Samstag, 29. August 2009

Reflexionen

Schon Oscar Wilde wusste es: Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze. So simpel die Aussage, so schwierig deren Umsetzung…

Wenn man nun auf dieses Thema angesprochen wird, antwortet jeder im Reflex „jaja, natürlich liebe ich mich, und ich passe auf mich auf und ich schaue, dass ich Dinge tue, die mir gut tun“. Meistens kommt diese Antwort wie aus der Pistole geschossen, haben wir doch gelernt, dass diese Antwort in der Regel die „richtige Antwort“ ist. Jeder besorgte Freund, jeder Therapeut nickt kurz nach dem Satz. Und selbst ist man dankbar dafür, dass wir den Gegenüber wieder mal so gut täuschen konnten.

Es gibt allerdings fieserweise ein Gegenüber, das wir nicht täuschen können: unseren Partner. Fieserweise deshalb, weil dieser Mensch, der uns in- und auswendig kennt, der genau weiß, wie wir ticken, mit dem wir unser Leben teilen, im tiefsten Inneren genau spürt, dass wir da gerade dabei sind, eine Verantwortung auf ihm abzuladen, die in Wahrheit uns selbst gehört – nämlich „liebe du mich, damit ich es nicht für mich tun muss“.

Ein Satz, den mein Liebster mit Sicherheit schon tausendmal in unserer Beziehung gehört hat (teils ausgesprochen, teils unterschwellig mitschwingend), ist „ich möchte, dass ich in deinem Leben an der ersten Stelle stehe“. Vordergründig ist dieser Satz ja nichts Böses: ich möchte für dich wichtiger sein als dein Job. Ich möchte für dich wichtiger sein als deine Freunde. Ich möchte das Erste sein, woran du in der Früh denkst und das Letzte, bevor du Abends einschläfst. Das Fiese an diesem Satz ist aber: er tarnt sich hinter guten Absichten und Unausgesprochenem, denn wenn man den Satz vollständig ausspricht, käme heraus „ich möchte, dass ich in deinem Leben an der ersten Stelle stehe, weil ich mich in meinem Leben nicht an die erste Stelle reihe“. Autsch…

Wie reagiert unser Partner auf diesen unausgesprochenen, zweiten Satzteil? Nun ja… Sofern der Lebenspartner nicht emotional abgestumpft ist wie ein Brotlaib, wird die Feststellung kommen „da hat jemand Erwartungen an mich… Erwartungen, die so übermächtig sind, dass ich das Gefühl habe, dass ich sie nicht erfüllen kann“. Leider (oder zum Glück, je nachdem) kann unser Partner allerdings weder unsere Gedanken lesen noch in uns hinein schauen. So ist der Partner in der Regel auf eine eigene Interpretation angewiesen. ‚Sie will was von mir, was könnte das sein?’.

Es gibt wohl eine Vorstellung über Frauen, die sich in der Männerwelt hartnäckig gehalten hat – und zwar, dass die arme Maid vom strahlenden Ritter in schimmernder Rüstung auf weißem Ross aus dem hohen Turm befreit wird, und sie reiten in immerwährender Liebe in den Sonnenuntergang. Und wenn sie nicht gestorben sind… Könnte irgendjemand mal diesen verdammten Gebrüdern Grimm erklären, dass ihre Märchen der frühkindliche Ursprung eines ausgewachsenen männlichen Fluchtverhaltens sind? Ja, natürlich gibt es Frauen, die vom Mann „gerettet“ werden wollen. Es gibt aber auch ebensolche Frauen, die das nicht wollen, weil sie sich in Sachen „Rettung“ nur auf sich selbst verlassen. Nicht jede Frau träumt vom Brillantring, von zwei Kindern, Haus und Hund. Und ja, es gibt Frauen, die ihrem Schatz in die Arme sinken und hauchen „danke dafür, dass du mich so glücklich machst“. Andere Frauen hingegen drohen alleine bei diesem Satz in Ohnmacht zu fallen und verfluchen ihre Geschlechtsgenossinnen für jede einzelne Silbe.

Das Alles weiß unser Partner allerdings nicht. Oder… vielleicht haben wir es ja mal gesagt, dass es so ist, aber wir wissen ja alle… Lippenbekenntnisse… So ist unser Partner also damit konfrontiert „da is’ was…“. Was, weiß er aber nicht. Nachfragen bringt nix, weil man da wieder das gewohnte Lippenbekenntnis zur Antwort bekommt. Und so ist er wieder auf Vermutungen angewiesen. Die Krux mit Vermutungen ist, dass man nicht immer das Naheliegendste als Erklärung wählt, sondern in der Regel das, wovon man selbst am meisten Angst hat. Und so wird zB ein Mensch mit einem ausgeprägten Freiheitsbedürfnis annehmen „sie möchte einen Ehering, Kinder, ein Einfamilienhaus im Grünen, einen Hund“. … und spürt dabei zwei Gefühle in sich aufsteigen: ein sich ausbreitendes Unwohlsein, weil mann ja eine andere Vorstellung von der Zukunft hatte und ein Gefühl des Versagens „so etwas kann ich ihr nie geben – ich bin also der Falsche für sie, sie vergeudet ihre Zeit mit mir“.

So kommt es zu den beliebten zwischenmenschlichen Missverständnissen, zu Beziehungsproblemen, Streit… und manchmal auch zu Trennungen. Trennungen, weil man aneinander vorbei geredet hat. Weil man trotz aller Kommunikationstrainings, die man im Laufe seines Lebens absolviert hat, immer noch nicht die Sprache des Anderen spricht. Weil man in der Beziehungskommunikation versagt hat.

Zu Beziehungen gehören immer zwei Menschen – wenn sie gelingen ebenso wie wenn sie scheitern. Gute Beziehungen sind meistens die, wo beide Partner so selbstreflektiert sind, dass sie – wenn am Horizont ein Thema auftaucht – sofort sagen können „das ist mein Thema“ oder „das ist sein Thema“. Und die dem Partner als Spiegel dienen, wenn er sein eigenes Thema nicht erkennt und ihn so in die Reflexion zwingen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, so selbstreflektiert bin ich noch nicht. Ich habe zwar in den vergangenen Jahren sehr dazu gelernt, aber ich neige immer noch dazu, meinem Partner die Verantwortung für „meine Themen“ umzuhängen. Und verschließe meine Augen davor, dass er sie a) für mich nicht lösen kann und b) es auch gar nicht seine Aufgabe ist, meine Themen für mich zu lösen.

Mein aktuellstes Thema ist eben, dass ich mich selbst nicht an erste Stelle reihe. Alles andere ist wichtiger: die Familie, der Partner, sogar der Übungspartner im NLP-Seminar, dem ich sein Setting nicht versauen möchte. Ich weiß sogar, woher mein Thema kommt: ich hab es jahrzehntelang so gelernt. Meine Mutter, die Aufopferung in Person, hat mir immer beigebracht, dass man selbst an allerletzter Stelle zu stehen hat, und dass vorher auf alle anderen geachtet werden muss. Und ich habe es sogar geschafft, mir mein Thema positiv zu reframen: ich bin eben sehr fürsorglich und warmherzig. Ich achte auf meine Mitmenschen. … das Problem dabei ist, dass ich mich selbst dabei nicht achte…

Der Volksmund sagt so schön „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“. Die Erkenntnis ist da. Wie ich das Problem für mich selbst lösen kann, weiß ich noch nicht. Wenn jemand einen Workshop empfehlen kann, wie man Selbstachtung lernt, nur her damit! Solange kann ich nur mein Wort anbieten: „ja, ich habe mein Thema gesehen. Und ja, ich verspreche, dass ich an meinem Thema arbeiten werde.“ – weil ich weiß, dass es für eine Beziehung zwei „ich’s“ benötigt, die so fest in sich ruhen, damit genug Stabilität für ein „wir“ da ist…

Freitag, 24. Juli 2009

Land unter...

Gestern war wohl so eine Nacht, an die man sich sein ganzes Leben erinnert. Und alles danach folgende mit dieser einen Nacht vergleicht.

Nach dem Hagelunwetter gestern Nacht bin ich auf der Heiligenstädter Straße knietief (!!!) durchs Wasser gewatet. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Heiligenstädter Straße schon einmal so hoch unter Wasser stand, und ich wohne seit über 30 Jahren in Nussdorf. Meine Dachflächenfenster sind zum Glück heil geblieben. Der Boden war ein bissl nass, aber das trocknet. Meinen Schreibtisch kann ich nun feng-shui-mäßig abräumen, weil alles Papier dort völlig durchnässt ist.

Wenn ich heute mutig bin, werde ich am Abend den Keller inspizieren, ich fürchte fast, dass der auch recht nass geworden ist...

Mittwoch, 22. Juli 2009

The dark side of the Force

“A Jedi uses the Force for knowledge and defense. Never for attack.” Yoda

Manipulation. Gut geschulte Verkäufer, die einem Eskimo eine Kühlkombination aufschwatzen. Pseudowissenschaftlichkeit. Esoterik. Mischung von Platitüden. Das ist ja eine Sekte. Das alles sind Assoziationen, die bei einigen Menschen hochkommen, wenn man drei Buchstaben in den Mund nimmt: NLP…

Über neurolinguistische Programmierung wurde viel geschrieben. Wikipedia sagt über die neurolinguistische Programmierung zB folgendes: „Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP) wurde Anfang der 1970er Jahre an der University of California in Santa Cruz von Richard Bandler und John Grinder als neues Verfahren der Kurzzeit-Psychotherapie entwickelt. Sie definierten NLP als das Studium der Struktur subjektiver Erfahrung und der Folgerungen daraus.“ Ich gestehe, unter dieser Definition kann ich mir nur sehr wenig vorstellen, denke aber, dass schon alleine beim Wort „Kurzzeit-Psychotherapie“ bei vielen Menschen eine ganze Armada von Alarmglocken zu läuten beginnt. Wo doch niemand von uns eine Psychotherapie notwendig hat, und schon gar nicht kurzzeitig…

Heutzutage wird NLP oftmals als Kommunikations-Tool angepriesen. Sehr oft auch als „erfolgreich kommunizieren mit NLP“, was unterschwellig mitklingen lässt: wenn du erfolgreich kommunizierst, dann lernst du, dass du deine eigene Meinung durchsetzt. Aber wann kommuniziert man „erfolgreich“? Meiner Meinung nach ist eine Kommunikation dann „erfolgreich“, wenn die Schallwellen und die Gesten, die A produziert, bei B mit dem selben Inhalt ankommen, den A ursprünglich gemeint hat. Und B dann sinngemäß sagen kann „ah, das hast du also damit gemeint“ und A nickt. Wenn also eine Wissensredundanz geschaffen wurde - beide wissen nach der Unterhaltung dasselbe, und damit weiß einer von beiden mehr als vor der Unterhaltung. Das ist doch eigentlich keine schlechte Sache…

Wie transportiert man aber die Schallwellen und die Körpersprache so zu B, damit der nach der Unterhaltung nicht mit lauter Fragezeichen in den Augen da steht? Nun, das geht damit, indem man sich in das Gegenüber hinein versetzt, seine Sprache beobachtet (die nicht nur aus dem tatsächlich gesprochenen Wort besteht) und ihm dann in seiner Sprache die Informationen übermittelt. Emphatisch auf den Gegenüber eingehen und die eigene Sprache so modifizieren, dass sie vom Anderen verstanden wird. Eigentlich auch nix schlechtes…

Nun besteht Kommunikation nicht nur in der Kommunikation mit einem oder mehreren anderen Mitmenschen. Wir kommunizieren auch laufend mit uns selbst. Und diese Qualität der internen Kommunikation prägt auch sehr maßgeblich unsere Kommunikation nach außen. Mein Liebster hat über mich sehr treffend gesagt „du behandelst die Menschen um dich herum ungnädig. Wobei man dir zugestehen muss: du behandelst niemanden schlechter als dich selbst“. Und ich muss zähneknirschend zugeben: er hatte Recht! Der innere Zensor, der auf meiner Schulter sitzt, hat den ganzen lieben langen Tag nur mit mir gekeppelt… „Na, das hast jetzt aber wieder sehr clever gemacht“, „da hast überlegt, wie man das möglichst deppert anstellen kann, weil zufällig passiert dir so was nicht“, „ui, da hamma die Intelligenz aber wieder mal mit dem Löffel gefressen“…

Das Spannende ist: man sieht den Menschen am Gesicht an, ob die innere Kommunikation harmonisch oder zänkisch ist. Schaut mal in den öffentlichen Verkehrsmitteln euren Sitznachbarn an. Sträflingsmiene? Finsterer Blick? Dann kann man sich schon ganz gut vorstellen, was der sich selbst grad an Nettigkeiten an den Kopf wirft…

Ich habe nun also mit einer NLP-Ausbildung begonnen. Und ich habe schon fünf wundervolle Tage voller Lachen, Lernen und Lieben hinter mir und ich freue mich wie ein kleines Kind auf die Tage, die noch kommen werden. Ich habe Muster an mir entdeckt, habe Masken abgenommen und habe einen sehr interessanten Menschen kennen gelernt: mich selbst.

Wenn nun jemand auf mich zukommt und mir sagt „wir waren uns schon einig darüber, dass NLP die dunkle Seite der Macht ist“, dann passieren in mir nun einige interessante Dinge. Statt dass ich sage „wie kannst du so etwas sagen? Hast du dich mit der Materie beschäftigt, sodass du dir eine eigene Meinung darüber bilden kannst? Oder kopierst du nur die Meinung anderer, die du irgendwann mal gehört hast?“ läuft in meinem Kopf nun folgendes Programm ab:

Am Liebsten würde ich nun verbal zurück schlagen. Damit würde ich allerdings selbst zum Täter werden, und die Situation würde nicht besser werden. Dieser Satz löst in mir eine Emotion aus. Spannend – wie fühlt sich das an? Danke, dass du mich auf diese Emotion aufmerksam gemacht hast, daran muss ich noch arbeiten. Habe ich vielleicht den falschen Kanal gewählt, um mich beim anderen verständlich zu machen? Beobachten wir dich noch einmal genauer, was ist dein leading system, was dein Referenzsystem? Kann ich etwas tun, um diese Spannung aus der Unterhaltung rauszunehmen? Gibt es eine Möglichkeit, damit wir uns beide wieder in der Unterhaltung wohler fühlen?

All das läuft nun in einem Sekundenbruchteil ab. Und ich überlege auch „ist das mein Thema, an dem ich arbeiten sollte, oder versucht mein Gegenüber gerade, mir sein Thema umzuhängen?“ – wenn’s meins ist, bedanke ich mich in Gedanken für den Hinweis. Wenn es nicht meines ist, dann nehme ich es auch nicht an, sondern lasse es regelrecht durch mich hindurch gehen.

Entspannt sein. Gelöstheit. Eine innere Stimme, die mit mir gemeinsam lacht. Ein besseres Verständnis für die Mitmenschen. Eine feinere Wahrnehmung. Auch das kann NLP sein. Wenn man sich für „the light side of the Force“ entscheidet…

Freitag, 22. Mai 2009

Soulmate

Wenn es eines gibt, was sich viele Menschen wünschen – sofern sie nicht Misanthropen sind – dann ist es, einen Seelengefährten zu haben. Dieser eine Mensch, der uns das Gefühl gibt, dass wir so, wie wir sind, perfekt sind, der uns stützt, an dem wir uns reiben können und an dem wir wachsen können, der uns nie in seinen Schatten zwingt, unser Mentor, unsere Muse – geben wir es doch zu, spätestens nach dieser Beschreibung wollen wir alle einen!

Zugegeben ungeklärt ist, ob es sich bei diesem Seelengefährten um einen gleich- oder einen andersgeschlechtlichen Menschen handeln sollte, sprich: ob es die beste Freundin/der beste Freund ist, den wir suchen, oder ob es sich um die Liebe unseres Lebens handeln soll. Die Romantiker schreien nun natürlich „natürlich die eine wahre Liebe“, die Pragmatiker sagen „na ja, vielleicht doch lieber die beste Freundin, auf die kann ich mich immer verlassen, wo doch die Liebe oftmals so wankelmütig ist“. Unbestritten ist, dass dieser eine besondere Mensch – egal welchen Geschlechts – speziell, einzigartig, unersetzlich ist. Dass man ihn wie eine empfindliche Pflanze hegen und pflegen muss, damit man ihn nicht verliert, denn sonst ist er unwiederbringlich weg…

Nachdem ich mich selbst als Zyniker sehe (der somit per Definition ein enttäuschter Romantiker ist), der noch dazu Risiko lieber streut, muss ich gestehen, dass dieser „ein Mensch – und der von der Wiege bis zur Bahre“-Aspekt mir ein gewisses Unbehagen bereitet. Man stelle sich vor, mein auserwählter Seelenpartner verunfallt oder stirbt an einer schweren Krankheit – dann ist wohl Unglück oder zumindest Unvollkommenheit für den Rest meines Lebens mein Los. Kein sonderlich beruhigender Gedanke… da schlafe ich doch gleich noch eine Nuance schlechter.

Aber zum Glück rettet mich da die persönliche Erfahrung: ich habe nämlich schon mehrmals den berühmten Seelengefährten gefunden, und zwar – oh wundersamer Weise – sowohl unter Männern als auch unter Frauen! Ich habe für mich also falsifiziert, dass es nur „einen Menschen“ auf dieser Welt geben kann, der mein Seelenpartner ist. Die Seelengefährten sind in meinem Leben also gekommen, einige sind gegangen (dankenswerterweise sind sie alle noch am Leben), andere wiederum sind geblieben. Wie kam’s dazu?

Wann hat ein Mensch – egal welchen Geschlechts – das Potential, dass er der Seelenpartner wird? Nun, zuerst einmal ist es wichtig, dass von beiden Seiten Sympathie vorhanden ist. Mit einem Menschen, der einem vom ersten Augenblick an zuwider ist, wird man wohl nur schwer so warm werden, dass man die intimsten Gedanken teilt. Nun gut, wir haben einen Menschen gefunden, der uns sympathisch ist, wie geht’s weiter? Man redet miteinander, versucht, möglichst viel über den anderen zu erfahren, wie er denkt, wie er fühlt, wie seine Sicht der Dinge auf die Welt ist. Bei vielen Gedanken wird man feststellen „der denkt ja gar nicht mal so anders wie ich“, was natürlich für einen selbst auch eine Bestätigung ist „wenn außer mir noch jemand so denkt, dann kann mein Gedanke ja gar nicht so falsch sein“ oder „… dann kann mein Gedanke ja gar nicht so krank sein“. Man stellt fest, dass man diesem Menschen vertrauen kann, weil er all diese Informationen, die man ihm gegeben hat, nicht gegen einen selbst einsetzt – man schenkt ihm dafür die eigene Loyalität und hält ihm die Stange. Irgendwann hat man so viele Informationen über den Menschen gesammelt, dass man seine Gedanken oder sein Verhalten in einem besonderen Fall schon vorweg nehmen kann. Das ist dann wohl das, was man gemeinhin als „Gedanken lesen können“ bezeichnet – ich würde es jedoch als besondere Form der Empathie bezeichnen.

Erreicht man das bei jedem sympathischen Menschen, der einem über den Weg läuft? Nein. Warum nicht? Weil wir uns nicht auf jeden Menschen mit der gleichen Intensität einlassen. Bei vielen halten wir den Beziehungsball bewusst flacher, bei anderen wenigen hingegen gestatten wir uns mehr Tiefe. Nicht umsonst sagen wir „ich habe soundso viele Freunde“, nominieren allerdings immer nur einen jedes Geschlechts als „besten Freund“ und „beste Freundin“. Und während wir vor unserem Freundinnenkreis den aktuellen Lebensabschnittspartner in den höchsten Tönen loben, erfährt nur die beste Freundin, ob und wo es gerade krankt.

Ich glaube, man kann mit Fug und Recht sagen, dass „Nähe“ einer der Kernpunkte ist, der beim Seelengefährten gegeben sein muss. Wer bereit ist, jemand anders an sich emotional heran zu lassen und sich umgekehrt auch auf diese Person einlässt, hat einen ersten wichtigen Schritt getan, um diese Person mit dem Prädikat „Seelenpartner“ auszuzeichnen.

Aber so, wie die Nähe eine Seelenpartnerschaft regelrecht düngt, so bringt Distanz sie zum Verdorren. Manchmal genügt ein trivialer Grund, sei es eine nicht beantwortete mail oder ein überhörter Anruf, und eine Seite geht auf Distanz, oft nicht viel, oft nur ein kleiner Schritt. Man erzählt dem anderen nicht mehr alles, gibt weniger von sich selbst preis. Vielleicht bemerkt der andere die beginnende Distanz, und sagt sich „das ist nur vorübergehend, das wird sicher bald wieder so, wie es vorher war“, und ehe man es sich versieht, versiegt der Kommunikationskanal und eines schönen Tages stellt man fest, dass man nur noch über das Wetter miteinander spricht. Und dass der gemeinsame Austausch, das diskutieren und philosophieren, das man früher so sehr geschätzt und geliebt hat, schon vor langer Zeit aufgehört hat.

Ja, das Traurige ist: manchmal enden Seelenpartnerschaften, genauso, wie Beziehungen und Freundschaften enden. Wenn beide dazu bereit sind, kann man natürlich einen Neuanfang wagen, einander wieder kennen lernen, einander wieder Nähe schenken. Einfacher ist es natürlich, wenn man es gar nicht erst so weit kommen lässt, und wenn man täglich an der Seelenpartnerschaft arbeitet. Ich finde, dieses wunderschöne Gefühl, dass man gar nichts sagen muss und nur ein einziger Blick genügt, wo man weiß, was der andere gerade denkt, das rechtfertigt in jedem Fall das kleine bisschen Beziehungsarbeit… Sollte es doch nicht gelingen, dann darf man den Mut nicht verlieren und die Hoffnung nicht aufgeben. Denn draußen in der Welt gibt es noch viele Menschen, die einen Seelenpartner suchen.

Samstag, 9. Mai 2009

Faszinierend...



Ich mag Armin Wolf *daumenhoch*

Freitag, 1. Mai 2009

Irgendwas bleibt

Die Menschen, die mich kennen und die mich lieben, sagen mit einem kleinen Augenzwinkern über mich, ich sei Monk. Ich schmunzle dann immer darüber, und habe es mir sogar schon angewöhnt, dass ich selbst über mich sage „ich bin Monk“. Und – sind wir doch ehrlich – jeder hat so seine kleine Schrulligkeit, seine Macke, dieses kleine „Etwas“, das zu diesem betreffenden Menschen gehört, das seine Einzigartigkeit mit ausmacht, und sicher auch zum Teil seine besondere Liebenswürdigkeit. Die beste aller Freundinnen zum Beispiel will im Kino immer am Rand sitzen. Mein Liebster wird unruhig, wenn er im Restaurant nicht die Rechnung bezahlen darf. Und ich?

Nun, im Bereich „latent zwanghaftes Verhalten“ bin ich sehr schmal bestückt. Ich muss nicht dreimal die Wohnung kontrollieren, ob alles abgedreht ist, ich kann auf Fliesen und auf Fugen treten - die Tatsache, dass die Knopfleiste der Bettdecke bei mir immer unten sein muss, kann in diesem Fall schon fast als „vernachlässigbar“ gewertet werden. Ich habe eine andere Macke: ich bin ein Kontrollfreak…

Wobei ich eines gestehen muss: Kontrollfreak sein ist nicht so schlecht… Meine Studienkollegen haben es zu schätzen gewusst, dass ich ihre Diplomarbeiten perfekt lektoriert habe und ihnen sogar angestrichen habe, wenn statt einem Leerzeichen zwei zwischen den Wörtern waren. Meine Arbeitskollegen drücken mir gerne wahre Zahlenfriedhöfe in die Hand zum Abgleichen und können sicher sein, dass ich erst dann Ruhe gebe, wenn wirklich neben jeder Zahl ein Häkchen steht. Mir ein Dokument zu schicken mit dem beliebten „lies dir das bitte mal durch“ führt in der Regel zu einer mindestens 5minütigen Besprechung, wenn ich das Dokument retourniere und alle meine Anmerkungen kund tue. Ich habe den Ruf, dass ich genau und sorgfältig arbeite, wenn ich etwas als „ich hab’s mir angeschaut“ zurück gebe und keine Anmerkungen habe, dann genieße ich mittlerweile das Vertrauen meiner Kollegen, dass dann wirklich niemand mehr noch zusätzlich drüber schaut, denn wenn das Julia’sche Qualitätshakerl drunter ist, ist das mindestens so sicher wie das Österreichische Gütesigel.

Was im Job hilfreich ist, kann im Privatleben allerdings ziemlich bremsen. Denn den Monk lege ich beim Heimkommen ja nicht bei der Garderobe ab, sondern der bleibt bei mir. Und so wohl sich der Monk in mir im Büro fühlt, weil er da ja seinen Kontrollzwang ausleben kann und dadurch ein hohes Maß an Sicherheit hat, so unwohl fühlt er sich, wenn ich privat vor unklaren Situationen stehe, wo ich von Sicherheit so weit entfernt bin wie von einem Physiknobelpreis. Vor einiger Zeit habe ich mir in einer unklaren Situation damit „geholfen“, dass ich einfach eine Entscheidung erzwungen habe. Das hat in 99,5 % aller Fälle damit geendet, dass nicht das raus kam, was ich mir erhofft hatte, aber immerhin – ich habe einen kleinen Teilsieg errungen, denn die Situation war nun nicht mehr unklar. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich aber erkannt, dass mich dieses Verhalten sehr in meiner Entwicklung bremst, und seitdem arbeite ich daran und an mir, um es in den Griff zu bekommen und mir selbst ein kleines Eck mehr Freiheit zu schenken.

Mein Liebster hat gestern etwas sehr interessantes zu mir gesagt: du suchst dir eine Tür, durch die gehst du hindurch und schließt sie hinter dir. Ein gerader Weg, kein zurück schauen. Das genaue Gegenteil von ihm, der sich wohl fühlt, wenn er viele offene Türen, viele Optionen hat, mit denen er jonglieren kann.

Quasi ein Leben ohne Netz und doppeltem Boden… Gestern Abend hat das noch für mich erstrebenswert geklungen, da dachte ich mir noch „ja, das möchte ich auch können, das muss die ultimative Freiheit sein“. Heute – nach einmal drüber schlafen und etwas drüber nachdenken – sehe ich das anders.

Bedeutet es tatsächlich, dass ich kein Sicherheitsbedürfnis mehr habe, wenn ich unter unendlich vielen Möglichkeiten wählen kann, dass ich in einem Raum voller offener Türen stehe, nach Herzenslust hin- und hergehen kann und auch jederzeit in einen Raum zurückkehren kann? Tatsächlich glaube ich, dass das Beharren auf vielen Möglichkeiten sogar ein größeres Sicherheitsbedürfnis bedeutet. Wenn ich meine eine Türe öffne, hindurch gehe, sie hinter mir schließe und mir damit den Weg zurück versperre, bin ich bereit, ein Risiko einzugehen – das Risiko, dass ich auf meinem Weg scheitere. Ich bin gezwungen, darauf zu vertrauen, dass vor mir alles gut wird. Dass vor mir Menschen auf mich warten, die mich auf meinen Weg auffangen, die mich begleiten, die mich stützen. Dass ich mit den Situationen, die vor mir liegen, umgehen kann, dass ich an ihnen wachsen werde und nicht an ihnen zerbreche.

Wenn ich hingegen viele Möglichkeiten habe, viele Optionen, dann minimiere ich das Risiko, dass ich scheitere. Ich probiere halt die eine Türe aus, und wenn mir das dahinter nicht gefällt, kann ich immer noch dahin zurückgehen, von wo ich gekommen bin. Auch, wenn es mir in dem Ursprungsraum nicht so 100%ig gefallen hat, denn wieso wäre ich sonst weggegangen? Für mich hat die 1000-Türen-Option irgendwie den schalen Beigeschmack „ja, jetzt gefällt’s mir nicht, wo ich bin, also schau ich mal, ob’s woanders besser ist. Wenn’s mir nicht gefällt, dann komme ich einfach gleich wieder zurück. Und selbst, wenn es woanders besser ist, vielleicht ist’s dort eines Tages in der Zukunft nicht mehr so schön, und dann kann ich immer noch hierher zurückkommen.“ – das klingt für mich nach Rückschritt, nicht nach Weiterentwicklung.

Freiheit ist es wohl dann, wenn ich nicht immer gezwungen bin, in den Raum mit den vielen Türen zurück zu kehren, sondern hin und wieder eine Türe hinter mir zuschlagen kann. Genauso, wie ich nicht immer gezwungen bin, jede Türe hinter mir zuzuknallen, vielleicht lohnt sich ab und zu ein kleiner Blick zurück…

Dienstag, 28. April 2009

factor happiness

All jenen, die sich sehr für das Thema "Glück" interessieren, sei dieser Blog sehr ans Herz gelegt. Spannende Gedankengänge von einem spannenden Menschen :-)

Mittwoch, 1. April 2009

Zukunftsgespräche

Heute früh, 8 Uhr morgens, Autobus von Klo'burg nach Wien. Neben mir stehen 2 Schüler, ich schätze, maximal 17 Jahre alt. Der Eine hat mit Dreadlocks und Fetzenlook genau jenes Aussehen, das ihm von einigen Erwachsenen den Satz "aus dem wird nie was werden" einbringt.

Worüber unterhalten sich die beiden Kids? Computerspiele? Parties? Alk und Zigaretten? Womöglich gespickt mit "heast, Oida" und in dieser unendlich gedehnten und genuschelten Sprechweise, die grad bei den Teenies "in" ist, wo ich immer den Drang unterdrücken muss, dass ich den betreffenden Jugendlichen durchschüttle und sage "kannst den Mund bitte aufmachen, wenn du sprichst, damit man dich versteht"?

Nein, es ging im gestochensten Hochdeutsch um die politische Korrektheit des Begriffes "Islamismus" und wie dieser Begriff von einigen österreichischen Parteien eingesetzt wird.

Danke für diese 5 Minuten, die ich mit euch Beiden verbringen durfte - ihr habt mir wieder dieses gewisse Quentchen an Hoffnung geschenkt, dass "die Jugend von heute" nicht nur Komasaufen, Parties und Fremdenhass im Kopf hat, sondern dass diese jungen Leute tatsächlich an unser aller Zukunft interessiert sind.

Ein Stern...

Meins :-)

n669311731_1680831_242757

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

hehe.. naja, also zumindest...
hehe.. naja, also zumindest so reden als würdest...
Laru - 9. Sep, 17:18
dazu hab ich eine frage:...
dazu hab ich eine frage: wie kann ich mir zeit für...
ambi (Gast) - 8. Sep, 14:17
*griins*
Naja, also ich würde sagen, wenn du dir wirklich...
Laru - 2. Sep, 19:04
kein nicken ;o)
zu deinem statement: Jeder besorgte Freund, jeder...
ambivalence (Gast) - 1. Sep, 15:11
liebenswert
Liebe Julia, Du bist ein ungeheuer liebenswerter und...
caro (Gast) - 30. Aug, 19:22
hey laru! das institut,...
hey laru! das institut, wo ich den practicioner mache,...
drewshine - 2. Aug, 16:15
..ohne mich allzu genau...
..kommt es mir doch hin und wieder so vor, dass NLP...
Laru - 31. Jul, 11:27
ein kollege von mir wohnt...
ein kollege von mir wohnt auch im 12., und bei dem...
drewshine - 30. Jul, 09:49
Unglaublich, ja. Uns...
Unglaublich, ja. Uns hat der Hagel im 12. Bezirk auch...
nömix - 29. Jul, 18:37
???
Wenn sowohl von "ihm" als auch von "ihr" verlangt wird...
Zorro (Gast) - 25. Jul, 13:53

Worth to be read...


Antoine de Saint-Exupéry, Antoine de Saint Exupéry
Der Kleine Prinz



David Schalko
Frühstück in Helsinki


Thomas Glavinic
Das bin doch ich


Daniela Zeller, Robert Kratky, Thomas Wizany
Die ganze Wahrheit über ...



Daniel Glattauer
Gut gegen Nordwind




Mark Buchanan
Small Worlds

Deine Stimme gegen Armut

Deine Stimme gegen Armut

Suche

 

Status

Online seit 1021 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 9. Sep, 17:18

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page

twoday.net AGB

Haftungshinweis

Ich erklären hiermit ausdrücklich, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der hier verlinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seiten auf dieser Homepage. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Besucher seit 26.02.2008


Kategorie: today's quote
Kategorie: today's song
Kategorie: today's special
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren