischste, das ich mir vorstellen kann. Vor einem Auditorium voller wildfremder Menschen – das ist für mich ein Grund, „nein“ zu sagen…
Von demher hoffe ich, falls mein McDreamy eines schönen Tages um meine Hand anhalten sollte, dass er es unter vier Augen machen wird – ein intimer Moment, wo es nur zwei Menschen auf der Welt gibt, nämlich ihn und mich, und dass alles andere in diesem Augenblick nebensächlich wird…
Als unser Brautpaar zwei Stunden später den Kinosaal verlassen hat, gab es kein Strahlen, kein Kosen, kein Knutschen. Sie haben einfach das Kino verlassen, als ob der Antrag unmittelbar vorher nicht stattgefunden hat. Ich wünsche ihnen trotzdem ein wunderschönes Leben zu zweit, und dass für sie immer die Sonne scheinen mag.
Ich persönlich glaube, der intimste Moment in meinem Leben wäre, wenn der Mann, den ich von ganzem Herzen liebe, um meine Hand anhalten würde. Natürlich habe ich für diesen Fall das „perfekte Szenario“ im Kopf: ein verlassener Sandstrand, eine Picknickdecke mit Picknickkorb, in dem eine Flasche eisgekühlter Champagner eingelagert ist (ja, wir sind in meinem Traum, wo es möglich ist, dass der Schampus nach 4 Stunden noch immer perfekt gekühlt ist), ein kitschiger Sonnenuntergang. Und dann mein Mr. Right – gesichtslos natürlich – der mich mit dem perfekten Ring in der Hand auf Knien darum bittet, dass ich für den Rest meines Lebens nicht von seiner Seite weiche… Zwei Menschen, vier Augen, abgeschieden vom Rest der Welt und eins in diesem Augenblick… aber, zugegeben, hier handelt es sich um meinen Traum…
Andere Menschen, andere Träume… Ich erinnere mich noch an das erste Robbie-Williams-Konzert im Jahr 2006, als einer von der Crew seiner langjährigen Freundin „on stage“ einen Heiratsantrag gemacht hat. Robbie hat angesagt, dass einer seiner Freunde seiner Freundin etwas Spezielles sagen möchte, und ich hab mich in der Sekunde zu Caro umgedreht und habe mit meinem Spezialaugenaufschlag zu ihr gesagt: „bitte keinen Heiratsantrag…“. Aber natürlich, es war ein solcher, und 50.000 Menschen waren Zeugen, als ein Mann vor einer Frau auf die Knie ging und sie darum bat, seine Frau zu werden…
Antragsexhibitionismus. Eine neue Steigerung von höher, weiter, stärker. Ja, man liebt diesen Menschen, aber das genügt nicht. Man will es nicht mit den Menschen, die man kennt und liebt, teilen, sondern mit zigtausenden Unbekannten. Einfach herausschreien „ich liebe dich“ und hoffen, dass alle anderen einen darum beneiden, was man hat, und dass das, was man hat, so ungewöhnlich ist, dass man es der ganzen weiten Welt auf die Nase binden muss.
… ein Kinoabend unter vier Freundinnen ist geplant. Eigentlich bin ich diejenige, die diesen Abend initiiert, und nach meiner Woche ist mir eigentlich – eigentlich – nach einem Splattermovie zumute, wo Blut in Bächen fließt, Körperteile abgehackt werden und Tote den Weg pflastern. Na schön, zur Not wäre ich auch mit einem spannenden Thriller einverstanden. Was meinen zwei meiner drei Freundinnen? „Ich würd gern was Lustiges sehen…“. Der lustige Film, den ich vorgeschlagen habe („be kind – rewind“), wird jedoch mehrstimmig abgelehnt (Scheißdemokratie), also kommt der beliebt-berüchtigte „Frauenfilm“: die sogenannte „Romantikkomödie“. Und dadurch, dass ich ja in Wahrheit ein gutmütiger Mensch bin, bin ich so nett und reserviere Karten für „Love Vegas“ – zur Not kann ich ja immer noch Ashton Kutcher anschmachten…
Außerdem bin ich ja ohnehin leicht glücklich zu machen – immerhin überstehe ich ja mit einer large Cola und einer Portion Nachos mit Käsesauce so ziemlich jeden Kinofilm. Also, warum nicht auch diesen. Die Werbung läuft, wir spielen unser Spiel „Werbung erraten“ und tratschen. Auf einmal wird mitten unter der Werbung der Saal wieder erleuchtet. Im ersten Moment schießt uns allen ein „bitte nicht schon wieder ein technischer Defekt“ durch den Kopf. Aber wir sehen, dass ein junger Mann mit Mikro in der Hand vor die Leinwand tritt. Ich wende mich wieder mal zu Caro zu und sage meinen berühmten Satz „bitte nicht schon wieder einen Heiratsantrag“…
Dieser junge Mann erklärt uns Publikum, dass er schon seit einigen Jahren (wie viele Jahre genau hat er sicherheitshalber offen gelassen) mit seiner Freundin zusammen ist und mit ihr sehr glücklich ist. Er bittet (kommandiert?) sie ebenfalls zu sich herunter und erklärt dem Auditorium, dass sie in den kommenden Monaten in die USA reisen, unter anderem auch nach Las Vegas. Er sinkt auf seine Knie und bittet sie darum, ihn zu heiraten… Das „Ja“ haben wir natürlich nicht mitbekommen, wir haben nur gesehen, dass die Frau im grünen T-Shirt dem Mann um den Hals fiel und ihn küsste. Ich nehme mal an, das war ein „Ja“…
Natürlich tut das Auditorium in diesem Fall das, was das Auditorium tun muss: es applaudiert und grölt und jubelt.
Während des Films grüble ich über den Antrag nach: ja, der junge Mann war zugegeben sehr tapfer, dass er vor einem ziemlich vollen Kinosaal seine Freundin gebeten hat, ihn zu heiraten – haben doch viele Menschen eine ziemliche Scheu davor, auch vor deutlich weniger Menschen zu sprechen. Und ich finde es auch nett von dem Kino, dass es diese Aktion möglich gemacht hat.
Vielleicht bin ich zynisch, aber schon ein anderer großer Mistkerl hat behauptet „in Wahrheit sind Zyniker nichts anderes als enttäuschte Romantiker“. Ein Antrag in intimer Atmosphäre, nur zwei Menschen, die einander lieben, das ist so ziemlich das Romantischste, das ich mir vorstellen kann. Vor einem Auditorium voller wildfremder Menschen – das ist für mich ein Grund, „nein“ zu sagen…
Von demher hoffe ich, falls mein McDreamy eines schönen Tages um meine Hand anhalten sollte, dass er es unter vier Augen machen wird – ein intimer Moment, wo es nur zwei Menschen auf der Welt gibt, nämlich ihn und mich, und dass alles andere in diesem Augenblick nebensächlich wird…
Als unser Brautpaar zwei Stunden später den Kinosaal verlassen hat, gab es kein Strahlen, kein Kosen, kein Knutschen. Sie haben einfach das Kino verlassen, als ob der Antrag unmittelbar vorher nicht stattgefunden hat. Ich wünsche ihnen trotzdem ein wunderschönes Leben zu zweit, und dass für sie immer die Sonne scheinen mag.
drewshine - 11. Mai, 23:02