Samstag, 23. Februar 2008

½ + ½ = 1?

Wenn ich aus dem Fenster meiner Wohnung schaue, dann sehe ich, dass die Sonne scheint, höre die Vögel um die Wette zwitschern, und der Nussberg deutet schon einen Hauch von Grün an. Frühling wird’s in Wien! Und bei Temperaturen, die deutlich im Plus-Bereich sind, werden auch die Hormone wieder aus der Winterstarre wach, und in der Einen oder Anderen erwacht der Wunsch, sich zu verlieben. Frühlingsgefühle liegen in der Luft…

Wenn ich dann in meinen Posteingang, auf mein Handy oder in einige Internetforen blicke, dann sieht die Realität etwas anders und deutlich kälter aus. Meine Freundinnen verabreden sich, treffen sich häufiger mit einem bestimmten Mann, beginnen, sich Hoffungen zu machen… und fallen im Rekordtempo auf die Schnauze, während die Herren der Schöpfung sich schneller aus dem Staub machen, als frau „abgeblitzt“ sagen kann. Was ist passiert, sind alle „guten“ Männer vom Markt und müssen wir „übrig gebliebenen“ versuchen, mit dem verbleibenden Material zurande zu kommen?

Als ich noch die Hälfte eines Paares war, gab es einen Satz, den ich immer abgrundtief gehasst habe: „und, wo ist denn deine bessere Hälfte?“. Ein Satz, der immer mitschwingen ließ, dass man alleine unkomplett ist, unfertig, unvollkommen… Als ich dann doch schon ein Jahr Single war (in den Augen mancher Freunde also quasi „überfällig“ für einen neuen Freund), war die Frage dann: „und, schon eine neue bessere Hälfte gefunden?“. Wenn ich das dann verneint habe, dann wurde mir gerne unterstellt, ich wäre zu wählerisch. Oder – um es mit den Worten eines anderen großen Mistkerls zu sagen: „wer selbst nicht aussieht wie Angelina Jolie, darf auf keinen Brad Pitt hoffen“.

Muss ich mich mit dem begnügen, was für mich quasi „übrig bleibt“? Bin ich unter einigen recht selbstgefälligen Ehepaaren in meinem Umfeld das einzige Aschenputtel, das nach wie vor vor der Erbsenschüssel sitzt und zählt „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“? Bin ich dazu verpflichtet, mich in meinen Augen „unter Wert“ an den Erstbesten zu verkaufen, nur um das Schandmal „Single“ endlich von meiner Stirn wischen zu können? Besser irgendeinen als gar keinen?

Letztes Jahr hatte ich eine Phase, wo ich mir vor einem Date gedacht habe: wenn der nur halbwegs nett ist und ein bissl an mir interessiert ist, dann werde ich es mit ihm versuchen – selbst, wenn er nicht der Mann ist, der mir Herzerl in die Augen zaubert. Das Universum hat mich allerdings vor diesem Fehler bewahrt, indem es dafür gesorgt hat, dass wir einander bei dem Date nicht gefunden haben. Es kommt recht selten vor, dass das Universum so deutlich zu mir spricht, aber in diesem einen Fall war die Message klar „Mädl, das wäre ein riesengroßer Fehler – einen, den du später sehr bereuen würdest“.

Ich habe diese Botschaft verstanden. So bleibe ich vorerst weiter Single. Und ich finde das Singledasein im Großen und Ganzen ja nicht so schlecht. Gewiss, es gibt Dinge, die mir sehr fehlen. Am Abend heimkommen und von einem lieben Menschen nach einem beschissenen Arbeitstag einfach in den Arm genommen zu werden. Jemanden haben, mit dem man stundenlang herumknutschen kann. Ja, und auch der Sex fehlt mir. Aber der Knackpunkt an der Geschichte ist ja: ich will diese drei Dinge haben, aber mit einem Mann, der mir mit jedem Blick in die Augen den Boden unter den Füßen wegzieht und der dann hinter mir steht, um mich aufzufangen. Der mir, wenn er mich ansieht, das Gefühl gibt, dass ich in seiner Welt die umwerfendste Frau bin, und wer bitteschön ist diese Angelina Jolie? Dem ich blind vertrauen kann, weil er mir das Gefühl gibt, dass er mich so liebt, wie ich bin und nicht, wie ich vielleicht sein könnte.

Ich möchte für den Mann an meiner Seite nicht austauschbar sein. Nicht diejenige sein, die grad zufällig da war, und die nach dem 4. Mojito – im Halbdunkel betrachtet – eh nicht so übel aussieht. Nicht diejenige sein, mit der Mann halt ins Bett geht, weil sie grad da ist und willig ist und weil Sex ja doch etwas angenehmer ist als das Rendez-vous mit der rechten Hand am WC.

Und so denke ich mir, wenn ich den Satz lese „dabei wünsche ich mir doch so sehr einen Partner“: ja, ich wünsche mir auch einen. Aber halt nicht „irgendeinen“. Sondern einen besonderen Menschen, der mich respektiert. Der mich so nimmt, wie ich bin, auch wenn das für ihn manchmal eine Herausforderung bedeutet. Durch den mir, nachdem er in mein Leben getreten ist, bewusst wird, dass ich genau ihn schon mein ganzes Leben lang vermisst habe. Und dass er mich auf diese besondere Art und Weise ergänzt. Ich möchte nicht, dass er mich vervollständigt – ich bin schon so komplett, wie ich bin. Und ich will auch nicht seine Sonne sein, um die er sich dreht. Wie hat es schon Christina so schön gesagt: mag daran liegen, dass ich mich auf Podesten, auf die man mich stellt, unwohl fühle.

Einfach einen Menschen finden, der mich als den Menschen schätzt, der ich nun mal bin. Mit all meinen Vorzügen und Fehlern, die ich habe. Der mich nicht ändern möchte, weil ich eben nun mal so bin wie ich bin. Und der findet, dass genau das meinen Charme ausmacht. Im Gegenzug verspreche ich, dass auch ich ihn als „Gesamtkunstwerk“ sehen werde – mit all den Macken und Schrulligkeiten, die nun mal zu Kunstwerken so dazu gehören…

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