Laß mi amoi no d’ Sun aufgeh segn
Heute, kurz nach 14 Uhr, als ich nach der Mittagspause kurz ins Internet schaue, springt mir auf der Startseite vom Standard eine Meldung ins Auge: Unbestätigten Meldungen zufolge ist gestern Georg Danzer gestorben...
Wer im Wien der 70er und 80er Jahre aufgewachsen ist, der kommt an einem Ambros, einem Hirsch, einem Falco und einem Danzer nicht vorbei. Und jeder dieser vier Künstler hat mich auf irgendeine Art und Weise berührt: Falco als begnadeter Zyniker, Hirsch mit seinen „dunkelgrauen Liedern“, der Wolferl mit dem „Zentralfriedhof“, dem „Hofa“ und natürlich der allgegenwärtigen Schikurshymne „Schifoan“. Der Schurl hat aber meiner Meinung nach immer die besten Texte gehabt. Ich hab eine besondere Bindung zu ihm – wenn man den Geschichten glauben mag, die meine Eltern mit einem sentimentalen Lächeln so gerne erzählen, dann war „Jö schau“ das erste Lied, das ich mit knapp 1 ½ Jahren unter dem Esstisch meiner Großeltern vor mich hingebrabbelt habe, der „Nockate vom Hawelka“ hat es mir damals offensichtlich angetan.
Was macht den Charme der Texte vom Danzer aus? Vielleicht, weil er in unnachahmlichen Wienerisch singt, und jedem Wiener die Augen zu strahlen beginnen, wenn er in seinem Dialekt singen darf. Vielleicht, weil er die Wiener wie kein Zweiter zu karikieren versteht. Vielleicht, weil man bei seinen Liedern zu lächeln beginnt…
Viele seine Texte sind in Wien im täglichen Sprachgebrauch: jeder kennt die Wendung „Hupf in Gatsch und schlog' a Wölln oba tua mi do net quö'ln.“ oder „so an Oamutschgal wie Dir schenk' ich an Schülling, oda na i gib da zwa du bist a Zwülling, wäu aner allan konn do net so deppert sein…“. Auch „i hau eam wia an Tanzbärn“ ist gang und gäbe. Im Lied „I bin a Kniera“ beschreibt er sehr treffend die Hausmeistermentalität und den Hang zum Vernadern, was man ja beides gerne den Wienern nachsagt und wenn man jemandem die „goldene Kniescheibe“ verleiht, dann ist das in Wien beileibe kein Kompliment – heißt es doch nichts anderes, als das man der „größte Furchengänger von Wien“ ist.
Aber der Danzer hält uns Wienern nicht nur einen Spiegel vors Gesicht. Auch zum Anbandeln habe ich schon Danzer-Songs verwendet. In einem Lokal mit Live-Musik zu fortgeschrittener Stunde, wenn der Sänger schon die Stimmbänder tüchtig geölt hat und zu den Austropop Songs übergeht, wenn das ganze Lokal zum Mitsingen beginnt, dann kann es schon sein, dass man sich dann auch ein bisschen näher kommt. Mein Date, mit dem ich in dem Lokal bin, treibt mich immer in den Wahnsinn, weil er wohl ein Handy besitzt, es aber nicht verwendet – auch nicht, um mich anzurufen. Wie es der Zufall so will, beginnt stimmt der Sänger unten „Ruaf mi net an“ an. Ich lächle also mein Date an und sag „na, in die Situation wirst du ja wohl eher nicht kommen“ – meinem Begleiter steht das Erkennen noch nicht auf der Stirn geschrieben, also setze ich den Satz mit einem „na ja, so ein großer Telefonierer bist du ja eher nicht“ fort. Nun ist mein Date doch etwas bestürzt und meint „oh weh, und dabei geb’ ich mir immer so viel Mühe…“. Ich lächle ihn an und sag „du, beim Telefonieren selbst bist du großartig, nur mit dem von-dir-aus anrufen, das funktioniert noch nicht so ganz.“ Er telefoniert nicht gern, gesteht er. Gut, ich bin ja nicht so „und welche Art der Kontaktaufnahme bevorzugst du sonst? SMS, oder doch e-mail?“. Nein, keines von denen, er spricht lieber direkt mit den Leuten. „Ah gut, das heißt, du stehst den ganzen Tag über auf der Straße und wartest, bis wer an dir vorbei läuft, mit dem du reden kannst.“ So, jetzt ist er wirklich arm, auf seiner Stirn steht plötzlich „Shit“ geschrieben, und es blinkt regelrecht. Ich weiß, ich bin boshaft, weil ich ihm nicht aus dieser Sackgasse raus helfe, aber irgendwie ist die Situation einfach zu witzig. Er überlegt sich wirklich eine gute Antwort, ich sehe regelrecht, wie sein Gehirn fieberhaft arbeitet (wenn man bösartig ist, könnte man sagen „man sieht die Zahnräder rattern“, aber dafür ist er zu intelligent…). Er versucht sich aus dieser Situation mit einem „na ja, ich denke schon daran, dass ich dich anrufe, aber dann kommt mir was dazwischen und ich vergess’ wieder…“. Ich lache laut und sage „du bist dir jetzt aber schon der Tatsache bewusst, dass das gerade kein Kompliment für mich war…“. Jetzt ist er endgültig arm dran und ich rette ihn, indem ich ihm sage, dass in Zukunft gern ich anrufen kann… Ohne einen Georg Danzer und sein Lied hätte diese Unterhaltung wohl nie stattgefunden.
Aber Georg Danzer hat uns nicht nur mit seinen Liedern den Tag verschönt. Er hat seine Kunst auch genutzt, um den Bedürftigen zu helfen – gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich hat er „Austria 3“ gegründet, und die Erlöse aus diesem Projekt kommen gänzlich den Obdachlosen – in Wien auch Sandler genannt – zu gute.
Von einem Danzer hat man auch nie irgendwelche Skandale gehört – wenn andere Austropopper ihre Frauen verlassen oder sich Alkohol und Kokain hingeben, dann hört man von einem Schurl nichts Negatives. Ein einziges Laster, das er jahrzehntelang frönt: er ist Kettenraucher. Und im vergangenen Jahr dann die erschütternde Diagnose: Lungenkrebs. Aber er hat den Kampf gegen den Krebs aufgenommen – und gestern hat er diesen Kampf dann verloren…
Wenn man den Berichten in den Medien glauben mag, dann ist Georg Danzer im Kreise seiner Familie gestorben. Er hatte an die Medien einen letzten Wunsch: dass die Nachricht von seinem Tod erst nach seiner Einäscherung an die Öffentlichkeit gegeben wird. Leider haben Einige diesem letzten Wunsch nicht entsprochen, sie haben sich damit meiner Meinung nach für die „Macht der Information“ und gegen die Pietät entschieden.
Meine Anteilnahme gehört der Familie und den Freunden von Georg Danzer – ich wünsche ihnen alle erdenkliche Kraft.
Und dem Schurl sag ich hiermit „Danke“ – deine Musik hat mich von Kindheit an begleitet, die Texte haben mich zum Lachen, zum Weinen und am Wichtigsten: zum Nachdenken gebracht. Mit deiner Musik und deinem Engagement hast du schon zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass man dich immer in guter Erinnerung behalten wird. Von dem her bin ich sicher, dass es dir dort, wo du jetzt bist, gut gehen wird…
Wer im Wien der 70er und 80er Jahre aufgewachsen ist, der kommt an einem Ambros, einem Hirsch, einem Falco und einem Danzer nicht vorbei. Und jeder dieser vier Künstler hat mich auf irgendeine Art und Weise berührt: Falco als begnadeter Zyniker, Hirsch mit seinen „dunkelgrauen Liedern“, der Wolferl mit dem „Zentralfriedhof“, dem „Hofa“ und natürlich der allgegenwärtigen Schikurshymne „Schifoan“. Der Schurl hat aber meiner Meinung nach immer die besten Texte gehabt. Ich hab eine besondere Bindung zu ihm – wenn man den Geschichten glauben mag, die meine Eltern mit einem sentimentalen Lächeln so gerne erzählen, dann war „Jö schau“ das erste Lied, das ich mit knapp 1 ½ Jahren unter dem Esstisch meiner Großeltern vor mich hingebrabbelt habe, der „Nockate vom Hawelka“ hat es mir damals offensichtlich angetan.
Was macht den Charme der Texte vom Danzer aus? Vielleicht, weil er in unnachahmlichen Wienerisch singt, und jedem Wiener die Augen zu strahlen beginnen, wenn er in seinem Dialekt singen darf. Vielleicht, weil er die Wiener wie kein Zweiter zu karikieren versteht. Vielleicht, weil man bei seinen Liedern zu lächeln beginnt…
Viele seine Texte sind in Wien im täglichen Sprachgebrauch: jeder kennt die Wendung „Hupf in Gatsch und schlog' a Wölln oba tua mi do net quö'ln.“ oder „so an Oamutschgal wie Dir schenk' ich an Schülling, oda na i gib da zwa du bist a Zwülling, wäu aner allan konn do net so deppert sein…“. Auch „i hau eam wia an Tanzbärn“ ist gang und gäbe. Im Lied „I bin a Kniera“ beschreibt er sehr treffend die Hausmeistermentalität und den Hang zum Vernadern, was man ja beides gerne den Wienern nachsagt und wenn man jemandem die „goldene Kniescheibe“ verleiht, dann ist das in Wien beileibe kein Kompliment – heißt es doch nichts anderes, als das man der „größte Furchengänger von Wien“ ist.
Aber der Danzer hält uns Wienern nicht nur einen Spiegel vors Gesicht. Auch zum Anbandeln habe ich schon Danzer-Songs verwendet. In einem Lokal mit Live-Musik zu fortgeschrittener Stunde, wenn der Sänger schon die Stimmbänder tüchtig geölt hat und zu den Austropop Songs übergeht, wenn das ganze Lokal zum Mitsingen beginnt, dann kann es schon sein, dass man sich dann auch ein bisschen näher kommt. Mein Date, mit dem ich in dem Lokal bin, treibt mich immer in den Wahnsinn, weil er wohl ein Handy besitzt, es aber nicht verwendet – auch nicht, um mich anzurufen. Wie es der Zufall so will, beginnt stimmt der Sänger unten „Ruaf mi net an“ an. Ich lächle also mein Date an und sag „na, in die Situation wirst du ja wohl eher nicht kommen“ – meinem Begleiter steht das Erkennen noch nicht auf der Stirn geschrieben, also setze ich den Satz mit einem „na ja, so ein großer Telefonierer bist du ja eher nicht“ fort. Nun ist mein Date doch etwas bestürzt und meint „oh weh, und dabei geb’ ich mir immer so viel Mühe…“. Ich lächle ihn an und sag „du, beim Telefonieren selbst bist du großartig, nur mit dem von-dir-aus anrufen, das funktioniert noch nicht so ganz.“ Er telefoniert nicht gern, gesteht er. Gut, ich bin ja nicht so „und welche Art der Kontaktaufnahme bevorzugst du sonst? SMS, oder doch e-mail?“. Nein, keines von denen, er spricht lieber direkt mit den Leuten. „Ah gut, das heißt, du stehst den ganzen Tag über auf der Straße und wartest, bis wer an dir vorbei läuft, mit dem du reden kannst.“ So, jetzt ist er wirklich arm, auf seiner Stirn steht plötzlich „Shit“ geschrieben, und es blinkt regelrecht. Ich weiß, ich bin boshaft, weil ich ihm nicht aus dieser Sackgasse raus helfe, aber irgendwie ist die Situation einfach zu witzig. Er überlegt sich wirklich eine gute Antwort, ich sehe regelrecht, wie sein Gehirn fieberhaft arbeitet (wenn man bösartig ist, könnte man sagen „man sieht die Zahnräder rattern“, aber dafür ist er zu intelligent…). Er versucht sich aus dieser Situation mit einem „na ja, ich denke schon daran, dass ich dich anrufe, aber dann kommt mir was dazwischen und ich vergess’ wieder…“. Ich lache laut und sage „du bist dir jetzt aber schon der Tatsache bewusst, dass das gerade kein Kompliment für mich war…“. Jetzt ist er endgültig arm dran und ich rette ihn, indem ich ihm sage, dass in Zukunft gern ich anrufen kann… Ohne einen Georg Danzer und sein Lied hätte diese Unterhaltung wohl nie stattgefunden.
Aber Georg Danzer hat uns nicht nur mit seinen Liedern den Tag verschönt. Er hat seine Kunst auch genutzt, um den Bedürftigen zu helfen – gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich hat er „Austria 3“ gegründet, und die Erlöse aus diesem Projekt kommen gänzlich den Obdachlosen – in Wien auch Sandler genannt – zu gute.
Von einem Danzer hat man auch nie irgendwelche Skandale gehört – wenn andere Austropopper ihre Frauen verlassen oder sich Alkohol und Kokain hingeben, dann hört man von einem Schurl nichts Negatives. Ein einziges Laster, das er jahrzehntelang frönt: er ist Kettenraucher. Und im vergangenen Jahr dann die erschütternde Diagnose: Lungenkrebs. Aber er hat den Kampf gegen den Krebs aufgenommen – und gestern hat er diesen Kampf dann verloren…
Wenn man den Berichten in den Medien glauben mag, dann ist Georg Danzer im Kreise seiner Familie gestorben. Er hatte an die Medien einen letzten Wunsch: dass die Nachricht von seinem Tod erst nach seiner Einäscherung an die Öffentlichkeit gegeben wird. Leider haben Einige diesem letzten Wunsch nicht entsprochen, sie haben sich damit meiner Meinung nach für die „Macht der Information“ und gegen die Pietät entschieden.
Meine Anteilnahme gehört der Familie und den Freunden von Georg Danzer – ich wünsche ihnen alle erdenkliche Kraft.
Und dem Schurl sag ich hiermit „Danke“ – deine Musik hat mich von Kindheit an begleitet, die Texte haben mich zum Lachen, zum Weinen und am Wichtigsten: zum Nachdenken gebracht. Mit deiner Musik und deinem Engagement hast du schon zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass man dich immer in guter Erinnerung behalten wird. Von dem her bin ich sicher, dass es dir dort, wo du jetzt bist, gut gehen wird…
drewshine - 22. Jun, 21:51