Ich will keine Schokolade
Den Fall kennt wohl jeder Österreicher: der Bürgermeister einer österreichischen Gemeinde findet ein Mon Cherie und eine Karte auf seinem Auto und isst am darauf folgenden Tag die Praline. Das Problem: die Praline war mit Strychnin vergiftet, der Politiker liegt seitdem im künstlichen Tiefschlaf.
Ich erinnere mich noch daran, als ich ein kleines Kind war, haben mir meine Eltern immer eingeschärft, dass ich unter keinen Umständen Süßigkeiten von Fremden annehmen dürfe. Und auch in Amerika – dem Land des Halloween-Wahns – werden die Kinder oft von ihren Eltern angewiesen, nur original verschweißte Süßigkeiten anzunehmen, da man nie davor gefeit ist, was Erwachsene denn in die Keks hinein tun.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Sogar Dirk Sternmann und Christoph Grissemann haben sich des Themas schon angenommen. An einem Donnerstag Abend sehe ich im Fernsehen, dass Grissemann vor einer Schüssel Mon Cherie sitzt und darüber rätselt, ob er wohl davon essen soll oder nicht. Und dass Stermann – als Grissemann sich endlich eine Praline in den Mund steckt – zu ihm sagt „du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…“.
Auch bei mir im Unternehmen hatten wir danach einen „Mon Cherie“-Fall. Neben einem Gangdrucker lag eines schönen Tages ein einsames Mon Cherie. Und das halbe Haus hat sich schräg darüber gelacht, dass die private Security das so überhaupt nicht lustig gefunden hat und einige Tage lang sehr nervös war. Und wenn mein Kollege wieder mal über die Handwerker flucht und sich fragt „ob ich denen wohl Mon Cherie schicken soll“ antworte ich jedes mal „aber nur, wenn du eine Karte dazu legst, auf der steht ‚du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…’“.
Ich frage mich, wie sich seit dem Zwischenfall im Februar die Absatzzahlen für Mon Cherie Pralinen entwickelt haben… Aber wie auch immer: uns ist nun allen klar, dass man in keinem Fall von Fremden Schoki annehmen soll.
Mitte dieser Woche finde ich in meinem Briefkasten ein kleines Päckchen von einem Personalberater, von dem ich mich vor einigen Jahren in die Kartei habe aufnehmen lassen. In meiner Wohnung angekommen öffne ich das Packerl und finde darin… nein, keine Mon Cherie, sondern eine Tafel Zotter Schokolade.
Ich gebe zu – wenn der Fall von dem Bürgermeister nicht gewesen wäre, hätte ich mich wie ein kleines Kind über die Schoki gefreut, hätte mich vor den Fernseher gesetzt und hätte die Tafel verputzt (soviel zum Thema „wir nehmen keine Süßigkeiten von Fremden an“). So aber ist mir etwas… unwohl zumute. Und ich sitze vor der Schokolade und frage mich „essen oder nicht essen“? Das Problem an Zotter Schoki ist nämlich, dass sie nicht so fest eingepackt ist wie andere Schokolade, dh, grundsätzlich könnte jeder sehr leicht die Banderole entfernen, die Verpackung öffnen, irgendwas mit der Schoki tun und dann alles wieder zumachen und so tun, als wär’ nix.
Vor allem frage ich mich, was jemanden reitet, dass er knapp einen Monat nach so einem Vorfall Schokolade verschickt. Liest der Betreffende keine Zeitung? Ich starre nach wie vor meine Schokolade an und frage mich „was will mir der Künstler damit sagen? Ist das die Rache, dass er keine Provision an mir verdient hat?“. Zusätzlich rätsle ich, ob Zotter-Schokolade wohl flüssig gefüllt ist (bei einer Feinbitterschokolade mit einer Füllung aus grünem Veltliner, Pfeffer und Schokolade – außerdem alkoholhaltig – ist es zumindest denkbar). Und ich zerlege das ganze Päckchen, ob vielleicht noch irgendwo eine kleine Karte oder ähnliches dabei ist (falls sich irgendwer noch die Frage stellen sollte: ja, ich habe nach der Karte gesucht, auf der steht „Sie sind für uns auch etwas ganz Besonderes“).
Kurze Zeit später schimpfe ich mich selbst für meine gesteigerte Paranoia – was soll denn bitte schön schon passieren? Auf der Banderole steht groß der Firmenname gedruckt, ebenso auf dem Packerl… gut, den Jungs von CSI würde wahrscheinlich ein Schokobröserl reichen, um im Fall der Fälle den Übeltäter dingfest zu machen – ich vertraue der Wiener Polizei und ihren Fähigkeiten bedingungslos und drapiere deshalb alle potentiellen Beweismittel malerisch am Couchtisch – sicher ist sicher…
Aber ich gebe zu, die Schokolade hat lange nicht so gut geschmeckt, wie sie hätte schmecken können, wenn dieses gewisse Unbehagen nicht da gewesen wäre… Und man reagiert auch sehr eigenartig: ist dieses kurze Räuspern wirklich nur ein Verschlucken oder sind das schon die ersten Anzeichen einer Vergiftung? Am liebsten wäre ich aufs Klo gelaufen und hätte mir den Finger in den Hals gesteckt…
Am nächsten Tag habe ich übrigens meinem Personalberater ein kurzes mail geschickt, in dem ich mich zuerst artig für das Geschenk bedankt habe, im zweiten Schritt aber zu bedenken gab, dass ich mich angesichts der Geschichte im Februar etwas unwohl dabei gefühlt habe. Sie haben sich ebenfalls artig für mein Feedback bedankt… bleibt nur zu hoffen, dass sie für diese Werbekampagne keine Werbefirma bezahlen müssen – die Honorarnote würde ich an ihrer Stelle nur mit sehr viel Widerwillen berappen…
Und dem betroffenen Bürgermeister wünsche ich alles erdenklich Gute und eine rasche Genesung.
Ich erinnere mich noch daran, als ich ein kleines Kind war, haben mir meine Eltern immer eingeschärft, dass ich unter keinen Umständen Süßigkeiten von Fremden annehmen dürfe. Und auch in Amerika – dem Land des Halloween-Wahns – werden die Kinder oft von ihren Eltern angewiesen, nur original verschweißte Süßigkeiten anzunehmen, da man nie davor gefeit ist, was Erwachsene denn in die Keks hinein tun.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Sogar Dirk Sternmann und Christoph Grissemann haben sich des Themas schon angenommen. An einem Donnerstag Abend sehe ich im Fernsehen, dass Grissemann vor einer Schüssel Mon Cherie sitzt und darüber rätselt, ob er wohl davon essen soll oder nicht. Und dass Stermann – als Grissemann sich endlich eine Praline in den Mund steckt – zu ihm sagt „du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…“.
Auch bei mir im Unternehmen hatten wir danach einen „Mon Cherie“-Fall. Neben einem Gangdrucker lag eines schönen Tages ein einsames Mon Cherie. Und das halbe Haus hat sich schräg darüber gelacht, dass die private Security das so überhaupt nicht lustig gefunden hat und einige Tage lang sehr nervös war. Und wenn mein Kollege wieder mal über die Handwerker flucht und sich fragt „ob ich denen wohl Mon Cherie schicken soll“ antworte ich jedes mal „aber nur, wenn du eine Karte dazu legst, auf der steht ‚du bist für mich auch etwas ganz Besonderes…’“.
Ich frage mich, wie sich seit dem Zwischenfall im Februar die Absatzzahlen für Mon Cherie Pralinen entwickelt haben… Aber wie auch immer: uns ist nun allen klar, dass man in keinem Fall von Fremden Schoki annehmen soll.
Mitte dieser Woche finde ich in meinem Briefkasten ein kleines Päckchen von einem Personalberater, von dem ich mich vor einigen Jahren in die Kartei habe aufnehmen lassen. In meiner Wohnung angekommen öffne ich das Packerl und finde darin… nein, keine Mon Cherie, sondern eine Tafel Zotter Schokolade.
Ich gebe zu – wenn der Fall von dem Bürgermeister nicht gewesen wäre, hätte ich mich wie ein kleines Kind über die Schoki gefreut, hätte mich vor den Fernseher gesetzt und hätte die Tafel verputzt (soviel zum Thema „wir nehmen keine Süßigkeiten von Fremden an“). So aber ist mir etwas… unwohl zumute. Und ich sitze vor der Schokolade und frage mich „essen oder nicht essen“? Das Problem an Zotter Schoki ist nämlich, dass sie nicht so fest eingepackt ist wie andere Schokolade, dh, grundsätzlich könnte jeder sehr leicht die Banderole entfernen, die Verpackung öffnen, irgendwas mit der Schoki tun und dann alles wieder zumachen und so tun, als wär’ nix.
Vor allem frage ich mich, was jemanden reitet, dass er knapp einen Monat nach so einem Vorfall Schokolade verschickt. Liest der Betreffende keine Zeitung? Ich starre nach wie vor meine Schokolade an und frage mich „was will mir der Künstler damit sagen? Ist das die Rache, dass er keine Provision an mir verdient hat?“. Zusätzlich rätsle ich, ob Zotter-Schokolade wohl flüssig gefüllt ist (bei einer Feinbitterschokolade mit einer Füllung aus grünem Veltliner, Pfeffer und Schokolade – außerdem alkoholhaltig – ist es zumindest denkbar). Und ich zerlege das ganze Päckchen, ob vielleicht noch irgendwo eine kleine Karte oder ähnliches dabei ist (falls sich irgendwer noch die Frage stellen sollte: ja, ich habe nach der Karte gesucht, auf der steht „Sie sind für uns auch etwas ganz Besonderes“).
Kurze Zeit später schimpfe ich mich selbst für meine gesteigerte Paranoia – was soll denn bitte schön schon passieren? Auf der Banderole steht groß der Firmenname gedruckt, ebenso auf dem Packerl… gut, den Jungs von CSI würde wahrscheinlich ein Schokobröserl reichen, um im Fall der Fälle den Übeltäter dingfest zu machen – ich vertraue der Wiener Polizei und ihren Fähigkeiten bedingungslos und drapiere deshalb alle potentiellen Beweismittel malerisch am Couchtisch – sicher ist sicher…
Aber ich gebe zu, die Schokolade hat lange nicht so gut geschmeckt, wie sie hätte schmecken können, wenn dieses gewisse Unbehagen nicht da gewesen wäre… Und man reagiert auch sehr eigenartig: ist dieses kurze Räuspern wirklich nur ein Verschlucken oder sind das schon die ersten Anzeichen einer Vergiftung? Am liebsten wäre ich aufs Klo gelaufen und hätte mir den Finger in den Hals gesteckt…
Am nächsten Tag habe ich übrigens meinem Personalberater ein kurzes mail geschickt, in dem ich mich zuerst artig für das Geschenk bedankt habe, im zweiten Schritt aber zu bedenken gab, dass ich mich angesichts der Geschichte im Februar etwas unwohl dabei gefühlt habe. Sie haben sich ebenfalls artig für mein Feedback bedankt… bleibt nur zu hoffen, dass sie für diese Werbekampagne keine Werbefirma bezahlen müssen – die Honorarnote würde ich an ihrer Stelle nur mit sehr viel Widerwillen berappen…
Und dem betroffenen Bürgermeister wünsche ich alles erdenklich Gute und eine rasche Genesung.
drewshine - 16. Mär, 17:10