With teeth
Wir Menschen werden ja oft von der einen oder anderen Angst gebeutelt. Und es ist ja in Wahrheit unpackbar, wovor man Angst haben kann. Agoraphobie, Arachnophobie, Höhenangst, Flugangst – Ängste berühren uns in unserem tiefsten Inneren und sorgen dafür, dass uns die Gänsehaut aufsteigt, uns jedes verdächtige Geräusch zusammen zucken lässt, unser Magen sich verknotet und uns der Angstschweiß auf der Stirn steht. Nun, ich habe das Glück, dass meine Ängste recht gut domestizierbar sind. Ich habe zB Angst vor mir unbekannten Aufzügen, da kann ich zum Amüsement meiner Begleiter stocksteif werden und sehr irrational agieren – aber diese Angst ist noch nicht so stark ausgeprägt, dass sie mich behindert. Eine Angst gibt es allerdings, die mich von frühester Kindheit an begleitet: die Angst vor dem Zahnarzt…
Himmel, was habe ich als Kind die Zahnärztin doch gehasst. Und ihren Bohrer, und vor allem dieses kreischende Geräusch, das dieser Bohrer macht. Wenn dieses Geräusch nicht wäre, dann würde das Bohren beim Zahnarzt wahrscheinlich gar nicht so wehtun. Aber alleine bei diesem Geräusch sind alle meine Nervenenden zum Zerreißen gespannt und höllisch überreizt – ein Anstupsen genügt, und es schmerzt. Meine Angst vorm Zahnarzt hat mich soweit gebracht, dass ich regelrecht hysterisch wurde, wenn ich die Ärztin gesehen habe – was damit geendet hat, dass die Zahnärztin meine Mutter aus dem Zimmer geschickt hat und mir eine Ohrfeige verpasst hat. Ja, von da an war ich ruhig, das stimmt. Aber ich hab vor jedem Zahnarztbesuch alle Zustände bekommen.
Aber da ich ja in Wahrheit vom Glück geküsst bin (und die schönen Zähne von meinem Dad geerbt habe), sind meine Zähne – bis auf ein paar kleinere Löcher – gut beieinander. Ich habe sogar durch Zufall eine sehr nette Zahnärztin gefunden. Da Zahnbeschwerden ja grundsätzlich am Wochenende kommen, wo man sich mit 40 anderen Menschen in der Notpraxis zusammenpferchen kann, hat mir das Universum eine sehr einfühlsame, nette, junge Zahnärztin zugespielt, die ihr Handwerk eindeutig versteht und die sehr flink arbeitet. Und wenn man zufrieden ist, kann man ja auch zur Routineuntersuchung hingehen.
Hab ich schon gesagt, dass ich meine Zahnärztin sehr mag? Vor jeder Untersuchung wird ein Röntgen gemacht, das genau zeigt, ob irgendein Zahn von Karies befallen wurde. Und da ich ja ein bisschen in die Kategorie „Angsthase“ zähle, bekomme ich auch beim Bohren immer eine Spritze, damit es nicht weh tut. Eines schönen Tages stelle ich voller Stolz fest, dass mir mittlerweile sogar schon die Weisheit aus dem Munde sprießt. Dummerweise ist rundherum alles entzündet und schmerzt. Ich verstehe, warum Babies wie am Spieß brüllen, wenn sie zahnen. Und ich kann auch den Drang, auf etwas Hartem herumzukauen, nachvollziehen, immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich etwas in den Mund stecke und daran herumnage…
Als das Zahnfleisch zum x-ten Mal entzündet ist, erkundigt sich meine Zahnärztin „wie alt sind sie jetzt eigentlich? 33? Da sollten sie überlegen, ob es nicht klüger wäre, den Zahn ziehen zu lassen.“ Ziehen???? Einen gesunden Zahn, der ja nix hat? Nö, sicher nicht. Vielleicht brauche ich den ja mal, später… Ich mag ihn nicht hergeben. Und das Zahnfleisch wird sich irgendwann mal beruhigen. Ja, hat es auch, allerdings hat dann der Kiefer zu maulen begonnen. Denn – man soll es nicht für möglich halten, aber: für alle meine Zähne ist mein Mundwerk einfach nicht groß genug. Und so kommt es, dass ich am Heiligen Abend am Vormittag in der Apotheke stehe, mit schmerzverzerrtem Gesicht, und bettle „Schmerzmittel, bitte…“. Die Apothekerin sieht mich mitleidsvoll an „Weisheitszahn?“ – ich nicke. Sie meint daraufhin „ich auch, ich hab in zwei Wochen den Termin zum ziehen“. Nach einigen Tagen ist der Schmerz aber vorbei, und – wenn’s eh net weh tut, warum dann freiwillig zum Zahnarzt gehen? Letzten Freitag setzen um 14 Uhr (natürlich zu einer Zeit, wo meine Zahnärztin im verdienten Wochenende ist) die Zahnschmerzen ein – der Weisheitszahn schubt wieder mal. Ich halte mich übers Wochenende mit meinen bewährten Schmerztabletten über Wasser und rufe am Montag in der Früh als erstes meine Zahnärztin an. Und weil ich ja Schmerzen habe, schlägt die Assistentin vor, ich soll doch gleich am nächsten Abend kommen. So schnell… aber undankbar darf man auch nicht sein. Also gerne und herzlichen Dank, dass ich so rasch drankomme.
Danach plane ich, wie der Dienstag ablaufen wird: erst Office, dann zum Zahnarzt. Caro holt mich dort ab und bringt mich heim, damit ich nicht U-Bahn oder Taxi fahren muss, wer weiß, wie’s mir nach dem Reißen gehen wird. Denn die Assistentin hat ja am Telefon geschätzt „hm, schaut so aus, als ob er leicht rausgehen würde – sagen wir eine halbe Stunde“. Ich lade den iPod auf, damit ich mich von den Zahnarztpraxisgeräuschen wegstöpseln kann. Überpünktlich komme ich in der Praxis an und lasse dort auch noch das obligate Röntgen über mich ergehen. Dann, der Moment, wo der Aff’ ins Wasser hupft, wie meine Oma sagen würde. Ich werde in den Behandlungsraum gebeten. Die Zahnärztin erklärt mir den Eingriff und betäubt die betroffene Stelle. Ich stöpsle den iPod ein und versuche, mir vorzustellen, dass ich an einem tollen Strand liege. Das erste Lied ist noch nicht mal fertig und ich bin noch lange nicht an meinem Strand angekommen, als ich spüre, dass mir etwas in den Mund gesteckt wird und die Aufforderung kommt „zubeißen bitte“. Was, das wars? Das waren ja nicht mal zwei Minuten… Und ich hab ja gar nix gespürt. Die Zahnärztin lächelt mich an, drückt mir die Instruktion für die kommenden Tage in die Hand und gibt mir als Andenken meinen Zahn mit.
Und davor hab ich solche Angst gehabt? War doch alles gar nicht so schlimm. Und: sie hat gar nicht gebohrt…
Himmel, was habe ich als Kind die Zahnärztin doch gehasst. Und ihren Bohrer, und vor allem dieses kreischende Geräusch, das dieser Bohrer macht. Wenn dieses Geräusch nicht wäre, dann würde das Bohren beim Zahnarzt wahrscheinlich gar nicht so wehtun. Aber alleine bei diesem Geräusch sind alle meine Nervenenden zum Zerreißen gespannt und höllisch überreizt – ein Anstupsen genügt, und es schmerzt. Meine Angst vorm Zahnarzt hat mich soweit gebracht, dass ich regelrecht hysterisch wurde, wenn ich die Ärztin gesehen habe – was damit geendet hat, dass die Zahnärztin meine Mutter aus dem Zimmer geschickt hat und mir eine Ohrfeige verpasst hat. Ja, von da an war ich ruhig, das stimmt. Aber ich hab vor jedem Zahnarztbesuch alle Zustände bekommen.
Aber da ich ja in Wahrheit vom Glück geküsst bin (und die schönen Zähne von meinem Dad geerbt habe), sind meine Zähne – bis auf ein paar kleinere Löcher – gut beieinander. Ich habe sogar durch Zufall eine sehr nette Zahnärztin gefunden. Da Zahnbeschwerden ja grundsätzlich am Wochenende kommen, wo man sich mit 40 anderen Menschen in der Notpraxis zusammenpferchen kann, hat mir das Universum eine sehr einfühlsame, nette, junge Zahnärztin zugespielt, die ihr Handwerk eindeutig versteht und die sehr flink arbeitet. Und wenn man zufrieden ist, kann man ja auch zur Routineuntersuchung hingehen.
Hab ich schon gesagt, dass ich meine Zahnärztin sehr mag? Vor jeder Untersuchung wird ein Röntgen gemacht, das genau zeigt, ob irgendein Zahn von Karies befallen wurde. Und da ich ja ein bisschen in die Kategorie „Angsthase“ zähle, bekomme ich auch beim Bohren immer eine Spritze, damit es nicht weh tut. Eines schönen Tages stelle ich voller Stolz fest, dass mir mittlerweile sogar schon die Weisheit aus dem Munde sprießt. Dummerweise ist rundherum alles entzündet und schmerzt. Ich verstehe, warum Babies wie am Spieß brüllen, wenn sie zahnen. Und ich kann auch den Drang, auf etwas Hartem herumzukauen, nachvollziehen, immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich etwas in den Mund stecke und daran herumnage…
Als das Zahnfleisch zum x-ten Mal entzündet ist, erkundigt sich meine Zahnärztin „wie alt sind sie jetzt eigentlich? 33? Da sollten sie überlegen, ob es nicht klüger wäre, den Zahn ziehen zu lassen.“ Ziehen???? Einen gesunden Zahn, der ja nix hat? Nö, sicher nicht. Vielleicht brauche ich den ja mal, später… Ich mag ihn nicht hergeben. Und das Zahnfleisch wird sich irgendwann mal beruhigen. Ja, hat es auch, allerdings hat dann der Kiefer zu maulen begonnen. Denn – man soll es nicht für möglich halten, aber: für alle meine Zähne ist mein Mundwerk einfach nicht groß genug. Und so kommt es, dass ich am Heiligen Abend am Vormittag in der Apotheke stehe, mit schmerzverzerrtem Gesicht, und bettle „Schmerzmittel, bitte…“. Die Apothekerin sieht mich mitleidsvoll an „Weisheitszahn?“ – ich nicke. Sie meint daraufhin „ich auch, ich hab in zwei Wochen den Termin zum ziehen“. Nach einigen Tagen ist der Schmerz aber vorbei, und – wenn’s eh net weh tut, warum dann freiwillig zum Zahnarzt gehen? Letzten Freitag setzen um 14 Uhr (natürlich zu einer Zeit, wo meine Zahnärztin im verdienten Wochenende ist) die Zahnschmerzen ein – der Weisheitszahn schubt wieder mal. Ich halte mich übers Wochenende mit meinen bewährten Schmerztabletten über Wasser und rufe am Montag in der Früh als erstes meine Zahnärztin an. Und weil ich ja Schmerzen habe, schlägt die Assistentin vor, ich soll doch gleich am nächsten Abend kommen. So schnell… aber undankbar darf man auch nicht sein. Also gerne und herzlichen Dank, dass ich so rasch drankomme.
Danach plane ich, wie der Dienstag ablaufen wird: erst Office, dann zum Zahnarzt. Caro holt mich dort ab und bringt mich heim, damit ich nicht U-Bahn oder Taxi fahren muss, wer weiß, wie’s mir nach dem Reißen gehen wird. Denn die Assistentin hat ja am Telefon geschätzt „hm, schaut so aus, als ob er leicht rausgehen würde – sagen wir eine halbe Stunde“. Ich lade den iPod auf, damit ich mich von den Zahnarztpraxisgeräuschen wegstöpseln kann. Überpünktlich komme ich in der Praxis an und lasse dort auch noch das obligate Röntgen über mich ergehen. Dann, der Moment, wo der Aff’ ins Wasser hupft, wie meine Oma sagen würde. Ich werde in den Behandlungsraum gebeten. Die Zahnärztin erklärt mir den Eingriff und betäubt die betroffene Stelle. Ich stöpsle den iPod ein und versuche, mir vorzustellen, dass ich an einem tollen Strand liege. Das erste Lied ist noch nicht mal fertig und ich bin noch lange nicht an meinem Strand angekommen, als ich spüre, dass mir etwas in den Mund gesteckt wird und die Aufforderung kommt „zubeißen bitte“. Was, das wars? Das waren ja nicht mal zwei Minuten… Und ich hab ja gar nix gespürt. Die Zahnärztin lächelt mich an, drückt mir die Instruktion für die kommenden Tage in die Hand und gibt mir als Andenken meinen Zahn mit.
Und davor hab ich solche Angst gehabt? War doch alles gar nicht so schlimm. Und: sie hat gar nicht gebohrt…
drewshine - 5. Mär, 20:30