Donnerstag, 27. März 2008

Same mistake

Wenn es etwas gibt, das unserem Leben diese gewisse Beständigkeit gibt, die wir so lieben und schätzen, dann sind es die Fehler, die wir mit schöner Regelmäßigkeit begehen. Wobei ich bei dem Wort „Fehler“ mich immer frage: wer entscheidet eigentlich, ob ein Fehler ein Fehler ist? Gibt es eine kosmische Jury, die mit Wertungstaferln sitzt und darüber abstimmt, ob diese Handlung, die wir soeben gesetzt haben, eine 10 verdient, oder ob es doch nur eher eine laue 3 ist? Und kann man irgendwo gegen das Urteil Berufung einlegen?

Ist es ein Fehler, wenn man einem Mann unterstellt, er sei Mr. Right? Der Eine, der uns vom Universum zugedacht wurde, der uns so liebt, wie wir sind, an dessen Seite wir wachsen können und der es als seine Hauptaufgabe ansieht, dass er uns zum Lachen bringt, einfach, weil er die Grübchen an unseren Wangen dann blitzen sieht. Und was ist, wenn sich am Ende des Tages herausstellt, dass es sich bei besagtem Mann um Mr.-leider-doch-nicht gehandelt hat? War dann die Zeit, die man mit ihm verbracht hat, die man ihm quasi „geopfert“ hat, ein Fehler, denn wenn man sie nicht mit ihm verbracht hätte, dann hätte man ja vielleicht schon Mr. Right gefunden und würde im Happy ever after-Club tanzen.

Im Leben meiner Freundinnen gab es in letzter Zeit einige Mr.-leider-doch-nicht. Und ich hab immer gesessen und mit schöner Regelmäßigkeit gepredigt: lass es zu, dass es dir einen Tag lang dreckig geht, wenn du mich brauchst, dann bin ich da, verabschiede dich in deinem Innersten von deiner Liebe, trauere anschließend darum, und nach einer gewissen Zeit des Trauers schaust du nach vorne und lachst wieder. Ich habe virtuelle Tempo-Boxen verteilt, habe über alle möglichen Kommunikationsmittel ein Ohr zum Zuhören und eine Schulter zum Ausweinen angeboten und habe meinen Freundinnen alle denkbare Kraft zur Verfügung gestellt.

Tja, und heute stehe ich da und stelle fest, dass hinter meinem Mr. Right auch ein Mr.-leider-doch-nicht steckt. Ohnmacht. Wut. Das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen fortgerissen wurde und man in ein tiefes schwarzes Loch stürzt, ohne den Grund dieses Loches zu sehen, ohne zu wissen, was einen dort erwartet. Das Einzige, das beim Fall begleitet, ist Schmerz. Dieser tiefe Schmerz, der einem durch Mark und Bein fährt und der sich schließlich sein Plätzchen im Herzen sucht. Und der sich dort im Herzen so richtig wohl fühlt und der dafür sorgt, dass man so richtig hemmungslos schluchzt, all die Taffness, die uns sonst tagein, tagaus begleitet, ist auf einmal dahin und man wünscht sich nur, dass es gestern ist, als man „es“ noch nicht gewusst hat und den Traum vom persönlichen Prince Charming noch träumen durfte.

Und so sitze auch ich heute auf meinem Sofa und stelle mir die berühmten Fragen: warum? Warum bin es nicht ich? Warum sieht er nicht, wie unendlich toll ich bin und wie perfekt wir zueinander passen würden? Warum macht sein Herz nicht auch diesen kleinen Hüpfer, wenn er mich sieht, und warum kann er sich nicht für mich entscheiden? Bin ich denn nicht auch liebenswert? Wert, dass man mich so liebt, wie ich nun einmal bin, mit all meinen Macken, meinen Fehlern. Und da ist es dann, das böse Wort: Fehler. War es ein Fehler, die ganze Zeit ihm zu opfern? Hätte ich – wenn ich in dieser Zeit nur beide Augen offen gehalten hätte und meinen Verstand bei mir gehabt hätte – vielleicht meinen tatsächlichen Mr. Right getroffen? Ist Mr. Right nun auf ewig aus den Augen, aus dem Sinn?

Ich glaube nicht, dass ich meinen Mr. Right verpasst habe. Vielleicht habe ich ihn nur noch nicht als meinen Mr. Right wahrgenommen. Oder er läuft mir erst in zwei Wochen über den Weg. Und ich glaube auch nicht, dass meine Zeit mit Mr.-leider-doch-nicht ein Fehler war. Denn ich habe in dieser Zeit viel über mich gelernt, habe mich auch weiter entwickelt. Ich habe in dieser Zeit Geduld gelernt, habe gelernt, dass ich nichts erzwingen kann, nur weil es mir vielleicht grad so in den Kram passt. Und – hey – ich habe gesehen, dass ich in der Lage bin, mich Hals über Kopf zu verlieben, ohne Netz, ohne doppelten Boden, dass ich den Mut habe, Risiken einzugehen, auch wenn mir hinterher das Ergebnis vielleicht nicht gefällt. Aber ich kann sagen, dass ich es zumindest versucht habe.

In diesem Sinne habe ich mir alle Ratschläge, die ich in den vergangenen Monaten meinen Freundinnen gegeben habe, ins Gedächtnis gerufen. Ich habe meinen Plan A – mich sinnlos betrinken – verworfen. Gewiss, mir geht es heute dann gut, weil ich mich nicht mehr spüre, aber morgen ist der Schmerz von neuem da, und ich habe einen Abend verloren, wo ich meinen Schmerz aufarbeiten kann. Also habe ich mich Plan B zugewendet. Ich habe alle Tränen, die sich in den vergangenen Monaten in mir aufgestaut haben, fließen lassen. Ich habe es mir gegönnt, einmal nicht stark zu sein, sondern klein, verletzlich, verwundbar. Und ich habe mir ein Ritual gegönnt, um mich von meinem Mr.-leider-doch-nicht zu verabschieden. Ich habe das Foto, das ich seit gut einem dreiviertel Jahr ständig bei mir trage, in meinem Aschenbecher verbrannt, habe zugesehen, wie sich das Fotopapier schwarz verfärbt hat und das Gesicht des Mannes, dem ich mein Herz geschenkt habe und der es nicht wollte, langsam vom Papier verschwindet. Ich habe danach überlegt, ob ich das verbrannte Papier wohl wegwerfen soll, habe es dann aber für passender gefunden, die Asche beim Fenster raus zu streuen (und merke: auch in dieser Situation gilt die alte Seglerweisheit „mit dem Wind, nicht dagegen“ – ein großer Teil der Asche ist wieder auf meinem Fensterbrett gelandet). Und ich habe mich bei Mr.-leider-doch-nicht in Gedanken dafür bedankt, dass ich ihm für eine kleine Zeit mein Herz geschenkt habe, hab ihm für die schönen Stunden, die ich mit ihm verbracht habe und für das viele Herzklopfen, das davor und danach war, gedankt und habe ihm im Geiste „alles Gute“ gewünscht.

Jetzt werde ich mich wieder auf mein Sofa verkrümeln – in mir sind noch einige Tränen, die noch vergossen werden wollen. Morgen werde ich mir dann eine Augenmaske spendieren, um meine verquollenen Augen wieder halbwegs menschlich aussehen zu lassen. Und dann? Dann werde ich wieder mein Leben leben, und wer weiß, vielleicht gefällt es dem Universum, dass es mir meinen Mr. Right vorbei schickt. Verdient hätte ich es… finde ich zumindest.

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